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AE-Tetradrachme des Probus aus Alexandria
Verfasst: Do 08.05.08 11:44
von Tinapatina
Schönen guten Tag allerseits,
heute Morgen klingelte Herr Probus aus Alexandria an der Tür und bat um Asyl, das ich ihm auch gern gewährte.

Leider sieht Herr Probus etwas heruntergekommen aus nach der langen Reise, auf beiden Seiten wahrscheinlich Bronzepest?? Welche Möglichkeiten zur Wellness-Behandlung würdet ihr vorschlagen? Da die Münze sonst mit einer Moccabraunen Patina versehen ist möchte ich heldenhafte Selbstversuche unterlassen. Bitte um Rat.Kämen Salmiakgeist, EDTA oder ähnliches in Frage?
AV.: Belorbeerter Kopf n. rechts, drapierte Büste, AK M AYP ..POBOC CEB
RV.: Adler steht nach rechts, hält Olivenzweig, im Feld L Delta
Maximaler Durchmesser 20mm, Gewicht 7,73 g.
Viele Grüße
Tinapatina
Verfasst: Do 08.05.08 11:50
von Tinapatina
Nachtrag: Referenz Milne 4589, Curtis 1864
Verfasst: Do 08.05.08 12:00
von Peter43
Kannst Du den grünen Belag abwischen oder ist er sehr hart und fest?
Verfasst: Do 08.05.08 12:19
von Tinapatina
Hallo Peter43,
da ist nichts mit abwischen. Diese hellgrünen Stellen liegen sehr fest auf
Viele Grüße Tinapatina
Verfasst: Do 08.05.08 12:50
von chinamul
Sieht eher nicht nach Bronzepest aus, zumal die grünen Auflagerungen sehr fest sind.
Ich würde erst einmal gar nichts machen, sondern die Münze in Einzelhaft nehmen und über einen längeren Zeitraum beobachten. Wenn sich innerhalb eines Jahres an den grünen Stellen nichts verändert, stehen die Chancen sehr gut, daß es keine Bronzepest ist, was ich Dir und Deiner Tetradrachme auch wünsche.
Gruß
chinamul
Verfasst: Do 08.05.08 13:00
von taurisker
Stereomikroskop? Stahlnadeln? Skalpell?
Ich schlage einen chirurgischen Eingriff vor, Chemotherapie ist hier weniger zielführend, denke ich.
Salü
taurisker
Verfasst: Do 08.05.08 13:14
von Tinapatina
Hallo taurisker,
als alter Anhänger von Stahl und Strahl greife ich Deinen Vorschlag gerne auf, doch habe ich Bedenken wg. der Zerstörung der darunterliegenden Schicht

.Es handelt sich zudem um eine parziell homogene Fläche , weniger um Verkrustungen und Bröckchen

.Da braucht es eine "slow hand" a la Eric Clapton

und ich als Grobmotoriker....
Vielen Dank für eure Ratschläge und beste Grüße
Tinapatina
Verfasst: Do 08.05.08 13:14
von taurisker
Weils gerade zum Thema passt ... diese Probus BiTDR ist mir vor kurzem zugerollt und ich bitte die Gemeinde um Datierung und um Referenzen dazu, mir fehlen leider entspr. Unterlagen zur Münzstätte in Alexandria:
Av. AKW AVP TTPOBOC CEB belorbeerte gepanzerte Büste rechts
Rv. Fortuna mit Füllhorn und Ruder steht links, am Kopf Polos(?) im Feld L und gamma
20mm 7,62g
Vielen Dank im Voraus!
Salü
taurisker
Verfasst: Do 08.05.08 13:19
von taurisker
Hallo taurisker,
als alter Anhänger von Stahl und Strahl greife ich Deinen Vorschlag gerne auf, doch habe ich Bedenken wg. der Zerstörung der darunterliegenden Schicht .Es handelt sich zudem um eine parziell homogene Fläche , weniger um Verkrustungen und Bröckchen .Da braucht es eine "slow hand" a la Eric Clapton und ich als Grobmotoriker....
Salvete tinapatina

hatte vor kurzem mal einen Victorinus mit ähnlichen Verkrustungen unter der Linse, der Eingriff unterm Mikroskop ist bei diesen Auflagen die einzige Methode ... allerdinges, ja, es ist eine Mäusemelkerei und erfordert eine ruhige Hand und einige Stunden Konzentration

hmmm, ob der gute alte Clapton so ein Feinmotoriker war, jedenfalls hatte er imemr ein Händchen für coolen Blues!
Salü
taurisker
Verfasst: Do 08.05.08 13:40
von Tinapatina
Hallo taurisker,
da ich gerade in der Thematik drinstecke, meine Referenzangabe:
Dattari 5545; Köln, Alexandria 3134.
Datierung 277-278 n. Chr.
Beste Grüße
Tinapatina
Verfasst: Do 08.05.08 14:39
von Chandragupta
Die Münze hat definitiv keine Bronzepest.
Diese Auflagerungen kriegt man bei so späten BiTdr am einfachsten mit ca. 2%igem Salmiakgeist weg - zwischenzeitlich immer mal ganz leicht(!) mit einer feinen Silberdrahtbürste das lockere Zeug "abbröseln". Zeitbedarf: max. 1 Stunde.
ACHTUNG: Alexandriner BiTdr vor Aurelian (speziell der Zeit des Maximinus Thrax...Gallienus) sollte man nicht mit dieser Methode bearbeiten, weil die u.U. alle möglichen sonstigen Legierungsbestandteile enthalten (z.B. Blei - damit das frisch geprägt ein bißchen "silbrig" wirken sollte....), die dann dazu führen, daß sich die Münze auch in ganz schwach konzentriertem Salmiakgeist "wie eine Brausetablette" auflöst (zumindest es häßliche Poren an der Oberfläche gibt).
Verfasst: Do 08.05.08 15:43
von taurisker
Danke @tinapatina für den Hinweis!
Bin soeben in den Archiven darauf gestoßen:
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 3&Lot=2326
... das scheint mir doch beinahe ein stempelgleiches Stück zu sein, besonders das Rv.
Salü
taurisker
Verfasst: Do 08.05.08 15:48
von helcaraxe
Hallo taurisker! Ein schönes Stück Deins, aber ich ich glaube nicht, dass es sich um eine Stempelgleichheit mit dem coinarchives-Beispiel handelt - schau mal auf das L: Der Unterstrich zeigt bei Deinem auf die drei Gewandfalten des Oberarmes, anders beim coinsarchives-Stück, da zeigts mehr auf den Ellenbogen und auch die Neigung des Armes ist anders. Aber die Stempel sind schon verdammt ähnlich (derselbe Stempelschneider?).
Verfasst: Do 08.05.08 15:50
von taurisker
... jaja @helcaraxe, auf den ersten Blick ists verdammt ähnlich, die Abstände sind jedoch nicht die gleichen ... ich tippe ebenfalls auf den selben Künstler bei beiden Stempelpaaren!
Salü
taurisker
Verfasst: Do 08.05.08 19:52
von chinamul
Nach meiner Beobachtung werden die stempelgleichen Alexandriner im Laufe der Zeit immer seltener, was wohl auf die massenhafte Prägung der späten Tetradrachmen als einzig noch umlaufendes Nominal zurückzuführen ist. Damit sinkt natürlich die Wahrscheinlichkeit, stempelgleichen Münzen zu begegnen. Sollte mir ein mit einem Exemplar in meiner Sammlung stempelgleiches Stück über den Weg laufen, werde ich auf jeden Fall versuchen, es zu erwerben.
Gruß
chinamul