antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Griechische Münzen des Altertums

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Chandragupta
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antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Beitrag von Chandragupta » Di 18.12.18 13:49

Hallo liebe Griechenfreunde,

zum Thema im Betreff habe ich mal in einem bereits seit langem bestehenden Thread bei den Römern etwas off topic als "Blick über den Tellerrand" eine interessante Tetradrachme des Seleukos VI von Syrien mit m.E. zweifelsfrei antiken Beschädigungen vorgestellt, die ich als eine Art "Damnatio Memoriae" deuten würde: http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... 03#p500903
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Re: antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Beitrag von Altamura2 » Do 20.12.18 09:11

Chandragupta hat geschrieben:... mit m.E. zweifelsfrei antiken Beschädigungen vorgestellt, die ich als eine Art "Damnatio Memoriae" deuten würde ...
Das vermag ich jetzt gar nicht zu erkennen :? .

Um von einer Damnatio zu reden, müsste man aus meiner Sicht schon mehr als ein Beispiel anführen können. Wenn ich bei Seleucid Coins Online nachschaue, dann finde ich bei diesem Typ kein einziges Beispiel mit einer solchen Verstümmelung: http://numismatics.org/sco/id/sc.1.2405
Es gibt auch einen Artikel von Arthur Houghton zur seleukidischen Münzprägung in Seleukeia am Kalykadnos ("The Royal Seleucid Mint of Seleucia on the Calycadnus", in Le Rider, Jenkins, Waggoner, Westermark, "Kraay-Mørkholm Essays. Numismatic Studies in Memory of C.M. Kraay and O. Mørkholm", Louvain-La-Neuve 1989: https://www.academia.edu/8889545/The_Ro ... Calycadnus ), in dem auch dieser Münztyp behandelt wird. Es findet sich aber kein Wort über irgendwelche absichtlichen Münzbeschädigungen.
Heißt für mich: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer :| .

Auf griechischen Münzen sind Herrscherportraits häufig idealisiert und nicht individuell. Bei seleukidischen Münzen ist es oft so, dass man den Herrscher am Portrait gar nicht erkennt. In dem von Dir im anderen Thread verlinkten englischen Wikipedia-Artikel steht sogar, dass die Portraits von Seleukos VI absichtlich der Physiognomie seines Vaters angepasst wurden, um damit etwas mehr Legitimation zu erzeugen. Wenn man also gar nicht recht erkennt, gegen wen sich der Unmut richtet, schränkt das die Wirkung einer solchen Aktion deutlich ein.

Wenn ich mir das Muster auf der Münze anschaue, dann sieht das eher zufällig als absichtlich angebracht aus. Ich glaube da eher an einstürzende Neubauten denn an eine absichtliche Manipulation :D .

Gruß

Altamura

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Chandragupta
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Re: antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Beitrag von Chandragupta » Do 20.12.18 11:30

Altamura2 hat geschrieben:Wenn ich mir das Muster auf der Münze anschaue, dann sieht das eher zufällig als absichtlich angebracht aus. Ich glaube da eher an einstürzende Neubauten denn an eine absichtliche Manipulation :D
Schrieb ich ja: Definitiv keine Schwerthiebe, sondern irgendein stumpfer Gegenstand. Vielleicht nur ein gelangweilter/frustrierter/mit seinen finanziellen Verhältnissen unzufriedener ... Soldat/Beamter/Bürger/... - oder gar nur ein Spielkind? :wink:

Nein, für eine "echte" Art griechischer Vorwegnahme der römischen ("offiziellen"/staatlichen...) Damnatio Memoriae in Bezug auf griechische Herrscher gibt's m.W. eigentlich gar keine definitiven Hinweise. Oder bin ich diesbezüglich fachlich nicht auf dem Laufenden? Aber schon seltsam, daß hier offenbar einer wie verrückt auf dem Avers einer Tetradrachme dieses kurzlebigen Herrschers herumgeklopft zu haben scheint. Eine Tetradrachme war damals viel Geld - auch wenn die Hellenistische Deflation Anfang des 1. Jh. v.u.Z. schon fast zu Ende war: Das war vergleichbar einem heutigen 200-€-Schein!!

Außerdem ist die Münze aus einer relativ seltenen Serie ("AP PI" als Beizeichen/Monogramm). Sie stammt nämlich aus einer Spezialsammlung, wo sie das einzige Belegstück für diesen Subtypus war. Ansonsten legt sich ja ein ernsthafter Griechensammler so eine "potthäßliche Gurke" nicht in die Sammlung...
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Re: antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Beitrag von Altamura2 » Do 20.12.18 12:43

Irgendwie machst Du jetzt einen Rückzieher :wink: .

Oben war noch von "eine Art "Damnatio Memoriae" " die Rede, jetzt heißt es
Chandragupta hat geschrieben:... für eine "echte" Art griechischer Vorwegnahme der römischen ("offiziellen"/staatlichen...) Damnatio Memoriae in Bezug auf griechische Herrscher gibt's m.W. eigentlich gar keine definitiven Hinweise. ...
Ja was denn nun?
Chandragupta hat geschrieben:... daß hier offenbar einer wie verrückt auf dem Avers einer Tetradrachme dieses kurzlebigen Herrschers herumgeklopft zu haben scheint. ...
Das glaub' ich gar nicht. Vermutlich wird die Münze irgendwann einen Schlag abbekommen haben, beispielsweise beim Einsturz eines Hauses nach Brand oder Erdbeben.
Und selbst wenn das ein Mensch war, dann eben ein numismatisch irrelevanter Einzeltäter, Verrückte gab es auch schon bei den Alten Griechen :D .
Chandragupta hat geschrieben:... Außerdem ist die Münze aus einer relativ seltenen Serie ("AP PI" als Beizeichen/Monogramm). ...
Das ist richtig. Houghton nennt in seinem von mir zitierten Artikel nur ein einziges ihm bekanntes Exemplar in Paris, das ist dieses hier: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b ... k=579402;0

Gruß

Altamura

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Chandragupta
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Re: antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Beitrag von Chandragupta » Do 20.12.18 20:16

Altamura2 hat geschrieben:Irgendwie machst Du jetzt einen Rückzieher :wink: .

Oben war noch von "eine Art "Damnatio Memoriae" " die Rede, jetzt heißt es
Chandragupta hat geschrieben:... für eine "echte" Art griechischer Vorwegnahme der römischen ("offiziellen"/staatlichen...) Damnatio Memoriae in Bezug auf griechische Herrscher gibt's m.W. eigentlich gar keine definitiven Hinweise. ...
Ja was denn nun?
Nix Rückzieher! :wink:

"Eine Art" (sowie "Damnatio Memoriae" in distanzierenden Gänsefüßchen) ist ersichtlich was nur grob Vergleichbares, während ich mit "echter DN" das römische Konzept meinte: Und das war zumindest nach meinem Kenntnisstand in dieser radikalen Konsequenz den Griechen kulturell fremd. Dein Verweis auf einen (privaten) "Spinner" geht genau in die Richtung, die mir auch vorschwebte. Eben eine Art privater(!) "Abrechnung" mit Seleukos VI ...

Aber die Münze hat definitiv nicht nur EINEN Schlag abbekommen. "Einstürzende Neubauten" :wink: scheiden m.E. noch mehr aus als (D)ein "Spinner". :mrgreen:
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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Re: antike Beschädigungen einer Tetradrachme von Seleukos VI

Beitrag von Altamura2 » Do 20.12.18 21:13

Wenn es mit dem römischen Konzept einer Damnatio Memoriae nichts zu tun hat, dann ist es auch nicht eine Art Damnatio Memoriae. Ein Vogel Strauß ist auch nicht eine Art Elefant, zumindest nicht nach meinem Verständnis :D . Aber sei's drum.

Gruß

Altamura

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