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diva faustina mit ungewöhnlichem rand

Verfasst: Mi 25.06.08 20:03
von beachcomber
hallo,
der nachfolgende sesterz der diva faustina hat zwar keine patina mehr, ist aber recht selten.
ausserdem mag ich einfach diese verschleierte darstellung, und die erhaltiung ist ja auch ganz nett :)
aber etwas ganz besonders ist der rand: sowas habe ich bisher noch nie gesehen!
offensichtlich ist nach dem prägen der rand mit einer zänung versehen worden, die sich auch im feld fortsetzt (kann man unter der büste recht gut sehen).
hat einer von euch schon mal was ähnliches beobachtet, und wozu wurde es gemacht?
grüsse
frank

Verfasst: Fr 27.06.08 10:48
von quisquam
Hallo Frank,
der Rand erinnert mich an Ränder, wie man sie typischerweise bei Nemausus-Bronzen findet, wenn auch nicht mit ganz so ausgeprägter "Zähnung". Ich wüsste darüber auch gerne mehr, es wird wohl mit der Herstellungsmethode der Schrötlinge zu tun haben. An eine Randbearbeitung nach dem Prägen mag ich nicht wirklich glauben. Ein Argument für eine Nachbearbeitung ist allerdings, dass die Feilspuren bei deiner Münze unter der Büste beim Prägen nicht nennenswert (wenn überhaupt) glattgebügelt wurden.

Grüße, Stefan

Verfasst: Sa 28.06.08 10:16
von beachcomber
hallo stefan,
bei deinem nemausus -as sieht es wirklich nach spuren einer produktionstechnik aus.(vielleicht vom einspannen in einen schraubstock, um den as zu teilen?)
bei der faustina scheint's mir aber eher eine 'verschönerung' zu sein, von der ich doch denke, dass sie nachträglich angebracht wurde.
grüsse
frank

Verfasst: Sa 28.06.08 11:06
von kollboy
hatten die römer metallene schraubstöcke, die als einzige solche spuren verursachen können, oder doch nur hölzerne klemmvorrichtungen? hatten sie überhaupt schrauben - ich hab bisher noch keine gefunden - und ohne schraube auch kein schraubstock ;)

Verfasst: Sa 28.06.08 11:34
von chinamul
An Spuren eines Einspannens in einen Schraubstock, um das Stück durchzutrennen, kann ich nicht glauben. Das wäre auch wohl wenig sinnvoll gewesen. Wie man an den Werzeugspuren an diesen geteilten Nemaususmünzen eindeutig ablesen kann, wurden sie auf einer harten Unterlage liegend mit einem scharfen Meißel von der Portätseite her durch einen kräftigen Hammerschlag halbiert.

Die Antike kannte sehr wohl das Prinzip der Schraube, sowohl als Methode zum Fördern von Flüssigkeiten als auch als Mittel, hohe Drücke zu erzeugen (Wein- und Ölpressen). Damit ist auch die Existenz von Klemmvorrichtungen im Sinne heutiger Schraubstöcke anzunehmen.
Eiserne Schrauben als Befestigungsmittel scheint man allerdings bisher nicht gefunden zu haben, wohl aber kleine goldene Schräubchen zur Sicherung von Fibelverschlüssen.

Hier eine Münze aus dem Jahr 37 v. Chr., die eindeutig antike Feilspuren am Rand aufweist. Möglicherweise hat man bei diesen Münzen angesichts der Reverenz, die hier der sichtbar trauernde Octavianus (leichter "Trauerbart!) dem verehrten Caesar erweist, den verwendeten Schrötlingen noch eine zusätzliche Randglättung zuteil werden lassen. Der Scan der Münze ist im Gegensatz zu dem des Randes leider nicht farbrichtig.

Gruß

chinamul

Verfasst: Sa 28.06.08 11:57
von cepasaccus
Wenn ich eine Muenze teile, dann lege ich sie auf einen stabilen Untergrund und geh mit Hammer und einem grossen Meissel ran. Das geht ziemlich flott und man verliert kein Metall. Man muesste sich bei den Haelften mal die Trennkante anschauen.

Ist die Randbearbeitung in verschiedene Abschnitte unterteilbar? D. h. sieht man eine Kante, eine Luecke, etc. auf grund der man davon ausgehen kann, dass ein Werkzeug neu angesetzt wurde?

valete

Verfasst: Sa 28.06.08 13:56
von quisquam
beachcomber hat geschrieben:hallo stefan,
bei deinem nemausus -as sieht es wirklich nach spuren einer produktionstechnik aus.(vielleicht vom einspannen in einen schraubstock, um den as zu teilen?)
Dieser gewinkelte Rand mit umlaufender Kante ist typisch für diese Nemausus-Bronzen, mit der Halbierung hat er sicher nichts zu tun. Die Bearbeitung des Randes mit einer Feile (oder einem wie auch immer angetriebenen Schleifstein) ist hier die Regel, nicht die Ausnahme, und fand daher sicher bereits in der Münzstätte statt.

Ich habe leider nur einen halbierten Dupondius, auf dieser Seite ist aber auch ein ähnlicher Rand einer ungeteilten Münze zu sehen:
http://www.in-medias.fr/sitecroco/pages ... type1.html

Ich denke ebenfalls, dass es sich bei der Randbearbeitung deiner Faustina um eine spätere "Verschönerung" handelt, sonst müsste so etwas häufiger auftauchen. Läuft diese mittige Kante bei Dir auch um den gesamten Rand herum, oder findet sie sich nur im Bereich unter der Büste?

Grüße, Stefan

Verfasst: Sa 28.06.08 14:41
von beachcomber
mittige Kante bei Dir auch um den gesamten Rand herum, oder findet sie sich nur im Bereich unter der Büste?
die läuft um die ganze münze herum.
grüsse
frank