Obol Mysien

Griechische Münzen des Altertums

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stilgard
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Obol Mysien

Beitrag von stilgard » Sa 05.01.19 10:18

Hallo Sammlergemeinde,

bisher habe ich mich mit griechischen Münzen nicht beschäftigt, möcht aber trotzdem ein paar schöne Belegstücke für meine Sammlung haben.
Bei Künker hab ich diesen Obol gefunden, der mir auf anhieb optisch sehr gut gefällt.
Was die Originalität angeht, muß ich mir wohl keine Gedanken machen, zumindest gehe ich davon mal aus. Passt sonst alles an dem Stück? Kann man es bedenkenlos kaufen?

https://www.ma-shops.de/kuenkeramdom/item.php?id=11826

Welchen Kaufwert hatte eigentlich ein Obol? Mit welchen Münzen der Römerzeit kann man dieses Nominal gleichsetzen?

Gruß und danke
Alex

Altamura2
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Re: Obol Mysien

Beitrag von Altamura2 » Sa 05.01.19 11:46

stilgard hat geschrieben:... Was die Originalität angeht, muß ich mir wohl keine Gedanken machen ...
Richtig. Das Teil ist aber etwas korrodiert (diese netzartige Struktur auf der Oberfläche, läuft manchmal auch unter "Kristalliesierung"), und Künker gehört bestimmt nicht zu den preisgünstigsten Anbietern :? .
... Welchen Kaufwert hatte eigentlich ein Obol? ...
Das ist schwierig zu beantworten. Das antike griechische Geld gab es ja ein paar Jahrhunderte lang, da gab es sozusagen auch ordentliche Kursschwankungen. Man geht grob davon aus, dass eine Drachme (also sechs Oboloi) der Tageslohn eines Hopliten oder eines ausgebildeten Handwerkers war (siehe z.B. auch hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Greek_drachma#Value).
... Mit welchen Münzen der Römerzeit kann man dieses Nominal gleichsetzen? ...
So ganz direkt mit gar keinen. Das ist, als ob Du Münzen aus dem achtzehnten Jahrhundert mit heutigen Euros vergleichen willst, das ist nur bedingt sinnvoll. In gewisser Weise war der römische Denar der Republikzeit ein Konkurrenzprodukt zur griechischen Drachme. Man kann aber schon fragen: zu welcher denn? Es gab da eine Vielzahl an unterschiedlichen Gewichtsstandards, die nicht alle kompatibel waren.

Gruß

Altamura

stilgard
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Re: Obol Mysien

Beitrag von stilgard » Sa 05.01.19 19:17

Hallo Altamura,

Vielen Dank für deine Ausführungen, sehr interessant sind auch die Informationen bei wikipedia zu dem Thema.

das die Oberfläche korridiert ist, hätte ich jetzt nicht erkannt, kenne ich von der Römern eher nicht, zumindest ist es mir als relativer Anfänger bisher nicht aufgefallen. Schade, für mich als Erhaltungssammler ist das korrodierte eher nicht so interessant, wobei das Stück schon sehr schön ausgeprägt ist, besonders der Löwe.


Gruß
Alex

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Re: Obol Mysien

Beitrag von Peter43 » Sa 05.01.19 22:21

Eine wunderschön Münze mit großem eye appeal!

Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Obol Mysien

Beitrag von stilgard » So 06.01.19 14:35

danke für deine Bewertung, Jochen. Ich bin noch am Überlegen, ob ich die Münze nehme wegen der korrodierten Stellen, obwohl die starke Prägung schon für einen Kauf sprechen würde.....


Gruß
Alex

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Re: Obol Mysien

Beitrag von stilgard » So 06.01.19 18:42

noch ein paar Fragen.
Wie entsteht so eine netzartige Korrosion? Kommt sowas häufiger bei Griechen vor da ich das bei Römern nicht kenne?
Kann so eine Korrosion fortschreiten, oder ist das harmlos und braucht keine Behandlung?

Gruß
Alex

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Re: Obol Mysien

Beitrag von shanxi » Mo 07.01.19 10:42

stilgard hat geschrieben: Wie entsteht so eine netzartige Korrosion?
Vermutlich ein gemischter Prozess aus kristalliner Umstrukturierung (kristalline Verbesserung) des Silbers und einer Auftrennung von an sich gutem Silber und geringen Kupferbeimischungen. Oftmals (aber nicht immer) gibt es eine dünne geschlossene Silberschicht an der Oberfläche. Werden die abgetrennten Kupferanteile weg-oxidiert (natürlich oder bei kräftiger Reinigung) ist das Netzwerk deutlicher sichtbar.

stilgard hat geschrieben: Kommt sowas häufiger bei Griechen vor da ich das bei Römern nicht kenne?
Kommt bei Griechen relativ häufig vor, bei Römern auch, da aber oftmals eher granulär. Gute Frage warum. Netzwerke sieht man vor allem bei gutem Silber.
stilgard hat geschrieben: Kann so eine Korrosion fortschreiten, oder ist das harmlos und braucht keine Behandlung?
Da schreitet nichts fort.

stilgard
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Re: Obol Mysien

Beitrag von stilgard » Mo 07.01.19 11:22

danke shanxi für die interessanten Erläuterung, das Thema Metall/Edelmetall ist wirklich eine Wissenschaft für sich, werde mich diesbezüglich mehr damit befassen.
Kann man davon ausgehen, dass griechische Münzen grundsätzlich einen besseren Silbergehalt hatten wie römische (die ganz frühe Kaiserzeit vielleicht ausgenommen)?

Gruß
Alex

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Re: Obol Mysien

Beitrag von shanxi » Mo 07.01.19 12:29

Da stellt sich natürlich die Frage was man alles zu den "Griechen" zählt, und über welche Zeit wir sprechen.

Für die "klassischen" griechischen Münzen von Magna Graecia bis Kleinasien trifft das idR zu.

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Re: Obol Mysien

Beitrag von Altamura2 » Fr 11.01.19 17:25

Es gibt aber auch das Phänomen der Billonmünzen, wo man ganz bewusst Silber mit Kupfer legiert hat. Die findet man auch schon sehr früh, z.B. bei Münzen aus Lesbos:
https://www.acsearch.info/search.html?t ... d&company=

In Karthago wurden in schlechten Zeiten auch Billonmünzen mit stark reduziertem Silbergehalt geprägt: https://www.acsearch.info/search.html?id=5293780
Vermutlich gibt es noch mehr Beispiele.

Gruß

Altamura

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