Hallo zusammen,
vielleicht kann ich etwas Licht ins Dunkle bringen, so ich die Diskussion nicht falsch verstanden habe.
Denn die Erlärung, wie die Bistümer Bremen und Lübeck in den protestantischen Gebieten überleben konnten, ist recht einfach und es hat wenig mit "liberal sein" zu tun. Die einfache Lösung: Sie waren nicht katholisch. Die Lübecker Bischöfe waren die ersten protestantischen Bischöfe überhaupt.
Klingt vielleicht erstmal merkwürdig, aber in der Zeit des ausgehenden 16. und beginnenden 17 Jh. waren in Lübeck die Fürstbischöfe an der Macht.
Namentlich Johann Adolf 1586 bis 1607 und danach Johann Friedrich bis 1634. Beide waren übriegens Brüder und Söhne von Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf.
Beide kamen aus dem Haus Schleswig-Holstein-Gottorf und prägten auch weltliche Münzen.
Die bischöflichen Münzstätten, wie Burg auf Fehmarn oder Eutin, gab es neben den weltlichen auch (und waren berühmt berüchtigt sich nicht an die Maße zu halten).
Über den Kampf ums Erbe und wie sie ins Amt kamen könnte man eine ganze Abhandlung schreiben.
Denn Johann Aolf war erst 15 als er ins Amt sollte und die Landstände verweigerten im dies. Dazu eben der Bruder, der später auch etwas haben wollte und auch bekam (Johann Friedrich).
Wenn Ihr mögt, kann ich gerne mal mehr dazu schreiben.
Wie auch immer, Johann Adolf wurde der erste evangelische Fürstbischof zu Lübeck und der zweite evangelische Erzbischof zu Bremen.
Johann Friedrich war ebenfalls protestantischer Erzbischof von Bremen, Fürstbischof von Lübeck und Bischof von Verden.
Zu sehen ist dies auch on den Münzen.
Ich habe heute hier mal zwei Münzen angehängt und kurz beschrieben was Ihr seht:
4 Schilling nach Art der russischen Tropfkopeke o.J.:
Ihr seht Hf einen geharnischter Reiter von der rechten Seite, in der rechten Hand das nach rückwärts erhobende Schwert haltend. Vor der Brust des Pferdes das bischöfliche-lübeckische Kreuz, über / vor dem Kopf die gekreuzten Bremer Schlüssel, hinter dem Rücken des Reiters das holsteinische Nesselblatt.
Rf sieht man Schrift in 5 Reihen:
V ∙ G ∙ G ∙
IOH ∙ FRID
E ∙ B ∙ Z ∙ B ∙ V ∙
L ∙ E ∙ Z ∙ N ∙ H ∙
Z ∙ S ∙ H
Zu lesen als: Von Gottes Gnaden Iohann Friedrich, Erzbischof zu Bremen und Lübeck [...]
1/16 Taler (Dütchen) von 1616:
Ihr seht HF: 8 feldiger Wappenschild, Umschrift:
Hf. IOHAN ∙ FRID ∙ D ∙ G ∙ ARC ∙ E ∙ EP ∙ B ∙ E ∙ L ∙
Auch hier wieder EP Bremen Und Lübeck.
RF: Rf. HER ∙ NOR ∙ DVX ∙ SLES ∙ E ∙ HOL ∙ 1616 ∙
Hier sieht man auch, dass sie auch Herscher von Norwegen und Dux Schleswig und Holstein waren.
Ich hoffe, dass erklärt es etwas, wieso es im protestantischen Norden ein Bistum zu der Zeit gab und wie es überleben konnte.
Falls es Interesse gibt, kann ich auch mal mehr über die Beschöfe des 17. Jahrhunderts schreiben.
Ich hoffe mal, ich habe nun nichst am Morgen hier nach Weihnachten vertauscht / durcheinander gebracht.
Euch ein frohes Fest.
Beste Grüße
Ruford.