III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

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III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Münzsammler2007 » Fr 02.04.21 07:53

Hallo,

weiß jemand, was der folgende Eintrag bei Numista zu den III Grossi aus Galizien-Lodomerien bedeutet:
"Copper coin for the Imperial and Royal Army"

Bedeutet dies, dass diese Kupfer-Münze lediglich an die Armee verausgabt wurde? Und war sie dann dennoch im normalen Geldverkehr zu nutzen?

Und hat jeman eine Idee zum Prägeort?

Gibt es vielleicht auch Ideen zum Prägeort anderer Münzen aus Galizien-Lodomerien?


Vielen lieben Dank und noch einen schönen Tag,
Münzsammler2007

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Basti aus Berlin
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Basti aus Berlin » Fr 02.04.21 11:21

Hey :)

Es ist Besatzungsgeld für Galizien-Ludomirien-Buchenland. Heute bekannt als Bukowina. Du musst dir die politischen Verhältnisse vor Augen führen: Die drei Teilungen erfolgten 1772, 1793 und 1795. In Polen herrschter Krieg und man konnte ein Währungssystem eines riesigen Landes nicht von hier auf jetzt ersetzen. Der deutsche Kaiser (Caesar) war gleichzeitig König von Böhmen, Ungarn und Galizien-Lodomirien (Rex). Die Arme hat quasi im Auftrag vom Kaiser gehandelt. Darum steht da auch sein Name drauf.
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Münzsammler2007 » Fr 02.04.21 12:40

Hallo,

das klingt interessant und auch irgendwie etwas kompliziert.... Vielen Dank schon mal !!

Meines Wissens nach wurde Galizien-Lodomerien durch die Teilung Polens 1772 an Östreich angeschlossen - was hat dann der deutsche Kaiser dort zu suchen?

Ich bin gespannt auf weitere Infos.

Viele Grüße,
Münzsammler2007

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Basti aus Berlin
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Basti aus Berlin » Fr 02.04.21 12:56

Das Deutsche Reich war bis 1806 eine Wahlmonarchie. Also anders als zB heute Großbritannien oder Spanien, die das Land an das älteste Kind vererben. Festgelegte deutsche Länder haben ihren Kaiser immer gewählt.

Darunter zB Sachsen, Brandenburg und Hessen. Ein anderes Wort für Wählen ist Küren. Daher die Namen Kur-Sachsen, Kur-Mark (Brandenburg) und Kur-Hessen. Jedes dieser Länder hatte eine Aufgabe. Brandenburg hat das Zepte beschützt, Bayern den Reichsapfel, Sachsen die Schwerter.

Jetzt wird es ein Bissl kompliziert: Viele Regenten im Deutschen Reich haben auch über ein Land geherrscht, welches nicht zu Deutschland gehört hat. ZB der Markgraf von Brandenburg war König von Preußen. Der Erzherzog von Österreich war König von Ungarn und hier halt auch König von Galizien-Lodomirien. Dieses Land haben die Österreicher aus den eroberten Ländern in Polen künstlich geschaffen. Und genauso wie halt Ungarn und Preußen gehörte es nicht zu Deutschland. Einfach mal grob durchlesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurf%C3%BCrst

Und hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... %C3%B6nige

Eine ganz wichtige Sache: Die meisten Leute konnten noch nicht Lesen und Schreiben. Die Soldaten, die dort eingesetzt waren haben das Wappen vom deutschen Kaiser gesehen und drei senkrechte Striche. Das heißt, sie haben gesehen, dass der Kaiser sie mit 3 (Groschen) bezahlt.

Wichtig: Hier ist nichts peinlich, blöd, naiv oder dumm. Ich helfe immer gern weiter :)
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 02.04.21 13:31

Münzsammler2007 hat geschrieben:
Fr 02.04.21 12:40
Hallo,

das klingt interessant und auch irgendwie etwas kompliziert.... Vielen Dank schon mal !!

Meines Wissens nach wurde Galizien-Lodomerien durch die Teilung Polens 1772 an Östreich angeschlossen - was hat dann der deutsche Kaiser dort zu suchen?

Ich bin gespannt auf weitere Infos.

Viele Grüße,
Münzsammler2007
Die erste polnische Teilung 1772 berührte das Hl. Röm. Reich nicht; der Erzherzog von Österreich bekam in Personalunion das aus alten polnischen Territorien gebildete Königreich Galizien und Lodomerien. Das waren die latinisierten Namen der alten slawischen Herzogtümer Halics und Wladimir. In den beiden weiteren polnischen Teilungen vergrößerte sich dieses Königreich. Der damalige Kaiser Josef II. war nach 1772 zusätzlich noch König von GuL. Dieses Gebiet wurde nicht in die Struktur des HRR eingegliedert, ebenso wie das alte Preußen polnisches Lehen war und nur durch Personalunion dem Markgrafen von Brandenburg verbunden. -Die Münzen wurden für die Armee ausgegeben, die zur Niederschlagung des polnischen Aufstands 1794 eingesetzt wurde, aber sie waren de facto allgemein gültig; schließlich sollten die Soldaten für ihren Sold ein Bier kaufen können. Ein und Drei Groschen polnisch bezog sich auf das Polnische Währungssystem. Allerdings scheint die k.k. Armee militärisch nicht viel getan zu haben, die großen Schlachten führte Preußen und Russen aus. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Münzsammler2007 » Sa 03.04.21 06:10

Vielen herzlichen Dank für alle Antworten, das ist wirklich sehr interessant!

Ich liebe es, dass man durch das Sammeln von Münzen Geschichte lernt und gleichzeitig ein Zeitdokument in den Händen hält :D

Dennoch frage ich nochmal nach: Gibt es Ideen zum Prägeort der Münzen aus Galizien-Lodomerien?


Vielen herzlichen Dank,
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Franz » So 04.04.21 12:39

Polen.jpg

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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Basti aus Berlin » So 04.04.21 13:16

Hatte ganz vergessen zu antworten. Sorry. Danke lieber Franz :)

Echt cool, wie toll du das Bild auflösen kannst. Hast doch sicher mit dem Handy ein Foto im Jaeckel fotografiert ... und wie 150 km runtergedrückt? Kriege das bei Münzen aber nicht bei Büchern hin.
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Basti aus Berlin » Mo 05.04.21 00:57

Hey noch mal :D

Zeige dir einfach mal, wie ich denke bzw. wie ich vorgehe. Achtung: Ist nicht Standard, Muss oder Maßstab. Natürlich stelle ich Fragen, aber versuche mich da auch selbst reinzulesen. Wichtig: Internet ist erst seit 2010 absolut Massentauglich und for free mit Foren von Tuning bis Kochen allgegenwärtig.

OK ... ich versuche mir immer drei Muster zu machen: Standard 1 (Deutsch), Standard 2 (Englisch) und Fachkatalog. Bei deiner Münze nehme ich die drei hier. Im Standardkatalog Altdeutschalnd ist es die Nr. 10:

Schön, Gerhard: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert 1700–1806.
Regenstauf 2008. (4. Auflage)

https://www.eurobuch.de/buch/isbn/9783866460256.html

Im US-Standardkatalog ist es die Nr. C 5:

Krause, Chester L. / Mishler, Cliffort: Standard Catalogue of World Coins 1701–1800.
Iola 2002. (3. Auflage)

https://www.eurobuch.com/buch/isbn/9780873494694.html

Und wenn es geht noch einen einheimischen Katalog. Die Perspektive der Quelle ist a) gensuer und b) werden die weiten Hintergründe erklärt. Für Polen gibt es u. A. den hier. Da ist es Nr. 480:

Kaminski, Czeslaw / Kopicki, Edmund: Katalog Monet Polskich 1764–1864.
Warschau 1976. (Erstauflage)

https://www.eurobuch.de/buch/nr/5898a81 ... b810e.html

Jetzt zum Wert: Ich nehme mal Erhaltungsgrad s/ss (Schön/Sehr Schön). Ich rudere immer eher runter, weil Kupfer angreifbarer als Gold und Silber ist. In ss (Sehr Schön) sind es 50 €/80 $/300 Zł. Man kommt also auf rund 50 €. Ich bin kein Poker Face und rudere auf 35/40 € runter. Jeder ordnet das selbst ein. Aber so ist meine Vorgehensweise. Denn du muss sehen, dass der Händler im Internet immer verdienen will. Summa Summarum: 40 € auf jeden Fall!

Erklärung dürfte gut sein, oder? :D
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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Franz » Mo 05.04.21 11:23

Hallo Basti, ich leg das meiste auf den Scanner mit 400dpi, dann verkleinere ich mit Adobe Fotoshop die Größe und dpi bis auf 150.
LG Franz

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Re: III Grossi von 1794 aus Galizien-Lodomerien

Beitrag von Basti aus Berlin » Mo 05.04.21 11:26

War das alles hilfreich? ^^

Ich mache das immer hier drüber:

https://compressjpeg.com/de/

Einfach Münzen so nah wie möglich ranzoomen, den Rand wegschneiden und dann hier verkleinern. 120/150 kb ist die Obergrenze.
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