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Eure Ruinen des Tages - oder: Laufsteg der Anti-Schönheiten

Verfasst: Do 03.01.08 00:43
von helcaraxe
Liebe Forumsteilnehmer!

Weil in letzter Zeit immer mal wieder Bedenken kamen, auch schlechte Münzen im Forum zeigen zu können, will ich mal einen Thread starten, der genau das soll:

Zeigt her Eure hässlichen, abgelutschten, korrodierten und zerfressenen Münzlein (aber natürlich wenn möglich, mit Bestimmung!), die ihr - trotzdem oder gerade deswegen - mögt. Vielleicht haben sie ja eine Geschichte zu erzählen oder sie sind selten und ihr seid stolz darauf sie entdeckt zu haben, weil ich Euch diese Münze sonst nie hättet leisten können.

Ausnahmsweise gilt hier: Je schlechter, desto besser! :-)

Los gehts!

Verfasst: Do 03.01.08 00:46
von helcaraxe
Ich will auch gleich den Anfang machen:

Berytos in Phönizien.
AE, pseudoautonom, ca. 2. Jhdt. n. Chr.; 5,75g; dm = 20 mm.
Av.: Tyche mit Mauerkrone n. re.
Rv.: Bärtiger Baal-Berit im langen Gewand und mit Kalathos n. l. stehend in einer Hippokampenquadriga; in der Linken hält er den Dreizack, Schale in der vorgestreckten Rechten; auf dem vordersten Hippokamp reitet ein kleiner Genius, im Felde l. Ethnikon in phönizischer Schrift und Aphlaston, rechts im Feld Monogramm.
BMC 51, 2ff., SNG Cop. 83., Sear 1867, SNG Righetti 2239, Rouvier 465
knapp s – R! (17 €)

Ich mag diese Münze ungeheuer - eine Hippokampenquadriga (auch wenn man nicht mehr viel davon erkennen kann) ist ja nun wirklich ein ungewöhnliches Gefährt!

So, und jetzt seid ihr an der Reihe! :-)

Verfasst: Do 03.01.08 12:48
von Pscipio
Interessanter Thread! Da passt doch folgendes Stück gut rein:

Caracalla AE19, 215-217 n. Chr, Serdica, Thrakien.
Av: AVT K M AVP CEV ANTΩNEINOC, belorbeerter Kopf nach rechts.
Rev: CEPΔΩN, geflügelter Eros nach links stehend, zieht Dorn aus der erhobenen Tatze eines nach rechts stehenden Löwen.
19 mm, 2.92 g
Varbanov 124

Das Stück ist von den gleichen Stempeln wie dieses hier: http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 0&Lot=1524

Übersetzung des Begleittextes von CNG:

Eine der bekannteren Geschichten von Aesop handelte von einem Löwen und einem Schäfer. Der frühesten Version zufolge verletzte sich der Löwe an einem Dorn, als er im Wald herumstreifte. Verletzt wie er war, näherte er sich einem Schäfer, welcher den Löwen kühn untersuchte, den Dorn entdeckte und ihn entfernte. Der Löwe kehrte daraufhin in den Wald zurück. Einige Zeit später wurde der Schäfer aufgrund eines falschen Verdachts inhaftiert und sollte zur Strafe den Löwen zum Frass vorgeworfen werden. Als der Löwe aus seinem Käfig herausgelassen wurde, erkannte er den Schäfer als jenen Mann, der ihn vom Dorn befreit hatte, und statt ihn anzugreifen, näherte er sich ihm und legte ihm die Tatze in den Schoss. Als der König von dieser wundervollen Geschichte hörte, liess er den Löwen zurück in den Wald bringen und begnadigte den Schäfer, so dass dieser zu seinen Freunden zurückkehren konnte.

Gruss, Pscipio

PS: falls jemandem mal ein etwas besseres Exemplar dieser Münze über den Weg laufen sollte, ich wäre daran interessiert! :) Mein Exemplar ist neben jenem von CNG bisher das einzige, welchem ich begegnet bin.

Verfasst: Do 03.01.08 13:26
von helcaraxe
Genauso habe ich mir das vorgestellt!

Ein schönes "schlechtes" Stück! :-)

Natürlich ist der Thread nicht auf Provinzler beschränkt. Auch reichsrömische Münzen vom Augustus-As bis zum späten Kleinfollis sind hier erwünscht! :-)

Verfasst: Do 03.01.08 13:26
von chinamul
Ich will der Anregung helcaraxes gern folgen, zumal in meiner Sammlung auch vom Zahn der Zeit stärker angenagte Stücke Asyl erhalten. Die folgenden Münzen sind auch als Trainingsfeld für Bestimmungsübungen zu betrachten, wobei ich die Experten zunächst um Zurückhaltung bitten möchte.
Es handelt sich um vier Sesterzen und ein Silberstück von 10,4 g und einem Durchmesser von 25 mm.

Gruß

chinamul

Verfasst: Do 03.01.08 13:27
von klausklage
Ein sehr interessanter Tread, Helcaraxe, der mir die Gelegenheit gibt, Euch diese kleine Rostbeule zu zeigen. As des Antoninus Pius, 27 mm, laut coinarchives: BMC 218, 1362. RIC 115, 679. C. 366. Strack III, 829. Hill 189, 454. Die gab es mal für rund 12 € von eBay. Ich finde sie immer noch hübsch, weil das Portrait und die Felicitas noch sehr detailreich erhalten sind und sie auch eine schöne Farbe hat.
Nur eines macht mir Sorgen: Ist das vielleicht doch die berüchtigte Bronzepest?

Verfasst: Do 03.01.08 13:34
von helcaraxe
Hallo chinamul!

Wunderschöne Stücke, die ich mir auch nicht zu schäde wäre, in der Sammlung zu lassen. Sie alle erzählen die Geschichte von langem Umlauf und langer Benutzung!

Ich versuche mich mal an Münze 2, die übrigen überlasse ich jemand anderem.. ;-)

Commodus, 177 - 192 n. Chr.
AE Sesterz, 181 n.Chr. Mzst. Rom.
Vs.: M COMMODVS ANTONIVS AVG, gepanzerte Büste des Commodus mit Lorbeerkranz n.r.
Rs.: TR P VI IMP IIII COS III PP ( S - C / LIB AVG, Commodus sitzt n. l. auf einem Podest zwiaschen einem Offizier und Liberalitas. Links ersteigt ein Bürger das Podium auf einer Leiter.
RIC 310

Bei den Umschriften allerdings habe ich mich auf die Schnelle an coinarchives orientiert. Mag sein, dass es das Stück auch noch mit anderen IMP und COS Angaben gibt, ich habe jetzt nicht im RIC nachgeschaut.

Verfasst: Do 03.01.08 15:04
von elgi
Hallo chinamul,
ich versuch mich mal mit Münze 5: Mein Tipp ist Iulia Titi, RIC 55.
Bei Münze 4 könnte es sich um Sabina, RIC 1019 handeln.
Richtig?
Viele Grüße,
elgi

Verfasst: Do 03.01.08 17:17
von Peter43
An sich ist dies ein ganz trauriger Thread: All diese tollen Münzen und dann in diesem Zustand! Hier ist eine meiner Knochen. Wer diese Münze in einem besseren Zustand hat, soll sich melden. Ich bin interessiert!

Mit freundlichem Gruß

Verfasst: Do 03.01.08 18:44
von helcaraxe
Hallo Peter,

wieso denn traurig? Gerade die Münzen von Chinamul zeigen doch die Würde eines langen Lebens, die diese Münzen im Zahlungsverkehr hatten.

Aber ich gebe Dir recht, natürlich lassen besser erhaltene Münzen mehr der Stempelschneidekunst der römischen Graveure erkennen! :-)

Kannst Du uns vielleicht noch etwas zu der Münze erzählen? Soll das auf dem Revers eine Selene mit Stierbiga sein - ich werde nicht ganz schlau draus...

Verfasst: Do 03.01.08 19:01
von Peter43
Die Rückseite zeigt Mithras, wie er auf dem Stier kniet und das Messer schwingt, um den Stier zu töten. Es ist die Tauroktonie, die im Mittelpunkt des Mithraskultes stand. Hier habe ich eine Zeichnung der Rs.

Mehr Informationen gibt es unter http://www.numismatikforum.de/ftopic11926-225.html

Mit freundlichem Gruß

Verfasst: Do 03.01.08 19:06
von helcaraxe
Herzlichen Dank, Peter43, ich konnte mich an dieses Thema in Deinem Mythologie-Thread nicht mehr erinnern... :oops:

Verfasst: Do 03.01.08 23:53
von Homer J. Simpson
Die folgende Münze habe ich vor einigen Monaten auf Ebay ergattert. Naja, ergattert... sie hat immer noch, im Pärchen mit einem häufigen, aber etwas besser erhaltenen Titus-Denar gut 45 Euro gekostet. Aber wer weiß, wann ich bereit bin, das Geld für einen echt guten Denar des Vitellius mit seinen Kindern auf der Rs. abzudrücken? Und bis dahin ist das ein ordentlicher Platzhalter, wenn auch vielleicht nicht ganz so gut wie Chinamuls Julia Titi.

Viele Grüße,

Homer

Verfasst: Fr 04.01.08 00:00
von Pscipio
Ordentlich? Für den Preis ist der Superklasse!

Verfasst: Fr 04.01.08 04:06
von klausklage
... kann mir jemand hinsichtlich meiner Münze noch kurz mitteilen, ob das Bronzepest ist, was da am Antoninus Pius knabbert? Nur damit ich sie ruhigen Gewissens zurücklegen kann.
Danke,
Olaf