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Ein Kaiser ohne Krone??
Verfasst: Sa 16.02.08 10:58
von Svenny1973
Hallo Römer,
habe hier eine Münze aus meinem Ungereinigten Fundus.
Portrait komplett ohne Krone oder Rosetten oder ähnlichem. Man kann richtig schön alle Haarsträhnen erkennen. Wer könnte das sein?
AV: DNCAINLI.. (können auch falsch abgelesen sein)...
Irgendjemand ne Idee?
Viele Grüße
Sven
Verfasst: Sa 16.02.08 11:08
von taurisker
... schau mal bei "Constantius Gallus" nach

Zusatz: Reitersturz FEL TEMP REPARATIO
Salü
taurisker
Verfasst: Sa 16.02.08 11:17
von chinamul
Da wird er wohl leider nichts Erhellendes finden, weil dies eine Münze des Julianus II Apostata als Caesar ist.
DN CL IVLIANVS NOB CAES - Rv. dann wie oben beschrieben
Gruß
chinamul
Verfasst: Sa 16.02.08 11:22
von taurisker
Oh, ich bewundere Dein scharfes Auge Chinamul ... das habe ich nicht entziffern können.
Salü
taurisker
Verfasst: Sa 16.02.08 11:24
von Svenny1973
Ja, bei Constantius passt die Legende gar nicht. Ich kann es zwar nicht sehr gut erkennen aber ich bin mir 90 % sicher dass es so losgeht:
"DN CAIN..." kann natürlich auch ein Ablesefehler sein. Ich suche mal bei Julianus...
Danke fürs Erste.
Sven
Verfasst: Sa 16.02.08 12:17
von alexander20
Hallo Svenny1973,
chinamul hat natürlich recht. Es handelt sich um eine Kleinbronze des Julianus II., genannt Apostata.
Ein kleiner Exkurs zu Julianus II.: Julianus II. gilt als der letzte heidnische Kaiser. Obwohl er eine christliche Erziehung erhielt, interessierte er sich mehr für die Kultur der klassischen Antike. Seine Politik war von dem Bestreben geprägt, heidnische Traditionen wiederzubeleben und das Christentum zurückzudrängen. In den christlichen Schriften wurde er deshalb "Apostata" (Abtrünniger) genannt.Er gilt bis heute als einer der umstrittensten römischen Kaiser.
Quelle: Klaus Rosen:Julian Kaiser, Gott und Christenhasser, (Klett- Cotta Verlag, Stuttgart 2006).
Für Spätantikensammler sind natürlich die unter Julianus II. geprägten Doppelmaiorinen mit der berühmten Apisstier - Reversdarstellung interessant.
Ansonsten empfehle ich Dir "Guido Bruck, Die spätrömische Kupferprägung, Ein Bestimmungsbuch für schlecht erhaltene Münzen", ein Muss für Sammler spätantiker Kleinbronzen in jeder numismatischen Bibliothek.
alexander20
Verfasst: Sa 16.02.08 12:48
von chinamul
Noch ein Nachsatz zur Person Julians:
Die christliche Sichtweise hat unser Geschichtsbild in teilweise groteskem Maße verzerrt. Wer die Deutungshoheit besitzt - und die hatten über eineinhalb Jahrtausende hinweg die christlichen Institutionen -, kann auch bestimmen, wie eine bestimmte Person darzustellen ist. Julian als "Abtrünnigen" zu bezeichnen, ist also eindeutig durch die christliche Brille gesehen. Wohlmeinendere und sicher auch objektivere Geschichtsschreiber haben ihm hingegen den Beinamen "Philosophus" gegeben und ihn so gegen das diffamierende Epitheton "Apostata" in Schutz genommen.
Gruß
chinamul
Verfasst: Sa 16.02.08 13:16
von Svenny1973
Danke für eure fachkundigen Meinungen. Könnte man sagen, dass ein solches Stück unter den Ungereinigten-Lots eher selten ist?
Sven.
Verfasst: Sa 16.02.08 13:58
von chinamul
Das würde ich mit allem Vorbehalt schon sagen.
Gruß
chinamul
Verfasst: Sa 16.02.08 13:59
von richard55-47
Wer Gibbons Darstellung der römischen Kaiserzeit gelesen hat, kann Chinamul nur zustimmen.
Verfasst: Sa 16.02.08 14:02
von Svenny1973
Naja, ich freu mich jedenfalls über jedes bestimmbare Stück, das ich diesem Riesen-Haufen Metallscheiben entreißen kann.
Wenn ein selteneres Stück ist, dann natürlich umso mehr...
Sven
Verfasst: Sa 16.02.08 15:51
von Pscipio
Selten in Ungereinigten Lots, aber sonst doch ziemlich häufig. Das kommt eben daher, weil diese sogenannt Ungereinigten und angeblich undurchsuchten Lots tatsächlich x-mal durchsucht werden, um ja auch alles heraus zu nehmen, was auch nur halbwegs wertvoll sein könnte
Viele Grüsse
Pscipio