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Kleines Provinzlerrätsel
Verfasst: So 11.02.07 00:53
von Pscipio
Na, wem fällt etwas auf? Die Provinzsammler sollten sich vielleicht ein wenig zurückhalten und zuerst die weniger Erfahrenen knobeln lassen. Wenn man es gleich auflöst, macht es ja keinen Spass - vor allem jenen nicht, die erst morgen (heute) Mittag mit einem Kater aus dem Bett steigen und nicht vor dem Abend wieder einen klaren Kopf haben
Viel Spass und gute Nacht!
Pscipio
PS: wer's hat, kann mir eine PN schicken
Verfasst: So 11.02.07 11:35
von quisquam
Was Provinzrömer angeht bin ich ziemlich frei von Wissen, daher mache ich mal einen Anfang:
Die Vorderseiten scheinen mir identisch: 4x Demos-Büste mit gleicher Legende. Die Rs-Legenden der Münze oben links und der beiden unteren enden mit ΩN, sie geben also vermutlich den Namen der prägenden Stadt wieder. Links oben Hadrianopolis (?), bei den restlichen verlassen mich fürs erste meine Fähigkeiten griechische Legenden zu entziffern. Es scheint sich aber um andere Städte zu handeln, trotz der Ähnlichkeit der Vorderseiten!
Hoffentlich war dies nicht bereits die gesuchte Lösung...
Grüße, Stefan
Verfasst: So 11.02.07 11:46
von taurisker
hmmmm ... auf den Reversi sind die Tyche bzw. Herakles bzw. Zeus zu sehen ... zielt das auf die "Dreifaltigkeit" in der griech./röm. Mythologie?
Geprägt in Mysia/Germe oder Phrygien/Kadoi??
LG
taurisker
Verfasst: So 11.02.07 11:50
von Dapsul
Sehr schön! Sind das alles Deine? Du kennst sicher K. Kraft, Das System der kaiserzeitlichen Münzprägung in Kleinasien. Materialien und Entwürfe. Berlin 1972, Istanbuler Forschungen 29. Beschäftigt sich genau mit diesem Phänomen.
Gruß - Frank
Verfasst: So 11.02.07 11:56
von Pscipio
Dapsul hat geschrieben:Sehr schön! Sind das alles Deine? Du kennst sicher K. Kraft, Das System der kaiserzeitlichen Münzprägung in Kleinasien. Materialien und Entwürfe. Berlin 1972, Istanbuler Forschungen 29. Beschäftigt sich genau mit diesem Phänomen.
Ja, sie gehören alle mir. Nein, Kraft besitze ich leider noch nicht. Ich habe in letzter Zeit so viel Geld in Literatur investiert, dass ich eine Pause einlegen musste, zumal die Numismata vor der Türe steht. Aber ich werde mich mal umschauen, wie und wo ich den Kraft beschaffen könnte.
Zur Auflösung des Rätsels sag ich mal noch nichts.
Gruss, Pscipio
Verfasst: So 11.02.07 13:13
von Homer J. Simpson
Sind die Vs. nicht sogar stempelgleich? Ich meine, ich hätte mal was über Wandermünzstätten oder Stempeltausch gelesen.
Mzst. Hadrianotherai, Attaia, Germe, Adranos, das ist alles Lydien, oder? Sehr interessant!
Homer
Verfasst: So 11.02.07 13:55
von Pscipio
Richtig! Ein Vorderseitenstempel, vier Städte: AΔPIANOΘEPITΩN (Hadrianotherai), ATTAITΩN (retrograd, Attaos/Attaea), ΓEPMHNΩN (Germe) und AΔPIANEΩN (Hadrianeia). Ich glaube aber nicht an die Theorie vom Stempeltausch; organisatorisch scheint es mir keinen Sinn zu machen, einen Stempel durch vier verschiedene kleine Prägestätten wandern zu lassen. Nein, ich denke eher, die Münzen wurden in einer zentralen Prägestätte geschlagen.
Die Münzen sind alle nicht häufig - umso toller, dass ich innerhalb von wenigen Monaten von allen vier Städten ein Exemplar von diesem Stempel erwerben konnte.
Gruss, Pscipio
Verfasst: So 11.02.07 15:56
von Dapsul
Die Theorie der zentralen Prägestätten ist die wahrscheinlichere und hat sich in der Forschung auch durchgesetzt. Ist ja auch nicht unlogisch, daß nicht jedes winzige Städtchen eine eigene Münzprägeanstalt betrieben hat.
Frank
Verfasst: Mi 30.01.08 18:24
von loron
Danke für die rege Beteiligung am Thema,
ja, ich meinte "Civic coins ..." -- gab es billig bei ebay. Es ist nicht in allen Fällen 100 pro, aber doch etwas aktueller und umfangreicher als Frankes "Kleinasien zur Römerzeit".
Nach ein wenig Hin- und Hergrübeln und reichlich Lektüre (Sehr erhellend auch: Kevin BUTCHER: Coinage in Roman Syria, Bd. 1, Northern Syria, 64 BC-AD 253. London 2004.) scheint es mir, dass man jedes Mal auf's Neue entscheiden muss, was am ehesten in Frage kommt: zentraler Herstellungsort (z.B. eine Metropolis) oder Wanderhandwerker. Ich habe gerade mit Material zu tun, das Indizien für beides liefert:
Stempel, die stilistisch denen von Nachbarstädten ähneln. Zugleich aber auch eine wenig professionelle Machart (starke Gewichtsabweichungen, schlechte Schrötlinge), die die Münzen von denen der Region unterscheiden und eine Prägung vor Ort nahelegen.