Seite 1 von 2
Augustus-Denar/Zuweisung Münzstätte
Verfasst: Mo 26.11.07 14:59
von octavian
Hallo liebe Sammlerkollegen,
bei G&M habe ich im Nachverkauf den folgenden Denar erstanden:
Augustus, Denar, 27 v. Chr, Pergamon, RIC 472; C. 182, BMC 666; BN 936, R! SS, dies sind im übrigen die Angaben des Auktionshauses.
Nun meine 2 Fragen:
1) Verwirrend sind die Angaben zur Münzstätte. Über coinarchives.com habe ich den Typ mal recherchiert, dort konnte ich ihn mehrere Male finden, ebenfalls über wildwinds. Einige Auktionshäuser weisen ihn einer unbest. Münzstätte in Nordgriechenland zu, andere wiederum Pergamon (so wie z.B. Gorny&Mosch), auch Paphos auf Zypern ist genannt.
Könnt ihr mir sagen, wo das Stück definitiv geprägt wurde? Oder bleibt dies offen? Wo kann ich weitere Literatur hierzu finden, ggf. im Internet?
2) Habe im Nachverkauf 250 Euro (inkl. Aufschlag ect.) bezahlt. Ist das ein akzeptabler Preis? Die auf coinarchives gezeigten Stücke schwanken alle sehr stark im Preis, mein Stück wurde sogar 2x bei G&M angeboten (zuerst für 350 Euro, blieb unverkauft), selbst jetzt bei 200 Euro Schätzpreis hat niemand zugeschlagen, obwohl doch lt. Angaben der Händler "R"=selten.
Vielen Dank für eure Hilfe!
Verfasst: Mo 26.11.07 18:14
von payler
Im wildwinds:
http://www.wildwinds.com/coins/sear5/s1 ... l#RIC_0472
Der Preis ist sicher in Ordnung - Glückwunsch!
Verfasst: Mo 26.11.07 19:43
von octavian
Hallo payler,
danke für den Link, den kannte ich aber schon. Ist dir evtl. näheres zur Münzstätte bekannt? Mich würde natürlich interessieren, wo die jeweiligen Auktionshäuser ihre Ansichten/Vermutungen her haben, z. B. welche Literatur könnt man da mal nachschlagen zu solchen Architekturdarstellungen? Gibt es da etwas empfehlenswertes?
Verfasst: Mo 26.11.07 20:33
von payler
Mit der Münzstätte muss ich leider passen, habe auch nur die Infos des w w w .
Verfasst: Di 27.11.07 10:00
von curtislclay
Wir wissen nicht, wo die Münze geprägt wurde, wie man aus diesen beiden Vorschlägen ersehen kann:
Gabrici 1902: Nach Sueton beschossen die befreundeten Nachbarkönige des römischen Reiches, den vor vielen Jahrhunderten begonnenen Tempel des Jupiter Olympius in Athen auf ihren Kosten fertigzubauen und dem Genius des Augustus zu widmen. Die IOVI OLVM Denare könnten diesen geplanten Tempel darstellen (erst Hadrian hat ihn tatsächlich fertiggestellt), und wären dann in Athen selbst geprägt worden.
Sutherland 1974: Die Denare könnten den berühmten Tempel von Jupiter Olympius in Olympia darstellen, und wären dann in Olympia oder Umgebung (nordwestlicher Peloponnes) geprägt worden.
Verfasst: Di 27.11.07 11:33
von aquilifer
Gegen die Identifikation als athenisches Olympieion muss wohl zunächst eingewandt werden, dass dieses nicht sechs sondern acht Frontsäulen besitzt, während der Zeustempel in Olympia tatsächlich die auf der Münze abgebildete Anzahl aufweist. Und wenn der Schild im tympanon nicht nur là pour là aufgefasst werden soll, kann es sich nur um den goldenen Schild handeln, welchen die Spartaner nach dem Sieg bei Tanagra 457 v. Chr. an eben jener Stelle am olympischen Zeustempel angebracht haben. Auch Pausanias beschreibt ihn noch samt seiner zugehörigen Inschrift (V 10,4).
Gibt es eigentlich zu dieser Problematik (architektonische Realität und ikonographische Konvention auf Münzen) Untersuchungen?
Verfasst: Di 27.11.07 12:01
von octavian
hallo,
vielen Dank erstmal für eure interessanten Meinungen! Die Münzstätte läßt sich also nicht sicher festmachen. Wobei ich die Aussage von aquilifer interessant finde, dass die Anzahl der Säulen des Zeustempel in Olympia mit denen der Münze übereinstimmen.
aquilifer:
Das frage ich mich auch oft, ob die Darstellung auf Münzen der architektonischen Realität entsprechen. Untersuchungen hierzu wären sicher hochinteressant.
Verfasst: Di 27.11.07 13:30
von Constantinus
Die gibt es; zu nennen ist an erster Stelle wohl "Fuchs, Günter: Architekturdarstellungen auf römischen Münzen der Republik und der frühen Kaiserzeit, Berlin 1969." Ich habe das Buch allerdings auch nicht vorliegen.
Verfasst: Di 27.11.07 17:17
von aquilifer
Danke, das Buch werde ich mir mal zu Gemüte führen.

Verfasst: Di 27.11.07 17:54
von octavian
Constaninus, auch von mir herzliches Dankeschön für den Tip. Ich werde mal bei uns an der Uni schauen, ob ich das Buch dort ausleihen kann.
Verfasst: Di 27.11.07 17:54
von curtislclay
aquilifer hat geschrieben:Gegen die Identifikation als athenisches Olympieion muss wohl zunächst eingewandt werden, dass dieses nicht sechs sondern acht Frontsäulen besitzt, während der Zeustempel in Olympia tatsächlich die auf der Münze abgebildete Anzahl aufweist. Und wenn der Schild im tympanon nicht nur là pour là aufgefasst werden soll, kann es sich nur um den goldenen Schild handeln, welchen die Spartaner nach dem Sieg bei Tanagra 457 v. Chr. an eben jener Stelle am olympischen Zeustempel angebracht haben. Auch Pausanias beschreibt ihn noch samt seiner zugehörigen Inschrift (V 10,4).
Genau diese Argumente hat Sutherland gegen Gabrici vorgebracht. Ich glaube aber nicht, dass er Gabricis Theorie endgültig widerlegt und seine eigene bewiesen hat. Es sind leider nur Vermutungen.
Verfasst: Di 27.11.07 20:42
von aquilifer
Darf ich fragen, was genau du an Sutherlands These nicht plausibel findest?
Verfasst: Di 27.11.07 21:00
von curtislclay
Unter anderem:
Es gibt keinen Beweis, dass Augustus je Olympia besucht hat.
Zu welchem Zweck sollte er dort Denare schlagen lassen?
Woher kamen die Stempelschneider? Gibt es stilistische Verbindungen zu Lokalprägungen in der Peloponnes oder anderswo?
Verfasst: Di 27.11.07 22:28
von aquilifer
Zur Beantwortung der zweiten Fragen müsste man wohl die Grabungspublikationen von Olympia nach augusteischen Befunden sichten, wobei der Tempel möglicherweise paradigmatisch das Heiligtum selbst vertreten könnte - was natürlich rein spekulativ ist.
Was mich an der Identifikation als Olympieion stört ist, um noch einmal, wenn du erlaubst, darauf zurückzukommen, die Anzahl der Säulen. Ist es plausibel, dass ein attischer Stempelschneider derartig "zurückhaltend" dieses monumentale Großbauprojekt in Szene setzt? Es gibt ja eigentlich keinen trifftigen Grund für die Verringerung, wie z.B. die Darstellung eines Kultbildes in der cella.
Verfasst: Mi 28.11.07 00:08
von curtislclay
Ich weise Gabricis Theorie nicht gänzlich ab, aber ich akzeptiere sie auch nicht.
Da echte Beweise noch nicht vorliegen, weiss ich einfach nicht, welcher Tempel auf diesen Denaren abgebildet wird und wo die Münzen geprägt wurden.