ein neuer typ für gallienus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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richard55-47
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » Mo 20.08.18 16:13

Natürlich kann ich nicht fundierter Kompetenz widersprechen, aber das "gefundene Fressen", Siege des palmyrenischen Sonderreiches für eine (umfangreiche) Propaganda zu nutzen, wird mit einem Unikat nicht gebührend gewürdigt.
Vielleicht wurde die Serie "PROPAGATOR" wegen dieser Siege zwar entwickelt, allerdings gestoppt, weil alle Welt diese Siege automatisch dem Odenathus und nicht dem Gallienus zugeschrieben hat. Odenathus war nach reichsrömischer Lesart nur Statthalter und Feldherr von des Kaisers Gnaden, in der Realität allerdings hat er schalten und walten können wie er wollte. Da werden doch vom Kaiser keine Lobeshymnen auf einen Untergebenen gesungen.

Aber das ist aus dem hohlen Bauch gesprochen. Ich bin mal gespannt, wie Prof. Doyen begründet, dass dieser Münztyp gerade wegen der genannten Siege und wegen der einhergehenden Gebietserweiterungen geschlagen wurde, und warum er nur ein einziges Mal öffentlich geworden ist. Kannst du mir seine PDF-Datei schicken, ohne Schwierigkeiten zu kriegen?
do ut des.

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beachcomber
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von beachcomber » Mo 20.08.18 16:51

die pdf datei kann ich leider erst verschicken wenn sie von ihm veröffentlicht wird!
mit der legende wird ja nicht ein untergebener gefeiert, sondern natürlich der chef! :)
ganz sicher ist diese ausgabe nicht lange produziert worden, sonst wäre ja vielleicht schon mal ein exemplar früher aufgetaucht. dass die ausgabe sich nicht durchgesetzt hat, mag ja daran liegen, dass dieser kleine gebietszuwach eben doch nicht so bedeutend war, oder vielleicht schnell wieder verloren wurde!
grüsse
frank

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richard55-47
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » Mo 20.08.18 18:01

Ich war so frei und habe ihn direkt angeschrieben, weil ich mir lebhaft denken konnte, dass du Bauchschmerzen bekommst, wenn du unautorisiert das Werk weitergibst.

Klar, du hast natürlich Recht, dass der Kaiser sich und nicht Odenathus feiert. Aber wie mag das im Volk angekommen sein, dieses Schmücken mit fremden Federn eines Kaisers, dessen faktisches Herrschaftsgebiet auf einen relativ kleinen Teil des Weltreiches reduziert war, der noch nicht mal was machen konnte, als in Köln sein Sohn Saloninus gemeuchelt wurde?
Das Portrait des Gallienus scheint mir dem Stil der Münzstätte Rom zu entsprechen. Die Münzen wären - auch wegen der o. g. Beschränkungen - in Rom auch in den Umlauf gekommen. Die Römer waren, habe ich mal gehört, äußerst spottlustig. Da war es taktisch klüger, den Spott nicht unnötig zu provozieren. Es war also unklug, sich als der große Zampano, der man nicht war, hinzustellen. Ich glaube deshalb bis auf weiteres immer noch an einen Schreibfehler. Der Stempel wurde eingestampft, nachdem der Fehler entdeckt, ein paar Münzen aber irrtümlich oder willentlich in Umlauf geraten waren. Die Dupliziät mit den Ereignissen im Osten kann insofern zufällig sein.
Wenn der Stempel tatsächlich aus Anlass der Ereignisse im Osten geschnitten worden sein sollte, dann hat aber jemand ganz schnell die Reißleine gezogen.
do ut des.

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richard55-47
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » Do 23.08.18 11:46

Ich habe heute die Ausführungen von Prof. Doyen, einem sehr freundlichen Herrn, erhalten. Ich strecke die Waffen. Der Rückseitentyp ist tatsächlich einer Reichsgebietserweiterung zu verdanken, allerdings nur kurz geprägt und durch "AETERNITATI AUG" ersetzt worden. Warum, kann man nur vermuten.
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beachcomber
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von beachcomber » Do 23.08.18 13:13

:)
der artikel wird im BCEN vom september erscheinen, darf aber erst in einem jahr online gezeigt werden! wenn jemand privat interessiert ist, kann ich den artikel versenden, aber wirklich ur zum privaten gebrauch!
grüsse
frank

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richard55-47
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » Do 23.08.18 16:04

Ich finde das toll, dass Prof. Doyen dich und Eric als Mitarbeiter ausdrücklich benannt hat. Von der von dir genannten Beschränkung hat er mir nichts mitgeteilt, selbstverständlich halte ich mich daran.

Ich habe ihm meinen ursprünglichen Verdacht "IOVI PROPUGNATOR" mitgeteilt, woraufhin er mich quasi in der Luft zerrissen hat:

...., mais PROPVGNATOR ne peut fonctionner avec ORBIS, cela n'a pas de sens en latin. Et propugnator, un terme guerrier, ne peut s'appliquer à Sol. PACATOR ORBIS avec Sol aurait un sens. Mais le règne de Gallien nous réservera sans doute encore bien des surprises.
JMD

"...., aber PROPUGNATOR kann nicht funktionieren mit ORBIS, das ergibt auf Latein keinen Sinn. Und PROPUGNATOR, ein Ausdruck aus dem Krieg, kann man nicht anwenden auf SOL.
PACATOR ORBIS mit SOL hätte einen Sinn. Aber die Regierung des Gallienus wird uns ohne Zweifel noch viele Überraschungen bringen.

JMD"
do ut des.

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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » So 03.11.19 11:36

Für Saloninus finde ich auf die Schnelle keinen eigenen thread. Da er der Sohn von Gallienus ist, stelle ich die Münze hier ein:
SALON VALERIANUS CAES PIETAS AUG(!)
664 Saloninus.jpg
Bei einer Durchsicht nach Duplikaten habe ich in der Vorseitenlegende noch ein "P" gelesen, also SALON VALERIANUS P CAES: Zumindest meine ich das.

Göbl kennt diese erweiterte Legende nicht.
664 Saloninus.jpg
An der entscheidenden Stelle ist die Münze recht zerfleddert. Zuerst dachte ich an das "S" von "VALERIANUS", dann an eine Technica, dann an eine zeitgenössische Fälschung resp. an eine barbarische Imitation.

Wie ist die Meinung der werten Gemeinde?
Dateianhänge
20191103_110914.jpg
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von Perinawa » So 03.11.19 14:01

Wenn das ein P ist, wo ist denn dann das S hin verschwunden? :wink:

Für mich sieht das so aus, als hätte sich das S durch den Schrötlingsriss hochgeschoben.

Grüsse
Rainer

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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von beachcomber » So 03.11.19 14:27

das sehe ich wie rainer! :)
grüsse
frank

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richard55-47
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » So 03.11.19 19:49

Genau das war mein erster Gedanke. Aber in mm gemessen wäre im Schrötlingsausriss genügend Platz für ein S. Dieser ominöse Buchstabe, von dem ich nicht ausschließe, dass es sich um ein S handelt, hat einen geschlossenen Kasten wie bei einem P. Auch der Strich nach unten unter dem Kasten ist m. 'E. im Ansatz zu sehen. Ungewöhnlich für ein S, das der Stempelschneider sicher beherrschte, weil es bei CAES sehr gut als S ausgearbeitet ist. Andererseits ist das C von CAES auch nicht gerade ein Schmuckstück. Kann es sich vielleicht um eine zeitgenössische Imitation handeln? Die gesamte VS-Legende ist in meinen Augen etwas unorthodox.
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von Perinawa » So 03.11.19 21:01

Im Schrötlingsriss ist und war aber nun mal nie Material, das aber nötig wäre, um den (zusätzlichen) Buchstaben auch abbilden zu können. :wink:

Denk' dir den Riss mal weg, dann rückt das S wieder an die "richtige" Stelle. Durch die Materialausdehnung bzw. -verformung hat sich der Buchstabe sicherlich auch etwas verformt. Ich sehe hier eine offizielle Münze.

Grüsse
Rainer

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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von gallienvs » So 03.11.19 21:35

Natürlich kein "P" …. macht beim Junior auch nicht wirklich Sinn.
LGG

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richard55-47
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Re: ein neuer typ für gallienus

Beitrag von richard55-47 » Mo 04.11.19 09:04

Ich war bisher des Glaubens, dass ein Schrötlingsriss im Moment des Hammerschlages erfolgt, dass also Material in diesem Moment an dieser Stelle war. Weiter müsste doch, wenn der Stempel gleichmäßig beschriftet ist und der Riss im Schrötling schon vorhanden war, bevor der Hammerschlag erfolgte, das S in eine Lücke gestanzt worden sein. Es kann also in diesem Fall nicht im Schrötling verrutscht sein, vielmehr müsste im Stempel eine Verrutschung nach rechts erfolgt sein und das ist unmöglich. Falls Rainer recht hat, müsste der Stempel mit seinen Eingravierungen das weiche Schrötlingsmaterial für einen Moment wie eine Klammer gehalten haben. Als die Münze vom Stempel gelöst wurde, kam die Klammer in Fortfall und das Schrötlingsmaterial hatte noch geügend Energie, den Riss zu erzeugen, das S zu bewegen. Daran habe ich nicht gedacht, das kann man nicht ausschließen.

Dass bei Saloninus ein P keinen Sinn macht, ist klar. Ich denke da mehr an einen blackout des Stempelschneiders oder an eine ZF.

Natürlich habt ihr gute, sehr gute Argumente. Aber so ganz überzeugt bin ich nicht. Die relativ wilde Schrift und und auch die verhunzte Rückseite geben zumindest Anlass, darüber nachzudenken.
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