Seite 1 von 2

Halber Follis des Constantinus I?

Verfasst: Mo 29.10.07 20:41
von Oktavenspringer
Hallo,

Habe bei diesem Stück ein kleines Bestimmungsproblem:

Constantinus I. als Augustus 309-337 AD, Halber Follis?
Av: FL VAL CONSTANTINVS AVG, drapierte Büste n.r., mit Strahlenkrone
RV: VIRT EXERCIT GALL, Virtus, leicht n.l. stehend, n.r.schauend, hält Parazonium in der Linken und Speer in der Rechten, links ein X, rechts ein W?
Münzstätte schwer zu lesen, kann vage AQ erkennen, dann geprägt in Aquileia, Offizin gar nicht erkennbar
Durchmesser 20 mm / Gewicht 3,05 g

Leider finde ich dieses Stück weder bei "coinarchives" noch bei "wildwinds". Auch die Ausführung der Büste mit der Strahlenkrone und die Art des dargestellten Parazoniums konnte ich bisher nicht ausfindig machen.
Passende RIC-Nummer?

Danke im Voraus für eure Hilfe
Oktavenspringer

Verfasst: Mo 29.10.07 20:48
von McBrumm
Hi,

größere Fotos wären super :-)

lg

Verfasst: Mo 29.10.07 20:54
von Oktavenspringer
Stimmt! Entschuldigung, würde ich auch gerne machen, weiss nur noch nicht wie's funktioniert. Darin ist mein Sohn der Spezialist, der ist momentan aber nicht erreichbar. Vielleicht klappt's morgen!

Gruß

Verfasst: Mo 29.10.07 21:27
von alexander20
Hallo Oktavenspringer,

es handelt sich bei Deinem Stück auch nicht um einen Follis oder ein Teilstück dessen, sondern vielmehr um einen Antoninian (Radiatus) . Die Strahlenkrone ist hierfür eine zweifelsfreies Merkmal.

Alexander20

Verfasst: Mo 29.10.07 21:57
von curtislclay
Anscheinend RIC VI, Rome 360, Halbfollis, 312-313 n. Chr., X - VI im Feld, RQ (Offizin 4) im Abschnitt.

Ein seltener, interessanter Typ, der die Tapferkeit des gallischen Heeres rühmt, das Maxentius im J. 312 besiegt hatte.

Verfasst: Di 30.10.07 06:12
von alexander20
Hallo curtisclay,

wenn das Stück ein "Halbfollis" sein soll, wie erklärst Du dann die Strahlenkrone?

Ich hatte bereits dargelegt, dass ich das Stück für einen Antoninian (Radiatus) halte, da ein Follis n i e m a l s als Merkmal eine Strahlenkrone aufweist und mithin das Stück kein Follis sein kann. Im übrigen ist der RIC zwar ein hervorragendes Werk, aber auch er irrt ab und zu.

Ich bin sehr gespannt auf Deine Meinung, da ich Dein wirklich herausragendes numismatisches Fachwissen überaus schätzen gelernt habe.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag

Alexander20

Verfasst: Di 30.10.07 08:26
von curtislclay
Ganz einfach, nach Abschaffung des Antoninians bedeutet die Strahlenkrone nicht mehr den doppelten Wert, wie andere Teilnehmer im Thread Radiatus von Constantin bereits gesagt haben!

Verfasst: Di 30.10.07 18:14
von alexander20
Hallo curtisclay,

der Antoninian hatte wohl zu seiner Einführung den doppelten N o m i n a l wert eines Denares, aber bereits das ist nach meiner Kenntnis nicht historisch gesichert. Den doppelten Metallwert eines Denares hatte er jedoch niemals , sondern etwa den 1,5 fachen (Metall)wert.

Aber die Wertigkeit ist doch gar nicht das Problem. Vielmehr sage ich nur, dass es sich bei dem genannten Stück einfach nicht um einen Follis handeln kann, da ein Follis niemals auf dem Avers eine Strahlenkrone zeigt. Eine Strahlenkrone ist immer - völlig unabhängig von irgendwelchen Wertigkeiten- Zeichen für das Nominal Antoninian. Im Übrigen weist Elmer in seinem Werk "Verzeichnis der Römischen Reichsprägungen von Augustus bis Anastasius" für Kaiser Konstantin das Nominal Antoninian sehr wohl als bekannt bzw. vorhanden aus.

Alexander20

Verfasst: Di 30.10.07 18:33
von curtislclay
Prägten etwa Constantin im J. 310-312, Constantin und Licinius II. im J. 320, und Martinian im J. 324 noch Antoniniani, oder sind das doch nur reduzierte Folles, wie die ganze übrige Bronzeprägung der Zeit?

Suche bitte CoinArchives nach "Follis and radiat" ab!

Verfasst: Di 30.10.07 18:38
von El Che
Eine Strahlenkrone ist immer - völlig unabhängig von irgendwelchen Wertigkeiten- Zeichen für das Nominal Antoninian.
Das stimmt so nicht; auch auf den Dupondien (außer den ganz frühen) tragen die Kaiser eine Strahlenkrone. D. h. also: Lange bevor es den Atoninian überhaupt gab, war die Strahlenkrone bereits ein Verdoppelungszeichen (doppelter As). Mir scheint es eher logisch, dass die Symbolik dann später auf den Antoninian übertragen wurde.
Im Klartext: Die Strahlenkrone kann nicht genuines Antoninianmerkmal sein, sondern ist eher ein Zeichen für einen doppelten (natürlich Nominal-) Wert. Mit Wegfall des alten Münzsystems wird das Symbol wieder frei.

Man sollte auch nicht vergessen, dass die Strahlenkrone eigentlich zu Sol gehört, dem im 3. Jhdt. zunehmend als Reichsgott gehuldigt wurde, wobei darin häufig eine gewisse Nähe zum Monotheismus gesehen wird. Es gibt eben nur ein Sonne, in vielen monotheistischen Religionen ist die Sonne/das Licht das Symbol für Gott...

Liebe Grüße,
Uli

Verfasst: Di 30.10.07 19:21
von alexander20
Hallo curtisclay,

also nach Elmer sind für alle drei von Dir genannten Kaiser Antoniniani bekannt. Ich habe allerdings noch ein wenig in meiner numismatischen Literatur weitergesucht und bin dabei auf zwei Museumskataloge gestossen, die ich vor einigen Jahren im Musèe D`Histoire et D `Art in Luxemburg erwerben konnte. In diesen Katalogen werden einige hundert ausschließlich römische Folles von Kaiser Diokletian bis zu den Constantinen beschrieben. Dort werden tatsächlich - einige wenige- Stücke mit Strahlenkrone dargestellt und als (reduzierte) Folles bezeichnet. Bist Du denn der Meinung, dass die Strahlenkrone im Laufe der Zeit sozusagen mutiert ist als ehemals Zeichen des Antoninians dann zum Zeichen des reduzierten Follis??

Alexander20

Verfasst: Di 30.10.07 19:42
von Homer J. Simpson
Ähhh... - hallo Alexander, also die Zusammenstellung von Herrn Elmer (ich kenne das Heftchen) dürfte nicht mehr den neuesten Stand der Wissenschaft darstellen, da Herr Elmer bedauerlicherweise im letzten Krieg gefallen ist. Und da selbst wir heute noch über die genauen Nominalwerte und -verhältnisse im Dunklen tappen (von den Benennungen ganz zu schweigen), ist, denke ich, vorstellbar, daß das damals noch etwas unklarer war und noch leichter jeder Radiatus als Antoninian bezeichnet wurde. Beiliegend ein Bild meines Radiatus (oder Antoninian? oder Billonargenteus???) von Constantin II.

Viele Grüße,

Homer

Verfasst: Di 30.10.07 19:51
von Xanthos
Hallo Homer,

wirklich ein interessantes Stück. Ich glaube jedoch weder an einen Antoninian noch an einen Billonargenteus. Ich denke, es handelt sich um einen "gewöhlichen" Follis. Anbei ein ähnliches Exemplar vom gleichen Kaiser, geprägt in London (3,04g). Und eines von Licinius I. aus Nicomedia (ebenfalls aud Billon; 2,51g).
Das Gewicht spricht für meine Theorie des Follis, denke ich.

Gruss

Verfasst: Di 30.10.07 20:02
von Peter43
Als Ergänzung zu El Che möchte ich noch hinzufügen, daß es die Strahlenkrone auch ohne Wertverdoppelung gab. Z.B. gibt es Asses von Augustus mit Strahlenkrone. Das heißt, daß die Bedeutung der Strahlenkrone immer auch im zeitlichen Zusammenhang gesehen werden muß.

Mit freundlichen Grüßen

Verfasst: Mi 31.10.07 11:31
von Oktavenspringer
Es war Alles in Allem bis jetzt eine sehr interessante Diskussion, die ich mit diesem Thread ausgelöst habe.

Vielen Dank hiermit an alle, die dazu beigetragen haben, zusätzliche Informationen zu meinem anscheinend seltenen und interessanten Constantinus-Halbfollis zu geben.
Aber kann mir jemand auch noch einen ungefähren Wert für meine Münze mitteilen, einschließlich dem Seltenheitsgrad?

Diese Info wird nicht benötigt, um die Münze auf Ebay oder sonstwo zu veräußern! Ich habe bisher nicht eine einzige meiner Münzen in andere Hände gegeben (-> sammle Münzen aus aller Welt schließlich schon seit 1989, seit 2002 "Römer" und "Provinzrömer", seit Ende letzten Jahres auch noch "Griechen"), bin bei Ebay z.B. nur Käufer, nicht aber Verkäufer!

Also, nochmals herzlichen Dank an Alle
und freundliche Grüße übermittelt
Oktavenspringer