Kaufbeuren 1622 - Kupfergeld der Kipperzeit

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doktor
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Kaufbeuren 1622 - Kupfergeld der Kipperzeit

Beitrag von doktor » Fr 19.06.26 22:50

Kaufbeuren, Anno 1622, Münzen der Kipper- und Wipperzeit

Wer trägt sie gerne in seinem Geldsack, die 1-, 2- und 5-Centmünzen aus Kupfer?
Wer findet zuhause noch "alte" kupferne 1- und 2- Pfennigstücke, und wohin damit ?
In Italien ist „Kupfergeld“ seit Jahren „abgeschafft“, und an den Ladenkassen werden die Kupfer-Centbeträge auf- oder abgerundet, um nicht „ins Kupfer“ zu kommen.
Aus der Not hat der Volksmund aber eine Tugend gemacht und weiss: „Wer den Pfennig ! nicht ehrt, ist des Talers nicht wert !“. In Zeiten horrender Staatsverschuldung, heute: „Sondervermögen“, rechnet „Otto Normalverbraucher“, noch immer in Cent und Pfennig, und nennt das Schuldenmachen: „auf Pump leben“.
Den Werteverfall der Münze hatte die schwäbische Hausfrau in der Reichsstadt Kaufbeuren aber bereits vor langer Zeit zu gewärtigen: denn In der Kipper- und Wipperzeit Anno 1622 wurden in Kaufbeuren wie andernorts, die 1-Kreuzer-Stücke, dem Werteverfall Rechnung tragend: in Kupfer ausgeprägt !

Der verdiente Numismatiker Professor Dr. Max Bernhart, beschreibt diese Kupfernominale Kaufbeuren aus dem Jahr 1622, (siehe: Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle 1923) auf Seiten 66/67, unter „C. Kupferprägungen der Kipperzeit". Er benennt vier Varianten von Kupfermünzen als „1 Kreuzer“ mit geprägter Jahreszahl 1622, neben drei weiteren "1 Kreuzer"- Kupfermünzen von 1622 ohne Jahreszahl. Daneben gab es eine „Pfennig“-Prägung von 1622, mit Stadtwappen, ohne Jahreszahl.
Abbildungen der Aversseite der Kupfermünze mit dem Stadtschild der Reichsstadt Kaufbeuren mit den Reichsadler und dem Schrägbalken mit den zwei Sternen finden sich im Anhang des Buches von Max Bernhart unter den Nummern 241 bis 244.

Auf der web-site: Bavaricon, http://www.bavarikon.de,
ist eine solche 1 Kreuzer Kupfermünze der Reichsstadt Kaufbeuren, heute im Besitz der Staatlichen Münzsammlung München, abgebildet
Bavaricon.jpeg
Bavaricon
und beschreibend vorgestellt:
„Vorderseite: Stadtwappen in einem Perlkreis. Rückseite: Doppelköpfiger Reichsadler,
auf seiner Brust Reichsapfel mit Wertzahl.
Die Stadt Kaufbeuren war seit 1268 als Freie Reichsstadt nur dem Kaiser unterstellt. Als solche erhielt sie von Kaiser Karl V. im Jahr 1530 auch das Recht Münzen in allen Metallen und Nominalen zu prägen. Allerdings sollte die eigenständige Münzprägung erst 1540 beginnen und wurde bereits 1555 wieder eingestellt.
Nur während des Jahres 1622 wurden in der Hochphase der Kipper- und Wipperzeit nochmals Münzen in Kaufbeuren ausgegeben. Einer der 1622 ausgegebenen Münztypen war dieser undatierte Kupferkreuzer.

Eigentlich war der Kreuzer in dieser Zeit noch eine Silbermünze, aber die Geldentwertung war durch die Kipper- und Wipperzeit so stark geworden, dass sich die Prägung solcher Kleinmünzen nur noch in Kupfer rentierte. Bei der Gestaltung dieser Münzen entschied man sich in Kaufbeuren für das Stadtwappen auf der Vorderseite und den doppelköpfigen Reichsadler mit Reichsapfel und Wertzahl auf der Rückseite. Allerdings verzichtete man auf jegliche Umschrift oder Datierung“. ---

Wegen ihres geringen Nominalwertes und ihrer Ausführung in Kupfer, wurden diese Kupfermünzen, anders als ihre grösseren Nominale in Gold- und Silber- Edelmetallausprägung, über die Jahrhunderte nicht besonders wertgeschätzt: einige dieser Münzen verschwanden in den Sparstrümpfen der armen Webersleute in der Reichsstadt Kaufbeuren und haben so die Zeiten überdauert. Andere Kupfermünzen wurden eingeschmolzen. Wieder andere Kupfermünzen wurden weggetan, oder landeten in den Kriegs- und Pestzeiten des Dreissigjährigen Krieges womöglich in den Taschen der Verstorbenen einfach „im Acker". Jedenfalls sind die Kupfermünzen der Reichsstadt Kaufbeuren, geprägt im Jahr des Werteverfalls Anno 1622, heute von einiger Seltenheit. Die Kupfermünze findet sich noch gelegentlich auf den gewerblichen Seiten des Münzhandels oder des Ma-shops.

Zwei dieser Kupfermünzen der Kipper- und Wipperzeit der Reichsstadt Kaufbeuren, einmal mit Jahreszahl 1622, einmal ohne Jahreszahl, - einmal in sehr schöner Erhaltung, einmal in reduzierter Erhaltung mit deutlichen Spuren von Grünspan und stärkerem Berieb, finden sich in der Sammlung des Autors.
Es sind die Kupfermünzen:
Kaufbeuren, Stadt Kipper-Kreuzer 1622,
Künker.jpg
Künker
Erhaltung: fast ss
Katalognummer: Nau 114, Slg. Kraaz 1077
Material: Kupfer
Gewicht: 1,01 g, Durchmesser: 17 mm
Wappen mit Jahr // Doppeladler

Und: Kaufbeuren Stadt: Kipper Kupfer 1 Kreuzer o.J.
Raffelt.jpg
Raffelt
Erhaltung: s, selten !! 
Katalognummer: Nau 112
Gewicht: ca. 0,8 Gramm, Durchmesser: 15 bis 16 mm

Zwei weitere Kupfermünzen der Kipperzeit, Reichsstadt Kaufbeuren von 1622 sind:
- das beendete Angebot von Sebastian Sänn:

Kaufbeuren, Stadt Kreuzer Kipper 1622?,
Sänn.jpg
Sänn
Erhaltung: f.ss 
Katalognummer: vgl. Nau 114, Slg. Kraaz 1077
Material: Kupfer
Gewicht: 1,00 g

Und, als Besonderheit, zu finden im facebook-Eintrag des Finders der Kupfermünze, von Dennis Baumer.
Baumer1.jpg
Baumer2.jpg
Der Münzgemeinde sei hier der Text seiner Bestimmungssuche mit der Schilderung der Fundsituation mitgeteilt:
„Könnte mir jemand bei der Münze helfen?
Was ich bis jetzt erkennen konnte:
- auf der einen Seite sehe ich beim genauen Betrachten das Stadtwappen von Kaufbeuren
- auf der anderen Seite vermutlich einen Teil des Doppelkopf-Adlers
Durchmesser: ca. 16 mm
Gewicht: ca. 0,5 Gramm
Wäre froh, wenn sie jemand genauer bestimmen könnte (Alter, Währung)
Habe letztes Jahr auf dem selben Acker schon eine 3 Kreuzer Münze um 1550 aus Kaufbeuren gefunden. Vielleicht hilft das etwas“. !!!

Der Auffindungsort der gezeigten Kupfermünzen ist bezeichnend für das Verbleiben der Kupfermünzen der Kipperzeit,
wie auch anderer verloren gegangener Wertgegenstände : - - - im Acker !!! :mad:
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MartinH (Sa 20.06.26 10:40)

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