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eine harte Nuss zum Knacken: unbekannter Kipperpfennig

Verfasst: Do 13.08.26 10:27
von Pfennighüter
Hallo,

in meiner Sammlung befindet sich ein Kipperpfennig, dessen Bestimmung mir bislang nicht gelungen ist. Womöglich komme ich ja eines Tages auch selbst noch dahinter, wohin er tatsächlich gehört. Allerdings ist mir die Aussicht zu vage, ob und wann mich ein solcher Geistesblitz ereilt. Daher geht das Stück nun hier in die Runde. Vielleicht vermag ja jemand, etwas Erhellendes dazu mitzuteilen.

Früher wurden unbekannte Kipperpfennige gewöhnlich einfach unter der Grafschaft Solms abgelegt. Mittlerweile hat sich jedoch herausgestellt, dass eine solche Zuordnung in ungefähr 50 Prozent der Fälle nicht zutrifft, sondern diese vielfach Kippermünzstätten der Grafen von Sayn-Berleburg, Leiningen-Westerburg oder Nassau-Holzappel zugehören.

DSCF2834.JPG
Kipperzeitlicher Hohlpfennig, 0,23 g, 13 mm.

Das hier nun vorzustellende Exemplar ist im „Joseph“ nicht mal beschrieben, wahrscheinlich also unediert. Nach Solms passt es ohnehin nicht recht, denn die 31 Solmser Pfennige der Kleinen Kipperzeit in meiner Sammlung sind durch die Bank weg Schüsselpfennige. Das fragliche Stück hingegen ist ein Hohlpfennig, wie sie hauptsächlich während der Großen Kipperzeit im Obersächsischen Reichskreis und dem angrenzenden Niederschlesien geprägt wurden.

Abbildung 1 b.png
Rückseite.

Nun könnte man ja hoffen, dass das Wappen Aufschluss über die Zugehörigkeit liefert. Dieser Wunsch wird aber getrübt durch den sehr grob geschnittenen Stempel. Ich habe das Ding immer wieder gedreht, um ein mir vertrautes Wappen zu erahnen. Es ist mir nicht gelungen. Immerhin bin ich mir zwischenzeitlich einigermaßen sicher, wo oben und unten ist, nachdem ich so etwas wie eine Krone oder einen Henkel über dem Wappen entdeckt habe. Das Wappen selbst bleibt aber für mich rätselhaft. Es könnte sich um ein gebogenes Geweih handeln, aber was da sonst drumherum im Münzbild mit mindestens sieben Punkten und Strichen noch angedeutet wird, ist mir nicht klar. Vielleicht handelt es sich ja auch um etwas völlig anderes als ein Geweih.

Abbildung 4.png
Abzeichnung.

Mit meiner These eines Geweihs kam ich bislang jedenfalls nicht zum Ziel:
- Die Grafen von Regenstein führten ein Geweih im Wappen, allerdings ohne die auf der Münze befindlichen Punkte und Striche drumherum. Außerdem starben die Grafen von Regenstein bereits 1599 aus, wogegen die Kupfermünze sicherlich entweder der Großen oder der Kleinen Kipperzeit des 17. Jahrhunderts angehört.
- Weiterhin findet sich ein Geweih im Wappen der Familie von Bieberstein. Aus dieser Sippe haben zwar einige Familienmitglieder gemünzt, nicht jedoch der im 17. Jahrhundert allein noch existente Familienzweig in Forst/Lausitz. Eine gewisse Ähnlichkeit der Münze lässt sich darüber hinaus zum Wappen der Stadt Beeskow feststellen, die von den Biebersteins das Geweih im Wappen übernahm. Aber es bleiben mindestens vier Punkte und Striche in der Wappenzeichnung übrig, die nicht auf Beeskow passen.
- Dann gab es noch eine im 17. Jahrhundert erloschene Familie Hirschhorn im hessisch/pfälzischen Grenzgebiet, die ebenfalls ein Geweih im Wappen führte. Sie gehörte der Reichsritterschaft an und pflegte somit nicht zu münzen.

Nachdem ich das einstweilen nicht geknackt kriege, dürft ihr euch jetzt gern mal an dieser harten Nuss versuchen.

Gruß

Re: eine harte Nuss zum Knacken: unbekannter Kipperpfennig

Verfasst: Do 13.08.26 10:33
von Chippi
Gibt es in der Zeit Beischläge oder Imitationen?

Gruß Chippi

Re: eine harte Nuss zum Knacken: unbekannter Kipperpfennig

Verfasst: Do 13.08.26 10:43
von Pfennighüter
Zeitgenössische Fälschungen und Nachahmungen gibt es aus der Zeit. Nur stellt sich dann immer noch die Frage, was dort überhaupt nachgeahmt wurde.

Re: eine harte Nuss zum Knacken: unbekannter Kipperpfennig

Verfasst: Do 13.08.26 19:22
von Lackland
Hallo,

das ist tatsächlich eine sehr harte Nuss…

Ich möchte die Münze auf die Kipperzeit (1619 - 1623) datieren. Und zwar auf eine illegale Heckenmünzstätte…
Damals versuchte eben ‚Jeder‘, der die Möglichkeiten hatte, mit auf den Zug aufzuspringen und möglichst viel Geld zu verdienen.

Ich habe das Stück noch nie gesehen, möchte es aber drehen:
IMG_4412.jpeg
Ein Hirsch nach rechts?

Vielleicht doch aus dem Umkreis von Stolberg???
Vgl. https://www.acsearch.info/search.html?id=12619690
https://www.acsearch.info/search.html?id=12619691

Viele Grüße

Lackland

Re: eine harte Nuss zum Knacken: unbekannter Kipperpfennig

Verfasst: Do 13.08.26 20:30
von coin-catcher
Moin,

für mich schaut das ebenfalls nach einer Heckenmünze oder Imitation aus.

Im ersten Moment dachte ich an eine Imitation eines Küstriner Pfennigs von 1621/2. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber wer weiß. Der rechte Teil erinnerte mich sofort an den Fisch. Das Geweih könnte ein missglückterAdler sein

Sollte es tatsächlich ein Geweih sein, käme auch Beeskow in Betracht.

Gruß
cc