Seite 1 von 1

As Domitian als Caesar

Verfasst: Sa 27.09.08 10:05
von quisquam
Hallo zusammen,

als ich diese Münze bei einem Anbieter in Dortmund im Münzschuber mit der Rückseite nach oben liegen sah hatte ich keinen Zweifel: klar, ein Claudius-As. Wie der erste Eindruck doch täuschen kann!

Falls mir jemand zu dieser Münze weitere Literaturzitate nennen kann (vor allem RIC II neu) wäre ich dafür sehr dankbar.

Grüße, Stefan



As, Titus für Domitian, 80-81 n. Chr., Rom
9,24 g, 24,5-25 mm, Stempelstellung 6h

Vs: CAES DIVI VESP F DOMITIAN COS VII, belorbeerter Kopf n. r.
Rs: Minerva mit Speer und Schild n. r., S - C im Feld

RIC II (alt) Titus 170a; Cohen 436; Kampmann 24.32.3; Sear ME 2691 var

Verfasst: So 28.09.08 19:49
von Homer J. Simpson
RIC² Titus 343, Häufigkeit C (häufig).

Viele Grüße,

Homer

Verfasst: Mo 29.09.08 11:05
von quisquam
Herzlichen Dank fürs Nachschlagen!

Grüße, Stefan

Verfasst: Mo 29.09.08 11:17
von chinamul
Die Flavier zitierten des öfteren Münzbilder des julisch-claudischen Kaiserhauses, und es kann daher nicht verwundern, daß dabei auch die Minerva des Claudius wiederholt erscheint.

Hier einige weitere Beispiele des Domitianus:

DOMITIANUS 81 – 96
Æ As Rom 81
Av: IMP CAES DIVI VESP F DOMITIAN AVG P M - Belorbeerter Kopf links
Rv.: TR P COS VII DES VIII P P S C - Minerva nach rechts schreitend; in der erhobenen Rechten Speer, in der Linken Rundschild
RIC 237 var. (dort nur mit Kopf rechts)
11,75 g

DOMITIANUS 81 – 96
Æ As Rom 82
Av.: IMP CAES DIVI VESP F DOMITIAN AVG P M - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: TR P COS VIII DES VIIII P P S C - Minerva nach rechts schreitend, in der erhobenen Rechten Speer, in der Linken Rundschild
RIC 242a; C. 587
9,76 g

Gruß

chinamul

Verfasst: Di 30.09.08 18:33
von quisquam
Beim oberen As hat man sogar das claudische Linksportrait kopiert! :wink:

Tolle Münze!

Grüße, Stefan

Verfasst: Di 30.09.08 19:22
von curtislclay
Ich denke, es ist derselbe Rs.Typ, aber nicht von Claudius zitiert.

Domitian verwendet diesen geläufigen Minerva-Typ nicht, um an seinen Vorgänger und dessen Münzen zu erinnern, sondern weil er selbst Minerva als seine Schutzgöttin verehrt.

Ab 83 n. Chr. erscheint auf Domitians Denaren, in diesem Typ und in drei anderen, nicht von Claudius verwendeten Typen, fast nur mehr Minerva.

Verfasst: Di 30.09.08 20:07
von quisquam
Wobei es bei meinem As Titus ist, und nicht Domitian, der diesen Minerva-Typ verwendet. Aber ihm wird sicher die Vorliebe seines Bruders für Minerva bekannt gewesen sein.

Es ist zwar Spekulation, aber dass damit zudem Claudius' anepigraphische Rückseite aufgegriffen wird halte ich nicht unbedingt für einen Zufall.

Grüße, Stefan

Verfasst: Mi 01.10.08 11:02
von beachcomber
Wobei es bei meinem As Titus ist, und nicht Domitian
aber dargestellt ist doch domitian, dessen vorliebe für minerva ja mehr als offensichtlich ist, und anepigrafische rv's waren zu der zeit relativ häufig!
grüsse
frank

Verfasst: Mi 01.10.08 14:30
von quisquam
Hallo Frank,

man kann sich zwar nicht sicher sein wer letztendlich für die Auswahl der Münzmotive verantwortlich war, doch der Kaiser hatte sicher mehr Einfluss als sein projektierter, in diesem Fall zudem ungeliebter Nachfolger. Unter den von Titus für Domitian geprägten Bronzen haben von den 20 RIC-Nummern nur 3 ein Minerva-Revers, von Minerva-Lastigkeit also keine Spur. Später unter Domitian sah das Bild natürlich anders aus (zumindest beim Silber, während bei den Mittelbronzen eher Moneta und Virtus dominieren).

Die heutige Häufigkeit der Claudius' Minerva-Asses lässt für mich den Schuss zu, dass diese Minerva auch noch in flavischer Zeit eine der bekanntesten Rückseiten auf Mittelbronzen war. Zudem hat Titus zur selben Zeit diesen Münztyp im Rahmen seiner Restitutionsprägung wieder aufleben lassen. Ich sage ja nicht, dass dies so gewesen sein muss, aber ich halte es auch nicht für abwegig, dass bewusst die claudische Vorlage kopiert wurde.

Grüße, Stefan