Seite 1 von 2
Das Parazonium
Verfasst: Do 06.12.07 00:03
von Peter43
Ich mache mal für das Parazonium einen eigenen Thread auf, um nicht den anderen Thread durch eine Diskussion zu stören! Hier habe ich eine Münze aus meiner Sammlung, die das Parazonium des Kaisers an der Stelle zeigt, wo es dem Namen nach hingehört, nämlich am Gürtel.
Kilikien, Hieropolis-Kastabala, Septimius Severus, 193-211
AE 30, 15.97g
Av.: AVT KAI L C - EPT CEVHROC PER CE
Kaiser in militärischer Kleidung und mit Parazonium n.l. stehend,
in der ausgestreckten Rechten eine Nike auf Globus haltend, die
Kranz und Palmzweig hält.
Rv.: IE - ROPOLI - TWN - KACTABALEW - N
Büste des jungen Dionysos, gehüllt in Pantherfell und bekränzt mit
Efeu, n.r., hält Thyrsos über der li Schulter; davor Weinrebe
darunter IE
Ref.: SNG Levante 1589; SNG France 2339
Hier ist übrigens tatsächlich die Büste auf der Rs.! Der Kaiser ist immer vorne und die Münzstätte immer hinten!
Nach dem Kleinen Pauly ist das Parazonium kein normales Kurzschwert, sondern eine Art Ehrendegen in der Größe zwischen pugio und gladius. Er wurde nur von Militärtribunen und höheren Offizieren wahrscheinlich an der li Seite getragen. So kann es sich bei den Abbildungen nicht um einen einfachen Soldaten handeln, sondern es spricht viel dafür, daß es der Kaiser selbst ist, oder natürlich Virtus (falls ihre eine Brust frei zu sehen ist!) oder Mars.
Mit freundlichem Gruß
Verfasst: Do 06.12.07 06:14
von alexander20
Guten Morgen Peter 43,
Deine Ausführungen zum Parazonium sind zutreffend. Ich möchte nur noch ergänzend anmerken, dass das Parazonium an einem um die Hüften getragenen Gürtel , dem cinctorium, befestigt wurde.
(vgl. Rich, Wörterbuch der Römischen Altertümer)
Alexander20
Verfasst: Do 06.12.07 09:10
von Peter43
War es nicht das cingulum?
Verfasst: Do 06.12.07 11:32
von chinamul
Das Wort cinctorium ist auch mir unbekannt. Ich schlage daher vor, daß wir uns zur Benennung dieses Tragegurtes auf cingulum einigen.
Hier möchte ich noch einen Denar des Marcus Aurelius zeigen, den ich möglicherweise an anderer Stelle schon einmal vorgestellt habe. Er zeigt Mars mit dem Parazonium und dem daranhängenden cingulum. Vermutlich infolge einer Unachtsamkeit des Stempelschneiders hat der Speer, den Mars in der Linken hält, an beiden Enden eine Spitze. Sinnvoll wäre gewesen, wenn er diese nur unten gehabt hätte, da das nicht kampfbereit gehaltene Parazonium den Kriegsgott hier als Mars Pacifer darzustellen scheint.
Gruß
chinamul
Verfasst: Do 06.12.07 11:45
von Peter43
Ja, schön zu sehen!
Verfasst: Do 06.12.07 11:56
von beachcomber
alles unzweifelhaft darstellungen des parazoniums.
aber es ging ja um die darstellung des virtus, die oft mit einem (für mich eindeutigen) phallischen objekt ausgestattet ist, was normalerweise als parazonium interpretiert wird.
auf dem nachfolgenden antoninian des gallienus aus köln mit der legende VIRT GALLIENI AVG , ist der kaiser zwar nicht mit einem parazonium dargestellt, sondern mit speer und schild, aber selbst hier scheint der unterarm, der den schild hält, dem phallischen objekt anderer virtusdarstellungen zu entsprechen.
grüsse
frank
Verfasst: Do 06.12.07 13:15
von chinamul
beachcomber hat geschrieben: ... aber selbst hier scheint der unterarm, der den schild hält, dem phallischen objekt anderer virtusdarstellungen zu entsprechen.
Na, na, beachcomber, da scheint es Dir ja fast so zu gehen wie den Probanden beim berüchtigten Rorschach-Test, die bei allen Bildern immer nur Schweinkram erkennen und sich dann beim Tester beschweren, daß er sie mit Pornografie belästigt.
Gruß
chinamul
Verfasst: Do 06.12.07 13:43
von drakenumi1
Die Analyse der Abb.'n. von parazonien aus dem Schaukasten-thread Seite 120 von beachcomber sagt mir, daß wir dabei auf geöffnete "Futterale" blicken, die das parazonium sichtbar enthalten: oben der verdickte Bereich für den Knauf / Heft, unten dünner werdend für die Spitze, getragen in einer Haltung, die jedermann den Blick auf den Inhalt, den Dolch / das Schwert als militärisches oder auch ziviles Symbol ermöglichen soll. Dabei bleibt das cingulum bzw cinctorium (= Waffengürtel) als Tragehilfsmittel weitgehend unsichtbar, würde in der Darstellung auch nur verwirrend wirken. Ich glaube sogar, in beachcombers Münze unten aus dem Futteral bzw. Behälter noch die Spitze des Dolches herausschauen zu sehen.
Nur so kann ich mir auch die Doppelwandigkeit der Darstellung auf meinem Traian-Denar erklären.
Die Tragehaltung dieser Futterale kann man als eine Art Präsentierhaltung erklären; wer einmal eine Schalmeiengruppe mit ihren Instrumenten gesehen hat, kennt diese, das Mundstück ruht dann in der Gegend zwischen Hüfte und Oberschenkel.
Ein Versuch einer Erklärung von
drakenumi1
Verfasst: Do 06.12.07 14:10
von drakenumi1
Im Nachgang noch ein weiteres und etwas andersartiges Beispiel für ein parazonium auf einem Denar von Antoninus Pius:
Verfasst: Do 06.12.07 15:12
von beachcomber
Na, na, beachcomber, da scheint es Dir ja fast so zu gehen wie den Probanden beim berüchtigten Rorschach-Test, die bei allen Bildern immer nur Schweinkram erkennen und sich dann beim Tester beschweren, daß er sie mit Pornografie belästigt.
die reaktion hatte ich schon erwartet

aber vergleich doch bitte mal die armstärke des rechten arms, und die des gefallenen ,mit dem unterarm!
wenn das nicht auffällig ist, dann muss ich wohl einen sinn für 'schweinkram' haben

grüsse
frank
Verfasst: Do 06.12.07 19:06
von tilos
chinamul hat geschrieben: ...Vermutlich infolge einer Unachtsamkeit des Stempelschneiders hat der Speer, den Mars in der Linken hält, an beiden Enden eine Spitze. ...
chinamul
Die untere Spitze ist vermutlich der sogenannte Lanzenschuh, eine Art spitz zulaufende Tülle, die das untere Ende des hölzernen Speerschaftes schützend abschließt.
Gruß
Tilos
Verfasst: Do 06.12.07 19:18
von Peter43
Das wäre natürlich eine gute Erklärung! Kennt jemand dafür Belege?
Verfasst: Do 06.12.07 19:48
von tilos
Peter43 hat geschrieben:Das wäre natürlich eine gute Erklärung! Kennt jemand dafür Belege?
Inwiefern Belege? Wenn Du Lanzenschuhe als archäologische Objekte meinst, die gibt es zu allen Zeiten - Bronzezeit bis Mittelalter. Zählen zu den häufigen Artefakten.
Gruß
Tilos
Verfasst: Do 06.12.07 20:44
von Lemur
Der Lanzenschuh ist nicht nur Schutz des Lanzen
- und Wurfspeerendes,sondern er hat auch eine weitere Funktion.Mit seiner Hilfe kann der Soldat die nicht unmittelbar benötigte Waffe in den Boden stecken.Eine nicht zu unterschätzende Erleichterung des soldatischen Alltags.
Außerdem ist an eine Verwendung des Lanzenschuhes im Gefecht bei Schaftbruch oder im dichten Handgemenge als Ersatzspitze zu denken.
Belege für Lanzenschuhe gibt es im Fundgut zuhauf.
Zum Parazonium:Ist eigentlich nur ikonographisch+ numismatisch belegt.
Spätantike Funde am Donaulimes (Künzing?)lassen eine Zweitbewaffnung der Soldaten mit einer kurzen Beiwaffe neben der Spatha vermuten.Es taucht hier der frühkaiserzeitliche Pugio in deutlich vergrößerter Form wieder auf als auch gekürzte ältere Schwerter unter dem Begriff Semispatha.
Die Offizierswaffe Parazonium ist meines Wissens nach für die römische Kaiserzeit archäologisch nicht fassbar.Grüße Lemur
Verfasst: Do 06.12.07 21:06
von Peter43
Das ist ja seltsam!
Die Parazonien kommen auch regelmäßig auf den Rs. der FEL TEMP REPARATIO Typen vor mit dem gefallenen Reiter. Hier sind sie auch an der li Seite zu sehen und nicht wie Trophäen (oder Phalli!) im Arm. Im Gegensatz zu ihnen wurde der gladius ja über der Schulter getragen. Wenn dies wirklich Parazonien sind, dann spricht auch das dafür, daß es sich bei der dargestellten Figur nicht um einen einfachen Soldaten handelt, sondern eben um einen hohen Offizier, woraus man wiederum Rückschlüsse auf den gefallenen Reiter ziehen kann.
Ich kann mich daran erinnern, auch Darstellungen auf Münzen gesehen zu haben, auf denen man den gladius über der Schulter des Soldaten sehen kann. Ich habe beim Herumstöbern aber keine finden können. Hat jemand vielleicht ein Beispiel dafür?
Mit freundlichem Gruß