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antike Bearbeitung

Verfasst: Di 16.09.08 13:43
von harald
Zu den häßlichen Münzen, die eine Geschichte erzählen gibt es noch dieses Beispiel.
Auch hier ist mir unklar, welchen Zweck die Kratzer auf beiden Seiten und die zahlreichen Feilspuren am Rand erfüllten.
Die Erklärung einer Spielerei oder eines Zeitvertreibs kommt zwar in Frage, erscheint mir aber doch eher unwahrscheinlich.
Welcher durchschnittliche Bürger hatte schon eine Feile zur Verfügung?

Gruß
Harald

Verfasst: Di 16.09.08 13:51
von beachcomber
Die Erklärung einer Spielerei oder eines Zeitvertreibs kommt zwar in Frage, erscheint mir aber doch eher unwahrscheinlich
erscheint mir aber eher doch wahrscheinlich, und ein messer könnte ja wohl auch ausgereicht haben, um diese verunstaltungen hervorzurufen.
grüsse
frank

Verfasst: Di 16.09.08 13:58
von harald
Dann wären zwar die Schnitte erklärbar, nicht aber die verschiedenen Formen der Randkerben.
Verwendet man dafür ein Messer müßten sie doch den gleichen Winkel aufweisen und würden lediglich in der Tiefe variieren.

Verfasst: Di 16.09.08 14:08
von n.......s
...sieht mir irgendwie nach einem Hilfswerkzeug aus. Vielleicht wurde die Münze eingespannt und z.B. zum Spannen oder als Führung für einen Faden, Garn oder Draht benutzt ?

Verfasst: Di 16.09.08 17:07
von harald
Hallo Nephrurus!

Das wäre durchaus möglich.
Interessanter Denkansatz!

Gruß
Harald

Verfasst: Di 16.09.08 21:09
von Chippi
Hallo Harald,

da wir gerade bei den kruden Dingern sind. Heute im Postkasten gehabt (als Zugabe).

Sieht aus wie ein zu klein geradener Skyphat (byz. Schüsselmünze), ist aber eindeutig römisch, wie der zu erahnende Genius (Genius mit Patera und Chlamys) es beweist.
Wohl frühes 4.Jh.n. (Genio Pop Rom oder ähnlich).

Warum jemand die Münze zu einem Schüsselchen gebogen hat ist mir unklar. Verwendung als Knopf scheidet aus.

Gruß Chippi

Verfasst: Di 16.09.08 21:25
von harald
Die wurde wohl ebenfalls zu einem praktischen Nutzobjekt umfunktioniert, wie meine.
Auch in diesem Fall glaube ich nicht, dass es aus purem Zeitvertreib geschehen ist, über die Verwendung bin ich mir noch nicht klar.
Möglich wäre eine eine Verwendung als Punze zum Treiben von dünnen Metallblechen.

Gruß
Harald

Verfasst: Mi 17.09.08 07:05
von helcaraxe
Harald, bei Deiner Münze glaube ich noch nicht unbedingt an eine absichtliche Bearbeitung, dazu sind die Rillen doch zu wenig gleichmäßig. Ich habe moderne Münzen gesehen, die unter ein Auto gekommen waren auf einer Straße mit rauem Belag, die sahen, was die Kratz- und Schrammspuren anging, ähnlich aus.

Ich könnte mir eher vorstellen, dass die Münze von einem Römer verloren worden ist, dass sie auf einer Straße lag und unter die Hufe oder die Räder eines Karrens gekommen ist - Kleine spitze Steine und ein flott galoppierender Bote könnten so etwas angerichtet haben...

Nur eine Idee...

Verfasst: Mi 17.09.08 10:32
von andi89
Hallo!

Die Idee von helcaraxe finde ich gar nicht so schlecht, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die ziemlich tiefen Einkerbungen wirklich durch einen Pferdewagen verursacht werden können. Wenn jemand will kann er ja mal so ein Gefährt nachbauen und es ausprobieren. :D
Bei chippis Schüssel könnte ich mir vorstellen, dass ein Goldschmied hier mal in unedlem Metall vorgearbeitet hat um zu sehen, ob das Objekt auch so gelingt, wie er sich das vorstellt. Vielleicht hat man aber auch nur den Lehrling üben lassen, wer weiß.
Ich habe hier auch ein Stück mit einer recht ungewöhnlichen Randbearbeitung. Diese Münze müsste einmal als Schmuckstück oder so gefasst gewesen sein. Eine andere Erklärung ist mir bisher nicht eingefallen.

andi89

Verfasst: Mi 17.09.08 11:17
von chinamul
@andi89

Ein recht ähnlich behandeltes Objekt habe ich vor einiger Zeit auch schon mal hier vorgestellt. Dieses ungewöhnliche Stück war mir vor zwei Jahren € 12 wert, zumal es sich dabei um einen recht seltenen As des Domitianus handelt.

DOMITIANUS 81 – 96
AE As Rom 88 zu den Feierlichkeiten anläßlich des achthundertjährigen Bestehens der Stadt Rom
Av.: IMP CAES DOMIT AVG GERM P M TR P VIII CENS PER P P - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: COS XIIII LVD SAEC FEC S C (im Abschnitt) - Domitianus vor einem Tempel nach links stehend und aus Patera auf Altar opfernd; ihm gegenüber nach rechts hintereinanderstehend ein Flöten- und ein Leierspieler
RIC 385a
12,01 g
Durch flächiges Aufhämmern des Randes von der Porträtseite her zu einem sechseckigen Spielstein(?) umgestaltet. Auch hier hat offenbar nicht etwa blinde Zerstörungswut gewaltet, und auch nach einer damnatio memoriae sieht es eher nicht aus.

Gruß

chinamul

Verfasst: Mi 17.09.08 23:32
von Homer J. Simpson
Auch ich habe eine solche Münze - ein schlecht erhaltenes Domitian-As - , die offensichtlich nach ihrem Geldumlauf am Rand mehrfach eingekerbt wurde. Möglicherweise als eine Art Werkzeug, um irgendwelche weicheren Materialien aufzurauhen, wie Holz- oder Lederoberflächen??? Ich bin auch neugierig auf weitere Vorschläge zur Deutung! Sorry, die Bilder sind jetzt auf die Schnelle richtig schlecht geworden, aber ich hoffe, man sieht das Wesentliche!

Die spektakulärste Umarbeitung einer Münze, die ich bisher gesehen habe, habe ich vor gut zwei Jahren im US-Forum vorgestellt: den Caracalla-Sesterz, der zu einem Klappmesser oder etwas Ähnlichem umgebaut wurde!

http://www.forumancientcoins.com/board/ ... ic=26942.0

Viele Grüße,

Homer

Verfasst: Do 18.09.08 11:42
von cepasaccus
Also fuer mich sieht das nach Verschleiss aus, so wie Nephrurus meinte, oder eben jemand hat sich gelangweilt. Da die Kerben so unterschiedlich sind ist IMO jede unabhaengig von den anderen. Was mich nur wundert ist, dass sie oben eine Silbermuenze dafuer verwendet haben. (Ist doch eine, oder?)

valete

Verfasst: Do 18.09.08 11:51
von pixxer
Also Homers Münze sieht mir eindeutig nach einem behelfsmäßigen Werkzeug aus. Die Rillen sind nicht v-förmig zulaufend sondern eher abgerundet, als ob Schnüre durchgezogen worden wären. Vielleicht ein simples Behelfswerkzeug zum Weben oder Seildrehen?

LG Pixxer

Verfasst: Do 18.09.08 18:32
von harald
Homer J. Simpson hat geschrieben: Die spektakulärste Umarbeitung einer Münze, die ich bisher gesehen habe, habe ich vor gut zwei Jahren im US-Forum vorgestellt: den Caracalla-Sesterz, der zu einem Klappmesser oder etwas Ähnlichem umgebaut wurde!

http://www.forumancientcoins.com/board/ ... ic=26942.0
Homer
Das erinnert mich an die auf einer Drehbank ausgehöhlten Großbronzen,
welche zu Taschenspiegeln und sogar zu Taschensonnenuhren umfunktioniert wurden.
(zb. Göbl, Antike Numismatik, Taf.18, 194.)
Der Einfallsreichtum war schier unerschöpflich.

Gruß
Harald

Verfasst: Do 18.09.08 22:51
von Wurzel
Solche bearbeitungen können ja unter Umständen Jahrhunderte nach dem Prägen der Münze gemacht worden sein.
Dann sagt dem Besitzer diese Münze vermutlich nichts mehr, für ihn ist sie unter Umständen nur ein rundes Stück mit Bild drauf.
Bestenfals findet der Besitzer sie schön und macht sich einen Schmuck daraus.

Eine Taschenmessermünze hatten wir hier schonmal:

http://www.numismatikforum.de/ftopic166 ... chenmesser

Kein Römer, aber die Idee scheint nicht neu zu sein. Vielleicht ist die Münze die uns Homer zeigt, von dem selben Menschen umgebaut worden.

Wer weiß

Micha