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Römer in Spanien

Verfasst: Do 10.04.08 17:19
von tilos
Ich vermute, dass dieses Stück unter Augustus in Spanien geprägt wurde:

AE 18mm / 4,05g
Av.: Kopf des?Augustus n.r.
SEBASTO
Rv.: ungeprägt

Merkwürdig finde ich, dass die Rückseite keine Prägung aufweist. Wie erklärt man das bzw. gibt es vergleichbare Stücke?

Wer kann mir da weiterhelfen?

Beste Grüße in die Runde!
Tilos

Verfasst: Do 10.04.08 17:45
von quisquam
Da wir die Diskussion gerade hatten:
Könnte es ein Spielstein sein?

Grüße, Stefan

Verfasst: Do 10.04.08 17:51
von helcaraxe
Ich denke, dass die Rückseite ursprünglich schon eine Prägung aufwies. Zwischen ein und drei Uhr meine ich Reste von Buchstaben sowie eines Bildes aumachen zu können. Allerdings kann ich nicht sagen was es gewesen sein könnte.

Der Stil lässt mich eher an Kleinasien denken, etwa so:
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 57&Lot=555

Verfasst: Do 10.04.08 20:49
von tilos
helcaraxe hat geschrieben:Ich denke, dass die Rückseite ursprünglich schon eine Prägung aufwies. Zwischen ein und drei Uhr meine ich Reste von Buchstaben sowie eines Bildes aumachen zu können. Allerdings kann ich nicht sagen was es gewesen sein könnte.
Das Foto täuscht vielleicht etwas. Die Rückseite ist - abgesehen von den die gesamte Fläche überziehenden leichten Riefen - völlig Plan. Hinzu kommen sekundär ein paar Pusteln und Ablagerungen, unter denen die Riefen quasi hindurchgehen. Das kann man a.d. Foto evtl. nicht eindeutig erkennen.

Natürlich wäre es möglich, dass die ehemalige Prägung komplett weggeschliffen wurde. Dann könnte essich tatsächlich um eine zu einem Spielstein umgearbeitete Münze handeln. Interessant wäre es, wenn jemand mal ein vergleichbares Stück zeigen könnte.

Beste Grüße
Tilos

Verfasst: Fr 11.04.08 10:04
von Apocolocyntosis
Hallo Leutle,
hier ein vergleichbares Stück zu tilos`Objekt.
Sesterz, Gewicht 25,35 g, Durchmesser 34 mm

Av.: IMP CAESAR TRAIANUS HADRIANUS AVG
belorbeerter Kopf des Hadrian nach rechts

RV.: plan

Aufgrund der doch im Gegensatz zur Rückseite sehr gut erhaltenen Vorderseite neige ich auch zu der Auffassung, dass diese Sesterz als Spielstein hergehalten haben mag.

Aber ich stelle diese Theorie natürlich auch gerne zur Diskussion. 8O
Schließlich mutiert eine private damnatio memoriae auch mal gerne zu einer punktuellen Korrosion... :cry:

Viele Grüße

Apo.

Verfasst: Fr 11.04.08 14:51
von tilos
Apocolocyntosis hat geschrieben:Hallo Leutle,
hier ein vergleichbares Stück zu tilos`Objekt.
Sesterz, Gewicht 25,35 g, Durchmesser 34 mm
Apo.
Danke Dir für das Beispiel. Ich habe auch noch irgendwo einen "Riesensesterz" mit glatter Rückseite, werde mal übers Wochenende schauen, ob ich ein Foto machen kann.

Was mich in Bezug auf mein o.g. Stück interessiert, ist, ob jemand eine vergleichbare Prägung (Art, Größe, Gewicht, Struktur der Rückseite) in der Sammlung hat.

Beste Grüße
Tilos

Verfasst: Fr 11.04.08 18:29
von quisquam
Offenbar gab es auch antike, einseitige Prägungen: 8O
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 67&Lot=261
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 0&Lot=1104

Da Tilos Exemplar sehr genau 4 g wiegt könnte ich mir auch vorstellen, dass sich hier jemand aus einer Münze ein Gewicht gebastelt hat.

Grüße, Stefan

Verfasst: Sa 12.04.08 11:24
von helcaraxe
Nur kannte man in der Antike noch keine Gramm - und ich glaube nicht, dass die Bearbeitung modern ist! ;-)

Verfasst: Sa 12.04.08 11:46
von quisquam
Stimmt, war auch nur so ein spontaner Gedanke. Wobei ich allerdings keine Ahnung habe wie lange es tatsächlich braucht, bis sich so eine Patina bildet.

Grüße, Stefan

Verfasst: Sa 12.04.08 11:54
von goldschatz
Wenn man eine Münze mit Essig reinigt,dann bildet sich auf der Oberfläche rötlich-braunes Eisenoxid.Das sieht fast genauso aus,wie auf dieser Münze.

Grüße goldschatz

Verfasst: Sa 12.04.08 12:47
von drakenumi1
Eisenoxid? Wo kommte denn da plötzlich das Eisen her? Aus der Essigsäure (CH3 COOH) gewiß nicht.

Grüße von

drakenumi1

Verfasst: Sa 12.04.08 12:59
von goldschatz
@drakenumi
Es kann auch was anderes sein,jedenfalls bildete sich bei einer meiner Münzen irgendeine rötlich-braune Schicht,nachdem ich die Verkrustungen mit Essig gereinigt hatte.

http://www.numismatikforum.de/ftopic240 ... goldschatz

Grüße goldschatz

Verfasst: Sa 12.04.08 13:25
von quisquam
Auch wenn es vermutlich Methoden zur künstlichen Beschleunigung gibt (Klimakammer etc.): eine natürlich gewachsene Mineralisierung kommt nicht auf die Schnelle. Ob dies unter günstigsten Bedingungen einige Jahrzehnte oder mehrere Jahrhunderte benötigt entzieht sich aber meiner Kenntnis. Vermutlich aber eher letzteres.

@Goldschatz: Unter vielen Mineralpatinas befindet sich eine Schicht dieses rötlich braunen Kupferoxyds. Diese Schicht hast du mit Essig lediglich freigelegt, nachdem die Säure die Patina teilweise weggefressen hat.

Grüße, Stefan

Verfasst: Sa 12.04.08 15:29
von harald
Diese rote Schicht besteht aus Kupfer-I-oxid und liegt immer zwischen der Metalloberfläche und der dunkelgrünen Patina, welche oft aus Malachit besteht.
Das Auftreten zweier Schichten und die kristalline Beschaffenheit des Malachits sind Kennzeichen der Echtheit.
aus:Moesta, Franke, Antike Metallurgie und Münzprägung, Basel1995

Ich persönlich würde von der Anwendung des Essigs bei Bronzen abraten, da sich dabei agressive Verbindungen bilden können, die im Extremfall bis zur Metallzersetzung führen können.
Ein Kalksinter läßt sich auch mit schwacher Zitronensäure lösen.
Dabei ist vorsichtiges betupfen mit getränkten Wattepads unter ständiger Kontrolle mit einer guten Lupe empfehlenswert.

Viele Grüße
Harald

Verfasst: Sa 12.04.08 15:35
von goldschatz
Moin Harald,

du hast recht,das habe ich speziell bei dem obigen Stück gemerkt.Hätte ich die Münze noch etwas länger im Essig gelassen,dann wäre wahrscheinlich nichts mehr zu erkennen.Ich wusste da noch nicht,wie stark Essig das Metall angreift.

Gruß goldschatz