Altamura2 hat geschrieben: ↑Di 09.06.26 22:24
... An die Thesen von Burns glaube ich auf den ersten Blick also nicht so recht, und ob ich mir die Zeit nehme, da genauer reinzuschauen, weiß ich nicht

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Mittlerweile hab' ich mir das Buch doch ein wenig genauer angeschaut (die pdf-Datei, besten Dank dafür

), meine Skepsis ist aber nicht verflogen

. Ein paar Gründe dafür will ich hier mal schildern.
War Marathos jemals ptolemäisch besetzt?
Einer der Angelpunkte von Burns Argumentation ist die Aussage, dass Marathos ab 302 v. Chr. von Ptolemaios I besetzt wurde und phasenweise ab 273 v. Chr. und wieder ab 216 v. Chr. dort unter ptolemäischer Herrschaft Münzen geprägt wurden (siehe beispielsweise Seite 7 und 31). Dass Marathos jemals ptolemäisch beherrscht wurde, ist aber nicht nachgewiesen, heute geht man davon aus, dass dies nicht der Fall war. Hier drei Beispiele dazu:
John D. Grainger beschreibt den Konflikt zwischen Ptolemäern und Seleukiden in "Hellenistic Phoenicia", Oxford 1991, derart, dass die Ptolemäer den Fluss Eleutheros nie nach Norden überschritten haben und die gesamte Peraia von Arados damit nie ptolemäisch beherrscht war (siehe beispielsweise Seite 41 und Seite 52) =>
https://de.scribd.com/document/638323026/Untitled
In Cornelis G. den Hertog, "Erwägungen zur Territorialgeschichte Koilesyriens in frühhellenistischer Zeit", Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 111, 1995, S. 168-184, geht es auch um die Abgrenzung des ptolemäischen und des seleukidischen Herrschaftsbereichs in Phönizien =>
https://www.jstor.org/stable/27931523
Auf Seite 169 schreibt er dazu "Die Stadtgebiete von Marathos und Arados im Norden sind auf keinen Fall mittelbar oder unmittelbar mit den Ptolemäern liiert gewesen, [...] vielmehr haben sie zum seleukidischen Machtgebiet gehört."
Und schließlich gibt es einen Artikel von Frédérique Duyrat, die ja nun eine ausgewiesene Expertin der Münzprägung des nördlichen Phönizien ist, in dem sie die Grenze zwischen dem seleukidischen und dem ptolemäischen Gebiet untersucht: "La frontière entre les possessions lagides et séleucides en Syrie", in Gilles Gorre und Perrine Kossmann (Hrsg.), "Espaces et territoires de l'Egypte gréco-romaine : actes des journées d'étude, 23 juin 2007 et 21 juin 2008", Genf 2013, S.1-25, leider nicht online verfügbar

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Auf Seite 3 wird mit Bezug auf Henri Seyrig explizit festgestellt, "... que les limites sud de la pérée aradienne, sans doute tracées par le cours du fleuve Éleuthéros, marquaient aussi la frontière avec les terres lagides." (auf Deutsch in etwa "... dass die südlichen Grenzen der aradischen Peraia, die zweifellos durch den Lauf des Flusses Eleutheros gezogen waren, zugleich die Grenze zu den lagidischen Gebieten bildeten.").
Wenn man in Marathos eine ptolemäische Münzprägung nachweisen will, dann sollte man diese Literatur kennen und sich mit ihr auseinandersetzen, was Burns in seinem Buch leider nicht getan hat

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Die Landkarte, die auf Seite 15 als Abbildung 3 gezeigt wird, markiert zwar Arados und seine gesamte Peraia als ptolemäisch beherrscht, stammt aber laut Beschriftung von einer dubiosen Internetseite thearchaeologist.org , der ich nichtmal entnehmen kann, von wem sie betrieben wird und wer dahintersteckt. Gefunden hab' ich die Karte dort dann auch nicht, sehr seriös sieht das nicht aus

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Ist die Dargestellte auf den Münzen in "ptolemäischem Stil" eine ägyptische Herrscherin?
Auf Münzen unter Seleukos IV und Antiochos gibt es ebenfalls die Darstellung eines verschleierten Frauenkopfs nach rechts, der in diesem Fall aber als Laodike IV gedeutet wird, die Schwester und Gemahlin des Antiochos IV. Siehe dazu beispielsweise Panagiotis Iossif und Catharine Lorber, "Laodikai and the Goddess Nikephoros", L'antiquité classique, Tome 76, 2007, S. 63-88 =>
https://www.academia.edu/959662/Laodika ... 07_p_63_88
Die Familienverhältnisse dieser Laodike sind zwar nicht ganz geklärt, einen Bezug zum Ptolemäerreich hatte sie aber nicht.
Aus der Darstellung eines verschleierten Frauenkopfs nach rechts kann man allein also keine Herkunft aus dem Ptolemäerreich ableiten. Diese Argumentation taucht übrigens schon im Artikel von Henri Seyrig von 1964 auf, "Monnaies hellénistiques XII. - Questions aradiennes", Revue numismatique 1964, S. 9-50, den hatte ich oben bereits zitiert =>
http://www.persee.fr/doc/numi_0484-8942 ... m_6_6_1091 .
Wie hat Marathos seine angeblich unter ptolemäischer Herrschaft hergestellten Münzen datiert?
Laut Burns wurden die ersten unter ptolemäischer Herrschaft in Marathos geprägten Münzen nach den Regierungsjahren des Ptolemaios I datiert, wie es auch in Ägypten üblich war, siehe Seite 26.
Wenn es dann um die späteren ptolemäischen Ausgaben geht, dann sollen sich die Verantwortlichen in Marathos weiter auf diese Regierungsjahre bezogen haben, die über den Tod von Ptolemaios I hinaus einfach weitergezählt wurden. Belege dafür werden nicht genannt, mir ist kein analoger Fall bei anderen ptolemäischen Münzstätten bekannt, mir erscheint diese Annahme nicht konsistent und völlig spekulativ

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Nachdem mir diese Punkte aufgefallen waren, hab' ich dann aufgehört weiterzulesen

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- Es werden hier Behauptungen ohne Nachweise oder Referenzen verwendet, Argumente werden oft nicht genannt.
- Der aktuelle Forschungsstand wird nicht diskutiert und argumentativ widerlegt, sondern ist nicht vollständig bekannt oder wird teilweise wohl bewusst ausgeblendet.
- Argumente werden stark in Richtung der postulierten Thesen hingebogen, so dass sie wenig überzeugen und oft nicht konsistent erscheinen.
Das klingt jetzt vielleicht alles etwas hart, aber überzeugen kann mich Burns mit seinen Thesen und seinem Umgang damit leider nicht

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Gruß
Altamura