Balbinus bei CNG

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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chinamul
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Beitrag von chinamul » So 13.05.07 12:30

Wie wär's denn mal mit "(partielle) Stempeldrift"? Es liegt doch an uns, forenintern neue Begriffe zu kreieren, solange wir den in der numismatischen Wissenschaft verwendeten deutschen Terminus - wenn es ihn denn schon gibt - nicht kennen. Es ist doch alles eine Frage der Definition und der anschließenden Übereinkunft, sich des Wortes in der genannten Bedeutung zu bedienen. Zur Verdeutlichung könnte man dann ja den englischen Fachbegriff solange in Klammern hinzusetzen, bis das deutsche Wort sich etabliert hat und allgemein verstanden wird.
Das wäre doch mal ein echter Dienst an unserer Muttersprache!

Gruß

chinamul
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » So 13.05.07 14:06

Hi Chinamul!

Deine Idee, eingängige deutsche Wörte zu benutzen, kann ich nur begrüßen. Allerdings scheint mir die Wahl von 'Stempeldrift' nicht geeignet zu sein. Drift gibt es ja bereits im Deutschen, z.B. in Kontinentaldrift, Gendrift, aber auch in der Linguistik oder der Seefahrt. Bei dem Ausdruck 'Stempeldrift' würde ich, analog zu diesen Begriffen, spontan eher daran denken, wie ein Stempel von einer Münzstätte zu einer anderen 'verdriftet' wird, nicht aber an das Verrutschen wöhrend des Schlagens selbst. Deshalb finde ich Deinen Begriff nicht intuitiv genug.

Mein neuer Vorschlag wäre, etwas abgewandelt, 'Schlagdrift'.

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.

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divus
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Beitrag von divus » Mo 14.05.07 01:22

Guten Abend!!

Irgendwie ein interessantes Thema, das mich schon den ganzen Tag immer wieder beschäftigt hat, diese Wortfindung. Ich finde es ja prinzipiell auch schöner, wenn man deutsche Worte verwendet und ziehe unsere Vokabeln immer vor, habe aber auch nichts gegen sinnvolle Anglizismen, wenn die deutsche Sprache bisweilen an ihre Grenzen stößt.
Wie auch immer, das "richtige" Wort für dieses Prägephänomen habe ich auch nicht gefunden. Die Stempel sind ja genau während des Prägens leicht verrutscht, z.B. durch einen schrägen Hammerschlag und der resultierenden ungleichmäßigen Kraftableitung, dabei oft minimal um die eigene Achse gedreht. An Peter43s Modifikation gefällt mir, im Wort den eigentlichen Schlag in den Vordergrund zu stellen, wie ja auch der Doppelschlag kein Problem des Stempels ist, sondern des Schlagens an sich.

Meine Vorschlag, schlicht: "(leicht) verrutschter Schlag"

Klingt auch nicht so kompakt, aber das zusammengesetzte Hauptwort (;-)) klingt einfach zu holprig, z.B. "Rutsch-Schlag", oder "Schlagverrutschung" (angelehnt an Homer), oder sowas wie "Schlagversatz";
etwas blumiger, aber irgendwie auch treffend: "Zitterschlag".

Grüße!

antoninus1
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Beitrag von antoninus1 » Mo 14.05.07 08:29

Hallo,

aus Anlass eurer Diskussion, wollte kurz erklären, was ein Anglizismus ist, weil ich´s für ein interessantes aktuelles Thema halte.

Die Verwendung z.B. von "die shift" im Deutschen ist kein Anglizismus, sondern einfach die Verwendung englischer Wörter.

Ein Anglizismus ist die Übertragung einer englischen Ausdrucksweise eins zu eins ins Deutsche.

Ein häufig zu hörender bzw. zu lesender Anglizismus ist z.B. "Das macht Sinn", aus dem Englischen "That makes sense".
Das ist falsches Deutsch. Auf Deutsch heißt es "Das hat Sinn".

Anderes Beispiel: aus "That means" wird "Das meint", obwohl es "Das bedeutet" heißen müsste.
Gruß,
antoninus1

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 14.05.07 18:25

"Erst in 2006 haben wir realisiert, daß das Sinn macht..." - Aaarghhh!
Auch das häufig gehörte "nicht wirklich" ist ein übersetztes "not really", was soviel heißt (nicht: meint!) wie "eigentlich nicht".

"Die shift" würde ich vielleicht am ehesten mit "Stempelrutschen" oder "Stempelgleiten" übersetzen.
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mo 14.05.07 20:50

'Einmal mehr' von 'once more', deutsch = 'noch einmal', 'schon wieder', 'erneut' usw. Am schlimmsten sind die Moderatoren im Fernsehen, weil sie sogenannte Multiplikatoren sind. Die können zwar oft kein korrektes Deutsch, bemühen sich aber immer um die neuesten Anglizismen! Dieses Phänomen heißt 'linguistische Unterwürfigkeit'. Das irrste ist immer, wenn die Deutschen Wörter erfinden, die schick und amerikanisch klingen sollen, die es aber dort nicht gibt. Nicht nur 'Handy', sondern auch 'Showmaster' u.a.

Schön sind auch die 'standing ovations', die in der Regel mit 'stehendem Beifall' übersetzt werden, aber eigentlich 'anhaltender Beifall' heißen. Oder 'goodwill tour' (kennen vielleicht einige nicht, weil es ein Begriff aus der Geschäftswelt ist): Wird in der Presse immer so beschrieben, daß wenn z.B. Präsident Bush nach Südostasien fliegt, er den dortigen Staaten seinen guten Willen beweisen will. Tatsächlich aber ist 'Goodwill' ein Fachbegriff und bedeutet soviel wie 'Firmenwert oder 'Kredit'. Wenn ein Amerikaner also von einer 'goodwill tour' von Bush spricht, meint er damit, Bush will sehen, wie beliebt die Amerikaner noch in Südostasien sind.

Aber dieses Thema ist sozusagen ein 'weites Feld' (Theodor Fontane, Effi Briest)!

Mit freundlichen Grüßen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Beitrag von antoninus1 » Mo 14.05.07 21:11

Interessant, das mit den standing ovations und dem good will wusste ich noch nicht :idea:
Was müssen die Amerikaner bei standing ovations auch noch aufstehen :?
Gruß,
antoninus1

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helcaraxe
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Beitrag von helcaraxe » Mo 14.05.07 21:37

Vielleicht wissen die Amis das selber nicht - und stehen deshalb bem Beifallklatschen noch auf. :-) Wobei ich gegen diese Sitte nichts habe, wenn man die außergewöhnliche Leistung eines Darstellers würdigen will.
Viele Grüße
helcaraxe
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Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 14.05.07 21:37

Das wurde im Deutschen auch schon mal mit "stehende Ovulationen" übersetzt... :wink:

Homer
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helcaraxe
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Beitrag von helcaraxe » Mo 14.05.07 21:40

Wenn man sich so sehr freut, dass einem dabei ein Ei aus der Hose springt vor Freude, dann ist das doch aber auch richtig.... ;-)

So, jetzt genug gekalauert.
Viele Grüße
helcaraxe
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Beitrag von curtislclay » Mo 14.05.07 22:11

Ich muss zweifeln, dass Peter mit den zwei Ausdrücken recht hat.

Unter "standing ovation" habe ich immer verstanden, dass die Zuschauer aufspringen und klatschen. So wird es auch in meinem Harper-Collins German Dictionary übersetzt: "To give somebody a standing ovation: jemandem im Stehen Beifall klatschen oder eine Ovation darbringen." Das kann kaum ein Fehler sein!

Ja, "good will" ist auch ein Fachbegriff: nach meinem Webster's Collegiate Dictionary, "Law. The favor or advantage in the way of custom which a business has acquired beyond the mere value of what it sells." Man könnte auch "customer loyalty" oder "brand-name recognition" sagen. Unter "good-will tour" aber habe ich immer genau das verstanden, was nach Peter falsch ist: z.B. dass Präsident Bush nach Südostasien fliegt, um den dortigen Staaten seinen guten Willen zu beweisen.
Zuletzt geändert von curtislclay am Di 15.05.07 20:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Peter43 » Mo 14.05.07 22:47

Vielen Dank, Curtis, für Deine Meinung!

Ein großes Problem zumindestens mit dem deutschen Dudenwörterbuch ist aber, daß es nicht mehr den korrekten Sprachgebrauch lehrt, wie früher, als es noch eine pädagogische Aufgabe hatte, sondern nur noch listet, was heute gebräuchlich ist. Das kann sich dann alle zehn Jahre wieder ändern! Ich weiß nicht, ob das bei angelsächsischen Wörterbüchern genauso ist. Natürlich kann man der Meinung sein, daß dann, wenn alle einen Begriff anders benutzen als er früher korrekt war, daß dies jetzt die neue Norm ist (die normative Kraft des Faktischen eben).

Die Erläuterungen der beiden Begriffe habe ich einmal aus 'Der Dativ ist dem Genitiv sein Feind' und das anderemal aus dem 'Handelsblatt', wenn ich mich nicht irre, aber das stammte aus den Fünfzigerjahren.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von curtislclay » Mo 14.05.07 23:43

Peter,

Nach meinem Dafürhalten sind aber die von deinen Quellen angegebenen Auslegungen nicht nur heute ungeläufig und von gar niemandem benutzt, sie sind sprachlich unmöglich und bestimmt auch historisch unbelegbar!

Ich lasse mich aber gerne belehren! Leider finde ich "standing ovation" und "good-will tour" in keinem der drei älteren englischen Wörterbücher, die wir im Büro stehen haben.

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Wurzel
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Beitrag von Wurzel » Di 15.05.07 00:47

Bei der hier entstandenen Diskussion fällt mir spontan dieser Netzauftritt der Aktion Lebendiges Deutsch ein:

http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortdm.php

Hier gibt es einen Anglizismen-Index:

http://www.vds-ev.de/anglizismenindex/

Vom Verein Deutsche Sprache e. V.

http://www.vds-ev.de/

Viel Spaß

Micha
http://www.pflege-am-boden.de/

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Di 15.05.07 12:09

So widersinnig das auch klingen mag: Wir erweisen der deutschen Sprache wohl den größten Dienst, wenn wir versuchen, das Englische als lingua franca, d. h. als universales Verständigungsmittel in einer sich immer mehr vernetzenden Welt, möglichst gut zu beherrschen. Dann wären viele Menschen nicht mehr so sehr darauf angewiesen. ihre vorgebliche Weltläufigkeit durch zweifelhafte oder gar falsche Übernahmen aus dem Englischen nachweisen zu müssen. Nach meinen Beobachtungen geht ein überbordender Gebrauch englischer Wörter und Strukturen durch Deutsche in einem deutschen Text meist einher mit einer mangelhaften Beherrschung des Deutschen.
Wer tatsächlich des Englischen in Wort und Schrift mächtig ist, hat es überhaupt nicht nötig, sich sprachlich derart aufzublähen. Oder ist etwa meinen Texten hier im Forum anzumerken, daß ich auch Anglist bin?

Gruß

chinamul
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