Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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Peter43
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 10:06

Diesen Artikel habe ich schon lange vorgehabt. Jetzt habe ich mich endlich dazu durchgerungen, ihn zu verwirklichen. Andere Forumsmitglieder sind aufgerufen, ihn mit eigenen Münzen zu ergänzen. An Nörgler: Ich weiß. daß es bessere und detailliertere Darstellungen gibt!

Der Trojanische Krieg im Spiegel der Münzen

Mit Homers Epos "Ilias" beginnt die europäische Literatur. Die Ereignisse, die er schildert, sind so gewaltig, und die psychologischen Probleme so tief, daß sie auch heute noch im Theater und in der Literatur behandelt werden. Und natürlich sind sie ein wichtiger Bestandteil der antiken Münzprägung. Dies soll an Hand meiner Münzen ein Überblick sein.

Insgesamt sind es 12 Städte, die den Anspruch erheben, der Geburtsort von Homer zu sein, und die z. T. auch Münzen mit dem Bild Homers herausgegeben haben. Aber es spricht viel für Smyrna. Homer soll vom Fluß Meles stammen und ursprünglich auch Melesigenes geheißen haben. In Smyrna gab es das Homereum, das von Strabo beschrieben wird, mit einer Statue des Homer. Auch diese Bronzemünzen heißen Homerea.
smyrna_BMC67.jpg
Ionien, Smyrna, 2.-1. Jh. v. Chr.
Kopf des Apollo n. r./ Homer in Himation mit Schriftrolle n. l. sitzend
kolophon_SNGcop186.jpg
Ionien, Kolophon, 190-30 v. Chr.
Homer in Himation n. l. sitzend, re. Hand zum Kinn er-hoben (sog. Denkerpose), in der re. Hand ein Buch auf den Knien haltend/ Apollo n. r. stehend, in der Linken Kithara, in der Rechten Plektron.

Wenig bekannt ist, daß Homer in der Ilias persönlich auftritt. In Il. 4, 122-131 spricht er Menelaos direkt an: „Doch nicht dein, Menelaos, vergaßen die seligen Götter“.

Aber es war nicht nur Homer, der sich mit dem Trojanischen Krieg beschäftigt hat. Die nächste Münze zeigt den heute wiederentdeckten Dichter Stesichoros. Die Suda erzählt, er habe 26 Bücher geschrieben, darunter „Helena“, „Die Belagerung von Troja“, „Das hölzerne Pferd“ und „Die Rückkehr“. Er wurde „der lyrische Homer“ genannt.
thermai_himeraiai_BMC9.jpg
Sizilien, Thermai Himeraiai, spätes 2.-frühes 1.Jh. v. Chr.
Tyche mit Mauerkrone als Stadtgöttin n. r./ Der Dichter Stesichoros in Himation n. r. stehend, schreibt mit der Rechten auf eine Tafel in der Linken

Troja (griech. Ilion) lag am Eingang zu den Dardanellen und hatte eine große strategische Bedeutung, weil es den Zugang zum Schwarzmeergebiet kontrollierte. Deshalb wird der Trojanische Krieg von vielen auch als Wirtschaftskrieg gesehen.

Die Geschichte der Entdeckung Trojas durch Heinrich Schliemann ist wohl allgemein bekannt. Sie bedeutete trotz aller Fehler, die ihm unterliefen, den Beginn der modernen Archäologie.
Rampe.JPG
Das Photo stammt von unserer Türkeireise im März 2011 und zeigt die berühmte Rampe, die zu einem der Stadttore führte. Links neben der Rampe hatte Schliemann 1873 den berühmten „Schatz des Priamus“ gefunden. Deshalb und wegen der Größe hielt er sie für den Zugang zum „Skäischen Tor“. Dies war das Tor, an dem Hektor sich von Andromache verabschiedete und an dem später Achilles fiel. Später stellte sich das als Irrtum heraus. Sie gehört nämlich zum sog. Troja II. Das homerische Troja ist jedoch 1200 Jahre älter. Schliemann hat die Aufklärung noch erlebt. Der „Schatz des Priamos“, früher im Berliner Völkermuseum, befindet sich heute als Kriegsbeute in Moskau und St. Petersburg.

(Fortsetzung folgt)
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 10:14

(Fortsetzung)

Vorgeschichte

Troja war durch Tros gegründet worden. Einer seiner Söhne war Ganymed. Er war ein junger Mann von großer Schönheit und wurde von Zeus in Gestalt eines Adlers entführt, als er seine Herden auf dem Berg Ida hütete. Auf dem Olymp diente er als Mundschenk des Zeus. Darüber war Hera so zornig, daß sie sich im Krieg auf Seite der Griechen gegen die Troer stellte.
hadrianopolis_sept_severus_Jurokova192.jpg
Thrakien, Hadrianopolis, Septimius Severus, 193-211
Ganymed mit Pedum n. l. stehend, vor ihm Zeus als Adler

Laomedon, Sohn des Tros, war der zweite König von Troja. Als Apollo und Poseidon als Sühne den Olymp verlassen mußten, hütete Apollo die Herden des Laomedon und Poseidon errichtete die Mauern von Troja. Als Laomedon ihnen den versprochenen Lohn versagte, suchte Apollo Troja mit der Pest heim und Poseidon schickte ein Meeresungeheuer, das nur durch das Opfer der Königstochter Hesione befriedigt werden konnte. Herakles aber rettete Hesione. So ist es verständlich, daß Poseidon im Trojanischen Krieg auf Seiten der Griechen kämpfte. Apollo aber stand treu zu den Troern.
alexandreia_troas_maximinus_BellingerA362.jpg
Alexandreia Troas, Maximinus I., 235-238
Poseidon mit Dreizack n.r. eilend, tritt auf einen Delphin und trägt auf der li. Hand einen Hippokampos

Die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges findet sich nicht in der Ilias, sondern bei anderen Schriftstellern.
Der Grundstein des Konflikte wurde eigentlich durch die folgende Mythologie gelegt.

Nachdem Leda sich von Zeus in Gestalt eines Schwa-nes hatte verführen lassen, aber auch noch mit ihrem Mann, König Tyndareos von Sparta, geschlafen hatte, legte sie zwei Eier, aus denen als Kinder von ihrem Mann Klytaimnestra und Kastor, von Zeus aber Helena und Polydeukes schlüpften.
nikomedeia_sev_alex_RecGen316.jpg
Bithynien, Nikomedeia, Severus Alexander, 222-235
Leda und der Schwan

Zur Hochzeit des Peleus mit Tethis, den späteren Eltern des Achilles, waren alle Götter eingeladen bis auf Eris, die Göttin der Zwietracht. Um sich zu rächen, warf sie einen goldenen Apfel zwischen die feiernden Gäste mit der Aufschrift „Der Schönsten“. Daraufhin kam es zum Streit zwischen Hera, Athena und Aphrodite. Weil Zeus sich heraushalten will, bestimmte er Paris, den Sohn des Priamos, zum Schiedsrichter. Um ihn zu bestechen, versprach ihm Hera die Herrschaft über die Welt, Athena Weisheit, Aphrodite aber die schönste Frau der Welt. Paris entschied sich für Aphrodite. Die schönste Frau war Helena. Das Problem war nur, daß sie bereits mit Menelaos verheiratet war. Der Raub der Helena wurde so zum Auslöser des Trojanischen Krieges.

Aphrodite, die Siegerin beim Urteil des Paris
seleukeia_ad_cal_gordianIII_SNGlev774.jpg
Kilikien, Seleukeia ad Calycadnum, Gordian III., 238-244
Aphrodite, in langem Gewand, in eleganter Biegung frontal stehend, Kopf n. r. gewandt, sich in einem Spiegel in der erhobenen Linken betrachtend; zu jeder Seite ein geflügelter Erote ihr zugewandt, in beiden Händen eine Hochzeitsfackel schräg vor sich emporhaltend.

(wird fortgesetzt)
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 10:24

(Fortsetzung)

Die Griechen vor Troja

Telephos war der Sohn des Herakles und der Auge. Als die Griechen auf der Fahrt nach Troja versehentlich Mysien angriffen (ihre geographischen Kenntnisse scheinen nicht groß gewesen zu sein!), wurden sie von Telephos zurückgeschlagen, der dabei von Achilles verwundet wurde. Er zeigte den Griechen den Weg nach Troja, nahm aber am Feldzug nicht teil. Als die Wunde jahrelang nicht heilen wollte, ging er nach Argos und wollte Agamemnon zwingen, ihn zu heilen. Odysseus hatte dann den Einfall, die Wunde mit Rost vom Speer des Achilles zu heilen (Ovid, Metamorphosen). Später gründete er die Stadt Pergamon und wurde von den Attaliden als Heros verehrt (Telephos-Fries im Pergamonmuseum)
serdika_14_sept_severus_HrJ12.14.14.01.jpg
Thrakien, Serdika, Septimius Severus, 193-211
Herakles frontal stehen, stützt sich mit der re. Hand auf seine Keule und hält im li. Arm seinen Sohn Telephos.

Der erste Grieche, der vor Troja starb, war Protesilaos. Obwohl er durch einen Orakelspruch wußte, daß der erste Grieche, der das asiatische Ufer betreten würde, auch als erster sterben würde, sprang er trotzdem ans Ufer und wurde nach tapferem Kampf von Aeneas (oder Hektor) getötet (Ilias XV, 704ff.)
theben_Rogers550.jpg
Thessalien, Theben, 302-186 v. Chr.
Protesilaos, bewaffnet mit Schwert und Schild, springt vom Schiffsbug an den Strand

Der größte Held der Griechen vor Troja und der zentrale Charakter der „Ilias“ war Achilles, der Sohn der Nereide Tethis und des Peleus, des Königs von Phthia.
peuma_Rogers442.jpg
Thessalien, Peuma, 302-286 v. Chr.
Bekränzter Kopf des Achilles n. r./ Monogramm AX (für Achilles)

Erzogen worden war er, wie viele andere großen Helden und auch Machaon, der berühmte griechische Arzt vor Troja, durch Cheiron, den weisen Kentaur, einem Halbbruder des Zeus. Wie er ihm das Spiel auf der Kithara beibringt, sieht man auf dem schönen Fresko aus dem Augusteum in Herculaneum (Il. XI, 831)
bithynien_prusiasII_SNGcop639_#1.jpg
Königreich Bithynien, Prusias II., 183-148 v. Chr.
Kopf des Dionysos mit Efeukranz n. r./ Der Kentaur Cheiron n. r. stehend, hält Lyra in beiden Händen

(Fortsetzung folgt)
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 10:32

(Fortsetzung)

Der Zorn des Achilles

Die „Ilias“ schildert von dem 10jährigen Krieg der Griechen gegen Troja nur einen Ausschnitt von 51 Tagen, der vom Zorn des Achilles handelt.

Chryseis war die Tochter des Priesters Chryses im Heiligtum des Apollo Smintheus und wurde von Achilles geraubt, aber dem Agamemnon zugesprochen. Chryses flehte zu Apollo und der sandte mit seinen Pfeilen eine tödliche Seuche ins griechische Heer.
alexandreia_troas_commodus_BellingerA193cf.jpg
Alexandreia Troas, Commodus, 177-192
Statue des Apollo Smintheus, in Himation, Köcher über der re Schulter, auf niedriger Basis frontal stehend,
hält im li. Arm den Bogen und opfert mit re. Hand aus Patera über brennendem Tripod.

Dann aber erschien Apollo dem Oberhirten Ordes (nicht Orodes!), der ihn aufnahm und gastfreundlich bewirtete. Daraufhin bereute Apollo seine Rache und versprach ihm, die Seuche zu beenden und die Mäuse, die Auslöser der Seuche, mit seinen Pfeilen zu töten.
alexandreia_troas_pseudoautonom_BellingerA480.jpg
Alexandria Troas, pseudo-autonom, 2.-3. Jh. n. Chr.
Der Hirte Ordes, in kurzer Kleidung und mit Stiefeln, n. l. stehend, mit der li. Hand Pedum über die li. Schulter haltend und die re. Hand erhoben; re. neben ihm ein n. r. springendes Rind, den Kopf zurückgewandt; li. unten in einer Grotte die Kultstatue des Apollo Smintheus auf dem Rücken liegend, darüber Apollo Smintheus n. r. stehend

Um den Gott gnädig zu stimmen, gab Agamemnon die Chryseis zurück. Als Ersatz verlangte er aber von Achilles dessen Geliebte Briseis. Achilles mußte gehorchen, verweigerte aber aus gekränkter Eitelkeit jeden weiteren Kriegsdienst und brachte die Griechen dadurch in große Not (Il. I, 39ff.). Davon handelt die „Ilias“.

Den Höhepunkt der Ilias bildet die Entscheidung des Achilles, wieder in den Kampf einzugreifen. Der Grund dafür war der Tod seines Freundes Patroklos durch Hektor. Allerdings waren seine Waffen dadurch verloren gegangen. Aber seine Mutter Thetis ließ von Hephaistos neue schmieden. Der Schild des Achilles wird von Homer in allen Einzelheiten geschildert, so detailliert, daß es genaue Nachbildungen gibt (Il. XVIII, 202-215).
perge_treb_gallus_unpublished.jpg
Pamphylien, Perge, Trebonianus Gallus, 251-253
Hephaistos in kurzem Arbeitskleid und Pileus auf einem Felsen n. r. sitzend und einen Schild schmiedend.

Es ist schön, sich vorzustellen, daß dies der Schild des Achilles wäre! Aber auf der nächsten Münze ist es tatsächlich dieser Wunderschild.
larissa_kremaste_Rogers315.jpg
Thesssalien, Larista Kremaste, 302-286 v. Chr.
Kopf des Achilles n.l./ Thetys, die Mutter des Achilles auf einem Hippokampos n. l. sitzend, hält den Schild des Achilles, hier mit dem Monogramm AX

(wird fortgesetzt)
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 10:44

(Fortsetzung)

Kampf um Troja

Aber nicht nur Götter und Helden kämpften vor Troja, sondern auch die Naturgewalten. Als Achilles, der wieder in den Krieg eingegriffen hatte, einmal die Troer verfolgte, versuchten viele, sich über den Fluß Skamander zu retten. Aber Achilles machte alle nieder, so daß sich der Fluß von Blut rot färbte. Der Flußgott forderte Achilles auf, das Morden zu beenden. Als er aber noch Apollo aufrief, den Troern zu helfen, sprang Achilles in den Fluß und begann den Flußgott anzugreifen. Skamander rief Poseidon zu Hilfe und Achilles kam in große Bedrängnis. Da kam Athena und unterstützte ihn und Hera und Hephaistos begannen den Fluß mit Feuer zu attackieren.

Jetzt begann das, was als Theomachia (Kampf der Götter) in die Geschichte eingegangen ist. Ares und Aphrodite griffen in den Kampf ein und wurden von Athena angegriffen, Hera vertrieb Artemis. Dieser Kampf der Götter erlaubte es den Troern, sich zu retten (Il. XXI, 324-341)
kyme_pseudoautonom_BMC114.jpg
Aeolis, Kyme, pseudo-autonom, 253-268
Flußgott Xanthos, nach li. sitzend, hält Wasserpflanze und stützt sich auf Quellgefäß. Xanthos (= der Gelbe, wegen der Farbe seines Wassers) war der göttliche Name für den Flußgott, der bei den Menschen Skamander hieß.

Hektor, der Sohn des Priamos, des Königs von Troja, und der Bruder des Paris, war zweifellos der größte Held und der wichtigste Heerführer der Trojaner. Zu Herzen gehend ist sein Abschied von Andromache und seinem kleinen Sohn Astyanax. Er wird durch Achilles getötet, der ihn danach 12 Tage um das Grab seines Freundes Patroklos schleift. Erst Priamos gelingt es, Achilles zum Mitleid zu bewegen und ihm den Leichnam zur Beerdigung zu übergeben. Mit einer elftägigen Trauerfeier um Hektor endet die „Ilias“.
ilion_julia_domna_BellingerT225.jpg
Troas, Ilion, Julia Domna, 193-217
Hektor n. r. stürmend, hält in der Linken Schild vor sich und schleudert mit der erhobenen Rechten einen Speer.

Der Krieg um Troja aber ging weiter.

Tragisch ist das Ende von Ajax dem Telamonier, der wegen seiner riesenhaften Größe auch Ajax der Große genannt wurde. Er war nach Achilles der stärkste Krieger der Griechen. Nach dem Tod des Achilles stritten er und Odysseus um dessen Rüstung, die dem zustand, der den Hauptanteil an der Bergung des Toten hatte. Die Entscheidung sollte durch ein Rededuell fallen, das natürlich Odysseus gewann. In einem Anfall von Raserei tötete er die Schafherde des Odysseus. Als er erkannte, daß die Götter ihn verblendet hatten, stürzte er sich aus Scham in sein Schwert (Il. XVII).
prusa_caracalla_BMC22.jpg
Bithynien, Prusa ad Olympum, Caracalla, 198-217
Ajax n. l. kniend, hält sein Schwert, in das er sich stürzen will, vor seinen Leib.

Das Palladium war ein Holzbild der Athena, das in der Burg von Troja aufbewahrt wurde und als Garantie der öffentlichen Wohlfahrt und der Sicherheit galt. Solange es im Besitz des Palladiums war, konnte es nicht erobert werden. Deshalb schlichen sich Diomedes und Odysseus heimlich nach Troja hinein und stahlen das Bildnis. Diomedes bekam es als Beute und brachte es nach Athen. Später befand es sich im Vestatempel in Rom, wohin Aeneas es gebracht hatte  (Il. X, 506-514).
tyros_valerian_BMC467.jpg
Phönikien, Tyros, Valerian I., 253-260
Diomedes, nackt bis auf Chlamys, n. l. stehend, stützt sich auf Szepter und hält ín der Rechten das Palladium

Eine andere Bedingung für die Eroberung Trojas waren die Pfeile des Philoktetes, die er von Herakles bekommen hatte. Wegen einer schwärenden Fußverletzung, die einen unerträglichen Gestank verbreitete, hatten ihn die Griechen auf Rat des Odysseus auf Lemnos allein zurückgelassen. Nun waren sie gezwungen, ihn zurückzuholen. Diomedes und Odysseus konnten Philoktetes überreden nach Troja mitzukommen. Er konnte danach den Paris erschießen (Il. II, 718ff.)
lamia_Rogers384_#1.jpg
Thessalien, Lamia im Namen der Malienser, 400-344 v. Chr.
Philoktetes mit Bogen nach re. stehend, schießt auf Vögel, von denen einer vor ihm herabfällt

Die Insel Tenedos spielte eine bedeutende Rolle bei der Besiegung von Troja. Vergil schreibt in seiner Aeneis (II, 21ff.), daß die griechische Flotte sich hinter Tenedos, das vor der Küste von Troja lag, versteckt hatte, um die Troer glauben zu machen, sie hätten die Belagerung abgebrochen. Und tatsächlich fielen sie auf die-se Täuschung herein.
tenedos_Rosen536.jpg
Troas, Tenedos, 550-424 v. Chr.
Janiformer Kopf (Hera und Zeus?); Labrys (Doppelaxt)

Aus Tenedos kamen auch die beiden Schlangen, die den Apollopriester Laokoon und seine beiden Söhne er-würgten. Laokoon hatte als einziger den Betrug mit dem hölzernen Pferd durchschaut, worauf Athene ihn töten ließ.

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 10:54

(Fortsetzung)

Nach dem Fall Trojas

Nach 10 Jahren der Belagerung fällt Troja und die Griechen veranstalten ein Massaker. Aber auch die rückkehrenden Griechen erwartete oft ein schlimmes Schicksal.

Ajax der Lokrer war nach Achilles der schnellste Läufer der Griechen und ein großer Speerkämpfer (Il. XIV, 515-522). Nach dem Fall Trojas vergewaltigte er die Athenepriesterin Kassandra, worauf Athene bei der Heimfahrt sein Schiff mit einem Blitz durchbohrte. Als er sich schwimmend an einen Felsen retten konnte, prahlte er, er hätte den Göttern getrotzt. Diese Hybris erzürnte Poseidon, der mit seinem Dreizack den Felsen spaltete, so daß Ajax unterging.
lokris_opuntia_Jenkins266-7.jpg
Lokris, Opuntia, ca. 380-338 v. Chr.
Ajax der Lokrer mit Kurzschwert und Schild n. r. stürmend

Das Schicksal des Odysseus

Die 10jähre Rückkehr des „Dulders“ Odysseus schildert Homer in seiner „Odyssee“.

Nach der Plünderung Trojas kam Odysseus mit seinen Gefährten ins Land der Kikonen, die auf Seite Trojas gekämpft hatten. Er überfiel es und verschonte nur den Apollopriester Maron, den Sohn des Euanthes, des Königs von Maroneia. Maron war ein Halbgott des süßen Weins und soll sich im Zug des Dionysos nach Indien befunden haben. Odysseus rühmte sich später, daß er den Polyphem mit dem Wein des Maron berauscht habe, bevor er ihn blendete (Od. IX, 200).
Maroneia_Slavey.jpg
Thrakien, Maroneia, nach 148 v. Chr.
Kopf des jungen Dionysos mit Efeukranz n. r./ Dionysos, nackt, halblinks stehen, Nebris über dem li. Arm, hält 2 Narthexruten im li. Arm und in der re. Hand Weintrauben
Leider nur eine schöne Slavey-Fälschung!

Eine weniger bekannte Rolle spielte Ino (Leukothea) für Odysseus. In der Odyssee (V, 333ff.) hatte Leukothea einen dramatischen Auftritt, als sie den schiffbrüchigen Odysseus auf seinem Floß sah. Sie forderte ihn auf, seine Kleider abzulegen, das Floß zu verlassen und schwimmend das Land der Phäaken zu erreichen. Dazu lieh sie ihm ihren Schleier, mit dem er sich umwickeln sollte, um damit vor der See geschützt zu sein.
kibyra_pseudoautonom_BMC21.jpg
Phrygien, Kibyra, pseudo-autonom, 1.Jh. n. Chr.
Büste der Ino, drapiert und verschleiert, n. r./ Buckelrind, n. r. stampfend

Eine der berühmtesten Szenen der Odyssee ist die Rückkehr des Odysseus nach Ithaka, wo ihn als Bettler niemand erkennt bis auf seinen alten Jagdhund Argos. Der wedelt noch mit dem Schwanz und stirbt dann. Die Darstellung auf diesem Denar soll eine Anspielung sein auf die Rückkehr des Sulla nach Rom 82 v. Chr.
mamilius_limetanus_Cr362.1.jpg
Römische Republik, C. Mamilius Limetanus, gens Ma-milia, 82 v. Chr.
Odysseus (lat. Ulixes) mit Umhang und Pileus in der Bekleidung eines Bettlers n. r. gehend, stützt sich auf seinen Stab; re. vor ihm mit erhobenem Schwanz sein Hund Argos zu ihm emporblickend.

(wird fortgesetzt)
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 11:07

(Fortetzung)

Das Schicksal des Aeneas

Die Plünderung und den Brand von Troja haben nur wenige Troer überlebt. Der berühmteste Überlebende ist Aeneas mit seinem Vater Anchises und seinem kleinen Sohn Askanios, den die Götter beschützten, weil er Rom gründen sollte. Die Geschichte des Aeneas erzählt Vergil in seiner „Aeneis“, weil sich die Römer auf Aeneas und damit auf Aphrodite (Venus) zurückführten.

Anchises war der König von Dardanos in der Troas. Wegen seiner Schönheit verliebte sich Aphrodite in ihn und gebar ihm den Aeneas. Von Zeus erbat sie für ihn Unsterblichkeit. Als König von Dardanos kam er den Troern zu Hife. Als Achilles ihn im Zweikampf besiegt hatte und töten wollte, wurde er durch Poseidon gerettet (I. XX, 300).
ilion_pseudoautonom_BellingerT129.jpg
Troas, Ilion, pseudo-autonom, ca. 79-96 n. Chr.
Büste der Athena mit korinthischem Helm, Aegis auf der Brust, Speer über der re, Schulter, davor eine sich von der Aegis hochschlängelnde Schlange; Aeneas, bärtig, n. r. gehend und nach li. blickend, führt seinen Sohn Askanios an der re. Hand und trägt seinen Vater Anchises, den Kopf verhüllt, auf der li. Schulter.
Das wohl schönste Exemplar dieser Münze!

Bei Homer gab es Askanios noch nicht. Unter dem lateinischen Namen Ilus gründete er später Alba Longa. Auf ihn führte sich Caesar als Julier zurück.

Eine der berühmtesten Liebesgeschichten der antiken Mythologie handelt von der tragischen Liebe der Dido, der Königin von Karthago, zu Aeneas. Diese Liebe war initiiert worden durch Venus, die Mutter des Aeneas, die ihren Sohn retten, und durch Juno, die ihn von Italien fernhalten wollte. Aber Jupiter schickte Merkur zu ihm, um ihn an seine Pflichten zu erinnern und so verließ Aeneas Dido. Daraufhin verfluchte Dido Aeneas und seine Nachfahren (die Römer) und tötete sich dann selbst. Dies wurde als Ursache für den späteren Konflikt zwischen Karthago und Rom gesehen (Aeneis IV).

Hier habe ich eine Münze der Dido, die zurückführt in die Zeit von Karthagos Gründermythologie. Dido war die Tochter des tyrischen Königs Mutto und die Schwester des Pygmalions. Dieser tötete aus Habgier ihren Gatten. Aus Angst vor ihrem Bruder floh Dido mit den Schätzen ihres Bruders nach Libyen, um dort Neu-Tyros (Karthago) zu gründen. Die Szene auf der Münze zeigt, wie sie, um ihre Verfolger zu täuschen, Säcke voll Sand über Bord schütten läßt, die glauben sollten, es seien die Schätze ihres Bruders (Justinus Lib. XVIII).
tyros_maesa_Rouvier2408_#1.jpg
Phönikien, Tyros, Julia Maesa, ca.165-ca.226
Galeere, Steuerruder hinten li., mit 10 Ruderern n. r. fahrend, am Achtersteven ein Schild, Rammsporn in der Gestalt eines Delphins. Auf dem Deck Dido in langem Gewand frontal stehend, Kopf n. l., hält im li. Arm Cornucopiae und Gewandbausch und hat die re. Hand ausgestreckt. Li. neben ihr steht gebückt eine männliche Person, die einen Sack mit Sand über die Bordwand ins Meer entleert, re. neben ihr vornübergebeugt ein Seemann mit einem unbekannten länglichen Gegenstand (durch die Reinigung beschädigt).

Nach seiner Ankunft in Italien hatte Aeneas mit den Latinern einen Vertrag abgeschlossen, daß die Trojaner soviel Land bekämen, wie sie bräuchten, wenn sie mit ihnen gegen die Rutuler zu Felde zögen. Nach ihrem Sieg befestigten sie ihre Stadt Lavinium und bauten eine Stadtmauer. Dabei ereignete sich folgendes: Plötzlich sei im Wald ein Feuer ausgebrochen und ein Wolf sei gekommen mit Holz im Maul, das er ins Feuer warf. Und ein Adler sei herbeigeflogen, der das Feuer mit seinen Flügeln weiter anfachte. Als daraufhin ein Fuchs versuchte, das Feuer zu löschen, hätten sie ihn verjagt. Aeneas habe diese beobachtet und gedeutet: Diese Siedlung würde groß und ein Gegenstand des Erstaunens werden. Das würde den Neid der Nachbarn hervorrufen, aber das Glück der Götter würde mit ihr sein. Und genau so sei es gekommen (Dionysios von Halikarnassos
papius_Cr472.1.jpg
Römische Republik, L. Papius Celsus, gens Papia, 45 v. Chr.
Kopf der Juno Sospita mit Ziegenfell und Hörnern, n. r./ Wölfin n. r., wirft Holzstück in ein Feuer, re. daneben Adler mit offenen Schwingen, facht das Feuer an.

Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere diesen Artikel durch eigene Münzen ergänzen würde (aber bitte nicht nur Götterbilder).

Mit freundlichem Gruß
Jochen
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 05.04.22 11:08

Inhaltsverzeichnis wieder ans Ende des Threads verschoben.
Zuletzt geändert von Peter43 am Di 12.04.22 09:43, insgesamt 1-mal geändert.
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T........s

Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von T........s » Di 05.04.22 12:12

Danke Jochen! Da sind wieder viele kleine Details dabei, an die ich mich nicht mehr erinnert hatte oder gar nicht wusste. Und Danke auch für die vielen Münz Beispiele - Deine Erläuterungen lassen die Rückseiten lebendig werden und hauchen ihnen eine lebendige Geschichte ein. Ich werde mal nach dem einem oder anderem Motiv Ausschau halten bei zukünftigen Münzen.

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 12.04.22 10:30

Hades - der Herr der Unterwelt

Hades, Ploutos, Pluto, Pluton und dann noch Serapis sind eine fast unentwirrbare Grupppe von Unterweltsgöttern. Hier will ich versuchen, dieses Knäuel etwas zu entwirren.

Hades war der älteste Sohn des Kronos und der Rhea und ein Bruder des Zeus, des Poseidon und der Hera (Homer). Hesiod gab ihm noch die Hestia und die Demeter hinzu. Er wurde wie alle Kinder des Kronos, bis auf Zeus, von ihm verschluckt, aber dann durch ein Brechmittel der Metis wieder ausgebrochen. Nach einigen soll es auch ein Stein gewesen sein, den Zeus dann zur Verehrung in Delphi aufstellen ließ.

Im Titanenkampf stand Hades auf Seiten des Zeus. Dabei benutzte er die Hadeskappe, eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte. Diese hatte er nach einer älteren Sage von den Kyklopen als Dank für ihre Befreiung geschenkt bekommen, so wie Zeus das Blitzbündel und Poseidon den Dreizack. Danach wurde die Welt geteilt: Zeus bekam den Himmel, Poseidon das Meer und Hades die Unterwelt. Die Erde und der Olymp waren gemeinsamer Besitz.

Nach Homer war er der unerbittliche Gott der Unterwelt, sein Reich ein Ort des Schreckens und Entsetzens. Es war ebenso abgeschlossen wie der Himmel des Zeus. Deshalb hieß er auch Zeus katachthonios, der unterirdische Zeus. Sein Attribut war das Szepter.

Seine Gemahlin war Persephone, die eine ebenso unerbittliche Richterin war. Richter aber wurden sie erst bei Aischylos. Von späteren Genealogen wurden auch Radamanthys, Minos und Sarpedon (oder Aiakos) als Richter der Unterwelt genannt (Cicero, Ovid).

Eine Familie bildeten sie nicht. Die Furien standen ihnen nahe, können aber nicht seine Töchter gewesen sein, zu denen sie später gemacht wurden.

In Mythen kommt Hades eigentlich nicht vor, da er in der Unterwelt von der Erde und dem Olymp nichts weiß. Er greift nicht handelnd in die Menschenwelt ein. Es gibt nur 2 Erzählungen, in denen er auf die Oberwelt kommt, wobei der Raub der Persephone auch nur auf den Befehl des Zeus erfolgt.

(1) In den Homerischen Hymnen wird die Geschichte vom Raub der Persephone erzählt, der bei Nysa geschehen sei, dessen geographische Lage aber ungeklärt ist. Als Persephone/Kore dort auf einer Blumenwiese spielte, tat sich plötzlich die Erde auf und Hades kam in einem Wagen mit seinen 4 unsterblichen schwarzen Pferden und entführte sie in die Unterwelt. Claudius Claudianus kennt sogar die Namen der Pferde: AethonAlastorNykteus und Orphnaios.

Anmerkung:
Claudius Claudianus, geb. um 370 wohl in Alexandria-nach 404, war ein spätantiker griech. Schriftsteller und Hofdichter unter Honorius und Stilicho. Zu seinen bedeutendsten Werken gehört das mythologische Epos "de raptu Proserpinae". Um 400 wurde sogar eine Statue für ihn auf dem Trajansforum in Rom errichtet, dessen Sockel noch erhalten ist.

1. Münze:
Lydien, Maionia, Marcus Aurelius, 161-180
AE 35, 24.70g, 0°
geprägt unter dem Archon Quintus, der zum zweiten Mal 1. Archon war
Av.: AVT KAIC - ANTΩNEINOC AVP
       belorbeerte Büste n. r.
Rv.: E-Π-I KVEINTOV B - AP - X A - MAIONIΩN
       Hades, mit im Wind wehender Kleidung, stürmt in  Quadriga n. r., hat sich n. l. gedreht und umarmt die sich wehrende Persephone, die ihre Arme in Verzweiflung ausgebreitet hat; re. unter den Pferden ihr herabgestürzter Blumenkorb; über ihnen fliegender Eros
Ref.: SNG von Aulock 3018
SS, hübsche blaugrüne Patina, Flan crack bei 7h
Pedigree:
ex coll. Marcel Burstein, Nevada
ex Auktion Peus 366, 2000
maionia_marc_aurelius_SNGaulock3018.jpg

Das 2. Mal kam es zu einem Kampf mit Herakles am Tor zur Unterwelt, als dieser den Kerberos heraufholte. Dabei wurde Hades von einem Pfeil des Herakles an der Schulter getroffen und mußte auf dem Olymp von Paion, dem Arzt der Götter,  geheilt werden.

2. Münze:
Bithynien, Herakleia Pontika, Septimius Severus, 193-211
AE 30, 17.23g, 30.09mm, 195°
Av.: .AV - T. - K.Λ.CEΠ. - CEVHPOC Π
        Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n. r.
Rv.: HPAKΛHAC - EN ΠON - TΩ
        Herakles, nackt, Löwenfell über dem li. Arm, die Keule mit der li. Hand über den Arm haltend, mit Ausfallschritt n. r. frontal stehend, den Kopf n. l.  gewandt, hält in der herabhängenden Rechten an einem Strick den dreiköpfigen Kerberos, der li. neben ihm n. r. sitzt und zu ihm aufblickt
Ref.: SNG von Aulock 378 (Vs. stempelgleich, Rs. allerdings anderer Typ; zur Rs. vgl. 397 für Macrinus); nicht in SNG Copenhagen, SNG Tübingen, SNG Lewis; nicht in Rec. Gen.
extrem selten, Abb. fast SS, Rauhigkeit auf der Vs.
Pedigree:
ex lanznumismatik, Ebay, 2007
_herakleiaPont_SNGvA_376.jpg

Später erzählt Ovid, daß sich Hades in die Nymphe Menthe verliebt habe, die von Persephone aus Eifersucht in die Krause Minze (Mentha spicata) verwandelt worden sei.
Mentha spicata.JPG
Mentha spicata, eigene Aufnahme von meinen Kartierungen, Vöhringen, Krs. Rottweil, August 2021

Eine weitere Nymphe, Leuke, sei nach ihrem Tod in die Weiß-Pappel (Populus alba) verwandelt worden.
In der Suda wird als Tochter des Hades und der Persephone noch eine Tochter Makaria angegeben, die sonst nirgends vorkommt. Sie steht im Gegensatz zum Thanatos für den seligen Tod. Etymologisch (aber nicht mythologisch!) verwandt ist die Insel der Seligen, wo man heute unter den Makaronesischen Inseln die Kanarischen und umliegenden Inseln versteht.

Es ist verständlich, daß sich durch das Furchtbare seines Wesens eine Scheu einstellte und die Angst, seinen Namen auszusprechen. So entstand eine Vielzahl von Euphemismen, z.B. “der Vielaufnehmende”, wobei die Vielen die Toten waren. Oder “der große Wirt”. In der Odyssee war er auch der Psychopompos, der mit seinem Stab die Toten in die Unterwelt geleitete, eine Aufgabe, die später Hermes übernahm. Er hieß auch Zagreus (= der große Jäger), ein Name, der später für Dionysos stand, ”der Ehrwürdige” oder sogar Euboulos der “Wohlwollende”, der später zu einer eigenen Gottheit wurde. Als “Pförtner” besaß er den Schlüssel zur Unterwelt, den er später dem Aiakos gab.

Diese Euphemismen hängen mit den Eleusinischen Mysterien zusammen. Unter ihrem Einfluß kam es im 5. Jh. zu einer völligen Umgestaltung der Auffassung. Durch die bedeutende Rolle der Persephone wurde aus dem Totengott ein Gott der Fruchtbarkeit und des vegetativen Reichtums. Und dazu mußte auch ein neuer Name her: Aus Hades wurde Plouton! Er war der Gott, der namentlich für das Getreide, die Quelle des Wohlstandes, verantwortlich war, aber auch für die Metalle in der Erde. Zuerst kam er vor bei den Dichtern des 5. Jh., wo er später auch Plouteus hieß. Zu seiner Ikonographie gehörte das Füllhorn. Ploutos repräsentiert jetzt die mildere Seite der chthonischen Mächte und verdrängt Hades von diesem Aspekt, bis dieser zu einer bloßen Ortsbezeichnung absinkt. Im Gegensatz zu Hades gab es für Ploutos zahlreiche Kulte und auch Theoxenien, Gastmähler mit dem Gott.

Von Plouton streng zu unterscheiden ist Ploutos, der Sohn der Demeter und des Iasion (Hesiod). Er ist die Gestalt der Fülle und des Reichtums, ursprünglich des unterirdisch aufbewahrten Getreidevorrats. In Eleusis hatte er einen naiskos und wurde als “göttliches Kind” verehrt, wohl als Erbe minoisccher Vorstellungen. Seine Geburt war eins der eleusinischen dromena (kultische Handlungen). Hier war er ein Kind der Gaia, da neben Plouton und Persephone kein Platz mehr da war für einen weiteren Sohn. Da nach dem Aufko-men von Handel und Gewerbe ein müheloserer und auch unehrlicherer Gewinn möglich war schrieb man Ploutos gern Ungerechtigkeit und Blindheit zu (Pauly). Er wird zwar als Kind dargestellt. ist aber nach Roscher keine Personifikation, sondern nur eine Allegorie des Reichtums.

3. Münze
Phrygien, Hierapolis, pseudo-autonom, 3. Jh. n. Chr.
AE 27, 11.72g, 27.07mm, 180°
Av.: IEPAΠOΛEI - TΩN (von re. oben)
        Kopf des Dionysos mit Efeukranz n. r.
Rv.: EUBO - CIA (von li. unten)
        Eubosia als Demeter, in langem Gewand und  Mantel n.l. stehend, hält in der erhobenen Rechten 2 Getreideähren und im li. Arm Cornucopiae auf   dem der kleine Ploutos sitzt und seine Arme zu ihr  ausstreckt
Ref: a) Numismatik Naumann Auction 44 Juni 2016, Lot 693 (bei Wildwinds, stempelgleich!)
       unpubliziert in den größeren Werken
sehr selten, S+ bis fast SS, grünbraune Patina
Pedigree:
ex Bertolami Fine Arts E-Auction 49, 12.11.17, Lot 484
(falsch ausgezeichnet als SNG von Aulock Pisidien I, 891-7; RPC IX 997. Aber das ist Isinda und Decius!)
hierapolis_pseudo-autonom_Demeter_Euposia.jpg

Anmerkungen:
(1) Personifikation ist die Auffassung und Darstellung nichtmenschlicher Gegenstände als Personen, als Menschen mit bestimmtem Charakter
(2) Allegorie (von griech. = “anderswie sprechen”), in der Kunst lange Zeit nur als sinnliche Darstellung von etwas Abstraktem begriffen. W. Benjamin löste sie 1928 von ihrer Unterordnung unter das Symbol und stellte sie als eigene Ausdrucksform neben das Symbol. Durch seine Untersuchung der Kunst des Barocks fand er heraus, daß sie geschichtsphilosophisch eine Kunstform der Verfallszeiten ist (Wörterbuch der philosophischen Begriffe)

Kulte:
Die Trias Demeter, Kore, Hades/Pluto ist sicher schon pelasgisch bekannt. Strabon schreibt, daß Hades ursprünglich der König der Kaukonen, eines vorgriechischen Volkes auf der Peloponnes gewesen sei, der erst allmählich zum Unterweltsgott der Griechen geworden sei. Das einzige Heiligtum das speziell dem Hades gewidmet war, gab es im elischen Pylos, weil Hades dort zur Hilfe gekommen sei, als es von Herakles angegriffen wurde.

Besonders in Asia minor gab es mehrere Plutonien, die meist als Zugänge zur Unterwelt gesehen wurden, z.B. in Aphrodisias oder Hierapolis.
Hierapolis_10_May_2008_(67).jpg
Das Photo zeigt das Plutonion in Hierapolis/Phrygien (Wikipedia). Hier trat Kohlenmonoxid aus einem Erdspalt, das einen unsichtbaren See bildete, der tödlich für den war, der sich nicht auskannte. Dies wurde von den eingeweihten Priestern, die unbeschadet blieben, als Wunder ausgegeben.

Pausanias beschreibt die meisten Kultstätten auf der Peloponnes, immer zusammen mit Demeter. Geopfert wurden ihm männliche und weibliche Tiere von schwarzer Farbe, insbesondere Ferkel, die in Gruben geworfen wurden. Ein solches Opfer wird auch in der Odyssee geschildert, als Odysseus den Teiresias in der Unterwelt befragen will. Kirke rät ihm, ein weibliches und ein männliches schwarzes Schaf zu opfern, aber unbedingt mit abgewandtem Gesicht.

Kunstgeschichte:
Wegen der Unbeliebtheit des Hades gibt es nur wenige Zeugnisse und die Darstellung ist nicht durchgehend konsistent. In der Regel wird er dargestellt wie Zeus oder Poseidon mit wallendem Haupthaar. Nachdem Bryaxis sein berühmtes Standbild des Serapis in Alexandria geschaffen hatte, ähneln ihm danach alle weiteren Abbildungen, wie man es schön auf der folgenden Münze sehen kann.

4. Münze
Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Caracalla, 198-217
AE 28, 14.47g, 28.24mm, 0°
geprägt unter dem Statthalter Aurelius Gallus
Av.: AV.K.M.AVP - ANTΩNIN
       belorbeerter Kopf n. r., leichte Drapierung auf der li. Schulter
Rv.: VΠA AVP.ΓAΛΛOV N - I - KOΠOLEITΩN /        ΠPOC ICTPO
       Hades/Serapis, in Himation, mit Kalathos, n. l. thronend, stützt sich mit der erhobenen li. Hand auf langes Szepter und hält die ausgestreckte re. Hand über den dreiköpfigen Kerberos zu seinen Füßen
Ref.: a) nicht in AMNG
         b) Varbanov 3092
         c) Hristova/Hoeft/Jekov (2021) 8.18.6.1 (diese Münze)
nicht häufig, fast SS, schwarze Patina
nikopolis_18_caracalla_HrHJ(2021)8.18.06.01.jpg
212 hatte Carcalla einen Serapistempel am Abhang des Quirinals geweiht.
Serapis_en_su_trono_(26865464995).jpg
Römische Marmorkopie der Kultstatue des Serapis aus Alexandria, gefunden 1750 in Pozzuoli während der bourbonischen Ausgrabungen, heute im Archäologischen Museum in Neapel.

Es ist deutlich zu erkennen, daß die Abbildung auf der Münze dem Standbild des Bryaxis nachempfunden ist. Es ist der dem Plouton verwandte Segenspender mit Kalathos. Es handelt sich also um Serapis mit Anklängen an die wohlwollende Seite des Hades.

Quellen:
(1) Homer, Odyssee
(2) Hesiod, Theogonie
(3) Pausanias, Periegesis
(4) Strabon, Geographika
(5) Cicero, de natura deorum
(6) Ovid, Metamorphosen

Literatur:
(1) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, Leipzig 1770 (auch online)
(2) Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführlichen Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (auch online)
(3) Der Kleine Pauly
(4) Karl Kerenyi, Mythologie der Griechen
(5) Robert von Ranke-Graves, Griechisxhe Mythologie
(6) Hristova/Hoeft/Jekov, The coins of Nicopolis ad Istrum, Blagoevgrad 2021
(7) Kirchner/Michaelis, Wörterbuch der philosophischen Begriffe, wbg 1998
(8) Wikimedia

Mit freundlichem Gruß
Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Peter43
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Di 12.04.22 10:32

Das Pantheion

Der Ausgangspunkt für diesen Artikel war die folgende Münze.

1. Münze:
Römische Republik, M. Plaetorius Cestianus, gens Plaetoria
AR - Denar, 18.52mm, 3.86g, 60°
       Rom, 67 v. Chr.
Av.: Drapierte Büste einer geflügelten Göttin, n. r., mit durch Federbusch geschmücktem Helm,
Lotusblüte und Getreideähren auf der Stirn, Bogen und Köcher über der re. Schulter, Cornucopiae 
unter dem Kinn
       dahinter CESTIANVS, davor S.C
Rv.: im Abschnitt M PLAE, dann TORIVS F AED CVR
       Adler mit gespreizten  Flügeln auf  Blitzbündel n.r. stehend, den Kopf n. l. gewandt
Ref.: Crawford 409/1; Sydenham 809; BMCRR 3596; Plaetoria 4
SS+, getönt

Pedigree:
ex M&M AG Auktion 38, Basel 6./7.12.1968, coll. Dr. August Voirol, Lot 181
plaetorius_cestianus_Cr409.1_neu.jpg
Anmerkungem:
(1) Plaetorius Cestianus war ein Freund des Cicero ("Pro Cluentio"). Er war kurulischer Aedil und prägte als Münzmeister zum Endkampf gegen Mithridates.
(2) Dr. August Voirol (1884-1967) war Gynäkologe in Basel. 1933 entdeckte er zufällig die Numismatik durch einige Münzen der Adlerbank. Er traf Herbert Cahn und trug eine kleine, aber ausgewählte Sammlung antiker Münzen zusammen. Von 1942-1954 war er Vize-Präsident der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft.

Die auf der Vs. abgebildete Göttin wird regelmäßig aber fälschlicherweise als Vacuna bezeichnet. Vacuna ist eine sabinische Göttin und identisch mit der römischen Victoria. Sie hatte ein altes Heiligtum (Vacunae nemis) nahe der Villa des Hadrian bei Tibur, dem heutigen Tivoli. Die Römer allerdings leiteten ihren Namen von Vacuus ab und meinten, daß sie eine Gottheit sei, der das Landvolk Opfer darbrachte, wenn die Ernte auf den Feldern vorbei war und die Felder sozusagen leer waren (Schol. ad Horat. Epist. I.10.49; Ovid Fast.VI.307; Plin. H.N. III.17). Ihr Fest, die
Vacunalien, fanden im Dezember statt. Vom Scholiast des Horaz hören wir auch, daß einige sie mit Diana, Ceres, Venus, Minerva, Bellonan und Victoria identifizierten. Diese gelehrten Deutungen lagen zur Zeit des Münzmeisters aber noch noch nicht vollständig vor, so daß diese Auffassungen unhaltbar sind (Roscher).

Heute wird ihr Name etymologisch von *vacu- (= lacus, mit Wechsel von l>v, wie umbrisch 'vaper' = lat. lapis) abgeleitet und sie als 'dea del lago = Göttin des Sees' bestimmt. Ihr sabinisches Kultzentrum befand sich vermutlich bei den schwefelhaltigen Quellen Aquae Cutiliae (Evans) in der Nähe des heutigen Rieti. Ein Dorf namens Bacugno in der dortigen Region weist noch auf die Verehrung der Vacuna hin.

Die traditionelle Identifikation der weiblichen Büste auf der Vs. dieser Münze als Vacuna ist unmöglich, schreibt Crawford und zitiert die Arbeit von J.P.Morel, MEFR 1962, S.25-29. Eine Identifizierung als Isis, nach der Arbeit von A.Alföldi, S 1954, S.30/31, ist vielleicht korrekt. Aber sie trägt nicht nur die Lotusblüte der Isis sondern auch
(1) den mit einem Federbusch geschmückten Helm der Minerva,
(2) auf der Stirn die Getreideähren der Ceres,
(3) über der re. Schulter den Bogen und den Köcher der Diana,
(4) unter dem Kinn ein Cornucopiae und ist
(5) geflügelt wie Victoria!
Zusammenfassend müssen wir feststellen, daß die Identifizierung des Vs,-Typs immer noch unsicher ist. Sie ist eine richtige "Mult-Kulti"-Göttin!

Das Pantheion
Das Pantheion (lat. Pantheon) war die Gesamtheit der Götter, so wie das Panellenion die Gesamtheit der Griechen war. In einer polytheistischen Religion waren die Menschen gewohnt, jedesmal die für sie oder ihre Anliegen zuständige Gottheit anzurufen. Dabei war es nicht immer einfach, die richtige Gottheit zu wählen. Manchmal mußte erst das Orakel befragt werden. Bei großen Festen waren auch mehrere Götter zuständig, denen Opfer gebracht werden mußten. Um sich nicht den Zorn der vergessenen Götter zuzuziehen, wurden auch die anderen oder gar "alle Götter" angerufen. Diese Sitte erscheint schon bei Homer, wo einem Eid dadurch die stärkste Bestätigung gegeben werden sollte. Das galt insbesondere dann, wenn es schnell gehen mußte und man nicht genug Zeit hatte, die zuständige Gottheit zu eruieren. Dann wich man aus auf pantes theoi (= alle Götter), z.B. bei Schwurformeln. Im 4. Jh. häuften sich zwar diese Anrufe, aber einen eigenen Kult der Göttergesamtheit gab es nicht. Nach Herodot hatten die Ionier, Dorier und Aioler bei der Gründung von Naukratis im Nildelta zwar ein gemeinsames Heiligtum für alle ihre mitgebrachten Götter errichtet (Pauly), aber nur zur zu Abwehr gegen die sie umgebenden fremden Kulte.

Das änderte sich in hellenistischer Zeit, in der sich eine Zunahme von Inschriften findet, die auf Weihungen, Feste, Priestertümer und Kulte hinweisen, besonders in Kleinasien, wo auch die Formel theoi pantes kai pasai (= alle Götter und Göttinnen) sich häuft. Der berühmte Pergamonaltar war wohl auch der Göttergemeinschaft geweiht, worauf hinweist, daß seine 4 Seiten die ganze Götterfamilie abbilden. Antiochos IV. Epiphanes veranstaltete in Antiocheia einen großen Triumphzug, bei dem die Bilder "aller bei den Menschen benannten Götter" mitgeführt wurden. Nach dem Pantheon in Rom war das bedeutendste, das Antiochos von Pergamon auf dem Gipfel des Tauros hatte errichten lassen, das allen Göttern geweiht war, zu denen er auch sich und seine Familie zählte (Pauly). Solch ein Pantheion ist auch bekannt von Ilion, Pergamon, Erythrai, Anti-ocheia ad Maiandrum und Alexandria.

Einen bedeutenden Einfluß auf die zunehmende Verbreitung dieser Kulte hatte der Alexanderzug in den Orient gehabt, durch den die Griechen eine große Anzahl neuer Götter und fremder Kulte kennenlernten. Ihre eigenen traditionellen Anschauungen wurden schwächer und man war nicht mehr davon überzeugt, daß sie die alleinigen Helfer in Notsituationen waren. Wenn man viele Gottheiten auf einmal verehrte, fühlte man sich sicherer aufgehoben. Es soll sogar Altäre gegeben haben, die den agnostoi theoi (= den unbekannten Göttern, immer Plural!) geweiht waren, um ja keinen Gott zu vernachlässigen. Nach Apostelgeschichte 17, 13 befand sich eine solche Inschrift auch auf einem Altar in Athen, an die Paulus seine Areopagrede anknüpfte.

Aber es zeichnete sich auch bereits eine monotheistische Tendenz ab, daß alle Götter nur Ausdruck eines einzigen höheren Wesens waren. Eine Göttin namens Panthea gab es wohl nicht (Roscher). Aber man verknüpfte immer öfter synkretistisch verschiedene Gottheiten miteinander, wie wir es von Münzen kennen z.B. als Zeus/Ammon, Dea Mater, Aequitas/Nemesis, Tyche/Demeter u.a. Caligula hat seine über alles geliebte Schwester Drusilla als Diva Drusilla Panthea konsekrieren lassen! Pantheus findet sich bei den Römern als Beiname vieler Götter. Wie der Name sagt, stellte Pantheus eine Gottheit dar, welche die verschiedenen göttliche Kräfte und Persönlichkeiten in sich vereinigte. Inschriften aus dem 1. und 2. Jh. n. Chr. belegen, daß die Vorstellungen, die zur Verehrung eines Gottes Pantheus führten, schon verhältnismäßig früh bei den Römern vorhanden waren (Roscher). Auch Serapis wurde als Allgott angesehen. In Karthago fanden sich Inschriften als Serapis Pantheos. Die nächste Münze zeigt ihn als Serapis Pantheos:

2. Münze
Ägypten, Alexandria, Antoninus Pius, 138-161
AE 33mm, 26.42g, 33.4mm, 0°
geprägt 141/42 (Jahr 5)
Av.: ΑVΤ Κ Τ ΑΙΛ ΑΔΡ ΑΝΤΩΝΙΝΟϹ EVϹEΒ
       Belorbeerter Kopf n. r.
Rv.: Büste, des Serapis Pantheos, drapiert, mit Kalathos  und Strahlenkrone, Widderhorn über dem Ohr, vor ihm Dreizack, um den sich eine Schlange
windet.
       Im Feld L - E
Ref.: Dattari-Savio Pl. 148, 2867 (diese Münze; RPC IV.4, 15340.6 (diese Münze)
Shanna Schmidt Numismatics, Vcoins, April 2022
Pedigree:
Naville Numismatics 53, 3. Nov. 2019, lot 303
ex Dattari coll.
Alexandria_Ant_Pius_Serapis_neu.jpg

Das Pantheon in Rom:
Das großartigste und am vollkommensten erhaltene antike Gebäude in Rom ist zweifellos das Pantheon auf dem Marsfeld. Von diesem wurde lange Zeit angenommen, daß es von Agrippa 25 v.Chr. zu Ehren seines Freundes Augustus errichtet worden sei. Dies steht auch als monumentale Inschrift auf dem Epistyl der Vorhalle: M. Agrippa L. f. consul tertium fecit. Bezeugt wird dies auch durch Plinius und Cassius Dio.
Pantheon_mit_Pronaos.JPG
Der Rundbau enthielt die Statuen vieler Götter und die riesige Kuppel gleicht dem Himmel. Das Pantheon wurde mehrmals durch Blitzschlag und Brand zerstört und jedesmal wieder aufgebaut, so 89 von Domitian und dann von Hadrian, aber auch 202 von Septimius Severus und dann von Caracalla. 608 wurde es von Papst Bonifatius IV. unter der Regierung von Kaiser Phocas in die Kirche beatae semperque virginis Mariae et omnium martyrum umgewandelt. Dabei wurden natürlich alle Götterbilder entfernt.

Durch archäologische Tatsachen ist inzwischen bewiesen, daß der Rundbau nicht von Agrippa errichtet worden ist, sondern erst von Kaiser Hadrian. Es hat sich nämlich gezeigt, daß bei der Errichtung von allen konstruktiv wichtigen Teilen fast ausschließlich Ziegel aus der hadrianischen Zeit verwendet worden sind. Die Inschrift, die Agrippa als Erbauer nennt, geht darauf zurück, daß Hadrian eine überlieferte Abneigung gegen die Nennung seines Namens auf seinen Bauten hatte, und der Grund für diese fast "schrullenhafte Pietät" (Pauly) war sein Bestreben, alles zu vermeiden, was ihn dem verhaßten Domitian hätte ähnlich erscheinen lassen. Dieser hatte die von ihm nur restaurierten Bauten als seine eigenen Originalschöpfungen ausgegeben.

Quellen:
(1) Homer, Ilias
(2) Herodot, Historien
(3) Plinius, Naturalis historia
(4) Cassius Dio, Römische Geschichte
(5) Neues Testament
(6) Ovid, Fastes

Literatur:
(1) Michael H. Crawford, Roman Republican Coinage
(2) Der Kleine Pauly
(3) Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (auch online)
(4) Smith, Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology (online)
(5) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon (auch online)
(6) Elizabeth C. Evans, The Cults of the Sabine Territory, 1939

Mit freundlichem Gruß
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am So 24.04.22 22:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 24.04.22 18:57

Inhaltsverzeichnis wieder ans Ende verschoben.
Zuletzt geändert von Peter43 am So 29.05.22 15:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Mo 25.04.22 08:43

Peter43 hat geschrieben:
Di 12.04.22 10:32
... Das Pantheon wurde mehrmals durch Blitzschlag und Brand zerstört und jedesmal wieder aufgebaut, so 89 von Domitian ...
Peter43 hat geschrieben:
Di 12.04.22 10:32
... Durch archäologische Tatsachen ist inzwischen bewiesen, daß der Rundbau nicht von Agrippa errichtet worden ist, sondern erst von Kaiser Hadrian. ...
Da bin ich jetzt ins Schleudern gekommen, wie kann Domitian etwas instandsetzen lassen, das erst unter Hadrian gebaut wurde 8O ?
Ein Blick in Wikipedia klärt aber auf (https://de.wikipedia.org/wiki/Pantheon_(Rom)) :D .

- Unter Agrippa wurde ab 25 v. Chr. an derselben Stelle mit derselben Grundstruktur (rechteckige Vorhalle mit dahinterliegendem Rundbau) ein Pantheon gebaut.
- Diesen Vorgängerbau hat Domitian nach einem Brand von 80 n. Chr. wiederherstellen lassen.
- 110 n. Chr. ist der Vorgängerbau dann nach einem Blitzschlag dermaßen abgebrannt, dass er durch einen Neubau ersetzt wurde, begonnen vielleicht schon unter Trajan, fertiggestellt unter Hadrian.
- Angesichts dieser Vorgeschichte ist die Inschrift auf dem Hadrian-Bau, die sich auf Agrippa bezieht, vielleicht auch nicht ganz so blödsinnig.

Das Pantheon war übrigens auch eine bautechnische Höchstleistung, es war 1700 Jahre lang der Bau mit der größten Kuppel 8O (wenn man von der doppelschaligen des Doms in Florenz absieht, der wurde aber auch erst 1436 fertiggestellt).

In jedem Fall hab' ich jetzt eine ganze Menge über das Pantheon gelernt :D .

Gruß

Altamura

T........s

Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von T........s » So 22.05.22 11:55

Kann man diesen Thread nicht als Sticky machen? Schade, wenn der soweit nach hinten wandert. Und ist - zumindest für mich - inzwischen ein super deutschsprachiges kleines Nachschlagwerk geworden.

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitrag von Numis-Student » So 22.05.22 16:21

Ist er doch ;-)

MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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