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Muenznominale

Verfasst: So 20.07.08 17:19
von cepasaccus
Um mal wieder ein produktiveres Thema anzuschneiden :o und da ich gerade Mommsens Geschichte des roemischen Muenzwesens lese ...

Mommsen schreibt ueber ein Vielfache und Teilstuecke von Aurei. Vielfache hab ich bei coinarchives auf jeden Fall keine gefunden. Teilstuecke hab ich moeglicherweise gefunden:

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 08&Lot=104
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 08&Lot=103

Letzteres wiegt 2/3 vom anderen, was fuer gut erhaltene Muenzen aus Gold schon ziemlich auffaellig ist. Beide werden aber Aureus genannt.

Jetzt frage ich mich:

1) Ist Mommsen bei diesem Thema noch Stand der Wissenschaft oder irrt er sich?
2) Sind die Vielfachen so selten, dass sie bei coinarchives nicht auftauchen?
3) Hat Mommsen bei den Teilstuecken recht und die durchgaengige Bezeichnung der Goldmuenzen einfach als "Aureus" ist ein mangelhafter Ausdruck der modernen Numismatik?

valete

Verfasst: So 20.07.08 17:35
von chinamul
Theodor Mommsen!

Gruß

chinamul

Verfasst: So 20.07.08 17:56
von cepasaccus
Korrekt. Bevor er wieder aus dem Grabe aufersteht hab ich es mal korrigiert.

vale

Verfasst: So 20.07.08 18:33
von andi89
Hallo!

Leider kann ich dir auch nicht viel dazu sagen, nur das, was ich durch ein bisschen Suchen bei coinarchives rausgefunden habe. Demnach ist das erste von dir verlinkte Stück ein Doppelstück des Aureus, ein sogenannter Binio. Das zweite Stück wäre dann ein normaler Aureus.
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 67&Lot=564
Da steht das ganze auch noch mal drinnen. Wenn man bei coinarchives unter "Binio" sucht findet man auch einige Stücke.
Recht viel mehr weiß ich leider auch nicht.

andi89

Verfasst: So 20.07.08 19:26
von Pscipio
cepa,

Die Aurei die du zeigst sind nicht mehr nach dem gleichen Gewichtsstandard geschlagen wie die Aurei eines Augustus. Trotzdem sind es Aurei, sie sind nur mit der Zeit leichter geworden (ähnlich wie der Denar, mit dem Unterschied dass der Edelmetallgehalt beim Aureus kaum reduziert wurde, dafür umso mehr aber das Gewicht). Es wird vermutet, dass spätestens unter Gallienus die Goldmünzen nicht mehr als Nominal zu 25 Denaren galten, sondern nur noch nach dem Goldgewicht taxiert wurden, denn unter Gallienus schwankt das Gewicht der Goldmünzen zwischen 1.5 und 5 Gramm, während der Denar kaum mehr geprägt wird und genau wie sein viel häufigeres Ersatzstück, der Doppeldenar bzw. Antoninian, kaum mehr Silber enthält. Erst unter Aurelian werden die Goldmünzen wieder nach einem einheitlichen Gewicht geschlagen, und erst Constantin stabilisiert die Goldwährung durch die Einführung des sich bis weit in byzantinische Zeit haltenden Solidus wieder endgültig.

Gerade in der Zeit der Tetrarchie und auch später unter Constantin und seinen Nachfolgern werden immer wieder Sonderstücke, "Multipla" bzw. Goldmedaillons geschlagen, die Teil- oder Mehrfachstücken eines Aureus bzw. eines Solidus entsprechen, aber kaum für den normalen Zahlungsverkehr gedacht waren, sondern wohl als Donative an verdiente Offiziere etc. verteilt wurden.

Mommsen ist eine Fundgrube an Wissen, aber natürlich in sehr vielen Teilen überholt und daher in manchen Teilen kaum mehr zitierfähig.

Gruss, Pscipio

Verfasst: So 20.07.08 20:03
von cepasaccus
Also kann man sagen, dass ich Mommsen bei den Teilstuecken irrt und die Vielfachen sehr selten sind. Danke.

PS: Warum ist der "antwort erstellen"-Button so nah an diesem Feld?

Verfasst: So 20.07.08 22:00
von Numis-Student
Hallo Cepa,
man kann schon sagen, dass Mommsen recht hat, die Goldquinare sind nach anderer Namensgebung Halbaurei, also Teilstücke.
Andererseits gibt es mit dem Binio und noch weiteren Vielfache (die noch seltener sind...).
Schöne Grüße,
MR

Verfasst: So 20.07.08 22:14
von Pscipio
Quinare, ja. Binio hingegen mögen nominell Doppelstücke sein (Strahlenkrone), vom Gewicht her sind sie es nicht. Sie tauchen ja auch erst in der Zeit auf, als die Goldmünzen wohl nur noch nach Gewicht taxiert wurden, nicht mehr nach Nennwert.

Pscipio

Verfasst: So 20.07.08 22:53
von Numis-Student
Hallo Lars,
da muss ich dir leider widersprechen: Der Binio taucht ab der Einführung des Antoninians auf, in der AN ist ein Binio von Caracalla abgebildet, 216 n. Chr., 13,02 g.
Schöne Grüße,
MR

Verfasst: So 20.07.08 23:07
von Pscipio
Das Stück kenne ich nicht, hat es davon ein Bild in der AN?

Verfasst: So 20.07.08 23:22
von Numis-Student
Numis-Student hat geschrieben: ... in der AN ist ein Binio von Caracalla abgebildet...
:wink:
Hier das Stück abfotografiert und aufgehellt (auf der Fototafel ist es ein recht dunkles Foto eines Gipsabgusses).
Schöne Grüße,
MR

Verfasst: So 20.07.08 23:24
von Pscipio
Nettes Stück, darfst du mir zu Weihnachten schenken!

Verfasst: So 20.07.08 23:33
von Numis-Student
Und was bekomme ich von dir ?
ist dann eigentlich egal, muss ich eh verkaufen, um meine Schulden zurückzuzahlen :cry:

Verfasst: Mo 21.07.08 01:59
von curtislclay
Der Caracalla mit dieser Rs. ist ein Unikat im BM aus der Sammlung Blacas (1867), BMC 157, Taf. 71.14. Paris hat auch zwei Binios von Caracalla mit Rs. TR P XVIII Luna in Biga und VENVS VICTRIX; Wien ex Sammlung von Echt hat einen mit Rs. TR P XVIII Sol in Quadriga; siehe Gnecchi, Medaglioni, Taf. 1, 3-4 und 6.

Binio der Julia Domna unter Caracalla: BMC 21, Taf. 68.2, 13.36g, ebenfalls aus der Sammlung Blacas.

Medaillonartiges Binio des Elagabal mit Rs. CONSERVATOR AVGVSTI, Stein von Emesa in Quadriga links, 12.76g, Berlin, Dressel 104, Taf. XIV.

Noch zwei solche von Severus Alexander, BMC 127*, Taf. 5, in München, Rs. PAX AETERNA AVG, 12.59g; BMC 251*, Taf. 9, in Paris, TR P IIII Kaiser stehend, 12.77g.

Gnecchi führt auch zwei Binios von Gordian III. auf. Treb. Gallus und Volusian haben dann verhältnismässig viele Binios geprägt, wie man in CoinArchives leicht nachsehen kann.

Verfasst: Mo 21.07.08 20:08
von Homer J. Simpson
Na sowas, schaut genau aus wie ein ganz normaler Antoninian...!

Homer