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Römerdame aus der Wurmkiste-unbestimmt.

Verfasst: So 24.02.08 15:26
von saharafuchs
Hallo.
Wie ich vor 1 Woche breits geschrieben habe, lege ich die ganz stark zerfressenen, bzw verkrusteten Fundmünzen immer einige Wochen oder Monate in meine Wurmkiste, wo sich dann die tausende von Rotwürmern an der Münze vergreifen und alles fressen,was fressbar ist.
Folgende Fundmünze von einem deutschen Sondengänger habe ich wegen der schlechten Erhaltung im Dezember darin vergraben und gesternabend wiedergefunden.
Nach etwas Abspülen im warmen Prilwasser wegen der Bakterien und des aufsitzenden Wurmschleimes sieht die Münze nun viel besser aus, wie vorher mit der rotschwarzen Klumpenkruste. Da konnte man nur einen Kopferkennen und das war es dann gewesen.
Bei der Bestimmung steh ich im Dunkeln. Ich habe sytematisch alle Frauenporträts bei www.wildwinds.com durchgesehen und die griechischen Teillegenden verglichen. Gefunden habe ich nichts.
Münze wiegt jetzt noch genau 9,7g und hat den Durchmesser von 21mm.

Ich glaube, daß es irgendeine AE-Tetradrachme aus römischen Provincen ist.

Wer kennt sich hier aus?

Verfasst: So 24.02.08 16:22
von andi89
Hallo!

Das ist ein Tetradrachme der Salonina aus Alexandria.
AV: KOPNEΛIA ΣAΛΩNEINA ΣEV, Drapierte Büste der Salonina n. r.;
RV: Eirene, in der rechten Olivenzweig, in der Linken Zepter und Gewandbausch haltend, n. l. stehend; LIB im rechten Feld;
geprägt im Jahr 12 des Gallienus(264/5)
Geissen 2969, Dattari 5331, BMC 2250, Milne 4102, Curtis 1647;

andi89

Verfasst: So 24.02.08 16:41
von saharafuchs
Cool, Danke. Jetzt wo du mir die Legende vorgegeben hast, kann ich sie auch endlich erkennen, bzw die lettern zuordnen. Bei wildwinds habe ich sie nun auch gefunden.
Ich frage mich nur, w3arum da etwas von Potin steht. Hat das nicht etwas mit Gussmetall zutun?

milne 4102 Salonina Potin Tetradrachm of Alexandria. Year 12 = 264-265 AD. KOPNHLIA CALWNEINA CEB, draped bust right / Eirene standing left holding olive branch & scepter, palm before, LIB behind. BMC 2250.

Verfasst: Mo 25.02.08 08:56
von helcaraxe
Interessant, dass diese von einem deutschen Sondengänger gefunden wurde. Ich dachte immer, das alexandrinische Tetradrachmen so gut wie gar nicht außerhalb Ägyptens zirkulierten?

Verfasst: Mo 25.02.08 09:42
von saharafuchs
Viellicht habe die ja bayerische Touristen aus Hurgharda mitgebracht?

Verfasst: Mo 25.02.08 09:49
von Peter43
Potin: Metall wechselnder Zusammensetzungen, neben Zinn auch Kupfer, Blei, Silber und Spuren anderer Metalle beigemischt.

Mit freundlichem Gruß

Verfasst: Mo 25.02.08 09:58
von Chandragupta
@Peter43: In der alten Literatur wird Potin auch gleichbedeutend mit "Billon" gebraucht.

Ansonsten gibt's aber wirklich Alexandriner aus Potin - ggf. auch von Salonina (wobei ich sowas eher von Philippus I/II kenne) - also "gut silbrig" aussehende Stücke, die jedoch kaum Silber enthalten, sondern ihre Farbe Blei und sehr viel Zinn verdanken.

Das abgebildete Stück der Salonina ist aber eindeutig "AE-artiges Billon", wie die allermeisten Alexandriner jener Zeit.

Verfasst: Mo 25.02.08 18:41
von Pflock
Hallo saharafuchs,
kannst Du das mit der Wurmkiste mal genauer beschreiben, klingt ja interessant. Vielleicht in einem eigenen Thread unter "Reinigung, Konservierung und nützliches Zubehör".
Oder hast Du das schon mal beschrieben?

Verfasst: Mo 25.02.08 20:36
von saharafuchs
Ich kann da mal ein Photo machen--morgen aber erst.
Ma kauft zwei Plastikboxen( a ca 10-20 Liter), die man übereinanderstapeln kann.
In die eine macht man rings herum sehr viele Löcher wegen der Belüftung.
Die andere stellt man darunter, damit das überschüssige Wasser( hochwertiges Düngerkonzentrat!) ablaufen kann.
Als Abdeckung nimmt man ein großes Stück Gardine oder Fliegennetz und ein Gumiband zum Befestigen.
fertig.

Dann besorgt man sich aus einem Komposthaufen eine Miete mit Würmen, mindestens 50 Stück( rote Kompostwürmer) und ein bisschen Erde aus dem Kompost. Das Ganze kippt man in die Kiste und hält es immer leicht feucht wie ein Schwamm, damit die Würmer genug Wasser haben zum Atmen( Hautatmung)
Dann braucht man einen dunklen Ort mit einer Temperatur von 10-25 Grad Celcius.( Heizungsraum).
Und man kann schon etwas Futter zum Züchten dazugeben: Dazu gehört, Kaffesatz zerkleinerte Kaffeefilter,Teebeutel , Teesatz, Eierschalen, Bananenschalen , alles angefaulte Obst. zerkleinertes Papier oder zerkleinerte Blätter aus dem Garten. ums zerkleinerter, um so besser, zerkleinertes bereits welkes Gras usw.Faule Kartoffeln, Kohlblätter . einfach alles.
Wichtig is, daß alles schon angefault ist, bzw nicht mehr gähren kann, wie frisch gemähter Rasen, denn Würmer vertragen maximal 28-30 Grad und sterben dann.
Alle 2 Wochen legt jeder Wurm 1-10 Eier und nach weiteren 2 Wochen schlüpfen neue Würmer. So 1000-10000 Würmer sollen möglich sein pro Kiste (dazu gesellen sich unzählige andere weißer Würmer ( Urzeitwürmer), deren Eier in jedem Boden seit Jahrtausenden erhalten sind und nur auf Wasser warten. Diese fressen die Gifte und Bakterien auf. Dann kommen noch nützliche Pilze und alles hat seinen Lauf.
Wenn die Kiste richtig läuft kannst du alles reinschweißen, was im Garten anfällt inklusive in Wasser aufgeweichtes Altpapier( aber keine bunten Prospekte, wegen der Schwermetalle)
Die Würmer fressen 24 Stunden am Tag, solange kein helles Licht auf die Kiste scheint und solange sie immer feucht ist.
Man kann dann die Biotonne abmelden.
Und wenn du draußen einen heiß Komposter aufstellst( kosten 30 Eur), kannst du dir damit bis zu 100 Grad heißes Wasser selber erzeugen für vielleicht 20 Euro Aufwand. ( Schläuche , Druckbehälter usw)

Zum Münzenreinigen legt man dann die Münzen an eine Stelle, wo man sie wiederfinden kann, und wo die Würmer drunter und drüber kriechen können.
Am besten in die Wurmkiste ein kleines Plastikkörbchen mit Kompost und den Münzen darin hineinlegen.
Ich habe gestern wieder 6 Münzen eingelegt , allerdings in einen extra Behälter und dazu 180 ausgewaschene Würmer zugefügt. Gerade mal 3 cm hoch ekomposterde und die Münzen schön dazwischen, damit die Würmer möglichts schnell alles Kompost fressen und sich dann auf die Münzen stürzen, weil nichts anders mehr da ist.
So in 2-4 Wochen müßte der Schmutz dann weg sein.
Jeder Wurm frisst pro Tag das 1,5 fache seines Körpergewichtes.
Ich kann übrigens alle Behälter und Zubehörteile sehr viel günstig bekommen als im Baumarkt Nur die Löcher mußt du selber bohren.( heißer Schraubendreher) Keine Angst, die Würmer kriechen nicht durch die Löcher, warum auch immer??
Und als Rest vom ganzen Müll bleibt teurer, hochwertiger Pflanzendünger!

Infos auch hier:

http://www.google.de/search?hl=de&q=+wu ... uche&meta=

Verfasst: Di 26.02.08 21:55
von Pflock
Liest sich ja eklig :wink: aber interessant. Endlich zieht auch in die Numismatik Öko ein. :P

Verfasst: Di 26.02.08 23:36
von saharafuchs
Wenn man dafür im Jahr ein paar hundert Euro für eine Biotonne sparen kann, dann lohnt es sich, sich damit zu beschäftigen. ausserdem werden kompostwürmer im Internet gehandelt 500 Stück zwischen 50 und 79 Euro.Die Angler kaufen sie, die andern Gartenliebhaber und viele Amerikaner,w eil es dort unsren Kompostwurm in dieser Art nicht gibt/ nicht mehr). z.B in den trocknen Bundesstaaten.

Verfasst: Mi 27.02.08 09:20
von helcaraxe
Und beim Zoll gibt es keine Schwierigkeiten, lebende Würmer in die USA zu verschicken? 8O

Verfasst: Mi 27.02.08 10:42
von taurisker
Na das würd ich auch gerne wissen ... stellen sie doch Touristen bei Ankunft unter Quarantäne, die es wagen eine europäische Wurststulle durch die Kontrollen zu bringen!?

Verfasst: Mi 27.02.08 12:02
von saharafuchs
Das ist warscheinlich nicht erlaubt. Man darf es nicht großaartig auf das Päckchen schreiben.Aber bei Münzen ist es eigentlich auch nicht erlaubt.Da hängst auch fremde Erde dran , wo sich Bakterien drin befinden ( 1000 Fundmünzen aus Serbien = jede menge Dreck)
Irgendwie werden dei Händler das wohl anstellen. Ich selbst habe noch keine Würmer verkauft. Dafür sind es zu wenig bisher. Erst im herbst Winter. Dann halten die Würmer länger,w eil es nicht zu warm, ist.
Ich nehme mal an, man verwendet anstelle Erde dann zerkleinertes, in Wasser aufgelöstes papier. Da bleiben sie feucht und verhungern nicht.