Heimatloser Retter

Griechische Münzen des Altertums

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Dapsul
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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Dapsul » Mo 01.12.14 10:45

Zu den "Festprägungen" gibt es jetzt den sehr kritischen Artikel von Johannes Nollé, "Panegyris Coinages" - Eine moderne Geisterprägung, Chiron 44, 2014, 285-323.

Altamura2
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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Altamura2 » Di 02.12.14 18:58

Ah, besten Dank für den Hinweis! Dann muss ich mal schauen, wie und wann ich mir den Artikel besorgen kann. Das wäre ja eine passende Lektüre für die Festtage :wink: .

Gruß

Altamura

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Altamura2 » Sa 14.02.15 18:54

Altamura2 hat geschrieben:... Das wäre ja eine passende Lektüre für die Festtage :wink: ...
Das hat leider nicht geklappt, da sich irgend jemand die ganze Schwarte über die gesamte Zeit zwischen den Jahren ausgeliehen hatte :? . Inzwischen hab' ich mir das Papier aber besorgt und auch gelesen :D .

Die wesentliche Kritik von Nollé an der Deutung von Selene Psoma besteht darin, dass er die dort diskutierten Münzen nicht ausschließlich als Festmünzen sieht, die nur zur Verwendung während der jeweiligen Panegyrien ausgegeben wurden. Derartige Prägungen sind aus seiner Sicht zwar schon von Tempeln (als Prägeherr im Sinne einer juristischen Person) herausgegeben worden, hatten aber je nach lokalem und geschichtlichem Kontext ganz unterschiedliche Anlässe und Funktionen.
  • In Perge erfolgte in hellenistischer Zeit der gesamte Münzausstoß im Namen der Artemis Pergaia, eine eigenständige städtische Prägung gab es nicht. Der Tempel versorgte die Stadt mit dem gesamten für die Wirtschaft notwendigen Münzgeld, von kleinen Bronzemünzen bis hin zu Tetradrachmen.
  • Die selteneren Tetradrachmen der Athena Nikephoros aus Pergamon oder des Zeus Soter aus Klazomenai sieht Nollé als zu einem bestimmten Anlass produzierte Gedenkmünzen, die in eher kleinen Auflagen hergestellt wurden.
  • Die pergamenischen Bronzemünzen wurden nach dem Ende des pergamenischen Reichs zur Deckung des lokalen Kleingeldbedarfs unter der römischen Herrschaft von verschiedenen Tempeln ausgegeben (dazu verweist Nollé auf J. Chameroy, Chronologie und Verbreitung der hellenistischen Bronzeprägungen von Pergamon: der Beitrag der Fundmünzen, Chiron 42, 2012, 131-181, hab' ich aber nicht gelesen :? ).
Warum man die Erkenntnis „Tempelgeld ja, aber nicht ausschließlich für Panegyrien“ unter der sensationsheischenden Bezeichnung „Eine moderne Geisterprägung“ verkaufen muss, hat sich mir jetzt nicht erschlossen :wink: , aber ansonsten sind die Argumente von Nollé klar und nachvollziehbar sowie reichlich mit Literaturzitaten unterfüttert.

Meine kleine Münze, mit der ich diesen Thread begonnen hatte, kommt bei Nollé aber leider auch nicht vor :? .

Gruß

Altamura

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Altamura2 » So 05.04.15 17:46

Altamura2 hat geschrieben:... Meine kleine Münze, mit der ich diesen Thread begonnen hatte, kommt bei Nollé aber leider auch nicht vor :? . ...
Sie hat inzwischen aber Verstärkung durch eine größere bekommen:
Dios_Sotero_03b.JPG
Diese sieht zwar genauso aus wie die anderen, wiegt 5,39 g und hat einen Durchmesser zwischen 17 und 19 mm (der Schrötling ist augenscheinlich etwas unrund :wink: ). Es hat da also ein zweites Nominal gegeben.

Das mit der Legendeneinteilung scheinen die Stempelschneider nicht ganz im Griff gehabt zu haben, denn hier steht am Ende des ΣΩΤΗΡΟΣ klar und deutlich ein Sigma, allerdings ist das Rho zwischem dem Eta und dem Omikron allenfalls als ein reingequetschtes Etwas zu erahnen, wenn denn überhaupt vorhanden :wink: .

Mal schauen, was da noch so auftaucht.

Gruß

Altamura

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Iulia » Sa 06.02.16 21:20

Hallo Altamura,
Angeregt durch Dein Verschieben dieses Münztyps zu den INCERTI habe ich noch ein Exemplar Deines Typs im Netz gefunden, das offenbar erst nach Deinem ersten posting publiziert worden ist:
https://diva.sfsu.edu/bundles/220269
Es handelt sich um das Exemplar der Lindgren collection, das im San Francisco State University Museum gelandet ist. Angaben zu Größe und Gewicht kann ich nicht entdecken, es ist also nicht klar, ob es sich hier um das kleinere oder größere Nominal handelt. Man ist nicht schlauer als wir. Offenbar hat man die Münze einfach nach Agrigent gelegt, obwohl der bei Hoover 2, 154 beschriebene und abgebildete Typ von Agrigent eindeutig nicht identisch ist:
Der Adler steht da nämlich n. rechts und wendet seinen Kopf zurück und Durchmesser und Gewicht sind eindeutig deutlich größer und schwerer als Dein größeres Nominal, nämlich zwischen 20 - 25 mm und 6,29 - 10,66g, mal abgesehen vom völlig anderen Stil. Hier nochmal das Vergleichsstück:
http://www.magnagraecia.nl/coins/Area_I ... C_123.html

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Altamura2 » Sa 06.02.16 22:03

Iulia hat geschrieben:... Es handelt sich um das Exemplar der Lindgren collection, das im San Francisco State University Museum gelandet ist. ...
Über den war ich auch schonmal gestolpert, aber da die Bestimmung grottenfalsch und das Bild grottenschlecht sind (dass die sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten da keine besseren Fotografien leisten können :? ), hab' ich diesen Fund nicht weiter erwähnt. Dass dies allerdings die Sammlung Lindgren ist, hatte ich nicht bemerkt 8O .
Iulia hat geschrieben:... Angaben zu Größe und Gewicht kann ich nicht entdecken, es ist also nicht klar, ob es sich hier um das kleinere oder größere Nominal handelt. ...
Ich vermute mal, dass es eher das größere Nominal sein wird. Wenn man nämlich andere Exemplare aus der Sammlung betrachtet, in Isegrim dann das Gewicht dazu nachschaut (kleinasiatische Münzen aus der Sammlung Lindgren sind in Isegrim enthalten) und dann die Münzen anhand der Schriftgrößen auf den Zetteln vergleicht, auf denen die Münzen liegen, dann müsste es eben eher die größere Variante sein. Wobei dieses Verfahren aber mit einer gewissen Restunsicherheit behaftet ist :wink: .
Iulia hat geschrieben:... Der Adler steht da nämlich n. rechts und wendet seinen Kopf zurück und Durchmesser und Gewicht sind eindeutig deutlich größer und schwerer als Dein größeres Nominal, nämlich zwischen 20 - 25 mm und 6,29 - 10,66g, mal abgesehen vom völlig anderen Stil. Hier nochmal das Vergleichsstück:
http://www.magnagraecia.nl/coins/Area_I ... C_123.html ...
Genau, hatte ich weiter oben ja schonmal erwähnt :D .

Gruß

Altamura

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Iulia » Sa 11.11.17 17:15

Hier ist noch ein weiteres Exemplar dieser unbekannten Prägestätte, das kleine Nominal mit 11 mmm Durchmesser und 2,00g, bei dem man sehr gut als Randbegrenzung das Wollband erkennen kann. Ich denke, dass der Zeustempel, der diese Münzen herausgegeben hat, mindestens in einer Gegend, die an Syrien angrenzte, gelegen hat.
Dateianhänge
Dios Soteros, 11 mm, 2,0g-.jpg
numismatiklanz, ebay, Okt. 17, it. 232527050986
Dios Soteros, Rv-.jpg

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Altamura2 » Sa 11.11.17 19:50

Iulia hat geschrieben:... Hier ist noch ein weiteres Exemplar dieser unbekannten Prägestätte, ...
Ja, die tauchen immer wieder mal auf. Es weiß aber leider immer noch niemand, woher sie nun genau stammen :( .

Gruß

Altamura

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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Xicht » Di 01.09.20 00:15

Hallo! Ich weiß, die Diskussion ist schon eine Weile her, aber ich habe da etwas gefunden:


https://www.ma-shops.de/stollhoff/item.php?id=16241

Altamura2
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Re: Heimatloser Retter

Beitrag von Altamura2 » Di 01.09.20 09:53

Xicht hat geschrieben:
Di 01.09.20 00:15
... Ich weiß, die Diskussion ist schon eine Weile her, aber ich habe da etwas gefunden: ...
Münzen mit einem Zeuskopf vorne und einem Adler hinten gibt es wie Sand am Meer, das alleine reicht nicht :? . Da müsste schon auch die Legende irgendwie übereinstimmen.

Gruß

Altamura

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