überprägter Denar? für Valerianus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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gallienvs
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überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von gallienvs » Di 20.07.10 21:04

Hallo,
habe hier einen interessanten Valerianus Antoninian,der mir von einem Sammlerfreund aus Übersee demnächst geschickt wird.
IMP VALERIANUS P AVG
CONCOR LEGG
Göbl 804d Viminacium
Gewicht 3,12g

Mir scheint das hier ein Denar überprägt wurde um für Valerianus zum Antoninian zu werden.
Ich meine auf 2 Uhr an der Nase 2 Kranzbänder auszumachen, sowie hinter dem Kopf und unter der Büste Buchstabenreste zu sehen.
Im Revers könnte man links die Hand mit Waage einer AEQVITAS erkennen.
Müsste demnach also ein Linksportrait eines Vorgängers sein.Eigentlich hätte ich aus dem Bauch auf Alexander Severus getippt,aber Linksportraits kommen von ihm glaube ich garnicht so häufig vor.
Mit anderen Worten - vielleicht hat ja der Ein oder Andere von euch noch eine plausible Erklärung parat.
gruß gallienvs
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Submuntorium
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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von Submuntorium » Di 20.07.10 21:19

Interessant!Warum wurde wohl ein relativ gutweriger Silberschrötling direkt überprägt?Die Inflation war doch eigentlich so schnell,dass es profitabler war,die Münzen einzuschmelzen,oder?Ich bin schon gespannt auf die Ideen unserer kompetenten Forumsmitglieder.
viele grüße,
Submuntorium

curtislclay
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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von curtislclay » Di 20.07.10 22:46

Ich glaube, dass du recht hast: überprägt auf einem Denar von Severus Alexander mit Rs. AEQVITAS AVG, Aequitas l. stehend, wie das Exemplar unten.

Auf der Vs. sieht man, oberhalb und rechts vom überprägten Porträt, Teile der ursprünglichen Vs.Legende, ...[S]EV - ALEX.... Das Porträt schaut selbstverständlich nach rechts, wir haben es hier nicht mit einem brockage zu tun!

Auf der Rs. sieht man von der ursprünglichen Rs.Legende AEQ...[A]VG. Die Legende setzt erst oberhalb von der Waage ein, wie auf dem Exemplar unten.

Decius und dann Gallus haben massenweise alte Denare in Antoniniane umgeprägt. Dass das auch Valerian in dieser irrtümlich Viminacium zugewiesenen Serie getan hat, war mir aber bisher unbekannt!
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beachcomber
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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von beachcomber » Mi 21.07.10 09:51

hallo curtis,
du schreibst: .....irrtümlich Viminacium zugewiesenen Serie.
warum glaubst du, diese prägungen seien nicht aus viminacium? und sind dann die ausgaben des gallienus die damit korrespondieren auch nicht aus viminacium?
grüsse
frank

curtislclay
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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von curtislclay » Mi 21.07.10 15:58

Im US-Forvm, jetzt unter Classical Numismatics, schrieb ich im J. 2005:

Isn't it astonishing that Valerian had access to die engravers of this quality during the first week or two of his reign, when he had not yet elevated Gallienus to be his co-emperor and had obviously not yet captured Rome, where in contrast Gallienus appears in the coinage from Valerian's very first issue on?
In my opinion there is only one possible explanation: these coins of Valerian are the continuation of the IMP C C issue of Gallus and Volusian, which accordingly must have been a branch mint staffed with engravers from the mint of Rome, set up to finance Valerian's campaign in Raetia and Germany. When Aemilian revolted and killed Gallus and Volusian, causing Valerian to proclaim himself emperor against Aemilian, naturally Valerian had immediate access to the branch mint that had been set up to support his expedition!
That mint, then, can quite definitely not have been Viminacium, which was the starting point of AEMILIAN'S revolt and was clearly still in Aemilian's hands when Valerian revolted in Raetia!
I ask myself, what moved Elmer to mislocate this mint at Viminacium, and why has this misattribution enjoyed such widespread acceptance for the past sixty years?

Dazu Ed Flynn:

I'll speculate that one reason for assigning the coins to Viminacium was that IMP P LIC VALERIANO AVG is also seen on provincials from Dacia and from Viminacium, and perhaps that Viminacium seemed special for its provincial issue for Mariniana.

Meine Antwort:

Good suggestion, Ed! The Viminacium bronzes are obviously related to the antoniniani of this series, with which they share three obv. legends, not only IMP P LIC VALERIANO AVG as on your two coins, but also IMP VALERIANVS P AVG and IMP GALLIENVS P AVG, AMNG 188, 190, 193.
This could have no geographical meaning at all: Viminacium simply copied these Raetian/Northern Italian antoniniani which may have circulated preferentially in all of the Danube provinces since their mint was nearer than Rome.
On the other hand, my argument that the antoninianus mint cannot originally have been at Viminacium does not exclude the possibility that Valerian might have transferred it there after defeating Aemilian!
However, we need firm proof for the location of this mint, not just an assertion or an unreliable deduction such as "The obv. legends of the bronzes are the same, so the antoninianus mint must have been transferred there." Especially since Elmer based a major historical conclusion on the supposed location of this mint at Viminacium: that Gallienus campaigned on the DANUBE for a couple of years before transferring both his activities and the mint to Gaul and the Rhine!

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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von gallienvs » Mi 21.07.10 17:53

Vielen Dank Curtis für deine Bestätigung meiner Vermutung bezüglich des Ursprungsdenars.
Die Viminaciumtheorie hört sich sehr interessant und plausibel an.
Wenn ich richtig verstanden habe ist es dann nach der Ermordung des Aemilianus schon so das Viminacium in Besitz bzw. als Münzstätte genutzt wurde.
Gibt es denn Spekulationen über den Prägeort der ersten Prägungen für ihn oder ist eine " Moneta Comitatensis " nicht auch eine Option für die ersten 5 Reverse des Valerianus,die er ja laut Göbl allein für sich geprägt hat?
gruß gallienvs

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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von beachcomber » Mi 21.07.10 19:12

Göbl legt diesen antoninian in die emission 2b, die erste die auch für seinen sohn gallienus geprägt hat.
könnte es nicht sein, dass nur die ausgaben davor in einer unbekannten (oder mobilen) münzstätte geprägt wurden, und die gemeinsamen prägungen dann schon in viminacium?
grüsse
frank

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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von gallienvs » Mi 21.07.10 20:21

mein ich doch- kam bei mir vielleicht etwas verkompliziert rüber!? :) :wink:
gruß gallienvs

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Re: überprägter Denar? für Valerianus

Beitrag von curtislclay » Mi 21.07.10 20:51

Das ist kein Spezialgebiet von mir, aber ich würde die Lokalisierung dieser Münzstätte vorläufig als völlig unbekannt betrachten. Die Übereinstimmung der Vs.Legenden genügt in meinen Augen nicht als Beweis, dass die Münzstätte je in Viminacium gelegen haben muss.

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