Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Numis-Student » Mi 29.07.20 19:55

andi89 hat geschrieben:
Mi 29.07.20 19:42
@richard55-47: Weil es von bestimmten Kombinationen halt nur ein paar (wenn überhaupt) gibt. Und dann muss die Münze ja auch noch verfügbar, also nicht in der Erde liegend sein. Bei Provinzmünzen ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass gänzlich unbekannte Rückseiten oder Münzen eines Kaisers angeboten werden, die aus dieser Stadt bisher völlig unbekannt waren. Hat nichts mit Blindheit sondern mit Verfügbarkeit zu tun. Und ja, auch bei Reichsrömern kommen immer wieder unedierte Stücke vor.
Die Verfügbarkeit betrifft ja nicht nur die Münzen, die noch unentdeckt in der Erde liegen, das betrifft genauso zahlreiche Münzen, die in Privatsammlungen liegen. Selbst eine Publikation in Sammlerzeitschriften, archäologischen Blättchen oder althistorischen Heftchen wird nicht unbedingt von wissenschaftlichen Numismatikern wahrgenommen, bzw. in einigen Jahren/Jahrzehnten gefunden, wenn ein entsprechendes Standardwerk geschrieben wird.

MR

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richard55-47
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von richard55-47 » Mi 29.07.20 20:05

Okay, ich sage ja nicht, dass alles falsch ist, was soeben dem Boden entrissen wurde. Bestes Beispiel "PROPAGATOR ORBIS" des Gallienus. Ich habe die zur Diskussion gestellte Münze auch nicht als falsch bezeichnet, sondern nur gesagt, dass sie falsch sein kann. Sie muss also nicht falsch sein. Ich wollte nur Zwergs Argument, dass immer neue,also unbekannte Stücke auftauchen, relativieren. Auch meine Verdachtsmomente "Laie", "Keine Ahnung", "aus Nachlass" sind kein Nachweis für eine Weißwaschung. Genauso gut kann der Anbieter sich nur davor schützen wollen, als wissentlicher Fälschungsanbieter angesehen zu werden, während die angebotenen Münzen tatsächlich echt sind. Leute, wenn ich meine Münzen anbiete, stehe ich für sie gerade. Da brauche ich keine unausgesprochene Einschränkung "Kann auch falsch sein". Da schreib ich "Titus" und nicht "Titus?". Und wenn ich eine (offensichtlich neuentdeckte) Münze anbiete, tu ich das nicht auf ebay. Da gehe ich zum Fachmann. Zu ebay kann ich immer noch gehen.
do ut des.

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von richard55-47 » Mi 29.07.20 20:13

Und noch was: Die Münze kommt aus einem Nachlass. Der Erblasser muss sie irgendwann irgendwo gekauft, erhalten haben. Keiner hat früher davon Kenntnis gehabt/genommen, auch der Vorbesitzer des Erblassers hat sie nicht als Unikat wahr genommen. Sorry, wenn ich ein so tolles Stück irgendeinem aus den Rippen schwätzen kann, steht das einen Tag später in einschlägigen Medien. Und nicht erst dann, wenn mein Erbe das Ding loswerden will.
do ut des.

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Numis-Student » Mi 29.07.20 20:53

Du bist aber ein schlechtes Beispiel ;-)

Du bist interessierter Sammler, der sich mit anderen austauscht.

Ich kenne Sammler / Sucher, die finden ein Stück, oder kaufen es auf einer Münzbörse... Dann wandert es in eine Schachtel zu den anderen "Münzen der Flavier". Und der Sohn, der die letzten 40 Jahre sich nie für die Sachen interessiert hat, googelt dann einmal, findet was ähnliches und will die Münze entweder bei eBay verscheppern (wenn er eine häufige Rückseite in schwacher Qualität als ersten Treffer gefunden hat) oder rennt zum nächsten Auktionshaus (wenn er als ersten Treffer ein CNG-Topstück in vz+ von feinstem Stil für 3800$ hatte).

Ob da TR P VII oder TR P VIII steht, FIDES PVBLIC oder FIDES PVBLICA, das fällt entweder gar nicht auf, oder wird nicht hinterfragt.

MR

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Zwerg » Mi 29.07.20 21:21

Numis-Student hat geschrieben:
Mi 29.07.20 20:53
Ob da TR P VII oder TR P VIII steht, FIDES PVBLIC oder FIDES PVBLICA, das fällt entweder gar nicht auf, oder wird nicht hinterfragt.
Die Spezialisten finden das!
Das ist aber entweder akademisch - oder man prügelt sich um einen vergessenen Buchstaben
Das erinnert mich dann sehr an "Euro-Fehlprägungen"

Wichtig ist, daß das Prägegerüst steht
Abweichungen kann man einordenen

Netten Abend noch
Klaus
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von jschmit » Mi 29.07.20 21:51

https://www.ebay.com/itm/383652297040

Ich unterbreche mal kurz :D bekanntermaßen besitze ich die Augustushälfte und möchte gerne die andere ;) jetzt hab ich eine gefunden und könnte sie für 170 inkl Versand haben. Was gibts auszusetzen? ;)

Lg Joel

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Rollentöter » Do 30.07.20 08:35

jschmit hat geschrieben:
Mi 29.07.20 21:51
https://www.ebay.com/itm/383652297040

Ich unterbreche mal kurz :D bekanntermaßen besitze ich die Augustushälfte und möchte gerne die andere ;) jetzt hab ich eine gefunden und könnte sie für 170 inkl Versand haben. Was gibts auszusetzen? ;)

Lg Joel
Ist der Link korrekt?
Gruß

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von jschmit » Do 30.07.20 08:37

Ja, warum? ;)

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Rollentöter » Do 30.07.20 09:18

jschmit hat geschrieben:
Do 30.07.20 08:37
Ja, warum? ;)
No longer available.
Gruß

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von jschmit » Do 30.07.20 09:23

Rollentöter hat geschrieben:
Do 30.07.20 09:18
jschmit hat geschrieben:
Do 30.07.20 08:37
Ja, warum? ;)
No longer available.
Achso, ja. Wir haben uns heute auf 165inkl Versand geeinigt. Was ganz okay ist, da mir die Hälfte halt gefehlt hat.
Damit erübrigt sich meine Frage dann auch. Letztendlich habe ich vielleicht 20 zuviel bezahlt aber damit kann ich leben ;)

Edit: es ist in dem Sinne auch nicht die fehlende Hälfte da RPC 515 und nicht 517 aber da kann ich drüber wegschauen, Caesar hat ja auch eher gefehlt ;)


Lg Joel
Zuletzt geändert von jschmit am Do 30.07.20 10:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von jschmit » Do 30.07.20 10:44

Ach irgendwann hab ich das mit dem Bearbeiten raus..
Bitte löschen, danke :D

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von richard55-47 » Do 30.07.20 18:11

@Numis-Student:
Unbestritten deine Aussage
"Ich kenne Sammler / Sucher, die finden ein Stück, oder kaufen es auf einer Münzbörse... Dann wandert es in eine Schachtel ...."
Das klingt, soweit ein bisher unbekannter Münztyp gefunden worden ist, äußerst plausibel. Aber falls er auf einer Münzbörse gekauft worden ist, sieht die Sache doch schon anders aus. Da kann ich dir nicht folgen. Auf Münzbörsen sitzen Profis oder zumindest autodidaktisch gut gebildete Halbprofis zumindest auf der Anbieterseite. Denen entgeht nicht, ob sie eine Besonderheit haben, allein schon wegen des erzielbaren Preises passen die höllisch auf, dass sie nicht ein Ringeltäubchen für kleines Geld aus der Hand geben. Auch kann ich mir lebhaft vorstellen, dass das erkannte Ringeltäubchen auch der Wissenschaft, zumindest aber einem einschlägigen Diskussionskreis wie diesem Forum vorgestellt wird.
Ob dieser bisher unbekannte Münztyp wo, wann, wie, legal, illegal etc. gefunden worden ist oder auf einer Münzbörse gekauft wurde, verrät er leider nicht. Ersteres würde die Antikenbehörden eines jeden Staates allerdings sehr interessieren.

Natürlich ist es möglich, dass deine Aussage hinten und vorne richtig ist. Ich kann sie nur nicht zu 100% akzeptieren. Natürlich kann der Titus echt sein. Ich habe nur meine diesbezüglichen Bedenken aufzeigen wollen. Bei Angeboten, deren Text Worte wie "aus Nachlass", "keine Garantie für Echtheit", "keine Ahnung von der Materie" oder den absoluten Hammer "Dachbodenfund" enthalten, gehe ich von mangelnder Seriosität aus. Kann falsch sein. Warum nicht?
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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Numis-Student » Do 30.07.20 21:20

Hallo,

auf Münzbörsen sitzen AUCH Profis, aber genauso gut Experten für zB "Deutsche Münzen ab 1871", die mit einem Römer oder Mittelalterpfennig wenig anfangen können (Bei einem solchen habe ich vor über 10 Jahren einen Pfennig aus Magdeburg erworben, der noch unpubliziert ist...). Oder Sammler, die auf Auktionen große Lots ersteigern, einige Stücke behalten und mit dem Rest das Hobby finanzieren. Bei einem solchen habe ich meinen Pescennius Niger gekauft (er wusste, ein normaler Denar in nicht allzu guter Erhaltung kostet zwischen 300 und 500€... Eine RIC-Nr. ist zum Verkauf nicht nötig... So hatte ich das Glück, einen RIC -, BMC -, C - Denar zu bekommen, von dem ich neben meinem nur ein weiteres Exemplar kenne (Künker ?)). Oder Sucher, die ihre Funde nur grob kategorisieren: Ein Septimius Severus kostet 20€ (und der seltene Familiendenar mit 2 Portraits auf der Rückseite: 3 Köpfe = 60€ :roll: :lol: ).
So etwas passiert gern auf kleineren Börsen, nicht unbedingt auf den großen Numismatas/world Money fairs (da sind die hohen Tischmieten nur für größere, gewerbliche Händler interessant). Natürlich gibt es keine Garantie, dass das bei jeder Börse klappt :D

Schöne Grüße
MR

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Numis-Student » Do 30.07.20 21:30

richard55-47 hat geschrieben:
Do 30.07.20 18:11
@Numis-Student

Natürlich ist es möglich, dass deine Aussage hinten und vorne richtig ist. Ich kann sie nur nicht zu 100% akzeptieren. Natürlich kann der Titus echt sein. Ich habe nur meine diesbezüglichen Bedenken aufzeigen wollen. Bei Angeboten, deren Text Worte wie "aus Nachlass", "keine Garantie für Echtheit", "keine Ahnung von der Materie" oder den absoluten Hammer "Dachbodenfund" enthalten, gehe ich von mangelnder Seriosität aus. Kann falsch sein. Warum nicht?
Natürlich... Diese Reizworte rufen schon gewisse Erwartungen hervor. In diesem speziellen Fall scheint die Münze aber ok zu sein, denke ich.
Prinzipiell gebe ich Dir recht, Dachbodenfund und eBay würde ich in der Regel eher meiden als kaufen :wink:

MR

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Re: Einschätzung von Ebay- und ähnlichen Angeboten

Beitrag von Numis-Student » Sa 01.08.20 10:06

viewtopic.php?f=90&t=36068&start=3870#p519433

Ein aktueller Fang von Frank...

Lanz als irgendwo klassisches Idealbild des Händlers/Auktionators, seit Jahrzehnten im Geschäft, also sicher autodidaktisch ausgebildeter Halbprofi, wenn nicht sogar Profi ;-)

Und trotzdem gibt es dort einen unpublizierten Gallienus für 18€. Warum ? Weil ein Gallienus nur 10-20€ bringt, ein genaues wissenschaftliches Zitat mehr Zeit=mehr Geld kostet, als es zusätzlichen Gewinn einbringt.
Also gibt es entweder nur eine Kurzbeschreibung, oder ein solches Stück landet in der Wühlkiste oder einem größeren Lot.

Natürlich, wäre es ein spektakulärer neuer Rückseitentyp mit Collosseum, Triumphbogen, Liberalitas-Szene oder Schlachtdarstellung, sähe es anders aus ;-) Aber eine stehende/sitzende Standardgottheit ???

Schöne Grüße
MR

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