Römer und Griechen aus dem Nahen Osten?

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Laterarius
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Re: Römer und Griechen aus dem Nahen Osten?

Beitrag von Laterarius » Mi 16.05.12 18:08

Hallo Askander,
wahrscheinlich lese ich ebenso selten wie Du Forumsbeiträge, obgleich diese immer wieder wirklich interessant sind. Im Moment erwischt du mich leider auf dem falschen Fuß, da ich mich fernab meiner sehr brauchbaren Bibliothek aufhalte und mich mit dieser Frage letztmals vor Jahrzehnten befasst habe. Brauchbare Fotos von weiteren Exemplaren kann ich daher nicht liefern. Die maßgebliche Literatur wurde von Invictus aber bereits eruiert, dort finden sich auch weitere Abbildungen.
Den Gegenstempel auf deiner Münze kann ich beim besten Willen nicht als CM lesen. Beim ersten Buchstaben sind wir uns einig. Danach folgt eine Ligatur aus einem A und einem weiteren Buchstaben, m.E. einem griechischen Gamma (allenfalls einem lateinischen T). Gedeutet wurde diese Kontermarkierung m.W. noch nicht.
Im Hinblick auf den Gegenstempel COL, der auf deiner Münze fehlt, auf anderen Exemplaren dieses Typs aber zumeist erscheint, habe ich mich wohl etwas unklar (weil verkürzt) ausgedrückt. Laodikeia wurde zwischen Herbst 197 und Spätsommer 198 Colonia iuris Italici, also eine Kolonie italischen Rechts. Nur vorkoloniale Münzen aus Laodikeia und solche aus der mutmaßlich allerersten Emission nach der Privilegierung, auf denen kein Ethnikon erscheint (dazu gehört deine Münze), wurden mit COL kontermarkiert. Dass die Prägung der Münzen mit lateinischen Legenden zunächst ohne Ethnikon durchgeführt wurde, könnte (vorsichtig formuliert) darauf hindeuten, dass die Privilegierung durch den Kolonietitel zum Zeitpunkt der Prägung vom Kaiser zwar schon zugesagt aber noch nicht offiziell bestätigt worden war. Dieser Gegenstempelungs-Aktion, die wohl bald nach der Prägung erfolgte, entgingen freilich viele Stücke (so wie deines).
Wenn bis heute nur wenige Exemplare dieses Münztyps in der Literatur genannte werden, so heißt das natürlich nicht, dass in privaten und öffentlichen Sammlungen keine weiteren (identifiziert und nicht identifiziert) schlummern können. Selten und interessant ist die Münze allemal.
Beste Grüße,
Laterarius

Askander
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Re: Römer und Griechen aus dem Nahen Osten?

Beitrag von Askander » So 04.08.13 19:46

Ich weiß es ist jetzt schon echt lange her, aber um die Münze von Laodicea nochmal mit einem zweitem Belegexemplar zu belegen habe ich nun bei wildwinds ein weiteres Exemplar gefunden: http://www.wildwinds.com/coins/greece/s ... are/i.html

http://www.wildwinds.com/coins/ric/sept ... yer_95.jpg

Und da gibt es auch einen Gegenstempel mit CA(G) auftaucht und dieser auf meinem Exemplar doch recht ähnlich aussieht gehe ich davon aus, dass es sich bei meinem um diesen handelt - weiß jemand, was dieser bedeutet?

Liebe Grüße,

Askander

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Peter43
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Re: Römer und Griechen aus dem Nahen Osten?

Beitrag von Peter43 » So 04.08.13 21:36

Es handelt sich dabei um die Gegenstempel Howgego c/m 581 und c/m 586. Hier ist der Auszug aus Howgego:

581. CA Gamma?
Laodiceia (Syria)
Caracalla: before 211 (14), Caracalla and Plautilla (12), Caracalla and Geta (1), Geta (4), Severus (43), Severus and Caracalla (2), Severus and Domna (17), Commodus (16), M. Aurelius (2), Domitian (3), ? (2)

Cmks: 181 (1), seven times under 586 (79), 572.1 (1), ? (2)

Laodikeia became a metropolis in AD 194 and a colonia with ius Italicum in AD 197/8. The countermark was applied after the introduction of Latin onto the coins. It is uncertain whether the countermark is in Latin or Greek. The second element seems to be an alpha-gamma monogramm, which should probably be interpreted in the same way as the equally obscure A Gamma in the field of a coin of Caracalla. The initial letter may be a Latin C or a lunate sigma.

Cmk 581 was applied before cmk 586 or possibly about the same time.

586. COL
Laodikeia (Syria) (87)
The countermark must have been applied after the city achieved the status of a colonia in AD 197/8 (see cmk 581, and note that some of the countermarked coins already had Latin legends). The countermark was probably intended to allow older coins to circulate freely alongside the new issues of the colonia. The earliest series of coins subsequent to the countermarking was struck in the sole reign of Caracalla and the countermarking may be contemporary with it.

Mit freundlichem Gruß
Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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