Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Griechische Münzen des Altertums

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antoninus1
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von antoninus1 » Di 18.05.21 09:13

Zu Beckers Zeiten und natürlich davor gab´s ja noch keine Fotografien. Das Aussehen der Münzen war nur durch Zeichnungen bekannt, die den Stil der Münzen schlecht wiedergaben. Und ein Gewicht war da wohl nie angegeben. Da konnte man Sammler, die neu zu sammeln begannen, begierig nach Raritäten waren oder auch keinen Blick für Stilfragen hatten (gibt´s heute trotz Bilderflut ja immer noch :) ), leicht täuschen.
Gruß,
antoninus1

Altamura2
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von Altamura2 » Di 18.05.21 10:27

Es gibt da eine Untersuchung von Noah Kaye, "The Silver Tetradrachms of Prousias II of Bithynia", American Journal of Numismatics (1989-) , 2013, Vol. 25 (2013), pp. 21-48 :D : https://www.academia.edu/3407973/The_Si ... umismatics_
Kaye hat da vor allem in Auktionskatalogen alle Exemplare zusammengetragen, deren er habhaft werden konnte (insgesamt 187), und einer Stempelstudie unterzogen.
Nach grobem Überfliegen ergibt sich da folgendes Bild:
  • Die Münzen wurden nach einem reduzierten attischen Standard geprägt, mit einem Durchnittsgewicht von 16,61 g. Sein leichtestes Exemplar wiegt 13,81 g (und sieht auch nicht irgendwie beschädigt aus), das ist nicht mehr so weit weg von den 13,5 hier.
  • Die Münzen weisen alle auf dem Revers ein oder zwei Monogramme auf. Mit einer einzigen Ausnahme (die mir deshalb schon verdächtig vorkommt, sie stammt aber aus einem Hortfund), befinden sich diese Monogramme alle links des Zeus, auch wenn es zwei gibt. Es gibt keine einzige Münze mit einem Monogramm links und einem rechts, so wie auf der Münze hier.
  • Die Monogramme auf der Münze hier scheint es schon zu geben. Allerdings unterscheiden sich die verschiedenen Monogramme teilweise nur sehr marginal voneinander. Da diejenigen auf der Münze hier nicht mehr sehr klar zu erkennen sind, kann man sie im Detail vielleicht nicht mehr eindeutig zuweisen.
Die Positionierung der zwei Monogramme zusammen mit dem Untergewicht deuten mir jetzt schon eher in Richtung Fälschung :? .

Es könnte sich prinzipiell aber auch um eine zeitgenössische Imitation handeln, zu solchen hab' ich aber nichts gefunden.
Auch eine neu aufgetauchte Variante wäre möglich, da wäre das gleichzeitig auftretende Untergewicht aber schon ein arger Zufall. Wobei das Exemplar aus dem Kaye-Artikel mit dem Monogramm auf der rechten Seite zeigt, dass es vereinzelte Ausnahmen bei der Monogrammpositionierung gibt.

Gruß

Altamura

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Amentia
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von Amentia » Di 18.05.21 11:12

Wo finde ich denn ein Bild zu dem Stück mit 13,81g?
Der Artikel von Kaye ist ja leider ohne Bilder/Bildtafeln bzw mir werden da keine angezeigt.
Das mit 13,81 könnte eine zeitgenössische Fälschung (Suberat), eine antike Imitation, eine echte aber kristallisierte Münze oder moderne Fälschung sein.
Interessant wäre es zu wissen, ob es stempelgleiche Stücke gibt zu der mit 13,81g oder Stempelverbindungen zu anderen Stücken , wenn ja was wiegen die?

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von Altamura2 » Di 18.05.21 12:58

Amentia hat geschrieben:
Di 18.05.21 11:12
... Der Artikel von Kaye ist ja leider ohne Bilder/Bildtafeln bzw mir werden da keine angezeigt. ...
Mist, die academia.edu-Version ist ohne Tafeln, das hatte ich gar nicht bemerkt :? (ich hab' mir den Artikel über JSTOR besorgt, da sind sie dabei).

Die Münze ist auf Tafel 16 als Nummer 76 abgebildet, sie scheint einen etwas kleineren Durchmesser zu haben als die anderen.
Amentia hat geschrieben:
Di 18.05.21 11:12
... Interessant wäre es zu wissen, ob es stempelgleiche Stücke gibt zu der mit 13,81g oder Stempelverbindungen zu anderen Stücken , wenn ja was wiegen die? ...
Das siehst Du auch in der academia.edu-Version, da sind bei jedem Stück die Stempel und das Gewicht angegeben. Die leichte ist auf Seite 40 die Nummer 112.

Gruß

Altamura

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Amentia
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von Amentia » Di 18.05.21 13:35

Ich habe mir den Artikel auf jostor mit Bildtafeln angeschaut.
Leider sind die Bilder nicht besonders gut, die Exemplare 111-113 stammen anscheinend alle von dem Avers Stempel O46.
Nur den bei 112 verwendeten Revers Stempel R73 konnte ich nirgends finden.
Das angeblich Gewicht 13,81g von 112 ist zu niedrig, wenn man bedenkt, dass sonst alle anderen Stücke in Corpus normal Gewicht habe oder man den Gewichtsverlust durch Abnutzung/Korrosion oder Kristallisation mit oder ohne Abplatzungen erklären kann. ich denke, dass das Stück 112 entweder kristallisiert ist, dadurch kann duchaus einiges an Gewicht verloren gehen oder Auktionshaus hat einen Zahlendreher in der Gewichtsangabe oder sich verwogen (passiert häufiger als man denkt).

https://www.jstor.org/stable/43580624?r ... b_contents

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von Altamura2 » Mi 19.05.21 09:40

Amentia hat geschrieben:
Di 18.05.21 13:35
... dass das Stück 112 entweder kristallisiert ist, dadurch kann duchaus einiges an Gewicht verloren gehen oder Auktionshaus hat einen Zahlendreher in der Gewichtsangabe oder sich verwogen (passiert häufiger als man denkt). ...
Oder da hat mal jemand was abgehobelt, das würde zu der etwas geringeren Größe passen.
Wenn Du bei acht Münzen jeweils zwei Gramm wegnimmst, dann kannst Du Dir daraus eine neunte machen :D .

Gruß

Altamura

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten (Griechen)

Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 19.05.21 16:06

Deshalb wäre das eben mein erster Gedanke bei der jetzt zur Diskussion stehenden Münze gewesen. Oder jemand wollte die Münze als Schmuck fassen und hat sie daher schön rund abgeschliffen.

Homer
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