Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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kiko217
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von kiko217 » Mi 03.11.21 09:04

Danke, Rainer, für die Mühe, die du dir bei der Darstellung dieses Monuments gemacht hast! Ich hatte zugegebenermaßen immer nur im Kopf :“ Nichts Genaues weiß man nicht“.
Ist das deine Münze? Falls ja, dann Glückwunsch! Dieser Typ ist -anders als die vom anderen Augurinus - doch recht selten in ansprechender Erhaltung zu finden. Meistens ist schon der Schrötling unrund.

Kiko

Perinawa
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 03.11.21 09:17

kiko217 hat geschrieben:
Mi 03.11.21 09:04
Danke, Rainer, für die Mühe, die du dir bei der Darstellung dieses Monuments gemacht hast! Ich hatte zugegebenermaßen immer nur im Kopf :“ Nichts Genaues weiß man nicht“.
Ist das deine Münze? Falls ja, dann Glückwunsch! Dieser Typ ist -anders als die vom anderen Augurinus - doch recht selten in ansprechender Erhaltung zu finden. Meistens ist schon der Schrötling unrund.
Sehr gerne. Ja, das ist meine. Bei diesem Typ ist weniger das Problem ein unrunder Schrötling, sondern mehr die dezentrale Prägung der meisten Exemplare bzw. zu kleine Schrötlinge. Die Säule umfasst (wie auch die Trajanssäule) fast den ganzen Stempel, d.h. meistens ist sie auf dem Schrötling dann irgendwo gekappt. Die Säule auf den Münzen des Caius Augurinus ist ja noch detailreicher: Girlandenschmuck an der Spitze, aber vor allem die Löwenprotome an der Basis.

Timestheus hat geschrieben:
Di 02.11.21 17:11
Mein erster Rom Besuch ging am Ende ganze 2 Wochen und ich war jeden Tag zu Fuß von 09 Uhr bis Nachts teils 23 Uhr unterwegs.
Tja, das kenne ich gut. Meine nächste Romreise ist die Elfte. 8)
Ich war jetzt schon längere Zeit nicht mehr dort. Zweimal musste ich wegen Krankheit canceln, und dann kam Corona. In diesem September habe ich es bis kurz vor die Tore der Urbs geschafft: Von Pitigliano aus wären es noch gut 100 Kilometer gewesen. Da aber die Reise mit Zielen in der Toskana und Cinque Terre verplant war, habe ich mich dann (ganz schweren Herzens) dagegen entschieden. Für nächstes Frühjahr ist allerdings ein Besuch fest geplant.. mit dem Camper erst einmal nach Sardinien und dann ins Latium. :D

Grüsse
Rainer
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Timestheus
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Timestheus » Mi 03.11.21 11:58

Ah ich sehe - auch ein Italien Freund und Liebhaber. Meine (Ex) Freundin ist da immer daran verzweifelt - weil jedes Jahr mindestens 3 Italienurlaube drin sein mussten und ich sie überall was annähernd Antik war hingeschleppt habe. Mein längster Italienurlaub waren 6 Wochen. Herrlich.

Aber zu Deinem Thread. Habe den gestern genüsslich mir auf dem Tablet als Abendlektüre gegönnt. Und werde den die kommenden Tage immer wieder mal gönnen um noch paar Querlesungen zu machen. Nochmals Danke für Deine Mühe und den vielen interessanten Text und Hintergrund. Ich freue mich auf jedenfalls, wenn irgendwann wieder neue Einträge dazukommen - einen Stammleser mehr hast Du schon mal.
Veritas? Quid est veritas?
Sammlung: https://roma-aeterna.de/

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Mi 03.11.21 15:40

Der Tempel des Divus Augustus

Augustus verwandelte das republikanische Forum Romanum in eine Zone repräsentativer Grossbauten, die ihrer Gesamtheit eine Kette architektonischer Rauminszenierungen bildeten. So war es nur recht und billig, dem Kaiser selbst einen Tempel zu errichten. Der Bau wurde kurz nach dem Tod des Kaisers im Jahr 14 n.Chr. vom Senat abgesegnet und unter Tiberius sowie wahrscheinlich der Witwe des Augustus, Livia Drusilla durchgeführt. Tiberius sollte die Fertigstellung jedoch nicht mehr erleben, und so wurde der Tempel erst 37 n.Chr. in den letzten beiden Augusttagen von Caligula eingeweiht. Nach Angaben des Historikers Cassius Dio waren die von Caligula angeordneten Gedenkveranstaltungen außerordentlich extravagant. Ein zweitägiges Pferderennen fand zusammen mit dem Abschlachten von 400 Bären und „einer gleichen Anzahl wilder Tiere aus Libyen“ statt, und Caligula verschob alle Gerichtsklagen und setzte alle Trauer aus, „damit niemand eine Entschuldigung für die Nichtteilnahme haben sollte“.Die Pracht und der Zeitpunkt der Gedenkfeiern waren ein sorgfältig kalkulierter politischer Akt; August war nicht nur der Monat, in dem der verstorbene Kaiser gestorben war (und der nach ihm benannt wurde), sondern der Höhepunkt der Feierlichkeiten ereignete sich an Caligulas Geburtstag. Die Kombination dieser Ereignisse habe betont, dass Caligula als Augustus’ direkter Nachkomme erscheinen wollte. Unter Claudius wurde später noch eine Statue der Livia neben der Statue des Augustus im Inneren des Tempels errichtet.


DSC_1939.jpg
DSC_1940.jpg
(Statue des Augustus - Museo Palazzo Altemps / Rom)


Der Tempel wurde zwischen dem Palatin und dem Kapitolinischen Hügel hinter der Basilika Julia an der Stelle des Hauses errichtet, das Augustus bewohnt hatte. Der genaue Ort ist wie seine physikalische Grösse nicht bekannt; in diesem Teil am Rade des Forum Romanums wurden keine umfangreichen Grabungen durchgeführt, und oberirdische Reste sind nicht mehr vorhanden. Nur von den Münzbildern weiss man, dass der Tempel ursprünglich als ionischer Hexastylos errichtet wurde.


Map_of_downtown_Rome_during_the_Roman_Empire_large.jpg
(Die vermutete Lage)


Bekannt ist, dass er während der Regierungszeit des Domitian durch einen Brand zerstört und 89/90 n.Chr. wieder aufgebaut wurde. Antoninus Pius liess den Tempel Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. restaurieren, wovon die nachfolgende Münzen zeugen, die 158/159 n.Chr. geprägt wurden. Auf ihrer Rückseite zeigt sie die achtsäulige Tempelfront, an den beiden äusseren Säulen steht je eine Victoria. Im Giebel mittig die stehende Figur des Kaisers flankiert von zwei nicht näher bestimmbaren Gestalten. Auf dem Giebel thront eine Triumphalquadriga. Auf den Giebelecken zwei weitere Figuren, die links Romulus und rechts Aeneas darstellen, der seine Familie aus Troja herausführte, womit auf Roms Ursprungsmythos angespielt wurde. Die Stufen des Tempels werden von zwei Trophäenstatuen flankiert. Im Inneren des Tempels finden sich die Standbilder des Augustus und der Livia.


P1230818.jpg
Antoninus Pius
Sesterz
Rom
158/159 n.Chr.
Av.: Belorbeerte Büste n.r. - ANTONINVS AVG - PIVS PP TRP XXII
Rev.: Achtsäulige Tempelfront, darin mittig zwei Kultstatuen des Augustus und der Livia. Giebel figürlich verziert - TEMPLVM DIV AVG REST / S-C // COS IIII
24,37 Gr.
RIC 1004


P1230825.jpg
Antoninus Pius
Denar
Rom
158/159 n.Chr.
Av.: Belorbeerte Büste n.r. - ANTONINVS AVG - PIVS PP TRP XXII
Rev.: Achtsäulige Tempelfront, darin mittig zwei Kultstatuen des Augustus und der Livia. Giebel figürlich verziert - TEMPLVM DIV AVG REST / COS IIII
3,25 Gr.
RIC 290a


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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von kiko217 » Mi 03.11.21 22:04

Diesen Tempel hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm. Danke für deinen lehrreichen Artikel, der mich sehr interessiert hat!

Kiko

Perinawa
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Do 04.11.21 14:44

Die Rostra

Zu den bedeutendsten Stätten kommunalen Lebens im alten Rom gehörte die Rostra. Wie alle Rednertribünen der klassischen Antike sollte das erhöhte Podium zunächst einmal den agierenden Protagonisten über seine Umgebung hinaus erheben. Diese exponierte Position war die Voraussetzung, dass der Redner bei seiner Ansprache überhaupt von einem grösseren Zuhörerkreis wahrgenommen werden konnte; sowohl akustisch als auch optisch. Die Rostra galt gemeinhin als Zentrum des dialektischen Diskurses und der politischen Auseinandersetzung. Der griechische Schriftsteller Dionysios von Halikarnaß beschrieb sie als "Hauptteil des Forums" (Antiquitates Romanae I 87,2), und kein geringerer als der wohl berühmteste Redner der Republik Cicero hat sie einmal als locus, ad agendum amplissimus, ad dicendum ornatissimus bezeichnet, also als "bedeutendstes Betätigungsfeld und für Reden ehrenvollste Stätte".

Die Liste der Redner, die von dieser ehrwürdigen Kanzel herab ihre Stimme zum Volk erhoben, ist lang. Hier finden sich klangvolle Namen wie der sittenstrenge Moralapostel Cato, der seine Predigten immer mit der stereotypen Floskel ceterum censea einzuleiten pflegte, oder die beiden Gracchen-Brüder, die mit wortgewaltigen Argumenten für ihre Sozialreformen eintraten. Der Matador des Forums war allerdings M. Tullius Cicero, der es meisterlich verstand, mit geistreicher Rhetorik seine Zuhörerschaft in den Bann zu ziehen. Ob es verbale Breitseiten gegen das immer selbstherrlichere Gebaren des Marcus Antonius waren, oder die Aufdeckung der kriminellen Machenschaften des Catalina waren - ein ums andere Mal spielte der begnadete Rhetorikvirtuose auf der Klaviatur der Dialektik.

Nicht jedem war es gestattet, die Stufen der Rostra zu besteigen. Die Rednertribüne war eine den Göttern geweihte Stätte (templum), und es war nur einem erlauchten Kreis der Römer erlaubt, an diesem quasi-religiösen Ort ihre Stimme zu erheben. So teilt Cicero bei seiner ersten politischen Rede vor dem Volk mit, dass er sich dem Rednerpodest wegen der auctoritas des Ortes nicht gewagt habe zu nähern (De imperio Cn. Popeii 1-2).

Die erste Rednertribüne (rostra Vetera) wurde bereits im ausgehenden 6. Jh. v.Chr. errichtet. Sie lag am nordwestlichen Ende des Forums auf dem Comitium. Nach den heutigen Verhältnissen lag sie in etwa ein paar Meter direkt vor der Curia Iulia. In der ersten Hälfte des 3. Jh. v.Chr. nahm das Comitium seine runde, ringsum mit Stufen gefasste Form an. Der Konsul Gaius Maenius liess im Jahr 338 v. Chr. Rammsporne (rostra) an der Rednertribüne anbringen. Sie stammten als Trophäen von den erbeuteten Schiffen, die die Römer im Latinerkrieg gegen die Volsker im Hafen von Antium, dem heutigen Anzio, rund 60 Kilometer südlich von Rom erbeutet hatten. Diese gaben dann auch der Tribüne ihren Namen. Leider sind die wenigen Reste, die zu wissenschaftlichen Untersuchungen freigelegt wurden, heute wieder unter dem Pflaster verborgen. Aus antiken Quellen geht hervor, dass es sich um eine halbkreisförmige Anlage aus Tuffstein gehandelt hat, deren weitausladende Terrasse man von der Rückseite her über einen konkav gekrümmten Treppenaufsatz betrat.

forum_romanum_lapis_niger_IV.jpg
(Die Reste der Rostra Vetera)


Im Zusammenhang mit dem Forumsumbau errichtete Caius Iulius Caesar unweit der alten Stelle eine neue Rednertribüne (Rostra Caesaris). Sie war Teil eines grossen Bauprogramms, das 54 v.Chr. begonnen wurde, und eine Neugestaltung des Forum Romanums einschloss. Dem archäologischen Befund zufolge nahm die neue Rostra die gerundete Form ihres republikanischen Vorgängerbaus auf. Sie war über wohl sieben Stufen von Westen zu betreten und bot eine geschwungene, zum Forum gerichtete Plattform für die Redner. An der Forumseite waren wie in republikanischer Zeit die Schiffsschnäbel von Antium angebracht. Statuen des Sulla und des Pompeius schmückten auf Veranlassung Caesars die Plattform; hinzu kamen Statuen von Caesar selbst, die von seinen Anhängern aufgestellt wurden.

Ein Denar des Lollius Palikanus aus dem Jahr 45 v.Chr. zeigt auf seiner Rückseite die republikanische Rednertribüne. Ob es sich nun um die Rostra Vetera oder Caesaris handelt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Das Motiv zeigt die Tribüne mit einer Reihe von Arkaden, die mit Rammspornen verziert sind, darauf steht ein Subsellium.

Rostra_klein.jpg
Palikanus
Denar
45 v.Chr.
Rom
Av.: Libertaskopf mit Perldiadem n.r. - LIBERTATIS
Rev.: Rostra, darauf Subsellum - PALIKANVS
3,98 Gr.
Cr. 473/1


Die heute noch sichtbaren Reste der Tribüne stammen aus der Zeit des Augustus, der die Rostra Caesaris im Rahmen seines umfangreichen Bauprogramms ab 29 v.Chr. grundlegend umgestaltete. Dabei erhielt der unter Caesar errichtete Neubau einen rechteckigen Vorbau, und die Front wurde wiederum mit den Rammspornen geschmückt, die man bei der Schlacht von Antium erbeutet hatte. Und noch heute kann man die Befestigungslöcher an der Rostra Augusti entdecken.

P1080549.jpg

P1030988.jpg

P1000849.jpg
(Die Rostra Augusti auf dem Konstantinsbogen - Rom)



Rostrum tridens

Dieser dreizackige Rammsporn war eine Erweiterungen des Bugs eines Kriegsschiffes. Sein Zweck war, ein gegerisches Schiff unter der Wasserlinie zu rammen, um es so manövrierunfähig zu machen oder sogar zu versenken. In der Regel waren alle römischen Kriegsschiffe damit ausgestattet. Darüber hinaus waren die erbeuteten Rammsporne gegnerischer Schiffe begehrte Trophäen, die öffentlich zur Schau gestellt wurden. Sie wurden nicht nur an Siegessäulen (Columnae Rostratae) angebracht; auch die Rednertribünen wurden mit ihnen verziert. Hier unterstrichen sie nochmals die Sieghaftigkeit des römischen Reiches und damit letztendlich aber auch Wichtigkeit und Wortgewalt des Redners, der gerade von der Tribüne aus seine Zuhörerschaft in Brand zu stecken suchte.


P1060855.jpg
(Relief aus der Zeit des Augustus - Museo Palatino / Rom)

So ist es nicht verwunderlich, dass die Rammsporne auch zahlreich auf den Münzen verewigt wurden. Die Bronzeprägungen der frühen Republik zeigen auf ihrer Rückseite einen Schiffsschnabel (Prora) mit einem Rammsporn, darüber hinaus wurde ein Rostrum tridens auch als Beizeichen verwandt, wie beispielsweise auf einer republikanischen Münzserie von 206 - 195 v.Chr..

P1230823.jpg
"Rostrum tridens"
As
206 - 195 v.Chr.
Rom
Av.: Januskopf mit Lorbeerkranz - Wertzeichen I
Rev.: Prora n.r., darüber Rostrum tridens - Wertzeichen I
22,54 Gr.
Cr. 114/2


Leider haben sich nur wenige Rammsporne erhalten und den Weg in die Museen gefunden. Viele liegen noch unter meterhohen Ablagerungen auf dem Meeresgrund verborgen, und diejenigen, die an den Säulen und Rednertribünen montiert waren, sind im Laufe der Jahre beim Zerfall der Bauwerke eingeschmolzen worden. Vor wenigen Jahren habe ich im Rahmen der Sonderausstellung "Mare Rostrum" in einem winzigen Museum in Erice / Sizilien einen solchen Rammsporn entdecken können. Er stammt aus der Seeschlacht von Egadi zwischen den Flotten aus Karthago und der römischen Republik, somit aus dem ersten punischen Krieg. Weitere Exemplare in stadtrömischen Museen sind jedenfalls mir nicht bekannt.

P1050400.jpg
(Rostrum tridens aus der Schlacht von Egadi - Polo Museale Antonio Cordici / Erice)


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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von kiko217 » Fr 05.11.21 11:48

Rainer, du verwöhnst uns!

Vielen Dank für deinen neuen Artikel über die rostra. Dieses Thema „Die Bauten Roms…“ finde ich eigentlich am schönsten - und du trägst seit Tagen federführend dazu bei!

Kiko

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von didius » Fr 05.11.21 12:12

kiko217 hat geschrieben:
Fr 05.11.21 11:48
... und du trägst seit Tagen federführend dazu bei!
Seit Jahren muss man sagen - durch Reiner ins Leben gerufen vor fast genau 2 Jahren
Ein ganz großes Dankeschön dafür!
Daniel

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Fr 05.11.21 12:55

Vielen Dank, ihr lieben, für die Blumen.

Ich habe gesehen, dass ich doch einiges "aufzuholen" habe. Und im Moment ist etwas Zeit dafür. Zugegeben habe ich mich vor der Rostra etwas gedrückt, weil es da so viele Quellen gibt, die ich zusammenfassen wollte. Super bekannte Bauwerke des Forums sind natürlich auch irre gut erforscht, und da muss man aufpassen, dass man auf dem aktuellen Stand ist.

Grüsse.... und natürlich "Roma bella mi appare"
Rainer
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Altamura2 » Fr 05.11.21 13:11

Schöner Artikel, mach' da ruhig weiter :D . Vielleicht noch ein paar Ergänzungen zu den antiken Rammspornen.
Perinawa hat geschrieben:
Do 04.11.21 14:44
... Leider haben sich nur wenige Rammsporne erhalten und den Weg in die Museen gefunden. ...
Ein paar mehr gibt es (inzwischen) schon noch :D .

Der bekannsteste Rammsporn ist vielleicht der von Athlit, der heute im National Maritime Museum in Haifa ausgestellt ist:
http://www.learningsites.com/Athlit/AthlitRam_home.php

Um die Insel Egadi hat man inzwischen weiter gesucht und bis heute etwa zwei Dutzend dieser Rammsporne aus dem Meer gezogen:
https://rpmnautical.org/2021-egadi-fiel ... s-release/
https://rpmnautical.org/projects/egadi-islands-project/
Wie viele davon allerdings schon irgendwo öffentlich zu sehen sind, weiß ich nicht :? .

Ein weiterer Platz, an dem Rammsporne zur Schau gestellt wurden, ist das Siegesmonument zur Schlacht bei Actium:
https://actianicopolisarchaeopark.gr/en ... of-actium/
https://berlinarchaeology.files.wordpre ... s-2003.pdf
http://www.learningsites.com/Actium/Actium_home.php

Wenn man da weiter googelt, dann findet man noch viel mehr Fundstellen zu diesem Thema :D .

Gruß

Altamura

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Sa 06.11.21 10:11

Vielen Dank für die Info, Altamura.

Sicherlich ist man gerade in der Unterwasserarchäologie heute weiter als noch vor ein paar Jahrzehnten. Mich wundert nur, dass jedenfalls nach meinem Kenntnisstand nicht ein Exemplar in Rom selbst ausgestellt ist.

Grüsse
Rainer
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Altamura2 » Sa 06.11.21 12:15

Perinawa hat geschrieben:
Sa 06.11.21 10:11
... Mich wundert nur, dass jedenfalls nach meinem Kenntnisstand nicht ein Exemplar in Rom selbst ausgestellt ist. ...
Dort wurde ja auch keins gefunden :wink: .
Die Zeiten sind vorbei (zum Glück, würde ich sagen), in denen jeder halbwegs interessante Fund in der Hauptstadt abzuliefern war :D .

Außerdem wissen wir ja auch nicht, wie weit die mit der konservatorischen Aufarbeitung sind :? .

Gruß

Altamura

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Altamura2 » Sa 06.11.21 21:32

Ich hab' jetzt doch noch eine ganze Weile nach diesen antiken Rammspornen gegoogelt, ich finde die ziemlich faszinierend :D .
Dabei bin ich auch auf eine Übersicht aller bislang bekannten gestoßen: https://shiplib.org/index.php/rams-2/
(unten an der Tabelle kann man nach rechts scrollen, ist etwas seltsam gemacht :? ).

Da Egadi 22 und 23 aufgeführt sind, ist die Zusammenstellung wohl von 2020, also recht aktuell.
Bei denen von den Aegadischen Inseln steht bei "Current Location" noch nichts, die scheinen also noch keine dauerhafte Bleibe gefunden zu haben.

Gruß

Altamura

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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » So 07.11.21 08:51

Danke für den interessanten link. 33 Stück "weltweit" - also da kann man wirklich von "äusserst seltenen Exponaten" sprechen, wie ich meine.

Grüsse
Rainer
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Re: Die Bauten Roms auf römischen Münzen

Beitrag von Perinawa » Do 11.11.21 14:49

Die Ara Pacis

Der Friedensaltar ist einer der besterhaltensten Baudenkmäler Roms und sicherlich ein highlight, wenn man sich in der ewigen Stadt auf antike Spurensuche begibt. Schon die Umstände des Fundes und der mühevollen Ausgrabungen schreiben eine spannende Geschichte...

P1000818.JPG

Ein Sensationsfund
Von den antiken Geschichtsschreibern wusste man einiges rund um den Bau, doch blieben die Überreste jahrhundertelang verschollen. Als dann im 16. Jahrhundert an der Kreuzung der alten Via Flaminia und der Via Lucina der Palazzo Peretti (heute: Fiano) gebaut wurde, fand man neun Blöcke von der Umfassung des Altars. Sie gingen in den Besitz der Familie Medici über, ohne dass man wusste, was man dort ausgegraben hatte. Weitere Ausgrabungen erfolgten 1858 im Rahmen einer Fundamentsverstärkung des Palastes, und 20 Jahre später stellte man dann fest, dass es sich um die Reste des Friedensaltares handeln musste. 1903 fanden dann erste systematische Grabungen statt, die sich allerdings als problematisch erwiesen, da man das neuentdeckte Material nicht ohne weiteres aus den Fundamenten des Palastes herauslösen konnte. Erst 1937 waren dann befriedigende Ausgrabungen möglich und zwar durch den genialen Einfall, das Grundwasser zu vereisen und unterhöhlte Palastmauern mit Eisenbeton abzustützen.

Der Altar wurde neu errichtet, jedoch nicht an der Fundstelle - dort war schliesslich alles bebaut, sondern zwischen Tiber und dem Mausoleum des Augustus. Dabei mussten viele Teile rekonstruiert werden. Die Reliefs wurden zusammengefügt und an den entsprechenden Stellen eingesetzt. Teilweise müsste man sich auch mit Gipsabgüssen begnügen, da sich einige Originalteile in privater oder sonst anderweitigen Hand befanden, und noch heute sind einige Bruchstücke in der Villa Medici in Rom und im Pariser Louvre zu finden.

Heute ist die Ara Pacis in einem attraktiven Gebäude untergebracht: Im Frühjahr 2006 eröffnete das neue Museo dell’ Ara Pacis und der Neubau ersetze den alten Pavillon aus den 1930er Jahren.

P1000814_ii.JPG

Der Kaiser als Friedensstifter
Augustus wollte nicht nur ein goldenes Zeitalter einläuten, sondern auch dessen Friedenskaiser sein. So war es ganz in seinem Sinne, wenn der Senat eine Ara Pacis Augustae, einen Altar der erhabenen Friedensgöttin, stiftete. Der Kaiser schrieb darüber in seinen Rechenschaftsberichten (res gestae): "Als ich aus Spanien und Gallien [...] erfolgreich nach Rom zurückkehrte, beschloss der Senat, für meine Rückkehr einen Altar der Pax Augusta auf dem Marsfeld zu weihen [...]". Die Grundsteinlegung erfolgte 13 v.Chr., die feierliche Einweihung schliesslich im Jahre 9. v.Chr.. Leider ist der Meister des Bauwerks unbekannt - vermutlich kam er aus Griechenland und war kein Italiker.

Die Ara Pacis bestand aus dem Altar selber und einem Umfassungsbau. Sie war so angelegt, dass sie mit ihrer Front zum Marsfeld hin stand, und ihre Rückseite zur höher gelegenen Via Flaminia gewandt war. Wegen des unterschiedlichen Niveaus wurde an der Frontseite eine Freitreppe zur Tür angelegt, und auch der Altar ruhte wiederum auf einem Unterbau mit Stufen. Der Altar war reich mit Reliefdarstellungen auf den Friesen geschmückt; abgebildet sind u.a. eine Prozession von sechs Vestalinnen, die von Liktoren, Priestern, Opferdienern und -tieren begleitet werden.

P1000829.JPG
(Friesdarstellung - Ausschnitt)


Der Umfassungsbau selbst ist ebenfalls reich verziert. In seiner oberen Zone an den Aussenseiten finden sich Figurenreliefs, die zu den hervorragendsten Werken der römischen Plastik gehören. Diese der Vorder- und Rückwand sind auf Allorgien und Mythen bezogen.

Rechts neben der Eingangtür sieht man den bärtigen Aeneas, wie er bedeckten Hauptes an einem ländlichen Altar den Penaten opfert. Jugendliche Camilli bringen eine Opferschale mit Früchten und bringen eine Sau heran. Diese Darstellung spielt auf die Herkunft der Kaiserfamilie an, denn das julische Haus sieht ja den von Venus geborenen Aeneas als seinen Stammvater an. Leider sind einige Teile des Reliefs vom Zahn der Zeit angenagt worden.

P1000819.JPG


Dagegen präsentiert sich das Motiv auf der linken Seite der Rückfront in bester Erhaltung. Hier erscheint Italia in ihrer Rolle als Erdgöttin Tellus. Sie sitzt als "Gebärende von Männer und Früchten" inmitten einer fruchtbaren Natur von Pflanze und Tieren und hält zwei Kinder auf ihren Armen. Flankiert wird sie von zwei Gestalten mit aufgewehtem Schleier, als Attribute erkennt man einen Schwan und ein Seeungeheuer. Und in diesem Reichtum der Tellus-Italia spiegelt sich das goldene Zeitalter wieder, das der Kaiser versprach.

P1000824.JPG



Das "who is who" der römischen Elite

Die Reliefs der Längswände stellen ein besonderes historisches Ereignis dar: die Prozession bei der Grundsteinlegung im Jahre 13 v.Chr.. An der rechten Längswand ist die Gruppe des Kaisers und seines Hauses festgehalten, an der linken die der Senatoren. Leider ist von der ersteren der Anfang zum grossen Teil zerstört, doch glücklicherweise ist uns der Kaiser selbst noch recht gut erhalten geblieben. Es folgen Togati, Priester und Opferdiener und schliesslich die Mitglieder des kaiserlichen Hauses. Man kann Agrippa und Livia mit ihrem Sohn Tiberius ausmachen, dann dessen Bruder Drusus mit seiner Gemahlin Antonia minor, deren Sohn Germanicus und schliesslich Domitius Ahenobarbus mit Antonia major, Domitia und Domitius. Nach neueren Erkenntnissen könnte eine der Figuren auch den berühmt berüchtigen Varus darstellen.

P1000821.JPG
P1000820.JPG

In der Form ist die Komposition der Reliefs so angelegt, dass sie in zwei - an einigen Stellen sogar drei - Schichten aufweisen, also Hoch-, Halb- und Flachrelief miteinander vereinigen. In ganz eigener Weise spiegeln diese Darstellungen staatlich-kaiserliche Repräsentation wider und prägen jenen Stil, den man deshalb "augusteisch(-römisch)" genannt hat.


Der Altar im Münzbild
Erstmalig unter Tiberius fand die Ara Pacis Einzug in die Münzprägung. Hierbei handelt es sich um seltene Bronzeprägungen (Orichalkum-Münze des Tiberius - Ashmolean Museum in Oxford (Weinstock 1960, Taf. 5, 18).

In der neronischen Zeit ab 64 n.Chr. folgte dann eine rege As-Prägung mit dem rückseitigen Motiv des Altars; die entsprechende Legende ARA PACIS verwies dabei unmissverständlich auf die korrekte Zuweisung.

Münzen mit ganz ähnlicher Abbildung wurde letztendlich noch unter Domitian geprägt. As-Prägungen aus den Jahren 84/85 n.Chr. lehnen sich in ihren Darstellungen eng an die Ausgaben der Vorgänger an, jedoch lautet die begleitende Legende SALVTI AVGVSTI. Aufgrund der starken Übereinstimmungen der Münzbilder nebst der Tatsache, dass es keinerlei Nachweise für die Existenz eines Altares der Salus gibt, geht man davon aus, dass hier ebenfalls die Ara Pacis abgebildet ist. Für die Ideen des Staates waren Pax und Salus eng verknüpft; letztere als politische Idee des imperialen Wohlergehens, erstere als Personifikation des Friedens.

Dargestellt ist die Umfassungsmauer des Altars, die auf den meisten Prägungen reduziert wiedergegeben wird. Für das Münzbild wurde die Ost- bzw. Westseite gewählt, dabei werden Bauwerksbestandteile wie Sockel, Umfriedung und Dachbekrönung nur angedeutet, aber nicht in filigraner Detailgenauigkeit abgebildet. Und auch die doppelflügelige Tür erfuhr vielerlei Gestaltung in Form von Türringen bzw. Zierknöpfen. Entscheidend war hierbei nicht das tatsächliche Aussehen des Bauwerkes auf den Münzen, sondern seine fulminante Charakterisierung.

P1230828.jpg

Domitianus
As
85 n.Chr.
Rom
Av.: Belorbeerte Büste mit Aegis n.r. - IMP CAES DOMIT AVG GERM COS XI CENS PER P P
Rev.: Ara Pacis - SALVTI AVGVSTI - S / C
11,10 Gr.
RIC 304b


Roma bella mi appare
Rainer
Zuletzt geändert von Perinawa am Do 11.11.21 21:54, insgesamt 3-mal geändert.
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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