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Athener Münzen
Verfasst: Fr 18.07.25 15:34
von Braunschweiger
Ich habe mir ein recht seltenes Stück zugelegt:
Attika – Athen
ca. 255-240 v. Chr. (Heterogener Stil)
AR Hemidrachme 13 mm, 2,06 g.
Vs. Kopf der Athena mit attischem Helm nach rechts mit Pflanzentrieb im Quadridigité-ähnlichem Stil.
Rs. A[Θ]E. Eule steht frontal nach vorn, darüber zwei Olivenzweige.
Ref. Kroll (2013), Chronology, S. 44, Abb. 1.4.
J. H. Kroll ging ursprünglich davon aus, dass Athen nach der Ankunft von Antigonos Gonatas erst im 2. Jahrhundert v. Chr. offizielle Münzen prägte. Christophe Flament glaubt, dass diese heterogenen Typen in Athen geprägt wurden, und hat innerhalb dieses Stils sechs Gruppen identifiziert. 2013 revidierte Kroll seine Ansicht und schloss, dass dieser vorliegende Münztyp doch in der Mitte des 3. Jahrhunderts in geringer Stückzahl geprägt wurde, um in Athen stationierte Soldaten zu besolden. Die vorliegende Münze ist stempelgleich mit der im Kroll-Artikel abgebildeten Hemidrachme.
Re: Athener Münzen
Verfasst: Fr 18.07.25 22:20
von Altamura2
Braunschweiger hat geschrieben: ↑Fr 18.07.25 15:34
... Ich habe mir ein recht seltenes Stück zugelegt:

...
Ja, die ist interessant

.
Braunschweiger hat geschrieben: ↑Fr 18.07.25 15:34
...
Die vorliegende Münze ist stempelgleich mit der im Kroll-Artikel abgebildeten Hemidrachme. ...
Ich glaube nicht, dass sie das ist

. Wenn man den Artikel von Kroll vorliegen hat (der heißt übrigens vollständig "On the chronology of third-century BC Athenian silver coinage", ist erschienen in der RBN 104, 2013, S. 33-44, und kann hier besichtigt werden

:
http://www.numisbel.be/2013_2.pdf ) und die Abbildung 1.4 mit der Münze hier vergleicht, dann mag der Avers schon stepelgleich sein, auf dem Revers unterscheiden sich aber die Punkte auf dem Bauch der Eule in meinen Augen schon deutlich

.
Gruß
Altamura
Re: Athener Münzen
Verfasst: Sa 19.07.25 04:10
von Braunschweiger
Altamura2 hat geschrieben: ↑Fr 18.07.25 22:20
Ich glaube nicht, dass sie das ist

. Wenn man den Artikel von Kroll vorliegen hat (der heißt übrigens vollständig "On the chronology of third-century BC Athenian silver coinage", ist erschienen in der RBN 104, 2013, S. 33-44, und kann hier besichtigt werden

:
http://www.numisbel.be/2013_2.pdf ) und die Abbildung 1.4 mit der Münze hier vergleicht, dann mag der Avers schon stepelgleich sein, auf dem Revers unterscheiden sich aber die Punkte auf dem Bauch der Eule in meinen Augen schon deutlich

.
Lieber Altamura,
danke für deine Rückmeldung! Ja, ich war in meiner Beschreibung ungenau. Die Rückseite ist nicht stempelgleich, ich bezog mich tatsächlich hier nur auf die Vorderseite - das war mir ja auch wichtig.
Viele Grüße
Olaf
Re: Athener Münzen
Verfasst: Sa 25.10.25 16:02
von Braunschweiger
Vielleicht das mit am schlechtesten erhaltene Exemplar, was ich gesehen habe, aber es ist jetzt meins und es gefällt mir. Wenn ich diese winzige Münze in der Hand halte, stelle ich mir vor, wie die alten Athener früher damit gezahlt haben.
Was für mich natürlich cool ist: Es ist meine älteste athenische Münze und eine der ersten Typen, die dort geprägt wurden.
Attika – Athen
ca. 545-515 v. Chr. (Wappenmünze)
AR Hemiobol 6,6 mm, 0,2 g.
Vs. Vierspeichiges Wagenrad.
Rs. Viergeteiltes Quadratum Incusum.
Ref. HGC 4, 1675; Seltman 1924, Gruppe B.
Schönes Wochenende!
Re: Athener Münzen
Verfasst: Sa 25.10.25 21:31
von Altamura2
Braunschweiger hat geschrieben: ↑Sa 25.10.25 16:02
... Es ist meine älteste athenische Münze und eine der ersten Typen, die dort geprägt wurden. ...
Vielleicht aber auch nicht

.
Es gibt inzwischen Händler, die das als thrako-makedonische Prägung aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. bezeichnen:
https://www.acsearch.info/search.html?id=11428316
https://www.acsearch.info/search.html?id=11891492
https://www.acsearch.info/search.html?id=12725135
Das wesentliche Argument ist, dass auf den Münzen Athens das Incusum immer durch zwei diagonal verlaufende Linien unterteilt wird, hier verlaufen diese aber parallel bzw. rechtwinklig zu den Rändern.
Verwiesen wird da noch auf A. Tzamalis, "Uncertain Thraco-Macedonian Coins", NK 16-18 (1997-1999), auf das ich aber keinen Zugriff hab'.
Das ist jetzt nicht schön, aber vielleicht auch nicht völlig aus der Luft gegriffen

.
Gruß
Altamura
Re: Athener Münzen
Verfasst: So 26.10.25 04:03
von Braunschweiger
Altamura2 hat geschrieben: ↑Sa 25.10.25 21:31
Es gibt inzwischen Händler, die das als thrako-makedonische Prägung aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. bezeichnen:
Das wesentliche Argument ist, dass auf den Münzen Athens das Incusum immer durch zwei diagonal verlaufende Linien unterteilt wird, hier verlaufen diese aber parallel bzw. rechtwinklig zu den Rändern.
Verwiesen wird da noch auf A. Tzamalis, "Uncertain Thraco-Macedonian Coins", NK 16-18 (1997-1999).
Danke, Altamura!
War ja klar, dass du noch was findest. :/
Ist sicherlich interessant (das geringere Gewicht hatte ich auf die Korrosion geschoben), ich gucke ab jetzt mal genauer drauf. Aber erst einmal bleibt sie in der Sammlung, ich finde eh' so schnell keinen Ersatz dafür. (Und die meisten Händler haben das ja noch nicht übernommen, Naumann hat dieses Jahr fast die gleiche verkauft. Aber es würde auch die relativ hohe Stückzahl dieses Wappenmünzentyps erklären.)
Re: Athener Münzen
Verfasst: Mi 11.02.26 15:37
von Braunschweiger
Mein Vorsatz bis März bis zum Kaufen meiner ersten Münze zu warten hat nur bis Anfang Februar gehalten. Hier ist meine erste Münze des Jahres (kein Traumstück, aber doch nicht uninteressant):
Attika – Athen
ca. 270-261 v. Chr.
Æ 14 mm, 2,23 g.
Vs. Kopf der Athena mit korinthischem Helm nach rechts.
Rs. AΘE. Eule steht sich nach rechts, Kopf nach vorn gedreht, rechts nicht erkennbares Symbol.
Ref. HGC 4, 1728.
Hintergrund: Die Münze wurde im Vorfeld oder während des Chremonideischen Krieges geprägt. In diesem Krieg, der nach dem führenden athenischen Politiker, dieser Zeit benannt wurde, versuchte sich Athen mit anderen griechischen Stadtstaaten und Unterstützung von Ptolemaios II. gegen die Oberherrschaft von Antigonos II. Gonatas aufzulehnen. Dies endete jedoch mit der Belagerung und Aufgabe Athens.
Re: Athener Münzen
Verfasst: Do 26.02.26 11:12
von Braunschweiger
So, mein zweiter Anlauf, um eine "Wappenmünze" in meine Sammlung zu bekommen:
Attika – Athen
ca. 545-515 v. Chr. (Wappenmünze)
AR Obol 9,5 mm, 0,5 g.
Vs. Vierspeichiges Wagenrad.
Rs. Quer viergeteiltes Quadratum Incusum.
Ref. HGC 4, 1653; Seltman, Gruppe B, Tafel IV, ν, ξ; Svoronos 1975, Tafel 1, 60-61 (aktualisiert).
Das etwas geringere Gewicht würde ich mit Korrosionsvorgängen erklären.
Re: Athener Münzen
Verfasst: Do 26.02.26 17:31
von Altamura2
Braunschweiger hat geschrieben: ↑Do 26.02.26 11:12
... So, mein zweiter Anlauf, um eine "Wappenmünze" in meine Sammlung zu bekommen: ...
Diesmal scheint es geklappt zu haben

.
Braunschweiger hat geschrieben: ↑Do 26.02.26 11:12
... Svoronos 1975, Tafel 1, 54-56 ...
Charakteristisch für das Exemplar hier sind auf dem Rad die dreiteiligen Speichenenden. Bei Svoronos (warum eigentlich 1975

?) sind das aber die Nummern 60 und 61, die von Dir genannten haben gerade Speichenenden:
https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b ... r/f15.item
Hier noch ein Exemplar aus Berlin mit weiterer Referenz zum Kroll:
https://ikmk.smb.museum/object?id=18226247
Gruß
Altamura