Die Münzprägungen von Kaufbeuren
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Die Münzprägungen von Kaufbeuren
Kriterien entwickeln für die Beurteilung „Original“ oder „Fälschung/Nachahmung“
für eine historische Münze der Reichsstadt Kaufbeuren !
Voraussetzung für die fachlich korrekte Beurteilung „Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)"
ist die fundierte Sachkenntnis über den historischen Bestand von Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren !
Nur eine intensive Befassung mit der verfügbaren Literatur und vorhandenen Informationsquellen (auch aus dem Internet)
in diesem Forschungsbereich schafft die Grundlagen für eine zutreffende Beurteilung der Echtheitsfrage.
Dem einschlägigen Interessenten stehen Literatur und Informationsquellen zur eigenen Befassung zur Verfügung !
Diese Literatur und Informationsquellen sind nachfolgend, in Auswahl/nicht in Vollständigkeit, angeführt: Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle/S. 1923
Elisabeth Nau, Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte, Freiburg 1964
Albert Rehle, Die Münzen der Stadt Kaufbeuren, Kaufbeuren 1880
Davenport, John S., German Talers 1500-1600, Frankfurt M. 1979
Kerber, Juan Otto, Zur Geschichte des Kaufbeurer Münzwesens, in: Die Stadt Kaufbeuren, Band 3, Thalhofen 2006, S. 262- 267
Wolfgang Schulten, Deutsche Münzen aus der Zeit Karls V.
Typenkatalog der Gepräge zwischen dem Beginn der Talerprägung (1484) und der dritten Reichsmünzordnung (1559), Frankfurt 1974
Internet
Numista, numista.com
https://de.numista.com › catalogue, Gegenstände Die Stadt Kaufbeuren
Alle Münzen sind dargestellt mit Bildern, Beschreibung und weiteren hilfreichen Informationen wie Material, Größe, Gewicht, Datum
coingallery, coingallery.de
https://www.coingallery.de › stadt Kaufbeuren - coingallery.de
Reichstadt Kaufbeuren Liste nach E. Nau Katalogliste mit Verweisen auf einzelne Münzen dieser Seite.
Coinarchives, CoinArchives.com
https://www.coinarchives.com › results.php
CoinArchives.com Search Results : kaufbeuren
Your search for 'kaufbeuren' matched 12 lots from auctions added in the last six months.
Numismatikforum, Beiträge:
„Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)“,
„Silberabschlag vom Dukaten 1730 Kaufbeuren“,
„Kaufbeuren 1622, Kupfergeld der Kipperzeit.
Wolfgang W. Scheibel, München 2021-2026.
bavarikon
https://www.bavarikon.de › object, Taler der Reichsstadt Kaufbeuren von 1542 – bavarikon, Kreuzer, Münzen der Kipperzeit, etc.
Deutsche Digitale Bibliothek, https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de › item
Kaufbeuren: Stadt - Deutsche Digitale Bibliothek
museum-digital:staatliche museen zu berlin
https://smb.museum-digital.de › object
Kaufbeuren: Stadt :: Münzkabinett :: museum-digital:staatliche museen … Objekt aus: Münzkabinett Das Münzkabinett zählt zu den bedeutendsten numismatischen Sammlungen der Welt.
museum-digital:baden-württemberg
https://bawue.museum-digital.de › object
Taler aus Kaufbeuren :: Münzsammlung des Sparkassenverbands
Dorotheum
https://www.dorotheum.com › de
Stadt Kaufbeuren - Münzen und Medaillen – Dorotheum
MA-Shops
https://www.ma-shops.com › altdeutschland › kaufbeuren
Kaufbeuren, Stadt günstig bei MA-Shops kaufen
Kaufbeuren, Stadt bei MA-Shops. Kauf Altdeutschland, mit Garantie bei zertifizierten Online Münzen Shops.
Weitere Adressen, Abbildungen, Auktionshäuser unter dem Stichwort, Kaufbeuren, Münzen, Medaillen,
im Internet !
Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren in Museen und Sammlungen
Staatliche Münzsammlung München
Stadtmuseum Kaufbeuren, und andernorts.
und die Exemplare in etlichen privaten Sammlungen !
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Elisabeth Nau, Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte, Freiburg 1964
Albert Rehle, Die Münzen der Stadt Kaufbeuren, Kaufbeuren 1880
Davenport, John S., German Talers 1500-1600, Frankfurt M. 1979
Kerber, Juan Otto, Zur Geschichte des Kaufbeurer Münzwesens, in: Die Stadt Kaufbeuren, Band 3, Thalhofen 2006, S. 262- 267
Wolfgang Schulten, Deutsche Münzen aus der Zeit Karls V.
Typenkatalog der Gepräge zwischen dem Beginn der Talerprägung (1484) und der dritten Reichsmünzordnung (1559), Frankfurt 1974
Internet
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Coinarchives gibt bei einer "Kaufbeuren - Suche" in der Bezahlversion 670 Ergebnisse seit 2001 aus.
AC search 404 Ergebnisse.
Und dann gibt es auch noch ältere Auktionen und die öffentlichen Sammlungen in Museen, Universitäten etc. - nicht zu vergessen die schlummernden Münzen in Privatsammlungen
Grüße
Klaus
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Und dann gibt es auch noch ältere Auktionen und die öffentlichen Sammlungen in Museen, Universitäten etc. - nicht zu vergessen die schlummernden Münzen in Privatsammlungen
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ΒIOΣ ΑΝЄΟΡΤAΣΤΟΣ ΜΑΚΡΗ ΟΔΟΣ ΑΠΑNΔΟKEYTOΣ
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
„Wer gut webt – der gut lebt !“
Münzprägung in der Reichsstadt Kaufbeuren und deren wirtschaftlichen Prämissen
In Goldukaten und Goldkronen und im Silbergeld von Talern, Halbtalern, Vierteltalern und Kreuzern baden wie im Trust von Dagobert Duck:
wer träumte nicht davon, heute – und gestern ! Der Goldschimmer und metallische Klang von Gold- und Silbermünzen wirkten magisch auf Kaiser, Könige einst, und ebenso noch heute auf die Münz-Sammler.
Über „unbekannte Münze aus Kaufbeuren (?)“, und nun focussiert auf die Münzstätte der Reichsstadt Kaufbeuren, fragen wir: Wie kommt diese Stadt Kaufbeuren im Süden des römisch-deutschen Kaiserreichs zu Reichtum und Ehre einer solch umfänglichen Münzproduktion –
Was war ihr wirtschaftliches Fundament in der Zeit der Münzprägung von 1540 bis 1555 !
- Kein Goldesel auf dem Dorfanger produzierte ja das schöne Münzgeld.
Kaufbeuren, die am Wertach-Fluss gelegene Weberstadt im geografischen Wirtschaftsraum Allgäu, Regierungsbezirk Bayerisch-Schwaben,
im Städtezusammenhang von Kempten, Memmingen, Augsburg, Ulm und München. Etwa 40 Kilometer vor den Alpenübergängen und nahe der Römerstrasse Via Claudia Augusta, der alten Handelsverbindung von Italien über Innsbruck, Füssen nach Augsburg (dem römischen Augusta Vindelicorum) gelegen. Und darüber hinaus verbunden mit den Wirtschaftsplätzen der Rheinmetropolen um Köln und den reichen Niederlanden bis hin nach Engeland.
Reichtum generierte im Hoch- und Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit das „blaue !“ Allgäu: blau blühende Leinfelder bringen in der regengesättigten Region vor den Bergen in grossen Mengen den stetig nachwachsenden Rohstoff Flachsfaser hervor für die hier in den Städten angesiedelte bedeutende europäische Textilproduktion.
Rohstoffproduktion von Flachs, die Verarbeitung durch Weberei zu Leinen- und später Barchentprodukten (unter Verwendung von Baumwolle) und die Vermarktung der Produkte durch Handel nach nah und fern, geben der gesamten Region Arbeit, Verdienst, - Reichtum.
Kaufbeuren ist in Hoch- und Spätmittelalter bis in die Neuzeit vorwiegend also eine Weberstadt, daneben Waffenschmiede, Papiermühle ab 1312, Landwirtschaftlicher Markt. In Kaufbeuren siedeln sich einflussreiche Handelsfamilien an, mit Handelsplätzen für den Fernhandel in Bozen nach Italien/Venedig, dem Tor des Orienthandels, bis hin zu den hochentwickelten flämisch-niederländischen Textilzentren. Die Sicherung des Alpenübergangs nach Italien im Hoch- und Spätmittelalter verleiht der gesamten Region eine herausgehobene politisch-strategische Bedeutung, mit einer dichten Städtelandschaft und vielen Burgen- und Kloster- und Kleinherrschaften. Durch die Fürstengeschlechter der Welfen und der schwäbischen Stauferkaiser liegt der Schwerpunkt bis zum ausgehenden Mittelalter im Süden des Reiches.
Der zur Sicherung der Lechgrenzgebiete gegen Bayern hin um 740 gegründete fränkische Königshof nannte sich zuerst „Buron“. Urkundlich erstmals erwähnt im Jahr 1116, entwickelte sich der Ort aufgrund Lage und wirtschaftlicher Bedeutung schnell um 1215 zur Stadt. Im Jahr 1240 stellt König Konrad IV. für Kaufbeuren die allererste Königsurkunde des Reiches in deutscher Sprache aus. Nach dem Tod des letzten Staufers Konradin im Jahr 1268 fällt die Stadt Beuren an das Reich. Rudolf von Habsburg verleiht der Stadt am 3. Februar 1286 das Freie Reichsstadt-Privileg nach Ulmer Rechtsvorbild. Die freie Reichsstadt benennt sich aufgrund der wachsenden Wirtschaftskraft und als Handelsort bald nach 1300 von „Buron“ nach „Kauf-“buron um, auch Kaufbira, Kaufbeiren, Kauffbeuren, Kaufbeuren. Der gespaltene Wappenschild mit Reichsadler auf der linken Seite und rechts mit dem Balken mit den Sternen, erscheint ikonisch ab dem Jahr 1449.
Die bedeutende Textilproduktion in der Region im 13. bis 15. Jahrhundert machte zunächst die Stadt Ulm zur wirtschaftlich, kulturell und auch politisch führenden Stadt des schwäbischen Bundes, mit einer hohen Einwohnerzahl um die 20.000. Die mit Kaufbeuren durch den Wertach-Fluss verbundene Stadt Augsburg, u.a. durch die Handelsfirma der Fugger reich geworden, entwickelte sich dann im 15. und 16. Jahrhundert durch ihr Finanzwesen, Fernhandel, Kunst- und Gewerbeproduktion, mit einer Einwohnerzahl von 30. bis 35.000 zu der, neben Nürnberg, führenden Stadt im Süden des Reiches. Kaufbeuren mit einer Einwohnerzahl um die 3000 bis 3500 Einwohner zählte zu den Mittelstädten.
Die räumliche Nähe von Ulm wie auch Augsburg begünstigte die gute wirtschaftliche Entwicklung Kaufbeurens und beförderte auch den städtebaulichen Ausbau der Stadt. Führende Patrizier wie der einflussreiche Faktor des Fuggerschen Silberbergbaus in Hall Georg Hörmann von und zu Gutenberg nahmen ihren Wohnsitz in Kaufbeuren.
Unter Kaiser Maximilian I. (reg. 1486 bis 1519) mit seinen ständig wechselnden Aufenthalten zwischen Innsbruck und Augsburg, wurden Kaufbeuren und auch Füssen zum vielfachen Aufenthaltsort des Kaiser: in Kaufbeuren sind wenigstens 13 Aufenthalte schriftlich dokumentiert, im nahen Füssen bis zu 37 Aufenthalte des Kaisers. Der Kaiser erwarb in Kaufbeuren am Hauptplatz des Stadt ein eigenes Patrizier- und kaiserliches Wohnhaus, heute Ort der evangelischen Dreifaltigkeitskirche. Die wirtschaftliche Blüte der Stadt Kaufbeuren setzte sich unter König Ferdinand I. und seinem kaiserlichen Bruder Karl V. fort.
Bereits von Maximilian I. angeregt, verlieh Kaiser Karl V. der Reichsstadt Kaufbeuren am 10. November 1530 das kaiserliche Reichsprivileg zur Herstellung und Ausmünzung von eigenen Silbermünzen mit dem Konterfei des Kaisers, dabei auch zur Ausprägung von Goldkronen und Goldflorinen für den internationalen Fernhandel nach Italien und Frankreich: die intensive Münztätigkeit in Kaufbeuren erfolgte dann in den Jahren 1540 bis 1555.
Die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Stadt (mit Künstlern wie Daniel Hopfer, Jörg Lederer, Hans Kels, Loy Hering, Jörg Mack, u.a) hielt bis etwa ins Jahr 1580 an. Danach machten sich im Wirtschaftsleben die erfolgten geopolitischen Veränderungen in den Fernhandelsbeziehungen bemerkbar.
Äussere und innere Religionsstreitigkeiten und kriegerische Ereignisse, der Dreissigjährige Krieg mit Pestepidemien, bewirkten grösste Bevölkerungsverluste und wirtschaftliche Stagnation der Reichsstadt Kaufbeuren. Im Jahr der Kipper- und Wipperzeit 1622 bringt die Reichsstadt Kaufbeuren noch die Kupfermünze im Wert von 1 Kreuzer heraus, danach aber keine weiteren Währungsnominale. Es folgen noch Medaillen nach, aus Anlass besonderer Jubiläen und zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten der Stadt Kaufbeuren.
„Wer gut webt, der gut lebt !“: mit der Erfindung des mechanischen Webstuhls 1785 schmolzen für Kaufbeuren auch noch die Grundlagen wirtschaftlichen Wohlstands generiert durch Handweberei dahin. Noch 1796 lebte die Hälfte des Kaufbeurer Gewerbes von der Weberei, - und verarmte weiter. Am 25. Februar 1802 beendete der Reichsdeputationshauptschluss die Jahrhunderte alte Reichsfreiheit der Stadt Kaufbeuren. Die ehemals freie Stadt Kaufbeuren wurde dem um die schwäbischen und fränkischen Gebiete erweiterten neubayerischen Staat, ab 1806 Königreich Bayern, einverleibt.
Der Strukturwandel in den Produktionsbedingungen überführte Kaufbeuren im frühen 19. Jahrhundert ins industrielle Zeitalter. Die 1839 von Wagenseil, Walch und Heinzelmann in Kaufbeuren gegründete Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei gab bis zu eintausend Webern wieder Arbeit und Brot. Bahnhofs- und Gleisbau schlossen die Stadt am 1. September 1847 an das nationale Bahnnetz an mit Absatzmärkten in der
85 Kilometer entfernten Landeshauptstadt München: für Kaufbeuren und die Region war eine neue Zeit angebrochen:
das Allgäu wandelte sich vom „blauen“ Allgäu als Hotspot der Leinenweberei hin zum „grünen“ Allgäu.
Kaufbeuren als Teil des „grünen Allgäu“, geprägt von der Verarbeitung von Produkten der Weide- und Milchwirtschaft und begehrte Urlaubs- und Touristenregion, Stichwort: historische Städtelandschaft, Berge und Seen, und: „Schloss Neuschwanstein": ein neues Allgäu-Klischee ist geboren.
Die Kreisfreie Stadt Kaufbeuren heute mit ihren über 48.000 Einwohnern ist Industrie- und Bundeswehrstandort, verarbeitendes Gewerbe, Handwerk, Tourismus, Dienstleistungs- und Schulstadt. Ab 1946 tritt Kaufbeuren-Neugablonz hinzu mit seiner bedeutenden Schmuckindustrie.
- Tänzelfest. Moderne Stadt mit einer langen Tradition.
Münzprägung in der Reichsstadt Kaufbeuren und deren wirtschaftlichen Prämissen
In Goldukaten und Goldkronen und im Silbergeld von Talern, Halbtalern, Vierteltalern und Kreuzern baden wie im Trust von Dagobert Duck:
wer träumte nicht davon, heute – und gestern ! Der Goldschimmer und metallische Klang von Gold- und Silbermünzen wirkten magisch auf Kaiser, Könige einst, und ebenso noch heute auf die Münz-Sammler.
Über „unbekannte Münze aus Kaufbeuren (?)“, und nun focussiert auf die Münzstätte der Reichsstadt Kaufbeuren, fragen wir: Wie kommt diese Stadt Kaufbeuren im Süden des römisch-deutschen Kaiserreichs zu Reichtum und Ehre einer solch umfänglichen Münzproduktion –
Was war ihr wirtschaftliches Fundament in der Zeit der Münzprägung von 1540 bis 1555 !
- Kein Goldesel auf dem Dorfanger produzierte ja das schöne Münzgeld.
Kaufbeuren, die am Wertach-Fluss gelegene Weberstadt im geografischen Wirtschaftsraum Allgäu, Regierungsbezirk Bayerisch-Schwaben,
im Städtezusammenhang von Kempten, Memmingen, Augsburg, Ulm und München. Etwa 40 Kilometer vor den Alpenübergängen und nahe der Römerstrasse Via Claudia Augusta, der alten Handelsverbindung von Italien über Innsbruck, Füssen nach Augsburg (dem römischen Augusta Vindelicorum) gelegen. Und darüber hinaus verbunden mit den Wirtschaftsplätzen der Rheinmetropolen um Köln und den reichen Niederlanden bis hin nach Engeland.
Reichtum generierte im Hoch- und Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit das „blaue !“ Allgäu: blau blühende Leinfelder bringen in der regengesättigten Region vor den Bergen in grossen Mengen den stetig nachwachsenden Rohstoff Flachsfaser hervor für die hier in den Städten angesiedelte bedeutende europäische Textilproduktion.
Rohstoffproduktion von Flachs, die Verarbeitung durch Weberei zu Leinen- und später Barchentprodukten (unter Verwendung von Baumwolle) und die Vermarktung der Produkte durch Handel nach nah und fern, geben der gesamten Region Arbeit, Verdienst, - Reichtum.
Kaufbeuren ist in Hoch- und Spätmittelalter bis in die Neuzeit vorwiegend also eine Weberstadt, daneben Waffenschmiede, Papiermühle ab 1312, Landwirtschaftlicher Markt. In Kaufbeuren siedeln sich einflussreiche Handelsfamilien an, mit Handelsplätzen für den Fernhandel in Bozen nach Italien/Venedig, dem Tor des Orienthandels, bis hin zu den hochentwickelten flämisch-niederländischen Textilzentren. Die Sicherung des Alpenübergangs nach Italien im Hoch- und Spätmittelalter verleiht der gesamten Region eine herausgehobene politisch-strategische Bedeutung, mit einer dichten Städtelandschaft und vielen Burgen- und Kloster- und Kleinherrschaften. Durch die Fürstengeschlechter der Welfen und der schwäbischen Stauferkaiser liegt der Schwerpunkt bis zum ausgehenden Mittelalter im Süden des Reiches.
Der zur Sicherung der Lechgrenzgebiete gegen Bayern hin um 740 gegründete fränkische Königshof nannte sich zuerst „Buron“. Urkundlich erstmals erwähnt im Jahr 1116, entwickelte sich der Ort aufgrund Lage und wirtschaftlicher Bedeutung schnell um 1215 zur Stadt. Im Jahr 1240 stellt König Konrad IV. für Kaufbeuren die allererste Königsurkunde des Reiches in deutscher Sprache aus. Nach dem Tod des letzten Staufers Konradin im Jahr 1268 fällt die Stadt Beuren an das Reich. Rudolf von Habsburg verleiht der Stadt am 3. Februar 1286 das Freie Reichsstadt-Privileg nach Ulmer Rechtsvorbild. Die freie Reichsstadt benennt sich aufgrund der wachsenden Wirtschaftskraft und als Handelsort bald nach 1300 von „Buron“ nach „Kauf-“buron um, auch Kaufbira, Kaufbeiren, Kauffbeuren, Kaufbeuren. Der gespaltene Wappenschild mit Reichsadler auf der linken Seite und rechts mit dem Balken mit den Sternen, erscheint ikonisch ab dem Jahr 1449.
Die bedeutende Textilproduktion in der Region im 13. bis 15. Jahrhundert machte zunächst die Stadt Ulm zur wirtschaftlich, kulturell und auch politisch führenden Stadt des schwäbischen Bundes, mit einer hohen Einwohnerzahl um die 20.000. Die mit Kaufbeuren durch den Wertach-Fluss verbundene Stadt Augsburg, u.a. durch die Handelsfirma der Fugger reich geworden, entwickelte sich dann im 15. und 16. Jahrhundert durch ihr Finanzwesen, Fernhandel, Kunst- und Gewerbeproduktion, mit einer Einwohnerzahl von 30. bis 35.000 zu der, neben Nürnberg, führenden Stadt im Süden des Reiches. Kaufbeuren mit einer Einwohnerzahl um die 3000 bis 3500 Einwohner zählte zu den Mittelstädten.
Die räumliche Nähe von Ulm wie auch Augsburg begünstigte die gute wirtschaftliche Entwicklung Kaufbeurens und beförderte auch den städtebaulichen Ausbau der Stadt. Führende Patrizier wie der einflussreiche Faktor des Fuggerschen Silberbergbaus in Hall Georg Hörmann von und zu Gutenberg nahmen ihren Wohnsitz in Kaufbeuren.
Unter Kaiser Maximilian I. (reg. 1486 bis 1519) mit seinen ständig wechselnden Aufenthalten zwischen Innsbruck und Augsburg, wurden Kaufbeuren und auch Füssen zum vielfachen Aufenthaltsort des Kaiser: in Kaufbeuren sind wenigstens 13 Aufenthalte schriftlich dokumentiert, im nahen Füssen bis zu 37 Aufenthalte des Kaisers. Der Kaiser erwarb in Kaufbeuren am Hauptplatz des Stadt ein eigenes Patrizier- und kaiserliches Wohnhaus, heute Ort der evangelischen Dreifaltigkeitskirche. Die wirtschaftliche Blüte der Stadt Kaufbeuren setzte sich unter König Ferdinand I. und seinem kaiserlichen Bruder Karl V. fort.
Bereits von Maximilian I. angeregt, verlieh Kaiser Karl V. der Reichsstadt Kaufbeuren am 10. November 1530 das kaiserliche Reichsprivileg zur Herstellung und Ausmünzung von eigenen Silbermünzen mit dem Konterfei des Kaisers, dabei auch zur Ausprägung von Goldkronen und Goldflorinen für den internationalen Fernhandel nach Italien und Frankreich: die intensive Münztätigkeit in Kaufbeuren erfolgte dann in den Jahren 1540 bis 1555.
Die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Stadt (mit Künstlern wie Daniel Hopfer, Jörg Lederer, Hans Kels, Loy Hering, Jörg Mack, u.a) hielt bis etwa ins Jahr 1580 an. Danach machten sich im Wirtschaftsleben die erfolgten geopolitischen Veränderungen in den Fernhandelsbeziehungen bemerkbar.
Äussere und innere Religionsstreitigkeiten und kriegerische Ereignisse, der Dreissigjährige Krieg mit Pestepidemien, bewirkten grösste Bevölkerungsverluste und wirtschaftliche Stagnation der Reichsstadt Kaufbeuren. Im Jahr der Kipper- und Wipperzeit 1622 bringt die Reichsstadt Kaufbeuren noch die Kupfermünze im Wert von 1 Kreuzer heraus, danach aber keine weiteren Währungsnominale. Es folgen noch Medaillen nach, aus Anlass besonderer Jubiläen und zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten der Stadt Kaufbeuren.
„Wer gut webt, der gut lebt !“: mit der Erfindung des mechanischen Webstuhls 1785 schmolzen für Kaufbeuren auch noch die Grundlagen wirtschaftlichen Wohlstands generiert durch Handweberei dahin. Noch 1796 lebte die Hälfte des Kaufbeurer Gewerbes von der Weberei, - und verarmte weiter. Am 25. Februar 1802 beendete der Reichsdeputationshauptschluss die Jahrhunderte alte Reichsfreiheit der Stadt Kaufbeuren. Die ehemals freie Stadt Kaufbeuren wurde dem um die schwäbischen und fränkischen Gebiete erweiterten neubayerischen Staat, ab 1806 Königreich Bayern, einverleibt.
Der Strukturwandel in den Produktionsbedingungen überführte Kaufbeuren im frühen 19. Jahrhundert ins industrielle Zeitalter. Die 1839 von Wagenseil, Walch und Heinzelmann in Kaufbeuren gegründete Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei gab bis zu eintausend Webern wieder Arbeit und Brot. Bahnhofs- und Gleisbau schlossen die Stadt am 1. September 1847 an das nationale Bahnnetz an mit Absatzmärkten in der
85 Kilometer entfernten Landeshauptstadt München: für Kaufbeuren und die Region war eine neue Zeit angebrochen:
das Allgäu wandelte sich vom „blauen“ Allgäu als Hotspot der Leinenweberei hin zum „grünen“ Allgäu.
Kaufbeuren als Teil des „grünen Allgäu“, geprägt von der Verarbeitung von Produkten der Weide- und Milchwirtschaft und begehrte Urlaubs- und Touristenregion, Stichwort: historische Städtelandschaft, Berge und Seen, und: „Schloss Neuschwanstein": ein neues Allgäu-Klischee ist geboren.
Die Kreisfreie Stadt Kaufbeuren heute mit ihren über 48.000 Einwohnern ist Industrie- und Bundeswehrstandort, verarbeitendes Gewerbe, Handwerk, Tourismus, Dienstleistungs- und Schulstadt. Ab 1946 tritt Kaufbeuren-Neugablonz hinzu mit seiner bedeutenden Schmuckindustrie.
- Tänzelfest. Moderne Stadt mit einer langen Tradition.
- doktor
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
"Landsknechte als Fahnenschwinger", hier: Titel Kauffbeuren"
aus dem Heraldikbuch "Wapen des heyligen Römischen Reichs Teutscher Nation",
1545 herausgegeben von Jakob Kögel Frankfurt/Main, 2. Auflage 1579. Grafik von Jakob Kallenberg, Holzschnitt coloriert, 21,9 x 14,2 cm.
Unter dem Datum 10. November 1530
verlieh der Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation Karl V. zu Augsburg
der Freien Reichsstadt Kaufbeuren das Münzrecht
Die Urkunde wurde aufgesetzt vom kaiserlichen Sekretär Alexander Schweis.
Die Originalurkunde wird verwahrt im Hauptstaatsarchiv München.
Der Text der Verleihungsurkunde ist abgedruckt in Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle S. 1923, S. 3 bis 5, zitiert hier nach der Veröffentlichung von Adolf Horchler in Allgäuer Geschichtsfreund 1890, S. 59 f.
Nachfolgender Text wurde in heutiges Lesedeutsch übertragen von W. Scheibel, in enger Anlehnung an die Originaldiktion
"Wir Karl V. [es folgen Titulaturen] bekennen öffentlich mit diesem Brief und verkündigen allgemein: Nachdem wir unterrichtet sind, dass Maximilian, unserem lieber Herr und Anherr löblichen Gedächtnis, unsern und des Reichs lieben getreuen Bürgermeistern und Rat der Stadt Kaufbeuren, aus besonderer Gnade zugesagt und bewilligt hatte, eine Münzstätte bei ihnen daselbst zu Kaufbeuren aufzurichten, und aber der Liebe vor der Verfertigung der Verbriefung darauf lautend durch Tod abgegangen ist, deshalb uns daran erinnernde Bürgermeister und Rat jetzt untertänig angerufen und gebeten haben, ihnen zur Vollstreckung dessen unsere kaiserliche Hilfe aus besonderer Gnade mitzuteilen,
so haben wir angeschaut ihre demütige und geziemende Bitte, auch die angenehm willigen Dienste, die sie uns und dem heiligen Reich oft willig getan und bewiesen und in künftiger Zeit wohl tun mögen und sollen.
Und darum haben ihnen und ihren Nachkommen gegönnt und erlaubt, gönnen und erlauben das auch von römisch kaiserlicher Machtvollkommenheit und Rechtswissen her, mit und in Kraft dieses Briefes,
also dass sie oder ihre Nachkommen eine Münzstatt bei ihnen aufrichten und dort goldene und silberne Münzen, wie also Dukaten, Kronen, Goldgulden, Zwanziger, Zehner, Batzen, halbe Batzen, auf welchen Münzen auf einer Seite unser Brustbild mit der Umschrift Cesar Carolus V. Ro: Imperator, und auf der anderen Seite das Wappen ihrer Stadt und Kleinod, mit der darin geschlagenen Jahreszahl, und auf den Pfennigen und Hellern einen Stern, durch einen ihren ehrbaren aufrichtigen verständigen und redlichen Münzmeister, den sie jederzeit dazu verordnen, schlagen und machen sollen und mögen lassen, und damit getreulichen Gefahren, also dass sie an Grad alloy (s. Anm.) und Wert derart sind, dass der Kaufmann damit bestehen mag und auch der gemeine Mann nicht besonders betrogen werde.
Und wenn es sich über kurz oder lang ergibt, dass wir einige Änderungen im heiligen Reich über kurz oder Lang wegen der Münze ordnen und machen würden: daran sollen die von Kaufbeuren und ihre Nachkommen auch halten, alles getreu und ungefährlich.
Und wir gebieten darauf allen und jeden unserer und des heiligen Reiches Kurfürsten, geistlichen und weltlichen Prälaten, Grafen, freien Herren, Rittern, Knechten, Hauptleuten, Landvogten, Vitztumen, Vögten, Pflegern, Verwesern, Amtsleuten, Schultheissen, Bürgermeistern, Richtern, Räten, Bürgern, Gemeinden und sonst allen und jeglichen unserer und des heiligen Reichs, auch den Untertanen und Getreuen unserer erblichen Fürstentümer und Landen, in welchem Würdenstand oder Wesen diese seien von römischer kaiserlicher Macht,
ernstlich und fest mit diesem Brief, und wollen, dass sie die genannten (Münzen) von Kaufbeuren wegen dieser unserer kaiserlichen Gnade, Freiheit, Gönnung und Erlaubnis, die genannten Gulden und silbernen Münzen nicht infragestellen noch hindern sollen, sondern sie wie oben steht gerühmlich verwenden und ganz dabei bleiben und auch alltenthalben wie deren dergleichen Münzen hernehmen und damit handeln lassen,
und hier wieder nicht tun noch jemanden anderen zu tun gestatten in keiner Weise anders, als auf Lieb, und auf einem jeden sei unser und des Reichs schwere Ungnade und Strafe dazu eine Strafe, nämlich 20 Mark und lotiges Gold zu vermeiden, die ein jeder sooft er frevlerisch hierher trete und halb in unserer, und des Reiches Gerichtskammer und zum anderen halben Teil den Betroffenen von Kaufbeuren oder ihren Nachkommen, die damit beliehen wurden, unablässig zu bezahlen aufgetragen sein sollen.
Mit der Beurkundung dieses Briefes mit unser eigenen Hand unterschrieben und unserem kaiserlichen anhängenden Siegel besiegelt.
Gegeben in unserer und des Reichs Stadt Augsburg,
am zehnten Tag des Monats November nach Christi unseres lieben Herrn Geburt, im fünfzehnhundert und dreissigsten, unseres Kaisertums im elften und unseres Reiches im fünfzehnten Jahr.
Ad mandatum caesareae et catholicae majestatis proprium.
Carolus"
[Anmerkung: „alloy“, Das Wort Alloy bedeutet auf Deutsch Legierung (eine Mischung aus zwei Metallen). Im Zusammenhang mit Kaiser Karl V. stammt der Begriff aus dem Altfranzösichen (aloi/ alloyer, lateinisch ad legem = nach dem Gesetz) und bezeichnet den gesetzlichen Feingehalt oder die Mischung von edlen und unedlen Metallen bis historischen Münzen und Edelmetallen. Der Alloy (oder das Aloi) gab an, wie viel reines Gold oder Silber im Verhältnis zu Kupfer in einer Münze enthalten sein durfte].
Fahnenschwingerin Kaufbeuren, Tänzelfest 2026
Im Anschluss an die Zitation des Originaldokumentes der Verleihung des Münzrechts an die Reichsstadt Kaufbeuren am 10. November 1530,
kommentiert Professor Dr. Max Bernhart, Sammlungsdirektor der Staatlichen Münzsammlung in München, die Reichweite des Münzbeschlusses für die Münzprägungen der Reichsstadt Kaufbeuren und fügt diese Prägungen in die weitere historische Entwicklung ein:
"Silberwährung.
Die unpraktische Stückelung der Silbermünzen in 1/2, 1/4 und 1/10 Guldenstücke, ferner in 1/21, 1/42 und 1/84 Gulden, welche die Eßlinger Reichsmünzordnung vorschrieb, fand bei den münzprägenden Ständen wenig Anklang, weshalb König Ferdinand I. am 1. Februar 1535 mit dem Herzog von Bayern und den Städten Augsburg und Ulm einen Sondermünzbund (Hirsch I, S. 268) schloß, wonach der Gulden nur noch zu 60 Kreuzer ausgemünzt werden sollte.
Die Beschaffung des Silbers aus Tirol oder Böhmen verzögerte den Beginn der Münzprägung in Kaufbeuren bis 1540, in welchem Jahre die ersten Taler der Stadt gemünzt wurden. Die Ausprägung lief ohne Unterbrechung bis zum Jahre 1548 fort.
Die längere Abwesenheit des Münzmeisters Hans Apfelfelder von Kaufbeuren im Jahre 1546 kommt in der schwächeren Lieferung von Stempeln zum Ausdruck; nach dem bekannten Münzmaterial hat Apfelfelder in diesem Jahre nur einen Taler-Revers-Stempel für Kaufbeuren geschnitten. Halbtaler wurden seit 1542 und Orts- oder Vierteltaler erst seit 1543 geprägt. Auch von diesen beiden Nominalen ist aus dem Jahre 1546 nur je ein Rückseitenstempel bekannt.
Unterm 31. Mai 1549 erläßt Kaiser Karl V. die Bestimmung, daß sämtliche münzberechtigten Stände die Ausmünzung von ganzen Talern oder Guldengroschen, von halben und Ortstalern bis zum nächsten Reichstag einstellen wollen; nur die Besitzer von Bergwerken dürften ihre Bergwerkserträgnisse an Gold und Silber vermünzen (Hirsch I, S. 315 f.).
Die Stadt Kaufbeuren hat sich dieser Verordnung gefügt und die Münzprägung vom Jahre 1549 bis 1552 eingestellt.
Das allmählich wieder in Unordnung geratene Münzwesen wurde von Kaiser Karl V. erst 1551 nach der Beendigung des schmalkaldischen Krieges durch die Augsburger Ordnung vom 28. Juli 1551 wieder gebessert. In dieser Verordnung wurde der Taler wieder auf 72 Kreuzer festgesetzt, als Teilstücke wurden 1,3, 6, 10, 12 und 20 Kreuzerstücke ausgemünzt. Die früheren Taler, die schlechter waren als die Esslinger Ordnung erlaubte, durften zum Werte von 68 Kreuzern im Umlauf bleiben. Wie in der Esslinger Münzordnung war auch die Ausmünzung von Hellern und Pfennigen erlaubt. Für die Reichsmünzen wurde auch in der Augsburger Ordnung wieder ein einheitliches Gepräge der Hauptseite festgesetzt. Der Reichsadler sollte auf der Brust die Wertziffer in Kreuzern tragen.
Am 6. Dezember 1555 ist nach dem Bericht der Hörmann' schen Chronik in Kaufbeuren "die gedruckte Münzordnung einkommen, darinnen den Städten bey dieser Zeit das Münzen verboten worden". Auch nach dem vorhandenen Münzmaterial schliesst diese Prägeperiode mit dem Jahr 1555.
Die Entstehungszeit der einseitigen Silberpfennige mit Wappenschild im PerIkreis und der einseitigen Hohlringheller läßt sich nicht genau fixieren,
es ist aber wahrscheinlich, wie ein Vergleich mit den ähnlichen Geprägen schwäbischer Herren und Städte (wie Württemberg, Kempten, Isny, Ulm, Ravensburg u. a.) lehrt, daß sie in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts, also gleichzeitig mit den großen Münzen ausgeprägt wurden.
Goldwährung.
Die frühesten datierten Kaufbeurer Goldmünzen sind Goldgulden aus dem Jahre 1541; diese Nominale kehren 1545 und 1547 wieder.
Dukaten wurden nur in den Jahren 1542 und 1543 geprägt. Eine dritte in Kaufbeuren ausgemünzte Goldsorte war die Goldkrone, die speziell für den Handel mit Italien bestimmt war. Diese aus Frankreich stammende Münze (écu à la couronne Karls VII., 1422-1461) mit vielfeldigem Schild auf dem Reichsdoppeladler und gekröntem Lilienkreuz hat Karl V. auch für Neapel und Sizilien prägen lassen.
Nach Einträgen im Augsburger Ratsprotokoll vom 12. November 1545 prägte Apfelfelder im Jahre 1545 Goldkronen. Ferner ist ihre Ausmünzung bezeugt für das Jahr 1547 und vielleicht für 1548. Das 1548 festgestellte Ergebnis einer Feingehaltsprobe von Goldkronen betrug 21 Karat 8 Grän fein.
Wenn wir das bekannte Münzmaterial auf die Jahre 1545 und 1547 verteilen, so fallen auf Grund der übereinstimmenden Bezeichnung des Stadtnamens auf den Silbermünzen die Goldkronen mit KAVFBVRENS oder KAVFBVRENSIS ins Jahr 1545 (auch der Goldgulden von 1545 hat KAVFBVR), während die Gepräge mit KAVFBEIRENS, KAVFBEIRENSI und KAVFBEIRENSIS mit Wahrscheinlichkeit für 1547 zu beanspruchen sind.
In dem Bericht über den Valvationstag zu Nürnberg von 1551 wurden außer Kaufbeurer Dukaten auch Goldkronen mit der Umschrift IN HOC SIGNO EICYES DEMONIA zusammen mit solchen von Siena, Savoyen und Uri verrufen. In Originalen sind solche Goldkronen von Kaufbeuren nicht bekannt.
Nach der Augsburger Münzordnung und Valvation von 1551 wurde der Kaufbeurer Dukat auf 98 Kreuzer und die Krone auf 87 Kreuzer festgesetzt.
Im Münzedikt Kaiser Ferdinands I. vom 29. August 1559 ist ein Kaufbeurer Dukat 100 Kreuzern gleichgewertet.
Kupferwährung.
Im Jahre 1622 tritt die Kaufbeurer Münzstätte wiederum in Tätigkeit. "Damit der dürftige Mann nit zu grosse Not leide aus Mangel der kleinen Handmünze", hat man bei dem zu Nürnberg (Dezember 1621) abgehaltenen Kreistag beschlossen, die kleinen Sorten an Pfennigen, Dreihellern, Zweiern, Dreiern und Kreuzern und keine höheren Sorten auszumünzen. Sie sollten aus reinem Kupfer geprägt werden und 400 Pfennig oder 100 Kreuzer auf eine kölnische Mark gehen. Kaufbeuren beschränkte sich auf die Ausgabe von zweiseitigen Kreuzern und etwas schüsselförmigen einseitigen Pfennigen im Jahre 1622."
aus dem Heraldikbuch "Wapen des heyligen Römischen Reichs Teutscher Nation",
1545 herausgegeben von Jakob Kögel Frankfurt/Main, 2. Auflage 1579. Grafik von Jakob Kallenberg, Holzschnitt coloriert, 21,9 x 14,2 cm.
Unter dem Datum 10. November 1530
verlieh der Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation Karl V. zu Augsburg
der Freien Reichsstadt Kaufbeuren das Münzrecht
Die Urkunde wurde aufgesetzt vom kaiserlichen Sekretär Alexander Schweis.
Die Originalurkunde wird verwahrt im Hauptstaatsarchiv München.
Der Text der Verleihungsurkunde ist abgedruckt in Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle S. 1923, S. 3 bis 5, zitiert hier nach der Veröffentlichung von Adolf Horchler in Allgäuer Geschichtsfreund 1890, S. 59 f.
Nachfolgender Text wurde in heutiges Lesedeutsch übertragen von W. Scheibel, in enger Anlehnung an die Originaldiktion
"Wir Karl V. [es folgen Titulaturen] bekennen öffentlich mit diesem Brief und verkündigen allgemein: Nachdem wir unterrichtet sind, dass Maximilian, unserem lieber Herr und Anherr löblichen Gedächtnis, unsern und des Reichs lieben getreuen Bürgermeistern und Rat der Stadt Kaufbeuren, aus besonderer Gnade zugesagt und bewilligt hatte, eine Münzstätte bei ihnen daselbst zu Kaufbeuren aufzurichten, und aber der Liebe vor der Verfertigung der Verbriefung darauf lautend durch Tod abgegangen ist, deshalb uns daran erinnernde Bürgermeister und Rat jetzt untertänig angerufen und gebeten haben, ihnen zur Vollstreckung dessen unsere kaiserliche Hilfe aus besonderer Gnade mitzuteilen,
so haben wir angeschaut ihre demütige und geziemende Bitte, auch die angenehm willigen Dienste, die sie uns und dem heiligen Reich oft willig getan und bewiesen und in künftiger Zeit wohl tun mögen und sollen.
Und darum haben ihnen und ihren Nachkommen gegönnt und erlaubt, gönnen und erlauben das auch von römisch kaiserlicher Machtvollkommenheit und Rechtswissen her, mit und in Kraft dieses Briefes,
also dass sie oder ihre Nachkommen eine Münzstatt bei ihnen aufrichten und dort goldene und silberne Münzen, wie also Dukaten, Kronen, Goldgulden, Zwanziger, Zehner, Batzen, halbe Batzen, auf welchen Münzen auf einer Seite unser Brustbild mit der Umschrift Cesar Carolus V. Ro: Imperator, und auf der anderen Seite das Wappen ihrer Stadt und Kleinod, mit der darin geschlagenen Jahreszahl, und auf den Pfennigen und Hellern einen Stern, durch einen ihren ehrbaren aufrichtigen verständigen und redlichen Münzmeister, den sie jederzeit dazu verordnen, schlagen und machen sollen und mögen lassen, und damit getreulichen Gefahren, also dass sie an Grad alloy (s. Anm.) und Wert derart sind, dass der Kaufmann damit bestehen mag und auch der gemeine Mann nicht besonders betrogen werde.
Und wenn es sich über kurz oder lang ergibt, dass wir einige Änderungen im heiligen Reich über kurz oder Lang wegen der Münze ordnen und machen würden: daran sollen die von Kaufbeuren und ihre Nachkommen auch halten, alles getreu und ungefährlich.
Und wir gebieten darauf allen und jeden unserer und des heiligen Reiches Kurfürsten, geistlichen und weltlichen Prälaten, Grafen, freien Herren, Rittern, Knechten, Hauptleuten, Landvogten, Vitztumen, Vögten, Pflegern, Verwesern, Amtsleuten, Schultheissen, Bürgermeistern, Richtern, Räten, Bürgern, Gemeinden und sonst allen und jeglichen unserer und des heiligen Reichs, auch den Untertanen und Getreuen unserer erblichen Fürstentümer und Landen, in welchem Würdenstand oder Wesen diese seien von römischer kaiserlicher Macht,
ernstlich und fest mit diesem Brief, und wollen, dass sie die genannten (Münzen) von Kaufbeuren wegen dieser unserer kaiserlichen Gnade, Freiheit, Gönnung und Erlaubnis, die genannten Gulden und silbernen Münzen nicht infragestellen noch hindern sollen, sondern sie wie oben steht gerühmlich verwenden und ganz dabei bleiben und auch alltenthalben wie deren dergleichen Münzen hernehmen und damit handeln lassen,
und hier wieder nicht tun noch jemanden anderen zu tun gestatten in keiner Weise anders, als auf Lieb, und auf einem jeden sei unser und des Reichs schwere Ungnade und Strafe dazu eine Strafe, nämlich 20 Mark und lotiges Gold zu vermeiden, die ein jeder sooft er frevlerisch hierher trete und halb in unserer, und des Reiches Gerichtskammer und zum anderen halben Teil den Betroffenen von Kaufbeuren oder ihren Nachkommen, die damit beliehen wurden, unablässig zu bezahlen aufgetragen sein sollen.
Mit der Beurkundung dieses Briefes mit unser eigenen Hand unterschrieben und unserem kaiserlichen anhängenden Siegel besiegelt.
Gegeben in unserer und des Reichs Stadt Augsburg,
am zehnten Tag des Monats November nach Christi unseres lieben Herrn Geburt, im fünfzehnhundert und dreissigsten, unseres Kaisertums im elften und unseres Reiches im fünfzehnten Jahr.
Ad mandatum caesareae et catholicae majestatis proprium.
Carolus"
[Anmerkung: „alloy“, Das Wort Alloy bedeutet auf Deutsch Legierung (eine Mischung aus zwei Metallen). Im Zusammenhang mit Kaiser Karl V. stammt der Begriff aus dem Altfranzösichen (aloi/ alloyer, lateinisch ad legem = nach dem Gesetz) und bezeichnet den gesetzlichen Feingehalt oder die Mischung von edlen und unedlen Metallen bis historischen Münzen und Edelmetallen. Der Alloy (oder das Aloi) gab an, wie viel reines Gold oder Silber im Verhältnis zu Kupfer in einer Münze enthalten sein durfte].
Fahnenschwingerin Kaufbeuren, Tänzelfest 2026
Im Anschluss an die Zitation des Originaldokumentes der Verleihung des Münzrechts an die Reichsstadt Kaufbeuren am 10. November 1530,
kommentiert Professor Dr. Max Bernhart, Sammlungsdirektor der Staatlichen Münzsammlung in München, die Reichweite des Münzbeschlusses für die Münzprägungen der Reichsstadt Kaufbeuren und fügt diese Prägungen in die weitere historische Entwicklung ein:
"Silberwährung.
Die unpraktische Stückelung der Silbermünzen in 1/2, 1/4 und 1/10 Guldenstücke, ferner in 1/21, 1/42 und 1/84 Gulden, welche die Eßlinger Reichsmünzordnung vorschrieb, fand bei den münzprägenden Ständen wenig Anklang, weshalb König Ferdinand I. am 1. Februar 1535 mit dem Herzog von Bayern und den Städten Augsburg und Ulm einen Sondermünzbund (Hirsch I, S. 268) schloß, wonach der Gulden nur noch zu 60 Kreuzer ausgemünzt werden sollte.
Die Beschaffung des Silbers aus Tirol oder Böhmen verzögerte den Beginn der Münzprägung in Kaufbeuren bis 1540, in welchem Jahre die ersten Taler der Stadt gemünzt wurden. Die Ausprägung lief ohne Unterbrechung bis zum Jahre 1548 fort.
Die längere Abwesenheit des Münzmeisters Hans Apfelfelder von Kaufbeuren im Jahre 1546 kommt in der schwächeren Lieferung von Stempeln zum Ausdruck; nach dem bekannten Münzmaterial hat Apfelfelder in diesem Jahre nur einen Taler-Revers-Stempel für Kaufbeuren geschnitten. Halbtaler wurden seit 1542 und Orts- oder Vierteltaler erst seit 1543 geprägt. Auch von diesen beiden Nominalen ist aus dem Jahre 1546 nur je ein Rückseitenstempel bekannt.
Unterm 31. Mai 1549 erläßt Kaiser Karl V. die Bestimmung, daß sämtliche münzberechtigten Stände die Ausmünzung von ganzen Talern oder Guldengroschen, von halben und Ortstalern bis zum nächsten Reichstag einstellen wollen; nur die Besitzer von Bergwerken dürften ihre Bergwerkserträgnisse an Gold und Silber vermünzen (Hirsch I, S. 315 f.).
Die Stadt Kaufbeuren hat sich dieser Verordnung gefügt und die Münzprägung vom Jahre 1549 bis 1552 eingestellt.
Das allmählich wieder in Unordnung geratene Münzwesen wurde von Kaiser Karl V. erst 1551 nach der Beendigung des schmalkaldischen Krieges durch die Augsburger Ordnung vom 28. Juli 1551 wieder gebessert. In dieser Verordnung wurde der Taler wieder auf 72 Kreuzer festgesetzt, als Teilstücke wurden 1,3, 6, 10, 12 und 20 Kreuzerstücke ausgemünzt. Die früheren Taler, die schlechter waren als die Esslinger Ordnung erlaubte, durften zum Werte von 68 Kreuzern im Umlauf bleiben. Wie in der Esslinger Münzordnung war auch die Ausmünzung von Hellern und Pfennigen erlaubt. Für die Reichsmünzen wurde auch in der Augsburger Ordnung wieder ein einheitliches Gepräge der Hauptseite festgesetzt. Der Reichsadler sollte auf der Brust die Wertziffer in Kreuzern tragen.
Am 6. Dezember 1555 ist nach dem Bericht der Hörmann' schen Chronik in Kaufbeuren "die gedruckte Münzordnung einkommen, darinnen den Städten bey dieser Zeit das Münzen verboten worden". Auch nach dem vorhandenen Münzmaterial schliesst diese Prägeperiode mit dem Jahr 1555.
Die Entstehungszeit der einseitigen Silberpfennige mit Wappenschild im PerIkreis und der einseitigen Hohlringheller läßt sich nicht genau fixieren,
es ist aber wahrscheinlich, wie ein Vergleich mit den ähnlichen Geprägen schwäbischer Herren und Städte (wie Württemberg, Kempten, Isny, Ulm, Ravensburg u. a.) lehrt, daß sie in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts, also gleichzeitig mit den großen Münzen ausgeprägt wurden.
Goldwährung.
Die frühesten datierten Kaufbeurer Goldmünzen sind Goldgulden aus dem Jahre 1541; diese Nominale kehren 1545 und 1547 wieder.
Dukaten wurden nur in den Jahren 1542 und 1543 geprägt. Eine dritte in Kaufbeuren ausgemünzte Goldsorte war die Goldkrone, die speziell für den Handel mit Italien bestimmt war. Diese aus Frankreich stammende Münze (écu à la couronne Karls VII., 1422-1461) mit vielfeldigem Schild auf dem Reichsdoppeladler und gekröntem Lilienkreuz hat Karl V. auch für Neapel und Sizilien prägen lassen.
Nach Einträgen im Augsburger Ratsprotokoll vom 12. November 1545 prägte Apfelfelder im Jahre 1545 Goldkronen. Ferner ist ihre Ausmünzung bezeugt für das Jahr 1547 und vielleicht für 1548. Das 1548 festgestellte Ergebnis einer Feingehaltsprobe von Goldkronen betrug 21 Karat 8 Grän fein.
Wenn wir das bekannte Münzmaterial auf die Jahre 1545 und 1547 verteilen, so fallen auf Grund der übereinstimmenden Bezeichnung des Stadtnamens auf den Silbermünzen die Goldkronen mit KAVFBVRENS oder KAVFBVRENSIS ins Jahr 1545 (auch der Goldgulden von 1545 hat KAVFBVR), während die Gepräge mit KAVFBEIRENS, KAVFBEIRENSI und KAVFBEIRENSIS mit Wahrscheinlichkeit für 1547 zu beanspruchen sind.
In dem Bericht über den Valvationstag zu Nürnberg von 1551 wurden außer Kaufbeurer Dukaten auch Goldkronen mit der Umschrift IN HOC SIGNO EICYES DEMONIA zusammen mit solchen von Siena, Savoyen und Uri verrufen. In Originalen sind solche Goldkronen von Kaufbeuren nicht bekannt.
Nach der Augsburger Münzordnung und Valvation von 1551 wurde der Kaufbeurer Dukat auf 98 Kreuzer und die Krone auf 87 Kreuzer festgesetzt.
Im Münzedikt Kaiser Ferdinands I. vom 29. August 1559 ist ein Kaufbeurer Dukat 100 Kreuzern gleichgewertet.
Kupferwährung.
Im Jahre 1622 tritt die Kaufbeurer Münzstätte wiederum in Tätigkeit. "Damit der dürftige Mann nit zu grosse Not leide aus Mangel der kleinen Handmünze", hat man bei dem zu Nürnberg (Dezember 1621) abgehaltenen Kreistag beschlossen, die kleinen Sorten an Pfennigen, Dreihellern, Zweiern, Dreiern und Kreuzern und keine höheren Sorten auszumünzen. Sie sollten aus reinem Kupfer geprägt werden und 400 Pfennig oder 100 Kreuzer auf eine kölnische Mark gehen. Kaufbeuren beschränkte sich auf die Ausgabe von zweiseitigen Kreuzern und etwas schüsselförmigen einseitigen Pfennigen im Jahre 1622."
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Münze in Kaufbeuren - Epoche des Umbruchs
Überblick: Es gab in Süddeutschland Zeiten, da man mit der Produktion und mit dem Vertrieb von Textilien unheimlich reich werden konnte: siehe die Familie Fugger in Augsburg, die dann vom Textil- ins Silberbergwerks- und dann ins Finanzgrossgeschäft umstieg und damit Kurfürsten, Könige und Kaiser zu ihren Verhandlungspartnern machte.
Später änderten sich die Zeiten: das überkommene geozentrische Weltbild mit Erde und Mensch als Mittelpunkt aller Schöpfung wich dem heliozentrischen Weltbild. Jahrhunderte alte Wirtschaftsräume und Transportwege rückten an den Rand des Weltgeschehens. Politische und religiöse Stabilitäten wurden im Verlauf des 16. Jahrhunderts brüchig. Das Wirtschaftsgefüge in Süddeutschland und auch in der Reichsstadt Kaufbeuren war einem Wandel unterzogen, der auch Spekulationsblasen platzen liess.
Als Profitnehmer des grossen "Textil-, Rohstoff- und Finanz-Rades" vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit sah sich auch die Reichsstadt Kaufbeuren. Der Hochkonjunktur des Textil- und Finanzgeschäfts von 1480 bis in die Zeit um das Jahr 1580 verdankte die Stadt ihre weitere Blütezeit. In unmittelbarem Zusammenhang mit der zeitgenössischen Hochphase des Textilhandels und der Finanzspekulation stand auch die Münztätigkeit an der Münzprägeanstalt der Reichsstadt Kaufbeuren. Bereits unter Maximilian I. angestrebt, brachte das im Jahr 1530 von Kaiser Karl V. verliehene Münzprivileg an die Stadt Kaufbeuren von 1540 bis 1555 eine umfangreiche Münzproduktion an der Münzstätte Kaufbeuren in Gang. Nach dieser fünfzehnjährigen Münzphase rechnete sich das Münzenausschlagen für Kaufbeuren offenbar nicht mehr und wurde wohl auch handelspolitisch und prestigehalber entbehrlich.
Die Jahre zwischen 1555 und 1580 blieben für Kaufbeuren trotz der bedeutenden religionspolitischen Umbrüche zunächst noch eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperität. Später machten sich die aufgezeigten Grenzen des Wachstum auch für Handel und Bürgerschaft bemerkbar.
Die geopolitischen Umbrüche der Zeit im Mittelmeerraum und in der „Neuen Welt“ schlugen sich in der Entwicklung des Handels der Reichsstädte nieder, und machten auch für Kaufbeuren keine Ausnahme. Für die Veränderung des Handelsstromes über die Alpen entlang der alten Handelsrouten von und nach Italien nach Augsburg und weiter nach Flandern, von dem auch die Reichsstadt Kaufbeuren im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit profitierte, gibt es verschiedene Ursachen:
Die reichen Silbervorkommen aus Schwaz, welche im 15. und 16. Jahrhundert noch rund 85 Prozent des europaweit gehandelten Silbers förderten (Abbauhöhepunkt um 1500 bis 1545), nahmen ab 1545 kontinuierlich ab und sanken später auf ein Fünftel der früheren Förderungsmenge. Auch der Italienhandel über die Alpenpässe verzeichnete eine rückläufige Tendenz. Die alte Handelsrepublik Venedig erlebte den teilweisen Zusammenbruch des Orienthandels durch eklatante Rückschläge: das Osmanische Reich dehnte seine maritime Herrschaft im östlichen Mittelmeer aus, eroberte Rhodos (1522), Zypern (1570), belagerte Malta (1565), holte sich Kreta (1669). Der türkischen Expansion wurde zwar 1529 vor Wien und in der Galeerenschlacht vor Lepanto am 7. Oktober 1571 Einhalt geboten. Die türkische Gefahr blieb aber bestehen, und die Reichsstädte, so auch Kaufbeuren, hatten ab der zweiten Hälfte 16. Jahrhunderts hohe Beträge an Türkensteuern an das Reich zu bezahlen und belasteten die städtischen Haushalte.
Als ob das nicht genug wäre: das Aufholen ländlicher Produktionsregionen in der Textilproduktion und die verstärkte Baumwollverarbeitung machten der traditionell städtischen Leinen- und Barchentweberei zunehmend Konkurrenz und drückten die Preise.
Und die Jahrzehnte alten gewaltsamen Konflikte zwischen den Religionsparteien im Reich und in Kaufbeuren schwelten auch nach dem "Augsburger Religionsfrieden von 1555" weiter und blieben ungelöst.
Der böhmische Aufstand protestantischer Adeliger endlich entfachte im Jahr 1618 den Flächenbrand des Dreissigjährigen Krieges. In dessen Verlauf richteten sich die Religionsparteien und politischen Mächte im erbarmungslosen Kampf gegenseitig zugrunde, wüteten Pest und massenhafter Tod.
Von dieser Verelendung vom Bevölkerungsstand und von der Wirtschaftskraft her erholten sich die Städte Süddeutschlands, auch Kaufbeuren, lange nicht mehr. Die „grosse Zeit“ war auch für Kaufbeuren unwiederbringlich vorüber. Der Stadt war bis zum Ende des Alten Reiches ein überschaubares Bürger- und Handelsleben beschieden. Ihre Stadtgestalt entwickelte sich bis 1800 kaum über die Jahrhunderte alten Grenzen der Altstadt hinaus. Durch diese Umstände ist die urbane Stadtgestalt der Altstadt aus dem 16. Jahrhundert bis heute in den grossen Zügen erhalten geblieben. Auch Luftkrieg des 2. Weltkriegs und bauliche Nachkriegssünden konnten der prägenden spätmittelalterlich-neuzeitlichen Struktur der Altstadt keine entstellenden Schäden zufügen.
Die Freie Reichsstadt Kaufbeuren, Elias Baeck 1708
Nachfolgend nehmen wir die politischen Entwicklungen in der Reichsstadt Kaufbeuren in den Blick und ihre Verflechtung mit massgeblichen Persönlichkeiten und Reichsvorgängen.
Im Jahr 1501 steht der Kaufbeurer Bürgersohn „Eustachius Koler de Kaufbeyren“ an der Universität Erfurt nur wenige Zeilen unterhalb des Matrikeleintrags von „Martinus Ludher de Mansfelt“. Derselbe „Ludher“ hebt am 31. Oktober 1517 in Wittenberg mit seinen 95 Thesen am Vorabend des Allerheiligentages die etablierte Religionsordnung aus den Angeln. Dieser Martin Luther ist auch vom 12. bis 14. Oktober 1518 in Augsburg beim Verhör mit Kardinal Cajetan und flieht am 20. Oktober 1518 aus Augsburg.
Maximilian I. (1449 - 1519), Porträt von Dürer 1519, Kunsthistorisches Museum Wien
Kaiser Maximilian I. hielt sich, bereits auf dem Rückweg von diesem Reichstag in Augsburg, zuletzt noch am 8. Oktober 1518 in seinem Wohnhaus in Kaufbeuren auf, - er verstarb kurz darauf am 12.1.1519 in Wels. Maximilian I. wurde „der letzte Ritter“ genannt, er war eine prägende Persönlichkeit in der Epochenwende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit.
Sein Nachfolger war der Enkel Maximilians, der Habsburger Kaiser Karl V..
Karl V. (1500 bis 1558), Tizian 1548, Alte Pinakothek München
Karl regierte 1519 bis 1556 über ein riesiges Reich in Europa und auch in der „neuen Welt“ in Südamerika, "ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht“. Die Neue Welt, der Amerigo Vespucci den Namen gab, war im Jahr 1492 von Kolumbus neu entdeckt worden: das Eldorado lieferte dem Alten Kontinent in grossen Mengen neue Waren und Gold und Silber. Der gewinnbringende Handel verlagerte sich vom Land auf die Meere zugunsten der Seemächte Portugal und Spanien und der in Aufstieg begriffenen Mächte, den Niederlanden und England.
Karl V. wurde am 28.6.1519 gegen Franz I. von Frankreich von den Kurfürsten zum Kaiser gewählt, massgeblich finanziert durch den gewaltigen Geldbetrag von 500.000 Gulden, bereitgestellt vom Bankier Jakob Fugger aus Augsburg. Kaiser Karl war auch der Schutzherr der Reichsstadt Kaufbeuren. Kaufbeuren liegt 65 Kilometer südlich von Augsburg entfernt verbunden durch den Wertachfluss, auf dem direkten Weg nach Innsbruck und Schwaz mit dem Silberbergbau und nach Italien/Venedig. Die Fugger in Augsburg war zunächst durch Tuchhandel ! reich geworden. Jakob Fugger hatte 1510/11 erst das Salzbergwerk Hall übernommen, wo auch die Hauptmünzstätte Hall mit der Prägung des Talers war. Die Übernahme des profitablen Silber- und Kupferbergwerks in Schwaz durch Fugger erfolgte im Jahr 1522. Über Innsbruck waren Augsburg/Kaufbeuren mit den Märkten in Bozen und in Venedig verbunden.
Der Übergang von der spätmittelalterlichen Agrargesellschaft und der von den Städten gestützten Produktivwirtschaft
zu der sich in der Hand weniger Fürsten und Handelsherren befindlichen Kapitalwirtschaft in der frühen Neuzeit
bewirkte nachhaltige wirtschaftspolitische Veränderungen.
Es entstanden verstärkt noch durch religiöse Strömungen,
gesellschaftliche Spannungen, die sich in Gewaltausbrüchen entluden:
In der nahen Reichsstadt Memmingen wurden 1525 die berühmt gewordenen Memminger Artikel verfasst, es entstanden auch die elf Artikel der Kaufbeurer Bauernschaft. Während des anschliessenden Bauernkrieges und der allgemeinen Bauernerhebung brannten dann im Allgäu die Klöster, so auch das von Kaufbeuren sieben Kilometer entfernte Benediktinerkloster Irsee.
Der Kampf um den bestimmenden Einfluss der im Entstehen begriffenen Religionsparteien im Stadtregiment, also zwischen Katholischen und Sympathisanten der Reformation, war im Kaufbeuren bereits 1520 ausgebrochen. Im Fall des Streites um die Nutzungsrechte für die Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin, die beide Parteien für sich beanspruchten, wurde die Auseinandersetzung 1525 auch handgreiflich.
Auch die streng verbotene Täuferbewegung fand in Kaufbeuren grosse Anhängerschaft: am 13. Mai 1528 wurden fünf Täufer auf dem Richtplatz geköpft und 30 weitere Täufer aus der Stadt herausgepeitscht und vertrieben.
Die 1530 in Augsburg formulierte „Confessio Augustana“ hingegen fand in Kaufbeuren zunächst wenig Anklang.
Vielmehr öffnete sich die Stadt ab den 1540ziger Jahren den oberdeutschen reformatorischen Lehren des Reformators Huldrych Zwingli aus Zürich mehr noch der stärker spiritistischen Lehre von Caspar Schwenckfelder, der sich im April 1545 sogar in der Stadt aufhielt.
Das Kaufbeurer Stadtregiment hatte sich 1525 und in den Folgenjahre nach aussen hin zunächst noch Rom- und damit Kaisertreu verhalten.
Der im Kaufbeurer Stadtmuseum gezeigte, ganz aussergewöhnliche sog. „Eulenpokal“, datiert mit der Jahreszahl „1543“, aus dem Besitz von Georg Hörmann mit dem kaiserlichen Wappen, verweist neben Repräsentationsbewusstsein auch auf weiterhin vorhandene gute Verbindungen der Stadt zum Kaiserhaus.
Eulenpokal von 1543 im Stadtmuseum Kaufbeuren
Bereits im selben Jahr 1543 wählte die übergrosse reformatorische Anhängerschaft nun aber wieder bekennende Protestanten in den Rat der Stadt und als Bürgermeister und begab sich damit auf Konfrontationskurs mit der Politik Karl V.
Zeitgleich im Jahr 1543 erschien in Nürnberg das revolutionäre Hauptwerk des Nikolaus Kopernikus „De revolutionibus orbium coelestium“, ein Ereignis, das auch als die „kopernikanische Wende im Denken“ bezeichnet worden ist.
Für Kaufbeuren änderte sich die religionspolitische Lage so dramatisch, dass sich auch der Reichsstag in Worms 1545 mit der religionspolitischen Situation in Kaufbeuren befasste: zur Verhinderung des Bruchs mit dem Kaiser und der drohenden Reichsexekution wurde das Kaufbeurer Stadtregiment 1545 zur Annahme der reichskonformen „Confessio Augustana“ des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses gezwungen.
1546 brach der sogenannte „Schmalkaldische Krieg“ zwischen Karl V. und den evangelischen Ständen aus, die Reichsstadt Kaufbeuren hielt sich zunächst neutral. Aber wenige Kilometer von Kaufbeuren entfernt belagerte vom 9. bis 12. Juli 1546 ein grosses protestantisches Heer unter Führung des von der Augsburger Reichsstadt beauftragten Schertlin von Burtenbach die Augsburger Bischofsstadt Füssen und drang nach deren Besetzung weiter über das Ausserfern Richtung Innsbruck vor. Während dieser dramatischen Phase wurde der mittlerweile protestantisch gewordene, aber kaisertreue Georg Hörmann von der Kaufbeurer Stadtregierung unter Hausarrest gesetzt. Nach dem raschen Rückzug des protestantischen Heeres wegen Uneinigkeit gewann Karl V. die militärische Initiative zurück. Der Kaiser besiegte das Heeresaufgebot des Schmalkaldischen Bundes am 24. April 1547 bei der Schlacht von Mühlberg und nahm danach mit dem "Augsburger Interim" von 1548 das religionspolitische Heft wieder fest in die Hand. Das grosse Trienter Konzil, das die Neuordnung der katholischen Kirche bewirken sollte tagte da bereits seit 1545 (bis 1563) in Trient.
Für die Reichsstadt Kaufbeuren bewirkte dieser reichspolitische Umschwung 1551 die Abschaffung des über zwei Jahrhunderte eingesetzten reichsstädtischen Zunftregiments durch die sogenannte „Karolinische Wahlordnung“: der dominierende politische Einfluss der Zünfte wurde verworfen. Hinfort regierte bis zum Ende der Reichsstadt im Jahr 1802 der sogenannte „Kleine Rat“, ergänzt durch den „Geheimen Rat“, mit zwei Bürgermeistern.
Diese Verfassung des Augsburger Interims wurde durch den sogenannten Fürstenaufstand 1552 in Frage gestellt und revidiert: ein grosses Heer protestantischer Mächte unter Führung des sächsischen Kurfürsten Moritz von Sachsen zog im Frühjahr 1552 ganz nahe an Kaufbeuren vorbei gegen Füssen und die Ehrenberger Klause bis nach Innsbruck und zwang den völlig überrumpelten Kaiser Karl V. zur Flucht nach Villach, um der drohenden Gefangennahme zu entgehen. Ergebnis des Fürstenaufstandes gegen Karl V. war der Passauer Vertrag vom 2. August 1552 mit der vorläufigen Religionsfreiheit für die Protestanten im Reich. Dieser Status wurde 1555 in Augsburg im "Augsburger Religionsfrieden" reichsrechtlich zwischen den Konfessionsparteien festgehalten auf der Basis „Cuius regio eius religio“.
Im Folgejahr 1556 resignierte Kaiser Karl V. und gab die Regentschaft an seinen Bruder, den seit 1531 regierenden römisch-deutschen König Ferdinand I., Kaiser von 1558 bis 1564 ab.
Um 1588 gehörten in der Reichsstadt Kaufbeuren ca. 90 % der Stadtbevölkerung der evangelischen Konfession an, etwa 10 % waren katholisch. Die Konfessionsverhältnisse im städtischen Landterritorium der Reichsstadt blieb, von den angrenzenden katholischen Herrschaften geprägt, überwiegend katholisch. Der im Augsburger Religionsfrieden erzielte Ausgleich zwischen den Konfessionsparteien hielt allerdings nur interimsmässig bis 1618 an.
Die Reichsstadt Kaufbeuren wurde im Dreissigjährigen Krieg Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Katholischen und Kaiserlichen auf der einen, und Protestanten und Schweden auf der anderen Seite mit ungezählten Opfern. Kaiser Ferdinand II. setzte das katholische Restitutionsedikt vom 6. März 1629 in Kaufbeuren exemplarisch durch, mit der Vertreibung der Protestanten mit deren Geschäftsverbindungen aus der Stadt. Die Stadt wechselte allein 1633/34 achtmal die Oberherrschaft. Bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück blieb eine zerstörte Stadt zurück, die sich 1649 auf den bi-konfessionellen Besitzstatus von vor 1627 einigte,- es blieb eine Jahrhunderte andauernde Feindschaft zwischen den Konfliktparteien innerhalb des Stadtgefüges bestehen.
Diese angeführten historischen Vorgänge in der Reichsstadt Kaufbeuren im 16. Jahrhundert umkreisen die Thematik der hier infragestehenden Münzproduktion der Reichsstadt Kaufbeuren in den Jahre 1540 bis 1555:
Vertrauensmann von Jakob und Anton Fugger, war der Patrizier Georg Hörmann von und zu Gutenberg (1491 bis 1552) Hörmann war der "Faktor", das heisst Geschäftsführer, des Schwazer Silber- und Kupferbergbaus der Fugger.
Von Hörmann existieren mehrere bedeutende Porträtmedaillen von Matthes Gebel, 1527 ff. und Hans Kels. Medaille von Matthias Gebel 1531 auf Georg Hörmann (Mitte)
mit Heinrich Rybisch und Conrad Meier
1491 in Kaufbeuren geboren, nahm Hörmann ab 1527 auch seinen ständigen Wohnsitz in Kaufbeuren.
Georg Hörmann von und zu Gutenberg, Porträt von Christoph Amberger 1530, Staatsgalerie Stuttgart
Er liess sich hier seinen Palast mit rund 80 Räumen direkt neben dem Rathaus in Kaufbeuren erbauen. Das 1542 fertiggestellte Renaissance-Portal trägt den Titel „Da pacem Domine“. 1529 während der Pest in Augsburg wurde die gesamte Fuggersche Geschäftsleitung nach Kaufbeuren ausgelagert.
Hörmann wurde von Karl V. 1528 in den Reichsadelsstand erhoben, war seit 1534 königlicher Rat von König Ferdinand und 1547 erster Stellvertreter des Firmenchefs Anton Fugger. Er trat 1542 zum evangelischen Glauben über und starb am 11. Dezember 1552.
Die Reichsstadt Kaufbeuren bewegte sich im 16. Jahrhundert politisch wie wirtschaftlich eng im Rahmen dessen, was die benachbarte Reichsstadt Augsburg an Wirtschafts- und Politikvorgaben bereitstellte. Mit diesem Konzept expandierte die Stadt im frühen 16. Jahrhundert und in diesem Rahmen spielte Kaufbeuren auch eine bemerkenswertes Rolle als bedeutsame Zwischenstation zwischen den Metropolen der Zeit, Augsburg und Innsbruck. Jakob und Anton Fugger machten sich durch grosszügige Kreditvergabe die Kaiser Maximilian I. und Karl V. gefällig. Georg Hörmann von und zu Gutenberg war eine bedeutende Persönlichkeit in dieser Firmenbeziehung. Hörmann war mit der Cousine von Anton Fugger, der Augsburgerin Barbara Reihing, verheiratet und zeitweise dessen persönliche Stellvertreter.
Als Faktor der Silberbergwerke Schwaz dürfte es m.E. Hörmann von und zu Gutenberg gewesen sein, der sich für die Vergabe des Münzprivilegs an die Reichsstadt Kaufbeuren im Jahr 1530 eingesetzt und dafür gesorgt hat, dass die Münzstätte Kaufbeuren in erheblichem Umfang auch mit dem nötigen Edelmetall Silber aus den Silberbergwerken Schwaz versorgt werden konnte. Das Edelmetall Gold wurde vermutlich von Böhmen her beschafft. Die Ausprägung der Silber- und Goldmünzen in Kaufbeuren erfolgt in den Jahren 1540 bis 1548, dann wieder ab 1552 bis 1555. Für Unruhe könnte hier die Konversion Hörmanns im Jahr 1542 zum Protestantismus gesorgt haben, ebenso wie die Anklage gegen den Münzmeister der Stadt Kaufbeuren Hans Apfelfelder 1543, der der Vernachlässigung seiner Amtspflichten beschuldigt in Augsburg für ein halbes Jahr in Haft einsass. 1543 ist auch das Jahr, in dem die Anhänger des Reformators Schwenckfeld Matthias Lauber und Anton Honold das Bürgermeisteramt der Reichsstadt übernehmen und die Stadt bis 1545 auf einen problematischen Sonderweg führen. Der dem Kaiser ergebene Georg Hörmann (siehe auch "Eulenpokal" von 1543) wird während des Feldzugs der Schmalkalder gegen Innsbruck von kaiserlichen Truppen vorübergehend unter Hausarrest gesetzt. 1549 bis 1551 bleibt die Münzproduktion ausgesetzt.
Nach verschiedenen kaiserlichen Interventionen Karls V., das Münzwesen im Reich aber auch Kaufbeuren selber betreffend (siehe M. Bernhart), nimmt die Münzstätte 1552 die Produktion von Talern und Kreuzern wieder auf und intensiviert zwischen 1553 bis 1555 insbesondere die Herstellung von Kreuzern, Zehnern und Zwanzigern. Mit Georg Hörmann von und zu Gutenberg verstirbt Ende des Jahres 1552 in Kaufbeuren der langjährige Unterstützer des Silber- und Münzwesens in Kaufbeuren. Möglicherweise verschlechtert dieser Umstand die Versorgung mit Silber aus Schwaz für die Münzstätte Kaufbeuren. „Die gedruckte Münzordnung“ von Kaiser Karl V. vom 6. Dezember 1555, “darinnen den Städten bey dieser Zeit das Münzen verboten worden“, beendet dann das Schlagen von eigenem Geld an der Münzstätte Kaufbeuren.
Karls V. Nachfolger Ferdinand I. betätigt zwar am 29. August 1559 der Stadt und der Münze Kaufbeuren das Recht zur weiteren Ausübung des Münzenrechts. Die Stadt unterlässt in der Folgezeit die Münzherstellung, mit Ausnahme der Produktion von Kupferhellern im Kipper- und Wipperjahr 1622.
(Wolfgang W. Scheibel)
Quellen: Die urbane Herausforderung, Kaufbeuren vom 16. bis 18. Jahrhundert,
S. Dieter und F. Junginger, in: Die Stadt Kaufbeurn, Band I, Thalhofen 1999, S. 64 – 71.
S. Dieter, Die Reichsstadt Kaufbeuren in der frühen Neuzeit, Studien zur Wirtschafts-, Sozial-, Kirchen- und Bevölkerungsgeschichte,
Kaufbeurer Schriftenreihe Band 2, Thalhofen 2000.
Überblick: Es gab in Süddeutschland Zeiten, da man mit der Produktion und mit dem Vertrieb von Textilien unheimlich reich werden konnte: siehe die Familie Fugger in Augsburg, die dann vom Textil- ins Silberbergwerks- und dann ins Finanzgrossgeschäft umstieg und damit Kurfürsten, Könige und Kaiser zu ihren Verhandlungspartnern machte.
Später änderten sich die Zeiten: das überkommene geozentrische Weltbild mit Erde und Mensch als Mittelpunkt aller Schöpfung wich dem heliozentrischen Weltbild. Jahrhunderte alte Wirtschaftsräume und Transportwege rückten an den Rand des Weltgeschehens. Politische und religiöse Stabilitäten wurden im Verlauf des 16. Jahrhunderts brüchig. Das Wirtschaftsgefüge in Süddeutschland und auch in der Reichsstadt Kaufbeuren war einem Wandel unterzogen, der auch Spekulationsblasen platzen liess.
Als Profitnehmer des grossen "Textil-, Rohstoff- und Finanz-Rades" vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit sah sich auch die Reichsstadt Kaufbeuren. Der Hochkonjunktur des Textil- und Finanzgeschäfts von 1480 bis in die Zeit um das Jahr 1580 verdankte die Stadt ihre weitere Blütezeit. In unmittelbarem Zusammenhang mit der zeitgenössischen Hochphase des Textilhandels und der Finanzspekulation stand auch die Münztätigkeit an der Münzprägeanstalt der Reichsstadt Kaufbeuren. Bereits unter Maximilian I. angestrebt, brachte das im Jahr 1530 von Kaiser Karl V. verliehene Münzprivileg an die Stadt Kaufbeuren von 1540 bis 1555 eine umfangreiche Münzproduktion an der Münzstätte Kaufbeuren in Gang. Nach dieser fünfzehnjährigen Münzphase rechnete sich das Münzenausschlagen für Kaufbeuren offenbar nicht mehr und wurde wohl auch handelspolitisch und prestigehalber entbehrlich.
Die Jahre zwischen 1555 und 1580 blieben für Kaufbeuren trotz der bedeutenden religionspolitischen Umbrüche zunächst noch eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperität. Später machten sich die aufgezeigten Grenzen des Wachstum auch für Handel und Bürgerschaft bemerkbar.
Die geopolitischen Umbrüche der Zeit im Mittelmeerraum und in der „Neuen Welt“ schlugen sich in der Entwicklung des Handels der Reichsstädte nieder, und machten auch für Kaufbeuren keine Ausnahme. Für die Veränderung des Handelsstromes über die Alpen entlang der alten Handelsrouten von und nach Italien nach Augsburg und weiter nach Flandern, von dem auch die Reichsstadt Kaufbeuren im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit profitierte, gibt es verschiedene Ursachen:
Die reichen Silbervorkommen aus Schwaz, welche im 15. und 16. Jahrhundert noch rund 85 Prozent des europaweit gehandelten Silbers förderten (Abbauhöhepunkt um 1500 bis 1545), nahmen ab 1545 kontinuierlich ab und sanken später auf ein Fünftel der früheren Förderungsmenge. Auch der Italienhandel über die Alpenpässe verzeichnete eine rückläufige Tendenz. Die alte Handelsrepublik Venedig erlebte den teilweisen Zusammenbruch des Orienthandels durch eklatante Rückschläge: das Osmanische Reich dehnte seine maritime Herrschaft im östlichen Mittelmeer aus, eroberte Rhodos (1522), Zypern (1570), belagerte Malta (1565), holte sich Kreta (1669). Der türkischen Expansion wurde zwar 1529 vor Wien und in der Galeerenschlacht vor Lepanto am 7. Oktober 1571 Einhalt geboten. Die türkische Gefahr blieb aber bestehen, und die Reichsstädte, so auch Kaufbeuren, hatten ab der zweiten Hälfte 16. Jahrhunderts hohe Beträge an Türkensteuern an das Reich zu bezahlen und belasteten die städtischen Haushalte.
Als ob das nicht genug wäre: das Aufholen ländlicher Produktionsregionen in der Textilproduktion und die verstärkte Baumwollverarbeitung machten der traditionell städtischen Leinen- und Barchentweberei zunehmend Konkurrenz und drückten die Preise.
Und die Jahrzehnte alten gewaltsamen Konflikte zwischen den Religionsparteien im Reich und in Kaufbeuren schwelten auch nach dem "Augsburger Religionsfrieden von 1555" weiter und blieben ungelöst.
Der böhmische Aufstand protestantischer Adeliger endlich entfachte im Jahr 1618 den Flächenbrand des Dreissigjährigen Krieges. In dessen Verlauf richteten sich die Religionsparteien und politischen Mächte im erbarmungslosen Kampf gegenseitig zugrunde, wüteten Pest und massenhafter Tod.
Von dieser Verelendung vom Bevölkerungsstand und von der Wirtschaftskraft her erholten sich die Städte Süddeutschlands, auch Kaufbeuren, lange nicht mehr. Die „grosse Zeit“ war auch für Kaufbeuren unwiederbringlich vorüber. Der Stadt war bis zum Ende des Alten Reiches ein überschaubares Bürger- und Handelsleben beschieden. Ihre Stadtgestalt entwickelte sich bis 1800 kaum über die Jahrhunderte alten Grenzen der Altstadt hinaus. Durch diese Umstände ist die urbane Stadtgestalt der Altstadt aus dem 16. Jahrhundert bis heute in den grossen Zügen erhalten geblieben. Auch Luftkrieg des 2. Weltkriegs und bauliche Nachkriegssünden konnten der prägenden spätmittelalterlich-neuzeitlichen Struktur der Altstadt keine entstellenden Schäden zufügen.
Die Freie Reichsstadt Kaufbeuren, Elias Baeck 1708
Nachfolgend nehmen wir die politischen Entwicklungen in der Reichsstadt Kaufbeuren in den Blick und ihre Verflechtung mit massgeblichen Persönlichkeiten und Reichsvorgängen.
Im Jahr 1501 steht der Kaufbeurer Bürgersohn „Eustachius Koler de Kaufbeyren“ an der Universität Erfurt nur wenige Zeilen unterhalb des Matrikeleintrags von „Martinus Ludher de Mansfelt“. Derselbe „Ludher“ hebt am 31. Oktober 1517 in Wittenberg mit seinen 95 Thesen am Vorabend des Allerheiligentages die etablierte Religionsordnung aus den Angeln. Dieser Martin Luther ist auch vom 12. bis 14. Oktober 1518 in Augsburg beim Verhör mit Kardinal Cajetan und flieht am 20. Oktober 1518 aus Augsburg.
Maximilian I. (1449 - 1519), Porträt von Dürer 1519, Kunsthistorisches Museum Wien
Kaiser Maximilian I. hielt sich, bereits auf dem Rückweg von diesem Reichstag in Augsburg, zuletzt noch am 8. Oktober 1518 in seinem Wohnhaus in Kaufbeuren auf, - er verstarb kurz darauf am 12.1.1519 in Wels. Maximilian I. wurde „der letzte Ritter“ genannt, er war eine prägende Persönlichkeit in der Epochenwende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit.
Sein Nachfolger war der Enkel Maximilians, der Habsburger Kaiser Karl V..
Karl V. (1500 bis 1558), Tizian 1548, Alte Pinakothek München
Karl regierte 1519 bis 1556 über ein riesiges Reich in Europa und auch in der „neuen Welt“ in Südamerika, "ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht“. Die Neue Welt, der Amerigo Vespucci den Namen gab, war im Jahr 1492 von Kolumbus neu entdeckt worden: das Eldorado lieferte dem Alten Kontinent in grossen Mengen neue Waren und Gold und Silber. Der gewinnbringende Handel verlagerte sich vom Land auf die Meere zugunsten der Seemächte Portugal und Spanien und der in Aufstieg begriffenen Mächte, den Niederlanden und England.
Karl V. wurde am 28.6.1519 gegen Franz I. von Frankreich von den Kurfürsten zum Kaiser gewählt, massgeblich finanziert durch den gewaltigen Geldbetrag von 500.000 Gulden, bereitgestellt vom Bankier Jakob Fugger aus Augsburg. Kaiser Karl war auch der Schutzherr der Reichsstadt Kaufbeuren. Kaufbeuren liegt 65 Kilometer südlich von Augsburg entfernt verbunden durch den Wertachfluss, auf dem direkten Weg nach Innsbruck und Schwaz mit dem Silberbergbau und nach Italien/Venedig. Die Fugger in Augsburg war zunächst durch Tuchhandel ! reich geworden. Jakob Fugger hatte 1510/11 erst das Salzbergwerk Hall übernommen, wo auch die Hauptmünzstätte Hall mit der Prägung des Talers war. Die Übernahme des profitablen Silber- und Kupferbergwerks in Schwaz durch Fugger erfolgte im Jahr 1522. Über Innsbruck waren Augsburg/Kaufbeuren mit den Märkten in Bozen und in Venedig verbunden.
Der Übergang von der spätmittelalterlichen Agrargesellschaft und der von den Städten gestützten Produktivwirtschaft
zu der sich in der Hand weniger Fürsten und Handelsherren befindlichen Kapitalwirtschaft in der frühen Neuzeit
bewirkte nachhaltige wirtschaftspolitische Veränderungen.
Es entstanden verstärkt noch durch religiöse Strömungen,
gesellschaftliche Spannungen, die sich in Gewaltausbrüchen entluden:
In der nahen Reichsstadt Memmingen wurden 1525 die berühmt gewordenen Memminger Artikel verfasst, es entstanden auch die elf Artikel der Kaufbeurer Bauernschaft. Während des anschliessenden Bauernkrieges und der allgemeinen Bauernerhebung brannten dann im Allgäu die Klöster, so auch das von Kaufbeuren sieben Kilometer entfernte Benediktinerkloster Irsee.
Der Kampf um den bestimmenden Einfluss der im Entstehen begriffenen Religionsparteien im Stadtregiment, also zwischen Katholischen und Sympathisanten der Reformation, war im Kaufbeuren bereits 1520 ausgebrochen. Im Fall des Streites um die Nutzungsrechte für die Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin, die beide Parteien für sich beanspruchten, wurde die Auseinandersetzung 1525 auch handgreiflich.
Auch die streng verbotene Täuferbewegung fand in Kaufbeuren grosse Anhängerschaft: am 13. Mai 1528 wurden fünf Täufer auf dem Richtplatz geköpft und 30 weitere Täufer aus der Stadt herausgepeitscht und vertrieben.
Die 1530 in Augsburg formulierte „Confessio Augustana“ hingegen fand in Kaufbeuren zunächst wenig Anklang.
Vielmehr öffnete sich die Stadt ab den 1540ziger Jahren den oberdeutschen reformatorischen Lehren des Reformators Huldrych Zwingli aus Zürich mehr noch der stärker spiritistischen Lehre von Caspar Schwenckfelder, der sich im April 1545 sogar in der Stadt aufhielt.
Das Kaufbeurer Stadtregiment hatte sich 1525 und in den Folgenjahre nach aussen hin zunächst noch Rom- und damit Kaisertreu verhalten.
Der im Kaufbeurer Stadtmuseum gezeigte, ganz aussergewöhnliche sog. „Eulenpokal“, datiert mit der Jahreszahl „1543“, aus dem Besitz von Georg Hörmann mit dem kaiserlichen Wappen, verweist neben Repräsentationsbewusstsein auch auf weiterhin vorhandene gute Verbindungen der Stadt zum Kaiserhaus.
Eulenpokal von 1543 im Stadtmuseum Kaufbeuren
Bereits im selben Jahr 1543 wählte die übergrosse reformatorische Anhängerschaft nun aber wieder bekennende Protestanten in den Rat der Stadt und als Bürgermeister und begab sich damit auf Konfrontationskurs mit der Politik Karl V.
Zeitgleich im Jahr 1543 erschien in Nürnberg das revolutionäre Hauptwerk des Nikolaus Kopernikus „De revolutionibus orbium coelestium“, ein Ereignis, das auch als die „kopernikanische Wende im Denken“ bezeichnet worden ist.
Für Kaufbeuren änderte sich die religionspolitische Lage so dramatisch, dass sich auch der Reichsstag in Worms 1545 mit der religionspolitischen Situation in Kaufbeuren befasste: zur Verhinderung des Bruchs mit dem Kaiser und der drohenden Reichsexekution wurde das Kaufbeurer Stadtregiment 1545 zur Annahme der reichskonformen „Confessio Augustana“ des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses gezwungen.
1546 brach der sogenannte „Schmalkaldische Krieg“ zwischen Karl V. und den evangelischen Ständen aus, die Reichsstadt Kaufbeuren hielt sich zunächst neutral. Aber wenige Kilometer von Kaufbeuren entfernt belagerte vom 9. bis 12. Juli 1546 ein grosses protestantisches Heer unter Führung des von der Augsburger Reichsstadt beauftragten Schertlin von Burtenbach die Augsburger Bischofsstadt Füssen und drang nach deren Besetzung weiter über das Ausserfern Richtung Innsbruck vor. Während dieser dramatischen Phase wurde der mittlerweile protestantisch gewordene, aber kaisertreue Georg Hörmann von der Kaufbeurer Stadtregierung unter Hausarrest gesetzt. Nach dem raschen Rückzug des protestantischen Heeres wegen Uneinigkeit gewann Karl V. die militärische Initiative zurück. Der Kaiser besiegte das Heeresaufgebot des Schmalkaldischen Bundes am 24. April 1547 bei der Schlacht von Mühlberg und nahm danach mit dem "Augsburger Interim" von 1548 das religionspolitische Heft wieder fest in die Hand. Das grosse Trienter Konzil, das die Neuordnung der katholischen Kirche bewirken sollte tagte da bereits seit 1545 (bis 1563) in Trient.
Für die Reichsstadt Kaufbeuren bewirkte dieser reichspolitische Umschwung 1551 die Abschaffung des über zwei Jahrhunderte eingesetzten reichsstädtischen Zunftregiments durch die sogenannte „Karolinische Wahlordnung“: der dominierende politische Einfluss der Zünfte wurde verworfen. Hinfort regierte bis zum Ende der Reichsstadt im Jahr 1802 der sogenannte „Kleine Rat“, ergänzt durch den „Geheimen Rat“, mit zwei Bürgermeistern.
Diese Verfassung des Augsburger Interims wurde durch den sogenannten Fürstenaufstand 1552 in Frage gestellt und revidiert: ein grosses Heer protestantischer Mächte unter Führung des sächsischen Kurfürsten Moritz von Sachsen zog im Frühjahr 1552 ganz nahe an Kaufbeuren vorbei gegen Füssen und die Ehrenberger Klause bis nach Innsbruck und zwang den völlig überrumpelten Kaiser Karl V. zur Flucht nach Villach, um der drohenden Gefangennahme zu entgehen. Ergebnis des Fürstenaufstandes gegen Karl V. war der Passauer Vertrag vom 2. August 1552 mit der vorläufigen Religionsfreiheit für die Protestanten im Reich. Dieser Status wurde 1555 in Augsburg im "Augsburger Religionsfrieden" reichsrechtlich zwischen den Konfessionsparteien festgehalten auf der Basis „Cuius regio eius religio“.
Im Folgejahr 1556 resignierte Kaiser Karl V. und gab die Regentschaft an seinen Bruder, den seit 1531 regierenden römisch-deutschen König Ferdinand I., Kaiser von 1558 bis 1564 ab.
Um 1588 gehörten in der Reichsstadt Kaufbeuren ca. 90 % der Stadtbevölkerung der evangelischen Konfession an, etwa 10 % waren katholisch. Die Konfessionsverhältnisse im städtischen Landterritorium der Reichsstadt blieb, von den angrenzenden katholischen Herrschaften geprägt, überwiegend katholisch. Der im Augsburger Religionsfrieden erzielte Ausgleich zwischen den Konfessionsparteien hielt allerdings nur interimsmässig bis 1618 an.
Die Reichsstadt Kaufbeuren wurde im Dreissigjährigen Krieg Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Katholischen und Kaiserlichen auf der einen, und Protestanten und Schweden auf der anderen Seite mit ungezählten Opfern. Kaiser Ferdinand II. setzte das katholische Restitutionsedikt vom 6. März 1629 in Kaufbeuren exemplarisch durch, mit der Vertreibung der Protestanten mit deren Geschäftsverbindungen aus der Stadt. Die Stadt wechselte allein 1633/34 achtmal die Oberherrschaft. Bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück blieb eine zerstörte Stadt zurück, die sich 1649 auf den bi-konfessionellen Besitzstatus von vor 1627 einigte,- es blieb eine Jahrhunderte andauernde Feindschaft zwischen den Konfliktparteien innerhalb des Stadtgefüges bestehen.
Diese angeführten historischen Vorgänge in der Reichsstadt Kaufbeuren im 16. Jahrhundert umkreisen die Thematik der hier infragestehenden Münzproduktion der Reichsstadt Kaufbeuren in den Jahre 1540 bis 1555:
Vertrauensmann von Jakob und Anton Fugger, war der Patrizier Georg Hörmann von und zu Gutenberg (1491 bis 1552) Hörmann war der "Faktor", das heisst Geschäftsführer, des Schwazer Silber- und Kupferbergbaus der Fugger.
Von Hörmann existieren mehrere bedeutende Porträtmedaillen von Matthes Gebel, 1527 ff. und Hans Kels. Medaille von Matthias Gebel 1531 auf Georg Hörmann (Mitte)
mit Heinrich Rybisch und Conrad Meier
1491 in Kaufbeuren geboren, nahm Hörmann ab 1527 auch seinen ständigen Wohnsitz in Kaufbeuren.
Georg Hörmann von und zu Gutenberg, Porträt von Christoph Amberger 1530, Staatsgalerie Stuttgart
Er liess sich hier seinen Palast mit rund 80 Räumen direkt neben dem Rathaus in Kaufbeuren erbauen. Das 1542 fertiggestellte Renaissance-Portal trägt den Titel „Da pacem Domine“. 1529 während der Pest in Augsburg wurde die gesamte Fuggersche Geschäftsleitung nach Kaufbeuren ausgelagert.
Hörmann wurde von Karl V. 1528 in den Reichsadelsstand erhoben, war seit 1534 königlicher Rat von König Ferdinand und 1547 erster Stellvertreter des Firmenchefs Anton Fugger. Er trat 1542 zum evangelischen Glauben über und starb am 11. Dezember 1552.
Die Reichsstadt Kaufbeuren bewegte sich im 16. Jahrhundert politisch wie wirtschaftlich eng im Rahmen dessen, was die benachbarte Reichsstadt Augsburg an Wirtschafts- und Politikvorgaben bereitstellte. Mit diesem Konzept expandierte die Stadt im frühen 16. Jahrhundert und in diesem Rahmen spielte Kaufbeuren auch eine bemerkenswertes Rolle als bedeutsame Zwischenstation zwischen den Metropolen der Zeit, Augsburg und Innsbruck. Jakob und Anton Fugger machten sich durch grosszügige Kreditvergabe die Kaiser Maximilian I. und Karl V. gefällig. Georg Hörmann von und zu Gutenberg war eine bedeutende Persönlichkeit in dieser Firmenbeziehung. Hörmann war mit der Cousine von Anton Fugger, der Augsburgerin Barbara Reihing, verheiratet und zeitweise dessen persönliche Stellvertreter.
Als Faktor der Silberbergwerke Schwaz dürfte es m.E. Hörmann von und zu Gutenberg gewesen sein, der sich für die Vergabe des Münzprivilegs an die Reichsstadt Kaufbeuren im Jahr 1530 eingesetzt und dafür gesorgt hat, dass die Münzstätte Kaufbeuren in erheblichem Umfang auch mit dem nötigen Edelmetall Silber aus den Silberbergwerken Schwaz versorgt werden konnte. Das Edelmetall Gold wurde vermutlich von Böhmen her beschafft. Die Ausprägung der Silber- und Goldmünzen in Kaufbeuren erfolgt in den Jahren 1540 bis 1548, dann wieder ab 1552 bis 1555. Für Unruhe könnte hier die Konversion Hörmanns im Jahr 1542 zum Protestantismus gesorgt haben, ebenso wie die Anklage gegen den Münzmeister der Stadt Kaufbeuren Hans Apfelfelder 1543, der der Vernachlässigung seiner Amtspflichten beschuldigt in Augsburg für ein halbes Jahr in Haft einsass. 1543 ist auch das Jahr, in dem die Anhänger des Reformators Schwenckfeld Matthias Lauber und Anton Honold das Bürgermeisteramt der Reichsstadt übernehmen und die Stadt bis 1545 auf einen problematischen Sonderweg führen. Der dem Kaiser ergebene Georg Hörmann (siehe auch "Eulenpokal" von 1543) wird während des Feldzugs der Schmalkalder gegen Innsbruck von kaiserlichen Truppen vorübergehend unter Hausarrest gesetzt. 1549 bis 1551 bleibt die Münzproduktion ausgesetzt.
Nach verschiedenen kaiserlichen Interventionen Karls V., das Münzwesen im Reich aber auch Kaufbeuren selber betreffend (siehe M. Bernhart), nimmt die Münzstätte 1552 die Produktion von Talern und Kreuzern wieder auf und intensiviert zwischen 1553 bis 1555 insbesondere die Herstellung von Kreuzern, Zehnern und Zwanzigern. Mit Georg Hörmann von und zu Gutenberg verstirbt Ende des Jahres 1552 in Kaufbeuren der langjährige Unterstützer des Silber- und Münzwesens in Kaufbeuren. Möglicherweise verschlechtert dieser Umstand die Versorgung mit Silber aus Schwaz für die Münzstätte Kaufbeuren. „Die gedruckte Münzordnung“ von Kaiser Karl V. vom 6. Dezember 1555, “darinnen den Städten bey dieser Zeit das Münzen verboten worden“, beendet dann das Schlagen von eigenem Geld an der Münzstätte Kaufbeuren.
Karls V. Nachfolger Ferdinand I. betätigt zwar am 29. August 1559 der Stadt und der Münze Kaufbeuren das Recht zur weiteren Ausübung des Münzenrechts. Die Stadt unterlässt in der Folgezeit die Münzherstellung, mit Ausnahme der Produktion von Kupferhellern im Kipper- und Wipperjahr 1622.
(Wolfgang W. Scheibel)
Quellen: Die urbane Herausforderung, Kaufbeuren vom 16. bis 18. Jahrhundert,
S. Dieter und F. Junginger, in: Die Stadt Kaufbeurn, Band I, Thalhofen 1999, S. 64 – 71.
S. Dieter, Die Reichsstadt Kaufbeuren in der frühen Neuzeit, Studien zur Wirtschafts-, Sozial-, Kirchen- und Bevölkerungsgeschichte,
Kaufbeurer Schriftenreihe Band 2, Thalhofen 2000.
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Die Münzstätte Kaufbeuren 1530/1540 bis 1555, 1622, ehemals Hintere Gasse,
die älteste Bausubstanz stammt vermutlich aus der 1. Hälfte 16. Jahrhunderts.
Fotos: Quelle Wikipedia commons
An dieser Stelle und in diesem Gebäude erfolgte die Münzproduktion der Freien Reichsstadt Kaufbeuren von 1540 bis 1555.
siehe auch Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle S. 1923, S. 11:
"Die Kaufbeurer Münzstätte unterhielt unter ihm (Münzmeister Hans Apfelfelder) einen ungemein ausgedehnten Betrieb,
wofür die zahlreichen Stempelvarietäten sprechen. Anfänglich hielt er 10 Münzgesellen,
in der Zeit der Groschenprägung (1552 - 1555) erhöhte sich ihre Zahl auf 30 - 40.
Am 21. Januar 1544 suchen die zehn Münzgesellen um Bewilligung von Dienstkleidern nach (Ratsprotokolle, fol. 22).
Seit 1588 Pfarramt der evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren,
heute Kaufbeuren, Ludwigstrasse 31.
Das evangelisch-lutherische Gotteshaus in Kaufbeuren
Die Dreifaltigkeitskirche, eingerichtet seit 1604,
ist der älteste rein protestantische Sakralbau im Allgäu.
Vom kaiserlichen Haus von Kaiser Maximilian I. in Kaufbeuren
zur Dreifaltigkeitskirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Kaufbeuren
Der Kaiser Maximilian I,, dessen Rat Kunz von der Rosen aus Kaufbeuren selbst stammte, erwarb 1504 in der Freien Reichsstadt Kaufbeuren das grosse, an herausgehobener städtebaulicher Stelle gelegene Patrizierhaus von Reichsritter Sigmund von Hohenfreyberg-Eisenberg, als Wohnsitz für seine zahlreichen Aufenthalte in „seiner viellieben Stadt Kaufbeuren“. Dieses Haus gelangte nach seinem Tod am 12.1.1519 an seinen Enkel Ferdinand I., der das Kaiserhaus 1533/34 an den treuen Kammerdiener seines Grossvaters, Michel Kopp, genannt „römischer königlicher Kammerfourier“, übergab. Am 20.5.1540 verkaufte dieser und seine Frau das Haus an Hanns Jacob von Landau zu Waal, der das Gebäude am 28.2.1542 an die Stadt Kaufbeuren veräusserte.
Von der Stadt Kaufbeuren erwarb David von und zu Baumgarten, Freyherr zu Hohenschwangau und Erbach das Haus am 12.1.1564. Dieser David Baumgarten war bereits zuvor in Kaufbeuren im Jahr 1551 als Bevollmächtigter von Kaiser Karl V. zusammen mit dem kaiserlichen Kommissar Heinrich Haß bei der faktischen Durchsetzung der „Karolinischen Wahlordnung“ tätig gewesen. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Familienimperiums in Augsburg, veräusserte David Baumgarten das Gebäude wieder an die Stadt am 24.4.1565 zurück.
Der infolge des Finanzkollaps aus der Bahn geworfene Baumgarten, schloss sich dann dem Reichsintriganten Wilhelm von Grumbach an, der die genannten „Grumbach´schen Händel“ im Reich auslöste. Nach Gefangennahme der beiden nach gewaltsamer Belagerung, endete Baumgarten am 18.4.1567 in Gotha, geköpft mit dem scharfen Schwert, während Grumbach und sein Kanzler Brück am selben Ort „lebendig gevierteilt“ wurden.
Der Streit zwischen den Evangelischen und den Katholischen Bewohnern in der Stadt um Besitz und die gottesdienstliche Nutzung der Stadtpfarrkirche St. Martin, ein Streit, der sich durch die Einführung des Gregorianischen Kalender 1582 katholischerseits noch verschärfte und mehrere kaiserliche und bischöfliche Kommissionen beschäftigte, wurde dahin entschieden, dass die Nutzung der Martinskirche hinfort den Katholischen eingeräumt wurde, den Evangelischen aber im Jahr 1604 das ehemalige Kaiserhaus zur Nutzung überlassen wurde.
Diese richten an dieser Stelle ihr Gotteshaus, die Dreifaltigkeitskirche ein, zur Nutzung für die evangelisch-lutherische Gemeinde
bis auf den heutigen Tag.
die älteste Bausubstanz stammt vermutlich aus der 1. Hälfte 16. Jahrhunderts.
Fotos: Quelle Wikipedia commons
An dieser Stelle und in diesem Gebäude erfolgte die Münzproduktion der Freien Reichsstadt Kaufbeuren von 1540 bis 1555.
siehe auch Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle S. 1923, S. 11:
"Die Kaufbeurer Münzstätte unterhielt unter ihm (Münzmeister Hans Apfelfelder) einen ungemein ausgedehnten Betrieb,
wofür die zahlreichen Stempelvarietäten sprechen. Anfänglich hielt er 10 Münzgesellen,
in der Zeit der Groschenprägung (1552 - 1555) erhöhte sich ihre Zahl auf 30 - 40.
Am 21. Januar 1544 suchen die zehn Münzgesellen um Bewilligung von Dienstkleidern nach (Ratsprotokolle, fol. 22).
Seit 1588 Pfarramt der evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren,
heute Kaufbeuren, Ludwigstrasse 31.
Das evangelisch-lutherische Gotteshaus in Kaufbeuren
Die Dreifaltigkeitskirche, eingerichtet seit 1604,
ist der älteste rein protestantische Sakralbau im Allgäu.
Vom kaiserlichen Haus von Kaiser Maximilian I. in Kaufbeuren
zur Dreifaltigkeitskirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Kaufbeuren
Der Kaiser Maximilian I,, dessen Rat Kunz von der Rosen aus Kaufbeuren selbst stammte, erwarb 1504 in der Freien Reichsstadt Kaufbeuren das grosse, an herausgehobener städtebaulicher Stelle gelegene Patrizierhaus von Reichsritter Sigmund von Hohenfreyberg-Eisenberg, als Wohnsitz für seine zahlreichen Aufenthalte in „seiner viellieben Stadt Kaufbeuren“. Dieses Haus gelangte nach seinem Tod am 12.1.1519 an seinen Enkel Ferdinand I., der das Kaiserhaus 1533/34 an den treuen Kammerdiener seines Grossvaters, Michel Kopp, genannt „römischer königlicher Kammerfourier“, übergab. Am 20.5.1540 verkaufte dieser und seine Frau das Haus an Hanns Jacob von Landau zu Waal, der das Gebäude am 28.2.1542 an die Stadt Kaufbeuren veräusserte.
Von der Stadt Kaufbeuren erwarb David von und zu Baumgarten, Freyherr zu Hohenschwangau und Erbach das Haus am 12.1.1564. Dieser David Baumgarten war bereits zuvor in Kaufbeuren im Jahr 1551 als Bevollmächtigter von Kaiser Karl V. zusammen mit dem kaiserlichen Kommissar Heinrich Haß bei der faktischen Durchsetzung der „Karolinischen Wahlordnung“ tätig gewesen. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Familienimperiums in Augsburg, veräusserte David Baumgarten das Gebäude wieder an die Stadt am 24.4.1565 zurück.
Der infolge des Finanzkollaps aus der Bahn geworfene Baumgarten, schloss sich dann dem Reichsintriganten Wilhelm von Grumbach an, der die genannten „Grumbach´schen Händel“ im Reich auslöste. Nach Gefangennahme der beiden nach gewaltsamer Belagerung, endete Baumgarten am 18.4.1567 in Gotha, geköpft mit dem scharfen Schwert, während Grumbach und sein Kanzler Brück am selben Ort „lebendig gevierteilt“ wurden.
Der Streit zwischen den Evangelischen und den Katholischen Bewohnern in der Stadt um Besitz und die gottesdienstliche Nutzung der Stadtpfarrkirche St. Martin, ein Streit, der sich durch die Einführung des Gregorianischen Kalender 1582 katholischerseits noch verschärfte und mehrere kaiserliche und bischöfliche Kommissionen beschäftigte, wurde dahin entschieden, dass die Nutzung der Martinskirche hinfort den Katholischen eingeräumt wurde, den Evangelischen aber im Jahr 1604 das ehemalige Kaiserhaus zur Nutzung überlassen wurde.
Diese richten an dieser Stelle ihr Gotteshaus, die Dreifaltigkeitskirche ein, zur Nutzung für die evangelisch-lutherische Gemeinde
bis auf den heutigen Tag.
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
500 Jahre Verleihung des Münzprivilegs an die Freie Reichsstadt Kaufbeuren
Die Stadt Kaufbeuren feiert im Jahr 2030
die 500 Jahre Verleihung des Münzprivilegs
durch Kaiser Karl V. am 10. November 1530 in Augsburg.
Aus diesem Anlass,
und weil die Münzgemeinde den Wortlaut dieser Verleihung wohl auch gerne
in den zeitgenössischen Originalformulierungen studieren möchte,
soll der Inhalt des Schreibens an dieser Stelle mitgeteilt werden.
Der Originaltext ist entnommen der Schrift Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle/ S. 1923, Seiten 3 - 5. Einklammerungen aufgrund Störungen im Pergament. Der Text zitiert nach A. Horchler, Allgäuer Geschichtsfreund 1890, S. 59.
Die Verleihungsurkunde befindet sich heute in München im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Signatur: BayHSTA, vormals Kaiserselekt Nr. 883;
Im heutigen Online-Verzeichnis der Staatlichen Archive (GDA) zu finden unter:
Abteilung I, Ältere Bestände (bis 1800), Untergruppe Reichsstädte, Bereich Schwäbischer Kreis, Bestand Reichsstadt Kaufbeuren, Urkunden.
Unter dem 10. November 1530 verlieh Kaiser Karl V. zu Augsburg der Stadt Kaufbeuren das Münzrecht.
" Wir Carl der fünfft . . . . . bekennen offentlich mit diesem brieve unnd thun kunt allermeniglich. Nachdem wir bericht sein wie weilent kaiser Maximilian unnser lieber her unnd anher loblicher gedechtnus unsern unnd des reichs lieben getrewen burgermaistern unnd rath der stadt Kaufpeurn aus sonndern gnaden zugesagt unnd bewilligt gehabt hadt, ain müntzstat bey inen daselbst zu Kaufpeuern aufzurichten, unnd aber seine liebde eher verfertigung der brieve darauf lautend mit tod abgangen, derhalb uns dan gedachte burgermaister unnd rath yetzo undertheniglich angerueffen unnd gebetten haben, ihnen zu vollstreckung desselbigen unnser kaiserliche hilffe aus sonndern gnaden mitzutailen,
des haben wir angesehen solche ir demutige unnd zymliche bit auch die angenemen willigen dienste so sey unns unnd dem hailigen reiche offt williglich gethan unnd beweisst und in künftig zeit wol thun mügen unnd sollen. Und haben darumb inen unnd iren nachkomen gegont unnd erlaubt, gonnen unnd erlauben inen das auch von romischer kaiserlichen machtvolkomenhait unnd rechter wissen, mit unnd in krafft ditz brieffs,
also das sy oder ire nachkomen ain muntzstat bey inen aufrichten unnd daselbst guldne und silber müntz, als nemlich ducaten kronen goltgulden zwainziger zehner batzen halbe batzen auf welcher muntz zu ainer seiten unnser brustbild mit der umbschrifft Cesar Carolus . V. Ro: Imperator und auf der andern seiten irer stat wapen unnd cleinot mit der jarzal darin die geschlagen und auf den pfennigen und hallern ainen stern durch ainen iren erbarn aufrichtigen verstendigen und redlichen müntzmaister, den sy yeder zeit darzu verordnen, schlahen unnd machen sollen unnd mügen lassen unnd damit getrewlich gefarn also das die an gradt alloy unnd werdt dermass seien, das der kaufman damit besteen müge unnd auch der gemain man nit betrogen sonnder gefürdert werde. Und ob es sich begebe uber kurtz oder lang das wir ainiche endrung im hailigen reiche uber kurtz oder lang der müntz halben ordnen und machen würden des sullen sich die von Kaufpeurn unnd ire nachkomen auch gehalten alles getrewlich unnd ungeverlich. Unnd gebieten darauf allen unnd yeglichen unnsern und des hai. r. khurfürsten geistlichen und weltlichen prelaten graven freien herren rittern knechten haubtleuten lantvogten vitzthumben vogten pflegern verwesern amtleuten schultheisen burgermaistern richtern rethen burgern gemainden unnd sunst allen andern unnseren und des hailigen reichs auch unnsern erblichen fürstenhumben und landen underthanen und hetrewen in was wirden stande oder wesens die sein von romischer keiserlicher macht ernstlich (un)d vestiglich mit diesem brieve und wellen,
das sy die genannten von Kaufpeiren bey diesen unsern kaiserlichen gnaden freihaiten gonnung und erlaubung (der genan)nten guldnen und silberen müntz nit irren noch hindern sonder sy der wie obstet geruehlich geniessen und gentzlich dabey bleiben die au(ch allenthal)ben wie ander dergleichen müntz nemen und damit handeln lassen und hiewieder nit thun noch des yemants andern zu thun ges(tatten in kain w)eise als + lieb ainem yeden sey unser und des reichs schwere ungnad und straf und darzu ain peen nemlich 20 mark + lotigs goldes zu verm(eiden die ain) yeder so offt er freventlich hiewieder thete uns halb in unser und des reichs kamer unnd den andern halben tail den berürten von Kaufpeuren oder (iren n)achkomen, so darwieder belaid wurden, unablesslich zu bezalen verfallen sein soll.
Mit urkundt ditz briefs mit unser aingen hant unterschrieben und u(nserm) kaiserlichen anhangenden insigel besigelt.
Geben in unser und des reichs stat Augspurg am zehnden tag des monats novembris nach Christi unnseres lieben herren geburt im fünfftzehnhundert und dreissigisten, unnseres kaiserthumbs im ailfften unnd unser reiche im fünfftzehenden jahren.
Ad mandatum caesareae et catholicae majestatis proprium.
Carol.
Alexander Schweis. "
Kaufbeuren, Taler, Karl V., 1542 mit Abänderung 1543,
Nau 22, Davenport 9348/0347, Schulten 1557,
äußerst seltene Prägung aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches
Die Stadt Kaufbeuren feiert im Jahr 2030
die 500 Jahre Verleihung des Münzprivilegs
durch Kaiser Karl V. am 10. November 1530 in Augsburg.
Aus diesem Anlass,
und weil die Münzgemeinde den Wortlaut dieser Verleihung wohl auch gerne
in den zeitgenössischen Originalformulierungen studieren möchte,
soll der Inhalt des Schreibens an dieser Stelle mitgeteilt werden.
Der Originaltext ist entnommen der Schrift Max Bernhart, Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, Halle/ S. 1923, Seiten 3 - 5. Einklammerungen aufgrund Störungen im Pergament. Der Text zitiert nach A. Horchler, Allgäuer Geschichtsfreund 1890, S. 59.
Die Verleihungsurkunde befindet sich heute in München im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Signatur: BayHSTA, vormals Kaiserselekt Nr. 883;
Im heutigen Online-Verzeichnis der Staatlichen Archive (GDA) zu finden unter:
Abteilung I, Ältere Bestände (bis 1800), Untergruppe Reichsstädte, Bereich Schwäbischer Kreis, Bestand Reichsstadt Kaufbeuren, Urkunden.
Unter dem 10. November 1530 verlieh Kaiser Karl V. zu Augsburg der Stadt Kaufbeuren das Münzrecht.
" Wir Carl der fünfft . . . . . bekennen offentlich mit diesem brieve unnd thun kunt allermeniglich. Nachdem wir bericht sein wie weilent kaiser Maximilian unnser lieber her unnd anher loblicher gedechtnus unsern unnd des reichs lieben getrewen burgermaistern unnd rath der stadt Kaufpeurn aus sonndern gnaden zugesagt unnd bewilligt gehabt hadt, ain müntzstat bey inen daselbst zu Kaufpeuern aufzurichten, unnd aber seine liebde eher verfertigung der brieve darauf lautend mit tod abgangen, derhalb uns dan gedachte burgermaister unnd rath yetzo undertheniglich angerueffen unnd gebetten haben, ihnen zu vollstreckung desselbigen unnser kaiserliche hilffe aus sonndern gnaden mitzutailen,
des haben wir angesehen solche ir demutige unnd zymliche bit auch die angenemen willigen dienste so sey unns unnd dem hailigen reiche offt williglich gethan unnd beweisst und in künftig zeit wol thun mügen unnd sollen. Und haben darumb inen unnd iren nachkomen gegont unnd erlaubt, gonnen unnd erlauben inen das auch von romischer kaiserlichen machtvolkomenhait unnd rechter wissen, mit unnd in krafft ditz brieffs,
also das sy oder ire nachkomen ain muntzstat bey inen aufrichten unnd daselbst guldne und silber müntz, als nemlich ducaten kronen goltgulden zwainziger zehner batzen halbe batzen auf welcher muntz zu ainer seiten unnser brustbild mit der umbschrifft Cesar Carolus . V. Ro: Imperator und auf der andern seiten irer stat wapen unnd cleinot mit der jarzal darin die geschlagen und auf den pfennigen und hallern ainen stern durch ainen iren erbarn aufrichtigen verstendigen und redlichen müntzmaister, den sy yeder zeit darzu verordnen, schlahen unnd machen sollen unnd mügen lassen unnd damit getrewlich gefarn also das die an gradt alloy unnd werdt dermass seien, das der kaufman damit besteen müge unnd auch der gemain man nit betrogen sonnder gefürdert werde. Und ob es sich begebe uber kurtz oder lang das wir ainiche endrung im hailigen reiche uber kurtz oder lang der müntz halben ordnen und machen würden des sullen sich die von Kaufpeurn unnd ire nachkomen auch gehalten alles getrewlich unnd ungeverlich. Unnd gebieten darauf allen unnd yeglichen unnsern und des hai. r. khurfürsten geistlichen und weltlichen prelaten graven freien herren rittern knechten haubtleuten lantvogten vitzthumben vogten pflegern verwesern amtleuten schultheisen burgermaistern richtern rethen burgern gemainden unnd sunst allen andern unnseren und des hailigen reichs auch unnsern erblichen fürstenhumben und landen underthanen und hetrewen in was wirden stande oder wesens die sein von romischer keiserlicher macht ernstlich (un)d vestiglich mit diesem brieve und wellen,
das sy die genannten von Kaufpeiren bey diesen unsern kaiserlichen gnaden freihaiten gonnung und erlaubung (der genan)nten guldnen und silberen müntz nit irren noch hindern sonder sy der wie obstet geruehlich geniessen und gentzlich dabey bleiben die au(ch allenthal)ben wie ander dergleichen müntz nemen und damit handeln lassen und hiewieder nit thun noch des yemants andern zu thun ges(tatten in kain w)eise als + lieb ainem yeden sey unser und des reichs schwere ungnad und straf und darzu ain peen nemlich 20 mark + lotigs goldes zu verm(eiden die ain) yeder so offt er freventlich hiewieder thete uns halb in unser und des reichs kamer unnd den andern halben tail den berürten von Kaufpeuren oder (iren n)achkomen, so darwieder belaid wurden, unablesslich zu bezalen verfallen sein soll.
Mit urkundt ditz briefs mit unser aingen hant unterschrieben und u(nserm) kaiserlichen anhangenden insigel besigelt.
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Ad mandatum caesareae et catholicae majestatis proprium.
Carol.
Alexander Schweis. "
Kaufbeuren, Taler, Karl V., 1542 mit Abänderung 1543,
Nau 22, Davenport 9348/0347, Schulten 1557,
äußerst seltene Prägung aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Für Alle, die Kaufbeuren und seiner Stimmung im Buronlied nähertreten wollen,
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
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Coingallery, Münzen der Stadt Kaufbeuren 1540 bis 1555 und Medaillen,
the best site you can open to watch the Kaufbeuren original coins !
https://www.coingallery.de/stadt/k/kaufbeuren.htm
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Lieber pingu, vielen Dank für Deinen sicher sehr sachdienlichen und auch orthographisch korrekten Beitrag zum Thema,
auf den ich leider nicht antworten kann, weil ich kein sächsisches Chinesisch spreche. Liebe Grüsse
auf den ich leider nicht antworten kann, weil ich kein sächsisches Chinesisch spreche. Liebe Grüsse
- pingu
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Hallo,
das ist Standardchinesisch und hat mit Sächsisch nichts zu tun. Aber ebenfalls vielen Dank, dass du in einem deutschen Forum auch Deutsch schreibst.
Anmerkung: Schon Google kann dies problemlos übersetzen.
Aber ich gebe zu, dass sollte hier nicht die Norm werden und stellt eine Ausnahme dar.
Liebe Grüße pingu
pS: Danke für diesen bisher sehr aufschlussreichen Thread.
das ist Standardchinesisch und hat mit Sächsisch nichts zu tun. Aber ebenfalls vielen Dank, dass du in einem deutschen Forum auch Deutsch schreibst.
Anmerkung: Schon Google kann dies problemlos übersetzen.
Liebe Grüße pingu
pS: Danke für diesen bisher sehr aufschlussreichen Thread.
Wer sein Geld mit Konsum verschwendet, wird die wahren Freuden eines Numismatikers nie kennenlernen....
- doktor
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Dank ! - Ich bin auch sehr dafür, dass man über seinen eigenen Tellerrand gelegentlich hinausblickt !! Welcome.
Erstaunlicherweise ist an der TU Dresden die Unterrichtssprache in den MINT-Fächern nicht Deutsch/Sächsisch, sondern, man glaubt es nicht:
in Englisch !
Erstaunlicherweise ist an der TU Dresden die Unterrichtssprache in den MINT-Fächern nicht Deutsch/Sächsisch, sondern, man glaubt es nicht:
in Englisch !
Zuletzt geändert von doktor am Mo 17.08.26 18:19, insgesamt 1-mal geändert.
- pingu
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Re: Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)
Da ergeben sich doch ein paar Fragen.:
1. Was hat das mit der Sprache in diesem Forum zu tun?
2. Was ist sächsisches Chinesisch?
3. Weshalb ein Hinweis auf Orthografie ohne Prüfung der eigenen Beiträge?
Sächsisch ist meines Wissens innerhalb Deutschlands nirgends als Amtssprache oder Lehrsprache etabliert.
Offensichtlich hast du Zugriff auf eine andere TU-Dresden als jeder hier.:
Nachlesbar im Netz. https://www.google.com/search?q=welche+ ... nt=gws-wiz
pS: Warum versuchst du jetzt, mit solchem Unfug deinen eigenen Thread kaputtzumachen?
1. Was hat das mit der Sprache in diesem Forum zu tun?
2. Was ist sächsisches Chinesisch?
3. Weshalb ein Hinweis auf Orthografie ohne Prüfung der eigenen Beiträge?
Sächsisch ist meines Wissens innerhalb Deutschlands nirgends als Amtssprache oder Lehrsprache etabliert.
Offensichtlich hast du Zugriff auf eine andere TU-Dresden als jeder hier.:
Diese Aussage ist falsch und trifft z. B. auf keinen Bachelorstudiengang zu. Da ist Unterrichtssprache immer noch Deutsch. Selbst der größte Teil der Masterstudiengänge ist zweisprachig ausgelegt. Nur wenige Studiengänge sind rein englischsprachig ausgelegt.Erstaunlicherweise ist an der TU Dresden die Unterrichtssprache in den MINT-Fächern nicht Deutsch/Sächsisch, sondern, man glaubt es nicht:
toujours: Englisch!
Nachlesbar im Netz. https://www.google.com/search?q=welche+ ... nt=gws-wiz
pS: Warum versuchst du jetzt, mit solchem Unfug deinen eigenen Thread kaputtzumachen?
Wer sein Geld mit Konsum verschwendet, wird die wahren Freuden eines Numismatikers nie kennenlernen....
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Re: Die Münzprägungen von Kaufbeuren
Ich habe jetzt die Beleidigungen entfernt und rufe dazu auf, weiter sachlich zum Thema zu schreiben.
MR
MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)
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