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Constantinus RIC Frage

Verfasst: Mo 18.08.08 20:36
von oliver67
Ich lerne tagtäglich dazu!
Nicht nur durch euch, sondern auch durch Studieren des RIC.

Folgendes kleines Problem, villeicht könnt ihr meine Fragen beantworten.
Ich habe hier diesen schönen Constantin Folles in einer seltenen Reverse Break.

Constantius

Obv: IMP CONSTANTINVS PF AVG
Rev. SOLIIN - V - ICTO COMMITI

R F
R*F

natürlich habe ich herausgefunden dass es RIC VII 19 ist.
Münzstätte ist Rom

auf Seite 298 steht jetzt folgendes:
Mintmark PSTQ und als Rarity c3

hier meine erste Frage:
obwohl ich alles quergelesne habe, wie finde ich heraus welche Mintmark meine Münze hat???

ich hab ja nur die oberen Buchstaben eingeprägt.
oder vielleicht versteh ich da ja was falsch.

so weiter:
als Fußnote steht jetzt zu meinem seltenen Break -V- :
P,S in V, T,Q in DH

DH sollte die Delos Hoard sein, was aber bedeutet P,S in V?

und noch abschließend:
wie berechne ich jetzt das C3
3x4=12 exemplare bekannt??
oder hat sich d as bis heute geändert, bzw wo kann ich mich da schlau machen.

achja, wie beschreibe ich die Münze eigentlich?

RIC VII 19 ist klar...
aber als Variante...gibt es da einen offiziellen Zusatz für meinen -V- Break?

ihr seht, ich gehe das alles sehr genau an, hab ich vom Breifmarken Sammeln gelernt ;-)

Und ich entschuldige mich schon jetzt, falls ich irgendwas doofes geschreiben oder gefragt habe!

danke

Verfasst: Mo 18.08.08 21:15
von helcaraxe
Hallo Oliver!

Deine Münze hat das Münzstättenzeichen R * P, und ist damit die erste Offizin.

Für diesen Typ gibt sind vier Münzstätten nachgewiesen: (P)rima, (S)ekunda, (T)ertia, (Q)uarta - was Mssrs. Sutherland & Carson durch PSTQ ausdrücken. Weiter unten auf der Seite siehst Du, dass RIC VII, Rom 24, von diesen Autoren nur in der Dritten Offizin belegt ist (kann aber trotzdem vorkommen, schließlich ist das Buch schon etws älter).

V bedeutet Slg. Voetter, wenn ich mich nicht irre. Diese Angaben haben aber nur wissenschaftlichen Wert, da sie nur angeben, wo die Autoren ihre Belegexemplare herhaben.

C3 ist der häufigste Häufigkeitsgrad, zudem kommt noch dazu, dass die Autoren in diesem Band die Häufigkeit für alle Offzinen getrennt angeben, was den Gesamttyp RIC 19 natürlich noch häufiger macht. Zudem sind die Angaben der Seltenheit mit Vorsicht zu genießen, denn die Autoren konnten ja nicht alle damals bekannten Münzsammlung durchforsten, außerdem kommen ja seit der Erstellung des Buches viele enorme Neufunde dazu, vor allem seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs und des massenhaften Einsatzes von Metalldetektoren.
So kann man heute mit Leichtigkeit Münzen in seiner Sammlung haben und für wenig Geld bekommen, die im RIC VII als R4 oder sogar R5 gelistet sind, denn das heißt nur, dass den Autoren 1 Exemplar bekannt gewesen ist. Geben kann es diese Münzen aber durchaus häufiger, zumal diese kleinen spätrömischen Folles in den bedeutenden Sammlungen wohl eher unterrepräsentiert sind, weil die Sammler sich auf die in ihren Augen spannenderen Denar und Sesterzen etc. der früheren Jahrhunderte konzentrierten. Generell lässt sich vielleicht noch sagen, dass die Seltenheitsangaben für die westlichen Münzstätten etwas zuverlässiger sind als die für die östlichen.

So, das ist jetzt fürs Erste, das was mir dazu einfällt! :D

P.S.: Im Gegenteil, Du hast überhaupt nichts Doofes gefragt, die Genauigkeit wird Dir beim Sammeln antiker Münzen sehr zu Gute kommen!

Verfasst: Mo 18.08.08 21:30
von Peter43
Nur eine kleine Korrektur: V ist Vienna (= Wien), Bundessammlung von Münzen und Medaillen, Kunsthist. Museum. Voetter wird im RIC mit Vo abgekürzt. Vorne im RIC VII findet sich das Inhaltsverzeichnis. Das bearbeitete Material findet sich dabei unter 'The Material', S. xxi und folgende.

Mit freundlichem Gruß

Verfasst: Mo 18.08.08 21:35
von helcaraxe
Du hast natürlich Recht, Jochen - ich war nur zu faul, nachzuschlagen! :D

Verfasst: Mo 18.08.08 22:20
von curtislclay
Stückzahl im Delos-Fund nach RIC Anm. 19:

Trennung -I-, pro Offizin je 64, 89, 58, 57 Stück.

Trennung -V-, je 11, 11, 5, 3 Stück.

So selten ist die Trennung -V- also nicht!

Beschreiben könntest du die Münze so: RIC VII, Rom, 19, Offizin P=1 (c3), Rs. seltenere Legendentrennung -V-, siehe die Anmerkung ebenda.

Verfasst: Mo 18.08.08 22:22
von oliver67
ach ihr seid mir eine große Hilfe, auch wenn die Münze nicht selten ist, aber das macht ja nix!

ich sammle ja weils mich historisch interessiert und erst in siebenundvierzigster Linie wegen des Werts!

ich hab aber auch nachgesehen in den üblichen Quellen, und nirgends mehr eine mit diesem -V- break finden können.
Vielleicht doch etwas seltener?

achja und wegen der Beschreibung.
Trotzdem einfach nur

RIC VII 19 ?
oder irgendeinen Zusatz?

Verfasst: Mo 18.08.08 23:06
von curtislclay
Wie schon gesagt:
curtislclay hat geschrieben: Beschreiben könntest du die Münze so: RIC VII, Rom, 19, Offizin P=1 (c3), Rs. seltenere Legendentrennung -V-, siehe die Anmerkung ebenda.

Verfasst: Mo 18.08.08 23:28
von oliver67
das hat sich überschnitten :-)

danke

Verfasst: Di 19.08.08 08:55
von oliver67
Jetzt hab ich noch eine Frage an die Experten.

Wie würdet ihr den Erhaltunszustand beschreiben

ss, fast vz
oder auch F, VF usw

da es mir ja an vergleichsexemplaren mangelt (überall nachgesehen), wie würdet ihr den Wert beziffern?
Ich hätte gesagt 10 Euro, was meint ihr?

Verfasst: Di 19.08.08 09:11
von helcaraxe
F und VF sind ja nur die englichschen Bezeichnungen für s und ss.

Ich würde die Erhaltung als ss/s+ bezeichnen (Vorderseite und Rückseite getrennt beschrieben), aber das ist immer etwas subjektiv, jeder beschreibt da etwas anders und es lässt sich herrlich über Erhaltugsgrade streiten. ;-)

Generell kann man aber auch sagen, dass die Beschreibung mit Buchstaben an Wichtigkeit abgenommen hat, da heute die digitale Abbildung so weit verbreitet ist und viel aussagekräftiger ist.

Der Wert dürfte im niedrigen zweistelligen Eurobereich anzusiedeln sein, da liegst Du schon nicht verkehrt.

Verfasst: Mi 20.08.08 13:44
von oliver67
ja das sehe ich auch so...
danke für die bestätigung :-)

Verfasst: Mi 20.08.08 21:29
von imperator44
Hallo Oliver67,
ich möchte Dich noch auf ein anderes Problem beim Münzensammeln hinweisen, das selbst bei versierten Sammlern oft zu wenig beachtet wird.Dein Constantin wurde offensichtlich von irgendeinem Blödmann mit Pariser Oxid (das ist gelöstes Kaliumsulfid, auch Schwefelleber genannt) eingefärbt, um eine schwarze "Patina" vorzutäuschen, ein Vorgang, den ich auf´s Schärfste verurteile, und den jeder Sammler durch Nichtkauf solcher Wolperdinger bestrafen sollte. Eine solcherart "geschönte" Münze ist damit zwar noch nicht falsch, aber zumindest verfälscht, denn es ist immer besser ein Stück ohne Patina zu besitzen, als ein angemaltes.
Versteh`mich bitte nicht falsch, ich möchte Dir keineswegs Deinen Constantin madig machen, denn Du wirst sicher gar nicht bemerkt haben, daß er eingefärbt wurde, ich möchte Dir nur raten, in Zukunft solche "Kunstwerke" nicht mehr zu kaufen. Ich jedenfalls möchte in meiner Sammlung keine Münze, die irgendein Volltrottel ohne Not wie ein Osterei bemalen hat.

Verfasst: Mi 20.08.08 21:53
von beachcomber
hallo imperator44,
ich glaube du irrst. :)
diese etwas bläuliche farbe der münze ist wohl eher dem mangelnden weissabgleich beim fotografieren geschuldet.
ich denke die münze hat eine patina, die an einigen stellen allerdings schon das kupfer durchscheinen lässt, und ganz sicher nicht von einem reinigungkünstler wie dir behandelt wurde.
grüsse
frank
p.s. ich hab' nix gegen ostereier :wink:

Verfasst: Do 21.08.08 09:15
von imperator44
Hallo Frank,
schön von Dir zu hören. Also ich trau mich fast wetten, daß da ein Picasso für Arme am Werk war, das Ding sieht einfach angemalen aus. Falls nicht, wird sich Oliver67 freuen, meine Meinung über diese Pfuschereien wird sich allerdings nicht ändern.
Abgesehen davon, wann sieht man Dich wieder in München?

Verfasst: Do 21.08.08 10:36
von beachcomber
zur börse am nockherberg am 11.10 :)
grüsse
frank