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Was ist das?
Verfasst: Sa 23.08.08 10:23
von chinamul
Diese Ruine habe ich 1984 aus einer Grabbelkiste gefischt und DM 5,- dafür bezahlt. Das Stück ist eindeutig bestimmbar.
Technische Daten: 4,23 g; Größe 20/23 mm
Wer kriegt raus, um was es sich hier handelt? (Experten halten sich wie immer bei solchen Bestimmungsaufgaben zunächst bitte vornehm zurück!)
Gruß
chinamul
Verfasst: Sa 23.08.08 10:36
von Homer J. Simpson
Da ich mich mal ganz frech zu den Experten gezählt habe, wälze ich jetzt nicht meinen RIC; aber was es auch sei, ich halte es für einen gallischen Nachguß (Größe und Gewicht wären doch auch für ein schlecht erhaltenes offizielles Stück zu wenig). Ulkigerweise wurden öfters seltene Typen nachgegossen, ich habe ein in der Machart sehr ähnliches As der Plautilla.
Homer
Verfasst: Sa 23.08.08 11:10
von richard55-47
Ich in kein Experte, blättere schon deshalb nicht planlos irgendwo.
Für mich ein Geta-Denar, Rs. 3 Ruderer im Boot mit Steuermann. Im Kampmann finde ich nichts. Das spricht für Homers These.
Verfasst: Sa 23.08.08 12:27
von Xanthos
@richard55-47
Für einen Denar ist die Münze zu gross und zu schwer (unter Beachtung der Abnutzung und der Randausbrüche). Mit Geta liegst du jedoch richtig.
Die Rückseite musst Du nochmals genauer anschauen. Für Ruderer sitzen die 3 zu weit oben und würden sich wohl nicht sehr freuen, wenn sie wüssten, dass Du sie für Ruderer hältst

Verfasst: Sa 23.08.08 13:20
von pixxer
Nachdem ich mich nicht zu den Experten zähle wage ich es auch einmal:
Die "3 Ruderer" sind Septimius, Caracalla und Geta die auf einer Plattform sitzen, rechts stehen ein Offizier und ein Bürger.
Das müsste die Münze sein:
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 08&Lot=329
LG Pixxer
Verfasst: Sa 23.08.08 13:49
von Homer J. Simpson
Xanthos hat geschrieben:@richard55-47
Für Ruderer sitzen die 3 zu weit oben und würden sich wohl nicht sehr freuen, wenn sie wüssten, dass Du sie für Ruderer hältst

Der ist gut

. Jaja, wir sitzen alle im selben Boot, die einen auf dem Sonnendeck und die anderen auf der Ruderbank...
Ich bin auch auf RIC 126 gekommen. Interessant, daß das Coinarchives-Stück mit 5,79 Gramm auch deutlich zu leicht ist. Dort wird es mit Fragezeichen einer Militärmünzstätte auf der Peloponnes zugeordnet, wovon ich noch nichts gehört habe. Sicher weiß da Curtis mehr (wenn nicht sogar alles

) darüber.
Homer
Verfasst: Sa 23.08.08 13:56
von chinamul
Ja, das ist sie wohl.
Die CoinArchives-Münze hat für einen As ebenfalls ein sehr geringes Gewicht, das bei meinem Exemplar durch die beiden Abbrüche noch zusätzlich reduziert worden ist.
Es scheint also tatsächlich ein reguläres Stück zu sein, und ich meine, sie angesichts ihrer Seltenheit recht günstig eingekauft zu haben. Ich muß allerdings gestehen, daß ich seinerzeit einfach nur neugierig war, als ich sie mitnahm, weil ich eine derartige Rückseit noch nie gesehen hatte. Es mußte also etwas eher Rares sein.
Und , Richard, ein Dreier mit Steuermann! Wo gibt's denn sowas? Das ist doch zumindest keine olympische Bootsklasse!!!
Gruß
chinamul
Verfasst: Sa 23.08.08 15:35
von pixxer
Auf jeden Fall ein interessantes und offenbar seltenes Stück!
Hast anscheinend immer schon den richtigen Riecher für soetwas gehabt...
LG Pixxer
Verfasst: Sa 23.08.08 17:37
von quisquam
Weiß man, wie die Rs-Szene zu deuten ist? Ein Congiarium, wie ich zuerst glaubte, scheint es nicht zu sein, und in der coinarchives-Beschreibung wird diese Prägung mit den Ludi Saeculares in Verbindung gebracht.
Grüße, Stefan
Verfasst: Sa 23.08.08 17:42
von areich
Verfasst: Sa 23.08.08 18:24
von quisquam
Also doch ein Congiarium???
Und noch etwas: Im Cohen gibt es eine Fußnote zu dieser Münze:
http://www.inumis.com/rome/books/cohen/vol_iv/p257.html
und folgende Seite. Ich kann leider kein französisch, aber das Pariser Exemplar scheint ein Limesfalsum (coulée en Gaul) zu sein. Also ist vielleicht auch dieses Stück nicht offiziell?
Grüße, Stefan
Verfasst: Sa 23.08.08 19:39
von chinamul
Die Übersetzung aus Cohen:
Diese Münze ist die gleiche wie diejenige, deren Typ schlecht beschrieben wurde von drei Autoren, die im allgemeinen sehr präzise sind: Eckhel, Ramus und Caroni im Katalog Wiczay. Sie haben auf dem Revers (Septimius) Severus, Julia (Domna), Caracalla und Geta zu erkennen gemeint, die alle vier sitzen mit einer (weiteren) Figur davor. Das Stück aus dem Kabinett wurde in Gallien gegossen.
Gruß
chinamul