Noch ein paar allgemeine Anmerkungen zum Thema "Kleingeld in der Antike" - das ist einer der Problemkreise, mit denen ich mich besonders intensiv befaßt habe, und zwar prägeepochenübergreifend (also nicht nur bei den Römern - dort sogar eher am wenigsten - aber das folgende gilt auch dort bis in die Hochinflationszeit Mitte des 3. Jh. vollumfänglich):
Es gab ja in der Antike kein "Buchgeld", sondern da galt: "Nur Bares ist Wahres".
Edelmetalle hatten auch eine ungleich höhere Kaufkraft als heute (vor allem das Silber); und obwohl es an sich ein völlig sinnloses weil nicht zielführendes Unterfangen ist, antike in heutige Währungen 1:1 nach irgendeinem "Festkurs" umzurechnen, kann man doch ganz grobe Abschätzungen machen, und zwar allein anhand der Angaben zum ungefähren Lohnniveau, das ausreichte, mehr oder weniger gut zu überleben.
(Bei Warenpreisen scheitert sowas absolut, weil die Preisverhältnisse in der Antike mit den heutigen völlig unvergleichbar waren - z.B. kosteten Bücher ein Vermögen, Grundnahrungsmittel und Mieten waren demgegenüber aber recht billig ... und wieviel kostet heute ein
Sklave?

)
Und da kann man ganz grob sagen, daß eine Tetradrachme ungefähr das war, was heute ein 500-Euro-Schein ist. So etwa eben... ein "Normalsterblicher" bekam so eine Münze in der klassischen griechischen Antike jedenfalls nicht jeden Tag zu sehen. Soweit ich weiß, wurden in Athen die Drachmen bis auf den Viertelobol hinab als (winzigste...) Teilstücke in Silber(!), also als Kurantgeld, ausgeprägt - aber das war immer noch "ganz grob" ca. 1/100 Tetradrachme, also entsprach größenordnungsmäßig etwa dem heutigen 5-Euro-Schein. Wie gesagt, cum grano salis, nur gröbst überschlagsmäßig...
Dieses "Kleingeld" ist nicht nur heute schweineselten (weil's beim Ausgraben auch regelmäßig mit durchs Sieb rutscht...), sondern wurde auch damals nur in kleinsten Mengen geprägt, denn es hatte auch "dunnemals" de facto nur für Reisende eine Bedeutung, die z.B. in einem Gasthaus "auf Durchreise" sofort ein Essen bezahlen wollten - und mit den dort auch noch heute üblichen Aufschlägen waren "grob umgerechnet" größenordnungsmäßig 10,- ... 50,- € eine "normale Zeche" (wie heute auch!), und die konnten gemäß des eben gesagten mit 'nem Halbobol bis 'ner Hemidrachme sofort in Silbergeld bezahlt werden. So etwa eben...
Für "Alltagsgeschäfte" der nichtmobilen einfachen Leute brauchte man in der Antike jedoch kein Kleingeld - denn da ließ man gemeinhin "anschreiben" (z.B. beim Bäcker, beim Schlachter, etc.), und bezahlte dann für mehrere Tage die Summen-Rechnung in Silber.
Erst als die Gesellschaft "mobiler" wurde, wurden in der Zeit des Hellenismus die AE-Scheidemünzen (nur lokal gültig, da nicht edelmetallgedeckt) erfunden - spielten aber auch da nur für "Kleingeschäfte" eine Rolle.
In der Römerzeit ist das ebenso. Deshalb sind Semisse und Quadranten so selten, obwohl man dafür durchaus einen Becher Wein in einer Taverne kredenzt bekam (zumindest in der frühen Kaiserzeit). Aber
brauchen tat die wirklich nur jemand auf Reisen (dazu lese man z.B. antike "Romane", wie das "Satyricon" des Petronius oder die "Metamorphosen" - deutscher Titel meist: "Der goldene Esel" - des Apuleius).
Und um einem
momentanen Kleingeldmangel abzuhelfen, kam es eben ab und zu mal vor, daß man ein As halbierte - da das eh eine Scheidemünze war, wurde das halt akzeptiert, und was als Zahlungsmittel ALLGEMEIN ANERKANNT ist, hat auch Geldfunktion.