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fragliche Tetradrachme
Verfasst: Sa 06.06.26 07:02
von Münzsammler2007
Hallo,
ich besitze diese "Tetradrachme", sie wiegt 12,43 Gramm und hat einen Durchmesser von etwa 2,45 cm; sie ist nicht magnetisch.
Nun habe ich einige Fragen dazu:
- Ist sie überhaupt ein Original oder könnte es sich um eine (zeitgenössische) Fälschung handeln?
- Vorausgesetzt es handelt sich um ein Original:
Gibt es eine Idee zum Prägeort?
zum Prägezeitraum?
und zum dazu passenden Herrscher?
Ich bedanke mich jetzt schon einmal sehr herzlich für die Hilfe und wünsche noch ein schönen Tag
Münzsammler2007
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: Sa 06.06.26 07:08
von Braunschweiger
Münzsammler2007 hat geschrieben: ↑Sa 06.06.26 07:02
- Ist sie überhaupt ein Original oder könnte es sich um eine (zeitgenössische) Fälschung handeln?
Hallo Münzsammler2007!
Das ist ein billiger, moderner Guss, also moderne Fälschung!
Echte Tetradrachmen von Alexander haben real ein Gewicht von ca. 16,6-17,2 g und hätten kein so verschwommenes Münzbild.
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: Sa 06.06.26 09:44
von Chippi
Leider eindeutig ein schlechter Guss, modernen Ursprungs.
Gruß Chippi
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: Sa 06.06.26 11:10
von Altamura2
Münzsammler2007 hat geschrieben: ↑Sa 06.06.26 07:02
... Vorausgesetzt es handelt sich um ein Original: ...
Das ist jetzt schade, dass die Münze hier eine moderne Fälschung ist

, sie ahmt aber Münzen nach, die es tatsächlich gegeben hat. Vorbild ist eine Serie von Tetradrachmen im Namen des Alexander III, die auf dem Revers unten das Prägejahr in phönizischen Zahlzeichen trägt (kann man auf dem Machwerk hier aber nicht mehr lesen

) und zwischen etwa 245 und 215 v. Chr. in Arados in Phönizien geprägt wurde, also gut hundert Jahre nach Alexanders Tod. Einen "passenden Herrscher" gibt es in diesem Sinne nicht, die Stadt Arados war damals autonom

.
Details dazu kann man lesen in Frédérique Duyrat, "La politique monétaire d'Arados : les alexandres (IVe-IIe s. avant notre ère)", Topoi. Orient-Occident. Supplément 4, 2003 =>
https://www.persee.fr/doc/topoi_1764-07 ... t_4_1_2855
Echte Münzen dieser Serie sieht man hier =>
https://numismatics.org/pella/results?q ... lm&start=0
Gruß
Altamura
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: So 07.06.26 07:09
von Münzsammler2007
Hallo,
vielen lieben Dank für die umfassenden Informationen! Ich hatte das schon befürchtet, nun habe ich Gewissheit - schade...
Ich hätte nur noch eine kleine Nachfrage: Woran kann man erkennen, dass es sich um eine moderne Fälschung handelt - wo lägen Unterschiede zu einer antiken Fälschung?
Vielen lieben Dank und noch einen schön Tag
Münzsammler2007
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: So 07.06.26 09:39
von Braunschweiger
Münzsammler2007 hat geschrieben: ↑So 07.06.26 07:09
Hallo,
vielen lieben Dank für die umfassenden Informationen! Ich hatte das schon befürchtet, nun habe ich Gewissheit - schade...
Ich hätte nur noch eine kleine Nachfrage: Woran kann man erkennen, dass es sich um eine moderne Fälschung handelt - wo lägen Unterschiede zu einer antiken Fälschung?
Vielen lieben Dank und noch einen schön Tag
Münzsammler2007
Antike "Fälschungen" umfassen eine größere Gruppe an verschiedenen Phänomenen:
1. Das sind zum einen suberate Stücke, also Münzen, die z. B. einen Bronzekern statt einen Edelmetallkern haben. Da kann man auch schon mal den Originalstempel verwendet haben.
2. "Barbarische" Imitationen: Münzen, die im Aussehen den "echten" Münzen nachempfunden wurden. Sie weichen im Aussehen und den Details, vielleicht auch der Schrift von den "Originalmünzen" ab.
Gemeinsam ist diesen Münzen, dass sie geprägt und nicht gegossen wurden. Daher haben sie nicht dieses schwammige Aussehen wie bei deiner Münze. Sie haben auch Sammlerwert, vor allem Imitationen.
Moderne Fälschungen können auch geprägt sein, vgl. die entsprechenden Seiten dazu hier im Forum. Wurden Transferstempel verwendet, ist es sehr aufwändig und schwer diese Münzen als Fälschung zu entlarven. Moderne Fälschungen haben keinen Sammlerwert.
Es gibt darüber hinaus noch historische Fälschungen (aus der Renaissance oder die Becker-Fälschungen z. B.), die für manchen auch noch Sammlerwert haben.
Diese ganzen Fälschungen kann man nur durch ein langes Beschäftigen mit den antiken Münzen identifizieren.
Weiterhin viel Freude beim Sammeln!
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: So 07.06.26 10:33
von Altamura2
Münzsammler2007 hat geschrieben: ↑So 07.06.26 07:09
... Woran kann man erkennen, dass es sich um eine moderne Fälschung handelt - wo lägen Unterschiede zu einer antiken Fälschung? ...
So schlecht gemacht, wie die Münze hier, waren antike Fälschungen nicht, die wären nämlich sofort als solche aufgeflogen

.
Braunschweiger hat geschrieben: ↑So 07.06.26 09:39
... Antike "Fälschungen" umfassen eine größere Gruppe an verschiedenen Phänomenen: ...
Vor allem dienten die antiken Fälschungen und die Imitationen unterschiedlichen Zwecken.
- Die Fälschungen wollten durch Betrug einen Gewinn für den Hersteller erwirtschaften
. Die sollten genauso aussehen und genauso viel wiegen wie die Originale, in der Herstellung aufgrund des Bronzekerns aber billiger sein.
- Die Imitationen sollten in einer Region die Geldversorgung sicherstellen
. Sie waren meist aus gutem Metall, wogen oft etwas weniger als die Vorbilder und waren häufig wegen ihres anderen Stils auf den ersten Blick als Imitationen zu erkennen (zu all dem gibt es aber auch Ausnahmen
). Hier sollte niemand betrogen werden, man wollte einfach was zum Bezahlen haben.
Gruß
Altamura
Re: fragliche Tetradrachme
Verfasst: So 07.06.26 18:32
von Münzsammler2007
Aaaah, wieder was gelernt
Vielen lieben Dank nochmal für all die Infos,
liebe Grüße
Münzsammler2007