Athen - Tetradrachme - Athena / Eule

Griechische Münzen des Altertums

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antisto
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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von antisto » So 27.12.20 11:50

Zu Nr. 2 - der Hieb noch um einiges extremer - 17,2 g, würde mich eure Beurteilung interessieren.
Mir fällt die ungewöhnlich kleine Schritft des A TH E ins Auge, und auch die Ornamentik des Athenahelmes ist außergwöhnlich.
Könnte es sich hier um eine zeitgenössische östliche Imitation handeln, und wenn ja, wo ließe sich diese am ehesten ansiedeln?
AS
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Eule2a.jpg
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antisto

Altamura2
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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von Altamura2 » So 27.12.20 13:24

Das sind interessante Stücke, vor allem die zweite hat wirklich einen sehr speziellen Charakter :D .
antisto hat geschrieben:
So 27.12.20 11:50
... Mir fällt die ungewöhnlich kleine Schritft des A TH E ins Auge ...
Das spricht in meinen Augen dafür, dass es sich um eine etwas frühere Variante als die Massenprägung von circa 454-404 v. Chr. handelt.
Diese früheren Varianten haben eben die etwas kleinere Schrift, außerdem haben die Augen der Eulen etwas kleinere Pupillen:
https://www.acsearch.info/search.html?id=7585854
https://www.acsearch.info/search.html?id=7634497
https://www.acsearch.info/search.html?id=7591011
https://www.acsearch.info/search.html?id=7591013
antisto hat geschrieben:
So 27.12.20 11:50
... Könnte es sich hier um eine zeitgenössische östliche Imitation handeln, und wenn ja, wo ließe sich diese am ehesten ansiedeln? ...
Glaube ich nicht, was da in den letzten Monaten in Massen auf den Markt kommt, scheint alles aus Athen zu stammen. Man findet deshalb auch fast keine darunter, die die typischen östlichen Punzen aufweisen.

Generell ist die Datierung der Eulen und auch die Frage, was Imitation und was Original ist, ein schwieriges Thema, bei dem es in der Wissenschaft vielleicht immer noch keine Einigkeit gibt :? . Man hat Prägestempel für die Münzen in Ägypten gefunden, auch die Levante wird als Herkunftsort für Imitationen genannt. Woran genau man Imitationen erkennt, ist aber umstritten.

Gruß

Altamura

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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von antisto » So 27.12.20 14:05

Die Vermutung, dass es sich hier um eine frühere Prägung handelt, hatte ich auch schon. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal gegenüber den späteren Prägungen ist für mich hier die Stellung des Eulenkopfes. Bei den späteren Stücken ist der gerade, bei diesen früheren leicht schräg, also in einer Linie mit dem Rumpf. Dieses Merkmal sehe ich bei meiner zweiten vorgestellten Münze auch, habe es aber dann doch mit dem starken Prüfhieb erklärt, durch den der Eulenkopf rechts wegklappt. Hier ist bei einem Gewicht von 17,2 g ja nichts ausgebrochen, das Münzbild oben auf dem Revers ist lediglich auseinandergezogen.
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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von Amentia » So 27.12.20 15:01

Wie ist denn die Stempelstellung bei der zweiten Münze?

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Re: Athen - Tetradrachme - Athena / Eule

Beitrag von Amentia » So 27.12.20 15:15

Hat jemand hier genauere Informationen zu den Stempelstellungen der Athener Eulenprägungen?
Mir ist aufgefallen, dass die Massenprägungen häufig eine Stempelstellung von ca 270 oder 280 Grad haben.
Die früheren Prägungen seinen eine ander Stempelstellung zu haben.
Die Stempelstellung kann helfen um offizielle Prägungen von antiken imitationen zu unterscheiden falls diese nicht auch die Stempelstellung kopiert haben, Prägungen zeitlich einzuordnen und moderne Fälschungen zu entdecken, wenn Fälscher die Stempelstellung nicht oder nicht richtig kopiert haben.

Anbei Bilder meiner Eulen mit auf den Bildern ablesbarer Stempelstellung (habe die vorsichtig über die Seite umgedreht).

Und Bilder Seite 59 + 60 aus "Les monnaies grecques et l'orientation des axes", von F. D. Callatay

Edit: Bild Seite 61 hinzugefügt (Bild 1 ganz oben)
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Seite 61.jpg
Avers.jpg
Revers.jpg
Seite 60.jpg
Seite 59.jpg
Zuletzt geändert von Amentia am So 27.12.20 17:13, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von antisto » So 27.12.20 15:18

90 Grad. Also wenn ich die Athenaseite wende, steht die A TH E-Schrift auf dem Kopf unten.
Bei meinen anderen beiden Athen-Tetras steht die Schrift oben, also 270 Grad.
Ist das nicht eher Zufall?
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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von antisto » So 27.12.20 15:23

Ich habe noch eine Drachme aus Attica, die auf mich eher archaisch wirkt (schätzungsweise vor 454 vC). Die hat auch 90 Grad.
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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von Amentia » So 27.12.20 15:23

Das mit der Stempelstellung ist wohl kein Zufall, die Stempelstellung kann man bei den NGC eingekapselten Münzen ja immer gut bestimmen (wenn die, die Münze in der Kapsel zeigen) und die sind bei Massenprägungen wohl sehr häufig bei um die 280-260 Grad aber die Stempel waren wohl nicht fixiert und gibt wohl Ausnahmen, die Frage ist halt was es mit den Ausnahmen auf sich hat, sind das spezielle Prägeserien, frühere oder spätere Serien, antike Imitationen etc.,
Ich habe 5 klassische Prägungen davon 3 mit 280 Grad und 2 mit 170 Grad.
Zufall?
Zur Stempelstellung der Eulenprägungen siehe "Les monnaies grecques et l'orientation des axes", von F. D. Callatay"
habe die relevanten Seiten 59+60 angehängt.

Habe meine Eulen mit Stempelstellung hier gepostet "Athen - Tetradrachme - Athena / Eule"

viewtopic.php?f=49&t=37846&start=30

Edit Seite 61 hinzugefügt (Bild 1)
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Seite 61.jpg
Seite 59.jpg
Seite 60.jpg
Zuletzt geändert von Amentia am So 27.12.20 17:13, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Athen - Tetradrachme - Athena / Eule

Beitrag von Numis-Student » So 27.12.20 15:28

Hier noch ein schönes Profifoto von meiner Eule.

Schöne Grüße
MR
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IMG_20201227_152711_026.jpg

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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von antisto » So 27.12.20 15:36

Leider reicht mein Französisch nicht, aber immerhin ist das Bild aussagekräftig.
Ja, so sehen meine anderen beiden Tetras von der Stmpelstellung her aus, und eben bei dieser zweiten genau andersherum.
Anbei noch Bilder von der Drachme, die ebenfalls 90 Grad Stempelstellung hat. Leider schlecht aufgenommen, aber sicherlich ausreichend, um einen Eindruck vom "Charakter" der Münze zu bekommen.
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Drachme1.jpg
Drachme2.jpg
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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von Heraklion » So 27.12.20 15:38

Tolle Eulen zeigst du uns da,
ich persönlich finde die 2 charmanter.
LG

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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von antisto » So 27.12.20 15:42

Der Vollständigkeit halber noch meine dritte (und teuerste) Tetradrachme, wie die 1 mit 270 Grad Stempelstellung.
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Eule1-klein.JPG
Eule 2-klein.JPG
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Re: Athen - Tetradrachme - Athena / Eule

Beitrag von Heraklion » So 27.12.20 15:42

Hallo Amentia,
du hast echt tolle Eulen.

Ich finde immer noch die auf dem Tablet oben rechts am charmantesten.
Allerdings hat die 2 von oben rechts gesehen ein wirklich schönen Quadratum Incusum (allerdings mit Bild) ;-)
LG

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Re: Athen - Tetradrachme - Athena / Eule

Beitrag von Numis-Student » So 27.12.20 15:47

Heraklion hat geschrieben:
So 27.12.20 15:42
Hallo Amentia,
du hast echt tolle Eulen.

Ich finde immer noch die auf dem Tablet oben rechts am charmantesten.
Allerdings hat die 2 von oben rechts gesehen ein wirklich schönen Quadratum Incusum (allerdings mit Bild) ;-)
LG
Da kann man nur zustimmen.

Ich finde die zwei mittleren besonders gut, aber eigentlich sind alle 4 Stücke weit überdurchschnittlich schön.

MR

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Re: Günstige "Eulen" mit Charakter

Beitrag von Amentia » So 27.12.20 15:48

Es scheint so dass die Prägestätte in Athen zu einem bestimmten Zeitpunkt angefangen hat alle oder fast alle Münzen mit einer Stempelstellung von 270-280 Grad zu prägen. Callatay scheint sich selbst nicht sicher zu sein da er hinter das Jahr 425 ein Fragezeichen stellt, er wirft zumindest eine Jahreszahl in den Raum. Deine zweite Eule scheint ja stilistisch eine der früheren Prägungen zu sein und die haben ja gerade in er Regel nicht die später übliche Stempelstellung. Die Stempelstellung könnte zur Datierung verwendet werden dafür müsste man halt wissen seit wann diese üblich war und was mit den Ausnahmen ist.

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