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Die Zeitreise eines Denars!

Verfasst: Mi 09.04.08 20:42
von Homer J. Simpson
Neulich, auf einer bekannten Online-Auktionsplattform:

Beim Durchstöbern fällt mir ein bekannter Münztyp auf, verkauft von einem sehr wohlbenamsten Anbieter mit mehr als 10000 Bewertungen. Den Typ werden die unter Euch, die schon etwas länger Römer sammeln, kennen: Augustus-Denar RIC 299, Rs. Tarpeia, die gerade von den sabinischen Soldaten mit Schilden totgeschmissen wird. Ein wunderschönes Exemplar findet Ihr z.B. hier:

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 65&Lot=700

Nun habe ich kein Exemplar dieser Münze, aber habe schon viele Bilder gesehen, deshalb dachte ich mir: Interessant, die schaut irgendwie anders aus, werfe ich mal einen genaueren Blick drauf - vielleicht ein Beischlag oder so. Bei der Bestimmung der Legenden konnte ich die Rs. noch in etwa mit dem Original vereinbaren (TURPILIANUS - III VIR); auf der Vs. sollte links runterwärts CAESAR stehen, rechts aufwärts AUGUSTUS: Das "Augustus" ist auch da; aber warum steht links in ganz anderer Schrift "IMP C M AUR..."??? 8O
Na sowas! Da hat doch tatsächlich ein Severus-Alexander-Denar eine Zeitreise von 250 Jahren rückwärts gemacht und ist dann mit einem Augustus überprägt worden! Das müssen wir Erich von Däniken sagen! Oder hat jemand von Euch eine andere Erklärung??? :painting:

Viele Grüße,

Homer

Verfasst: Mi 09.04.08 22:04
von helcaraxe
Homer, das ist doch ganz klar!

Da muss jetzt natürlich die gesamte römische Geschichte umgeschrieben werden! In Wirklichkeit hat Constantin Rom gegründet, dann kam Severus und mit Augustus ist dann Rom untergegangen... ;-)

Nein, im Ernst, ich habe so auf die Schnelle auch keine Erklärung, allerdings wäre ich auch nicht auf Deine Legendenlesung gekommen. Mir scheint sie etwas spekulativ zu sein, aber das mag an den Fotos liegen.

Habe ich Dich richtig verstanden, dass Du das Stück erworben hast? Dann wirst Du es mit der Münze in der Hand besser beurteilen können.

Verfasst: Mi 09.04.08 22:24
von Homer J. Simpson
Nee, ich habe mich dann doch zurückgehalten. Kann noch jemand außer mir lesen, was ich da lese, oder soll ich mich Homer von Däniken nennen?

Homer :new-alien: :drinking: :silly:

Verfasst: Mi 09.04.08 22:51
von beachcomber
ja, homer, ich kann das auch lesen.
und die erklärung kann ja wohl nur sein, dass ein ganz schlauer fälscher einen alten schrötling zur produktion seiner modernen fälschung verwendet hat.
war um er allerdings das relativ miese silber einse sev. alexander genommen, und die restlegende nicht bemerkt hat, ist mir ein rätsel!
grüsse
frank

Verfasst: Mi 09.04.08 22:55
von helcaraxe
Aber glaubt ihr wirklich, dass da ein (guter) stempel eines Augustusdenars hergestellt worden ist, und dann so komisch überprägt worden ist?

Verfasst: Mi 09.04.08 22:59
von Homer J. Simpson
Lieber helcaraxe,

da bin ich mir mit Dir nicht einig: Die Augustus-Stempel sind nicht gut. Auf einem vorher unbenutzten Schrötling würde man das noch deutlicher sehen.

Viele Grüße,

Homer

Verfasst: Mi 09.04.08 22:59
von beachcomber
Aber glaubt ihr wirklich, dass da ein (guter) stempel eines Augustusdenars hergestellt worden ist, und dann so komisch überprägt worden ist?
ja!

Verfasst: Do 10.04.08 08:11
von Chandragupta
Ohne jetzt Experte für Frührom zu sein: Eine antike Überprägung mit einem über 200 Jahre alten Stempel (wer weiß, welcher Münzmeister aus Augusteischer Zeit den vielleicht mal "mit nach Hause genommen" und dann seinen Ur-Ur-Ur...enkeln vermacht hat, die dann in der späten Severerzeit damit "rumspielten"...) ist zwar im eben genannten Sinne durchaus "irgendwie" denkbar, aber sein Stil ist m.E. nicht okay.

Also ein modernes (recht raffiniertes!) Fälscher-Erzeugnis zum Schaden der Sammler.

BTW: Es gibt durchaus auch Augustus-Denare aus recht schlechtem Silber. Nur nicht gerade von diesem Typ, ja...

Aber da lasse ich die richtigen Frührom-Experten vor - das ist ca. 30 Jahre her, als ich meine "Frührömer-Phase" hatte... ;)

Verfasst: Do 10.04.08 10:29
von chinamul
Das ist auch nicht Tarpeia, sondern eine römische Schirmverkäuferin aus unseren Tagen. Wenn das hier eine der modernen Farbmünzen wäre, könnte man sicher sehen, wie schön bunt die aufgespannten Schirme sind.

Gruß

chinamul