Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 26.12.21 17:46

silber_denar_marcus_antonius.jpg


Münze:
Marcus Antonius LEG VIII 32/31 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,38g
Münzstätte: Feldmünzstätte, wahrscheinlich Patrae
Erhaltung: EF-
Rare: –
Provenienz: Jean Elsen, Brüssel, 10.12.2021
Referenz: Crawford RRC 544/21

Avers:
Zu sehen ist eine nach rechts fahrende Kriegsgaleere mit Ruderer und einem gebundenen Zepter am Bug. Die Inschrift lautet: ANT AVG III VIR R P C.

Die Vorderseite zeigt eine fahrende Kriegsgaleere mit den Köpfen der Ruderer, die über der Seite sichtbar sind. Der Bug und die Heckpfosten sind verziert, und ein mit einer Schleife gebundenes Zepter steht über dem Bug. Am Bug befindet sich ein dekorativer Galionskopf (in Form eines Krokodils?) und darunter die dreiteilige Ramme (Rostrum), welche zum Versenken feindlicher Schiffe verwendet wurde.

Die Galeere als Typus auf römischer Münzprägung reicht fast bis zu ihren Anfängen zurück. Es ist jedoch normalerweise nur der Bug der Galeere zu sehen. Die komplette Galeere als umgekehrter Typ erscheint erstmals auf einem Denar des Gaius Fonteius (RRC 290/1) aus dem Jahr 114 oder 113 v.Chr. Die ‎‎Gens‎‎ Fonteia stammte aus Tusculum. Laut Crawford ist das Schiff als Hinweis auf den Gründer dieser Stadt, Telegonus, den Sohn von Odysseus und Circe, zu sehen, welcher von der anderen Seite der Meeres nach Italien kam.‎

silber_denare_fonteius_cerco_fonteius.jpg
Silberdenare des Gaius Fonteius, Quintus Lutatius Cerco und Manius Fonteius

Die nächste Darstellung einer Galeere erschien im Jahr 109 oder 108 v.Chr. auf einem Denar von Quintus Lutatius Cerco (RRC 305/1), welche er als ‎‎Quästor‎‎ prägte. Seine Wahl der Galeere als Rückseite für seine Münzen bezieht sich auf den Sieg seines Vorfahren Gaius Lutatius Catulus in der Seeschlacht vor den Ägäischen Inseln, welche die karthagischen Seestreitkräfte effektiv zerstörte und den Ersten Punischen Krieg beendete. Ein anderer Verwandter, Quintus Lutatius Catulus, kandidierte 107 v.Chr. für das Konsulat und dürfte von dieser positiven Propaganda profitiert haben.

Die für eine lange Zeit letzte Darstellung einer Galeere erfolgte im Jahr 108 oder 107 v.Chr. durch Manius Fonteius (RRC 307/1d). Manius war wahrscheinlich ein Bruder oder Cousin des oben besprochenen Gaius Fonteius. Zu seinen Ausgaben gehört auch die Galeere als Verweis auf den Gründungsmythos der Heimatstadt Tusculum, aber seine Münzen sind bemerkenswert für einen frühen, wenn auch nicht ganz erfolgreichen Versuch, das Schiff aus einer Dreiviertelperspektive darzustellen.‎

Populär wurde die Abbildung der Galeere wieder unter der Münzprägung des Sextus Pompeius, Sohn des Gnaeus Pompeius Magnus. Sextus Pompeius Macht basierte vor allem auf die Stärke seiner Marine und Seestreitkräfte und seine Münzen sind reich an Bildern der Seekriegsführung. Die erste Münze wurde von Quintus Nasidius (RRC 483/2) im Auftrag von Sextus aus einer Münzstätte ausgegeben, die sich mit ihrer Flotte bewegte. Es zeigt die Galeere unter vollen Segeln mit einer stehenden Figur im Bug, vielleicht Sextus, die den Weg weist. Die letzte Münze einer ganzen Gruppe wurde von Sextus Pompeius in Sizilien geprägt (RRC 511/4a) und zeigt auf der Vorderseite eine Galeere, die am Leuchtturm ‎‎(Pharus)‎‎ von Messana vorbeirudert, der von einer Neptunstatue überragt wird. Das Schiff trägt einen Legionsadler‎‎ (aquila) ‎‎im Bug, während der Heckpfosten mit einem Dreizack und einem mit einem gebundenen Zepter verziert ist.‎

silber_denare_nasidius_pompeius_antonius.jpg
Silberdenare des Quintus Nasidius, Sextus Pompeius und Marcus Antonius

Die Abbildung der Kriegsgaleere auf der Vorderseite dieses Denars ist eine Huldigung an die Seestreitkräfte, die Darstellung der Rückseite mit dem Legionsadler und den Standarten eine Huldigung an die Landstreitkräfte des Marcus Antonius.

Die Inschrift ANT AVG III VIR R P C wird übersetzt in Antonius (ANT) Augur (AVG) Triumvir (III VIR) Rei (R) Publicae (P) Constituendae (C) – Marcus Antonius, Augur, einer der drei Männer zur Wiederherstellung der Republik.

Revers:
Zu sehen ist ein Legionsadler zwischen zwei Bannern. Die Inschrift lautet: LEG VIII.

Der Legionsadler und die Standarten der Legion auf der Rückseite der Münzen von Antonius sind einzeln als Merkmale vieler vorherigen Münzenausgaben mit militärischen Motiven erschienen. Die spezifische Anordnung – der Adler links und rechts flankiert von den Standarten – scheint jedoch auf den Münzen zu beruhen, welche auf Anordnung des Senats in Massalia (Marseille) von Gaius Valerius Flaccus geprägt wurden (RRC 365/1b). Im Jahr 82 v.Chr. kämpfte Flaccus in Gallien und Spanien und benötigte Geld, um seine Truppen zu bezahlen. Er erhielt die Erlaubnis Münzen zu prägen, wahrscheinlich aus dem Silber, welches vom Feind erbeutet wurde. Die abgebildeten Standarten sind interessant, da sie ‎‎mit H‎‎ (Hasti) und ‎‎P (Principes),‎‎ den ersten beiden Rängen einer römischen Legion, beschriftet sind. ‎

Diese Rückseitendarstellung wurde 49 v.Chr. wiederverwendet, als Gnaeus Nerius als ‎‎Quästor urbanus s‎‎eine Sonderausgabe von Münzen anfertigte (RRC 441/1), wahrscheinlich als Reaktion auf ein militärisches Ereignis (Caesars Marsch auf Rom). Dieser Münztyp ist ungewöhnlich, da sie auf der Rückseite mit den Namen der jährlichen Konsuln Lucius Lentulus und Gaius Marcellus datiert sind (Crawford). Diese Münze ist von historischem Interesse und vielleicht von einiger Brisanz, da sie die letzte pompejanische Ausgabe aus der Münzstätte Roms ist, bevor sie nach Griechenland flohen. Indem Gnaeus Nerius die Konsuln dieses Jahres, Lucius Lentulus und Gaius Marcellus benennt, erinnert er, wer von Rechtswegen das Sagen hat, nachdem diese ordnungsgemäß im traditionellen republikanischen Modus gewählt wurden. Damit identifiziert er Iulius Caesar als Usurpator. ‎

silber_denare_flaccus_nerius_octavian_gracchus.jpg
Silberdenare des Gaius Valerius Flaccus, Gnaeus Nerius, Gaius Octavius und Tiberius Sempronius Gracchus

Antonius Rivale Octavian war ebenfalls bestrebt, diese Ikonographie zur Unterstützung seiner militärischen Ambitionen zu übernehmen. Nach seinem und Antonius Sieg gegen die Caesarmörder Brutus und Cassius und derern Anhänger in der Schlacht von Philippi im Jahr 42 v.Chr. prägte Octavian eine Ausgabe von ‎‎Denaren‎‎, welche dieses Bild des Legionsadlers zwischen zwei Standarten entlehnten. Da diese Ausgabe an den Sieg erinnert, wird der Adler von einer militärischen Trophäe überragt (RRC 497/3). Die Buchstaben ‎‎S C‎‎ beziehen sich auf den ‎‎senatus consulto‎‎ oder „Beschluss des Senats“, durch den Octavian militärische Autorität erlangt hatte und nicht auf eine offizielle Genehmigung zur Münzprägung. Die Vorderseite verrät mehr über Octavian zu dieser Zeit: Der Name ‎‎CAESAR‎‎ ist sein Adoptionsrecht als Erbe von Gaius Julius Caesar. Der Titel ‎‎III R P C‎‎, der für die überkonstitutionelle Position warb, die er mit Antonius und Lepidus teilte und von der er sich später als Kaiser distanzieren sollte und das Bild des Mars, dass den Krieg verkörpert, den er entfesselte, um sich in der politischen und verfassungsmäßigen Position zu etablieren, welcher er als Nachfolger des großen Cäsar beanspruchte. ‎

Der letzte Vorläufer ist ein Denar des designierten ‎‎Quästors‎‎ Tiberius Sempronius Gracchus (RRC 525 var.). Geprägt im Jahr 40 v.Chr. um die Ansiedlung von Veteranen nach dem Perusinischen Krieg zu finanzieren – ein bemerkenswerter früher Sieg für Octavian über die Truppen, welche Antonius treu ergeben waren. Die Münzen weisen eine neuartige Variation des inzwischen traditionellen Designs auf und ersetzen die zweite Standarte durch einen Pflug, der zur Markierung der zeremoniellen Grenzen von Siedlungen verwendet wird und eine ‎‎Decempeda‎‎ (Messstange), welche zur Vermessung von Standorten verwendet wurde. Ebenso faszinierend sind die Vorderseiten, die entweder ein Porträt des inzwischen vergötterten Iulius Cäsar oder des Sohnes des vergötterten Iulius (‎‎DIVI IVLI F‎‎), des jugendlichen Octavian zeigen.‎

Die Inschrift LEG VIII auf diesem Exemplar identifiziert die achte Legion des Marcus Antonius.

Die Abbildung des Legionsadlers und den Standarten ist eine Huldigung und Ehrung an die Landstreitkräfte des Marcus Antonius, die Galeere auf der Vorderseite der Münze ehrt seine Seestreitkräfte.

Bei der Nummerierung der Legionen ist allerdings zu beachten, dass oftmals die Truppen unter einem Heerführer aufgelöst und später komplett neu oder aus Teilen der Veteranen wieder aufgestellt wurden. Auch nummerierten die Heerführer ihre Legionen nach eigenem Belieben neu. So hat die hier erwähnte LEG VIII des Marcus Antonius nichts mit der LEG VIII des Gaius Iulius Caesar zu tun oder der ebenfalls existenten LEG VIII des Octavian, welche im Jahr 31 v.Chr. bei Actium gegen Marcus Antonius kämpfte.

Diese antonianische Legion LEG VIII scheint aufgelöst worden zu sein und ihre Truppen zogen sich entweder zurück oder fusionierten mit Octavians Legionen, nachdem dieser die Armeen nach seinem Sieg bei Actium reformiert hatte.‎ Weitere Informationen zu den Legionen des Marcus Antonius finden sich auch hier: http://romanpaulus.x10host.com/minorstu ... inage.html

Hintergrund:
Zu den häufigeren Münzen des Marcus Antonius gehört dieser hier vorgestellte Typus eines sogenannten Legionsdenar, welcher neben einem Legionsadler zwischen zwei Standarten auch die Nummern der entsprechenden Legion trägt. Die Bestimmung dieser Prägungen, ob zur Besoldung der Soldaten oder als Memorablien, ist noch nicht eindeutig geklärt. Diese Denare erfreuten sich später im gesamten Reich einer sehr großen Beliebtheit. Die knappe Legierung, aus der diese Denare stammen, machte sie für das Horten unattraktiv. Dies löste Greeshams Gesetz aus (schlechtes Geld vertreibt gutes Geld). Es bedeutet, dass Münzen von geringem innerem Wert im Umlauf blieben und die Menschen versuchten, sie loszuwerden, indem sie sie ausgaben, da sie (zumindest theoretisch) einen Nennwert hatten, der denen mit hohem Silbergehalt entsprach. Durch die lange Zirkulation bis ins 2. Jahrhundert n.Chr. sind viele erhalten gebliebenen Exemplare in einem entsprechend stark gebrauchten Zustand.

Diese Münzen wurden zwischen dem Herbst 32 v.Chr. und dem Frühjahr des folgenden Jahres ausgegeben, als Marcus Antonius seine Streitkräfte für den bevorstehenden Krieg mit Octavian aufbaute. Sie wurden wahrscheinlich in Patrae geprägt (mod. Patras), eine Stadt und ein Hafen in der Region Nord Archaia auf dem Peloponnes, wo Antonius seinen Militär- und Marinestützpunkt hatte. Um die große Zahl der Streitkräfte bezahlen zu können, wurden die Münzen in großen Mengen schnell und in schlechter Silberqualität geprägt.

Von insgesamt etwa 30 wurden 23 Legionen (PRI – XXIII) von den Sonderprägungen des Marcus Antonius vor der Schlacht bei Actium ausgezeichnet, ferner die „cohortes praetoriae“ sowie die „cohors speculatorum“. Nur drei der Legionen wurden namentlich erwähnt. Es existieren auch Goldaurei für elf der Legionseinheiten, welche sehr wahrscheinlich parallel zu den Silberausgaben geschlagen wurden. Sie wurden vorrangig zur Bezahlung der hochrangigen Offiziere verwendet. Die geringe Menge dieser Prägungen und die Möglichkeit später diese Goldaurei in Goldbarren umzuschmelzen, erklärt jedoch die heutige Seltenheit solcher Exemplare in Gold.

In der Übersicht des Delos Schatzfundes kann man in etwa die Häufigkeit und Seltenheit der einzelnen Legionsdenar Typen grob abschätzen und ableiten: https://www.forumancientcoins.com/numis ... os%20hoard
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 27.12.21 00:47

Das ist nun wirklich ein besonders schöner Legionsdenar. Wenn man sich da die durchschnittliche Erhaltung anschaut...

Glückwunsch von

Homer
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Mo 27.12.21 09:50

Zu deinem legio-Denarius empfehle ich dir bzgl. "mit einer Schleife gebundenes Zepter steht über dem Bug" folgenden thread zu lesen
viewtopic.php?f=6&t=42780&hilit=stab+des+dionysos
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 27.12.21 09:54

Oh interessant. Danke.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Mo 27.12.21 10:00

Lang ist's her, und an diese Diskussion konnte ich mich gar nicht erinnern.

Gibt es denn mittlerweile neue Erkenntnisse?
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Zwerg » Mo 27.12.21 10:29

Perinawa hat geschrieben:
Mo 27.12.21 10:00
Gibt es denn mittlerweile neue Erkenntnisse
Ich glaube, daß ich damals einiges "nicht richtige" geschrieben habe; aber an irgendwelche "wissenschaftlichen" Ergüsse zu diesem Thema kann ich mich nicht erinnern.

Grüße
Klaus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 27.12.21 14:42

Heute möchte ich Euch einen der letzten anonymen Denare der römischen Republik vorstellen - schon fast eine Art "Medaille" oder Gedenkprägung zu Ehren der Stadt Roma. Leider gibt es den Denar eher seltener in wirklich vorzüglicher Erhaltung - vielleicht erwische ich irgendwann einen mal mit allen Elementen. Oft können alle Elemente erkannt werden auf der Rückseite - dann aber in schlechtem Zustand. Oder es fehlt das eine oder andere Detail.

Bei meinem erworbenen Denar ist Roma, die Schilde, die Vögel sehr schön erhalten, aber leider fehlt die Wölfin samt Romulus und Remus. Na ja - mal schauen, ob ich im Laufe der Zeit da mal gegen ein noch besseres Exemplar tauschen kann.

Faszinierend an dem Denar finde ich diesen "Umfang" an Bildgeschichte - der Mythos mit der Wölfin, Romulus und Remus, die Stadtgründung Roms und der Vogelschau, die Unterwerfung der Völker. Auch dieses Selbstverständnis dieser göttlich so gewollten Mission das Rom die Führung in Italien vorbestimmt ist.

Nachfolgend im Beitrag wieder die kleine Vorstellung, das Original findet Ihr wie immer auf meiner Webseite: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ies-m0051/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 27.12.21 14:44

silber_denar_anonym_roma_series.jpg


Münze:
Anonym Roma Series 115/114 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 3,99g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Subastas Ibercoin, Madrid, 21.12.2021
Referenz: Crawford RRC 287/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Roma mit korinthischem Flügelhelm nach rechts, dahinter befindet sich eine Wertmarke X. Die Inschrift lautet: ROMA.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v.Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v.Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v.Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Der korinthische Helm ist ein Bronze Helm, welcher seinen Ursprung aus der griechischen Stadt Korinth bezieht. Hier war er ein traditioneller und emblematischer Bestandteil der Hopliten. Der korinthische Helm ist der Helmtyp, welcher in der Ikonographie der Antike auf Münzen, Vasen, Reliefs und der Bildhauerkunst am häufigsten vertreten ist. Er ist in der Bildsprache am meisten populär als Symbol und Emblem militärischer Überlegenheit, Stärke und Kraft.

Bei dem abgebildeten X oder Stern handelt es sich um eine sogenannte Wertmarke. Ein X stand dabei für die Zahl 10 und bedeutete, dass dieser Silberdenar das zehnfache eines As wert war. Um das Jahr 130 v.Chr. wurde der Denar auf 16 Asse abgewertet, erkenntlich ab diesem Zeitraum dann mit einem Stern als Beizeichen und Wertmarke (statt dem vorher verwendeten X).

Revers:
Zu sehen ist die sitzende Roma mit Speer auf Schilden und Helm, zwischen zwei Vögeln, davor die kapitolinische Wölfin Lupa Romana mit den Zwillingen Romulus und Remus.

Die Abbildung der Lupa Romana mit Romulus und Remus bezieht sich auf den wohl wichtigsten Mythos der römischen Gründungsgeschichte und soll die göttliche Herkunft unterstreichen. Der Wolf, wie auch der Specht, war ein Tier des Gottes Mars. Möglicherweise war die Wölfin auch eine eigenständige Gottheit.

Die Lupa Romana (römische Wölfin) ist ein außerordentlich beliebtes Motiv auf Medaillen, Münzen, Gemmen, Reliefs, Mosaiken usw. Die Wölfin erscheint zunächst ohne Romulus und Remus, die erst ab dem 3. Jahrhundert v.Chr. regelmäßig abgebildet werden. Die Haltung der Kapitolinischen Wölfin, die ihren Kopf wendet mit den unter ihr sitzenden Zwillingen, ist Vorbild für die meisten späteren Varianten des Motivs. Die Lupa Romana dient als Symbol für die göttliche Herkunft des Stadtgründers Romulus, den Sohn des Kriegsgottes Mars, sowie des Ewigkeitsanspruchs, der aeternitas, der Stadt und des Imperiums. In der Bedeutung als Symbol für Ewigkeit und Unsterblichkeit erscheint die Wölfin gelegentlich auf Grabmonumenten als Zeichen des imperialen Anspruchs, vor allem auf Objekten in den unterworfenen Provinzen.

Eine der zahlreichen Mythen über die Anfänge der Stadt Rom ist die Gründungsgeschichte von Romulus und Remus, wie sie von dem römischen Geschichtsschreiber Fabius Pictor erzählt wird. Danach hatte Amulius, der König der Stadt Alba Longa in den Albaner Bergen seinen Bruder Numitor Silvius entmachtet und dessen Tochter Rhea Silvia im Tempel der Vesta, der Göttin des heimischen Herdes, untergebracht. Trotz des für die Vestalinnen geltenden Keuschheitsgebots hatte Rhea Silvia dem Kriegsgott Mars Zwillinge geboren. Daraufhin ließ Amulius Rhea Silvia in den Tiber werfen und die Zwillinge im Tiber aussetzen. Der Flussgott Tiber rettete jedoch die Vestalin und heiratete sie.

Das Floß, auf das die Knechte des Königs die Kinder aus Mitleid gesetzt hatten, strandete am Fuß des Palatins. Eine Wölfin, ein dem Mars heiliges Tier, fand die Kinder und säugte sie, bis sie von dem Hirten Faustulus und dessen Frau Acca Larentia aufgezogen wurden. Als sie herangewachsen waren, töteten sie ihren Großonkel Amulius und setzten ihren Großvater Numitor Silvius wieder als König ein.

Die zwei abgebildeten Vögel auf der Münze beziehen sich auf die Stadtgründung Roms und dem Adlerflug Orakel, der sogenannten Vogelschau oder auch Auspicium genannt. Dies verdeutlicht die Zustimmung der Götter zur Stadtgründung Roms und deren Schirmherrschaft über die Stadt.

Zum Dank gestattete Numitor Romulus und Remus an der Stelle, an der sie ausgesetzt worden waren (am Fuße des Hügels Palatin), eine Stadt zu gründen. Romulus und Remus gerieten jedoch in Streit, als sie mit Hilfe eines Adlerflug Orakels (Auspicium) bestimmen wollten, wer der Bauherr und damit der Namensgeber der Stadt sein würde. Jeder von beiden schaute von einem anderen Hügel aus auf die Adler. Am Ende behaupteten beide Recht zu haben. Remus sah sechs Adler und Romulus zwölf. Romulus siegte, da er mehr Anhänger hinter sich versammeln konnte. Unverzüglich zog er die heilige Furche, die die Größe der Stadt bestimmte, und begann mit dem Anlegen von Stadtgraben und Mauer.

In der Mitte abgebildet sitzt Roma, fast schon melancholisch an einen Speer gelehnt, gekleidet mit einem korinthischen Helm und Stiefeletten, auf einem Haufen darunter liegender Schilde samt einem einzelnen Helm. Es sind die Waffen der vielen besiegten Völker, welche sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte immer wieder Rom widersetzt haben und am Ende vor Rom kapitulieren mussten.

Betrachtet man die Rückseite im gesamten Kontext, kann man die Darstellung interpretieren als: Rom, welches aus bescheidenen, aber göttlichen Ursprungs (der Wölfin) hervorging. Rom, das durch die Gunst der Götter (Vogelschau) gesegnet war und unter deren Schirmherrschaft steht. Rom, das dank seiner militärischen Stärke (Roma mit korinthischem Helm und Speer) seine Feinde besiegte (Schilde und Helm unter Roma). Rom, das fremde Völker und Regionen unter seinen Schutz einverleibte und assimilierte (der Akt des Sitzens auf den feindlichen Überresten).

Hintergrund:
Dieser Denar spielt auf die ältesten Traditionen Roms an und veranschaulicht zusammenfassend die Symbole der Stadtgründung. Vor allem die Vögel im Flug erinnern an die Schirmherrschaft von Romulus. Er verdeutlicht auch die göttliche Mission und Bestimmung Roms, von der göttlich gesegneten Stadtgründung bis zur Unterwerfung der feindlichen Völker. Es ist der letzte authentische anonyme Denar, welche feierlich der Stadt anstelle einer Gens gewidmet ist.

Vielleicht spiegelt diese Prägung auch das aufkommende römische Selbstverständnis „Caput Mundi“ wieder – Rom in seiner göttlichen bestätigten Mission als Kopf der Welt. Roma Caput Mundi‎‎ ist eine ‎‎lateinische‎‎ Phrase, die auf Italienisch „Rom Hauptstadt der Welt“ und „Roma capitale del mondo“ bedeutet (Kopf der Welt‎‎). Der Einfluss Roms in der Antike begann um das 2. Jahrhundert v.Chr. zu wachsen, als sich die Republik über Südeuropa und Nordafrika ausbreitete.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Mo 27.12.21 14:47

Timestheus hat geschrieben:
Mo 27.12.21 14:42
aber leider fehlt die Wölfin samt Romulus und Remus
Wer meckert denn hier bei einer solch' exquisiten Prägeschwäche? :wink:
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 27.12.21 15:02

Ah die hätte ich schon gerne mit drauf gehabt - aber ist wenn ich mir so die Übersicht anschaue der letzten Jahre: https://www.acsearch.info/search.html?t ... sd&order=0

Ist es echt schwer da ein Stück zu finden wo a) alles drauf ist und b) auch noch nicht fast alles abgerieben ist. Na ja - ist halt auch nicht immer ein Wunschkonzert ;)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Mo 27.12.21 15:06

Timestheus hat geschrieben:
Mo 27.12.21 15:02
Ist es echt schwer da ein Stück zu finden wo a) alles drauf ist und b) auch noch nicht fast alles abgerieben ist.
Eigentlich nicht - eben eine Frage der Geduld. Oft ist die Lupa Romana allerdings wirklich "geköpft", aber der taucht alle paar Wochen wieder mal auf. Bisher hat mir auch noch keiner wirklich gefallen...
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 27.12.21 19:52

So und nun noch ein letzter Denar, den ich bei Jesus Vico vor den Feiertagen ergattern konnte - ein wie ich finde ganz ansehnliches Dioskuren Pärchen bei einem Anonymen Silberdenar aus dem zweiten punischen Krieg. Der Beitrag folgt nach diesem Posting - und wie immer gibt es auch auf der Homepage detailliertere Informationen: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ies-m0048/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 27.12.21 19:53

rrc_silber_denar_anonym_dioskuren_series.jpg


Münze:
Anonym Dioskuren Series 208 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 19,6mm
Gewicht: 4,3g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF+
Rare: –
Provenienz: Jesus Vico, Madrid, 14.12.2021
Referenz: Crawford RRC 57/2

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Roma mit geflügeltem Helm nach rechts blickend. Dahinter befindet sich ein X als Wertmarke.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v.Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v.Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v.Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Im Bezug auf die Darstellung des Flügelhelmes der Roma auf römischen Münzen besteht der Schmuck immer aus dem gleichen Motiv – dem Greifen oder besser Teilen von ihm. Man erkennt den geschnäbelten Kopf mit langen, spitzen Ohren, den Stachelkamm, der sich der Helmkontur entlang zieht, sowie dem Greifenflügel. Die Stacheln verschwinden dabei allmählich im Laufe des 1. Jahrhunderts v.Chr. Geht man vom Ursprung dey Typus nach, lässt sich der Greif nicht ableugnen. Er stammt von einer anderen Helmform , mit der Roma in früheren Bronzeprägungen abgebildet wurde, dem sogenannten phrygischen Helm. Diese Form kam wahrscheinlich aus Tarent nach Rom.

Dieser haubenförmige Helm, oft mit Greifenschmuck, war nach Hans Peter Laubscher für die tarentinische Athena schon seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. charakteristisch. In der römischen Münzprägung wurde die Greifenhaube zwar schon im ausgehenden 3. Jahrhundert v.Chr. durch den Legionshelm abgelöst, ohne jedoch ganz zu verschwinden und ohne den Greifen zu verlieren. Diese Greifenteile waren, wie es scheint, für Roma so unverzichtbar, dass man Protome, Kamm und Flügel so gut es ging mit der hellenistisch-römischen Helmform verband (Quelle: Erika Simon, Schriften zur etruskischen und italischen Kunst und Religion, Seite 205).

Bei dem abgebildeten X oder Stern handelt es sich um eine sogenannte Wertmarke. Ein X stand dabei für die Zahl 10 und bedeutete, dass dieser Silberdenar das zehnfache eines As wert war. Um das Jahr 130 v.Chr. wurde der Denar auf 16 Asse abgewertet, erkenntlich ab diesem Zeitraum dann mit einem Stern als Beizeichen und Wertmarke (statt dem vorher verwendeten X).

Revers:
Zu sehend sind die Dioskuren nach rechts reitend. Darüber abgebildet ein Mond und Sterne. Die Inschrift lautet: ROMA.

Die Dioskuren sind das Brüderpaar Kastor und Polydeukes (römisch Castor und Pollux), die zwei Söhne von Leda, der Gattin von König Tyndareos von Sparta, die von Zeus in Gestalt eines Schwans verführt worden war. Vater von Polydeukes ist Zeus, als Vater von Kastor wird dagegen Ledas Gemahl Tyndareos angesehen. Es gibt aber auch die Auffassung, dass beide der Zwillingsbrüder Söhne des Zeus seien, worauf das Wort „Dioskuren“ hindeutet, was so viel wie „Zeussöhne“ heißt. Kastor war ein Rossebändiger. Polydeukes war Faustkämpfer. Er maß sich auf der Fahrt von Iason und den Argonauten mit dem Bebrykenkönig Amykos im Faustkampf. Beide wollten die Töchter des Leukippos, Hilaeira und Phoibe, rauben. Dabei gerieten sie mit deren Verlobten Idas und Lynkeus in Streit. Polydeukes tötete Lynkeus, wogegen Kastor von Idas umgebracht wurde. Wegen ihrer Unzertrennlichkeit gestattete Zeus, dass sie sich danach abwechselnd gemeinsam im Olymp und in der Unterwelt aufhielten.

Für sie stellten die göttlichen Brüder das Idealbild eines edlen Reiters zu Pferd dar. Castor und Pollux galten daher auch als Schutzgötter der Reiterei. Durch ihre Bedeutung für den Ritterstand wurden sie zudem die Schutzpatrone der großen Kaufmänner und der Geschäfte. Auch geschworen wurde viel beim Castor und Pollux. Die Aussprüche waren die bekannten Formeln Edepol (für die Männer) und Ecastor (von Frauen bevorzugt). Diese Formeln waren insbesondere im Theater sehr beliebt. Der häufige Gebrauch der Bilder von Castor auf den älteren Münzen der Republik entsprang der ritterlichen Natur. Sie zählten zu den vornehmsten römischen Göttern im Circus; sowohl im Circus Maximus als auch im Circus Flaminius, wo sie an den Iden des August durch eigene Spiele gefeiert wurden. Zudem hatten sie dort einen eigenen Tempel geweiht.

Auch als Götter der beruhigten See und einer günstigen Schifffahrt wurden die göttlichen Brüder Castor und Pollux verehrt. Sie waren Schutzheilige für die Häfen und für die römischen Flotten. Im Hafen von Ostia etwa wurde ihnen gehuldigt. Ihre Sterne wurden außerdem gern zur See und zu Land in der Nacht zum Navigieren genutzt. In Verbindung mit der Quellgöttin Iuturna sollen die römischen Dioskuren Castor und Pollux auch als Heilgötter verehrt worden sein.

Die Dioskuren werden häufig mit zwei Amphoren abgebildet. Diese beziehen sich möglicherweise auf einen Kultgebrauch, wonach man den Dioskuren, wie man ihnen Speisetische hinstellte, zudem Weinamphoren darbot. Diese Amphoren sind in der Darstellung auch mit Schlangen umwunden. Daneben ist ihnen das Silphion (bei den Griechen) oder Laserpicium (bei den Römern) heilig – eine ausgestorbene Gewürz– und Allheilpflanze. Der Hahn konnte den Dioskuren als Lichtgottheit gegeben werden oder aufgrund ihrer streitbaren Natur. Sterne sind ebenso die Symbole der Dioskuren. Besonders auf Münzen ist dies vermehrt üblich gewesen. Die Identifikation der Dioskuren mit dem Zwillingsgestirn am Himmel erfolgte erst später. Ein weiteres und sehr konstantes Attribut der Dioskuren ist in späterer Zeit der hohe Hut (Piloi). Häufig schweben Sterne über den Hüten oder der Pilos ist mit Lorbeer bekränzt.

Das Pferd ist allerdings das älteste und mit dem Wesen der Dioskuren am engsten verknüpften Symbol und Attribut. Ihrem Siegeswillen entsprechend, erscheinen die Dioskuren oft mit einem Kranz.

Hintergrund:
Die Dioskuren erscheinen das erste Mal auf einer Bronze Prägung der römischen Republik in den Jahren 275-270 v.Chr. (RRC 18/5). Allerdings sind die beiden Köpfe der Dioskuren getrennt jeweils einzeln auf der Vorder- und Rückseite dargestellt. Die nächsten Dioskuren Prägungen erfolgen als Januskopf auf der Vorderseite von Bronzen 241 v.Chr. (RRC 25/3) und später auch auf Silbermünzen 225 v.Chr. (RRC 28/3). Die Rückseiten ziert dabei meist die Gottheit Jupiter in einer Quadriga.

Rom befindet sich seit 218 v.Chr. mit Hannibal und damit Karthago im zweiten punischen Krieg. Die Schlachten am Trasimenischen See und vor allem bei Cannae endeten in militärische Katastrophen. Hannibal siegt in der wichtigen Schlacht bei Capua und lässt Tarent besetzen. Im Jahr 211 v.Chr. marschiert Hannibal auf Rom zu (Hannibal ante portas). Die Lage Roms scheint aussichtslos, der Senat ratlos – so ratlos, dass man mit Scipio einen 25-jährigen unerfahrenen Jüngling die Armeeführung überlässt, auf dass dieser den Tod seines Vaters und Onkels rächen möge.

In diesem Umfeld erscheinen ab 211 v.Chr. erstmals die anonymen Silberdenarprägungen (RRC 44/5) mit Roma auf der Vorder- und den heranreitenden Dioskuren auf der Rückseite. Es bleibt nicht bei diesem einem Denar, es folgt eine ganze Münzserie aus Denaren, Quinaren und Sesterzen mit dem reitenden belanzten Dioskurenpaar. Die beliebte Rückseitendarstellung prägte sprichwörtlich die Münzen der kommenden Jahrzehnte. Bis dann in der späteren Republik die Dioskuren Ausgaben mehr und mehr aus dem Münzbild verschwanden und anderen Darstellungen weichen mussten. Eine der letzten dieser Dioskuren Prägungen erfolgte im Jahr 121 v.Chr. auf einem Denar des Gaius Plautius (RRC 278/1). Es folgte zwar in den Jahren 99-96 v.Chr. nochmals eine Serie Silberdenare des Lucius Caecilius Metellus (RRC 335/10a) – dieser zeigte das Dioskurenpaar jedoch nicht mehr wie früher heranpreschend mit Lanze, sondern beim genüsslichen Tränken der Pferde an der Juturna Quelle (lacus Iuturnae).

Die auf den seit 211 v.Chr. dargestellten Dioskuren reiten jedoch kampfbereit mit wehenden Mänteln und angelegten Speeren in die Schlacht, so wie sie nach dem Mythos schon im Jahr 496 v.Chr. den Römern bei der Schlacht am See Regillus zur Hilfe eilten. In diesem Ersten Latinerkrieg kommt es zur sagenhaften Entscheidungsschlacht am Regillus lacus zwischen den Römern und den Latinern. Der Legende nach kämpfen die beiden Halbgötter Castor und Pollux auf der Seite Roms, während die Latiner vom letzten römischen König Lucius Tarquinius Superbus angeführt werden. Damit ist diese Schlacht historisch wohl auch als Kampf zwischen den beiden Staatsformen der Monarchie und der Republik zu verstehen, den letztere für sich entscheidet. Ihr Beistand wie auch der der Göttin Roma wird auch während des Zweiten Punischen Krieges (218-201 v.Chr.) erwünscht gewesen sein, als dieses patriotische Bildmotiv ausgewählt wurde.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 29.12.21 14:30

Wenn der Postmann (in dem Fall UPS) zweimal klingelt. Heute kamen die Lieferungen von Lucernae (den Denar habe ich hier schon vorgestellt) und Aureo & Calico an. Den Sulla Denar habe ich hier bereits vorgestellt - bleiben noch die zwei "kleineren" Denare. Den ersten möchte ich hier vorstellen - dem Denar des Lucius Aemilius Lepidus Paullus aus dem Jahr 62 v.Chr.

Wie immer hier das "Original": https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... lus-m0046/

Und im nachfolgenden Beitrag auch als Forenvorstellung.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 29.12.21 14:31

silber_denar_lucius_aemilius_lepidus_paullus.jpg


Münze:
Lucius Aemilius Lepidus Paullus 62 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,64g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Aureo & Calico, Barcelona, 14.12.2021
Referenz: Crawford RRC 415/1

Avers:
Zu sehen ist der verschleierter Kopf der Concordia nach rechts. Die Inschrift lautet: PAVLLVS LEPIDVS CONCORDIA.

Concordia ist die Personifikation der Eintracht in der römischen Mythologie. Der römischen Vorstellung nach fördert und erhält sie die Eintracht und die Einheit der Bürger Roms. Dargestellt wurde sie mit den Attributen Füllhorn, Opferschale und ineinander geschlungenen Händen.

Concordia ist einer der von den Römern personifizierten altrömischen Tugendbegriffen, wie auch Fides (Treue), Spes (Hoffnung), Pudicitia (Keuschheit), Iustitia (Gerechtigkeit), Virtus (Tugend), Pax (Frieden), Libertas (Freiheit), Honos (Ehre) oder Felicitas (Glück). Ursprünglich wurden die altrömischen Gottheiten nicht in Bildern oder Statuen verehrt. Erst von den Griechen und Etruskern wurde die Vorstellung einer Götterwelt in Menschengestalt übernommen.

Der Concordia war ein Tempel im Nordwesten des Forum Romanum in Rom geweiht, der sich am Fuße des Kapitols befand. Jedes Jahr am 16. Januar wurde ihr zu Ehren in einem Fest an die Einweihung des Tempels erinnert, der anlässlich der Versöhnung zwischen Plebejern und Patriziern nach dem Ende der Ständekämpfe im Jahre 367 v.Chr. errichtet wurde.

Nach unterschiedlichen Meinungen der Experten wird dieser Denartyp zwischen 71 und 54 v.Chr. datiert. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Deutungen der Vorderseite mit der abgebildeten Concordia. So wird auch die These aufgestellt, die verschleierte Concordia beziehe sich auf den Tod des Marcus Licinius Crassus, welcher das politische Gleichgewicht der Zeit gefährdete. Lucius Aemilius Lepidus Paullus betrachtete Pompeius Magnus und Licinius Crassus als politische Gegner. Allerdings wird durch den Mesagne Schatzfund die Crawford Datierung im Jahr 62 v.Chr. gestützt.

Es spricht vieles dafür die Vorderseiten Darstellung der Concordia mit Lucius Aemilius Lepidus Paullus selbst, Cicero und der Catilinarischen Verschwörung in Beziehung zu bringen, vor allem da Lepidus und Cicero ein sehr enges politisches Verhältnis zueinander hatten.

Ciceros Konsulatspolitik im Jahr 63 v.Chr. suchte die seit der Gracchenzeit bestehende discordia zwischen Senatoren- und Ritterstand zu überwinden und eine concordia ordinum zu schaffen, um der die res publica gefährdenden Catilinarischen Verschwörung erfolgreich begegnen zu können. In seiner am 5. Dezember bezeichnenderweise im Tempel der Concordia vor dem Senat gehaltenen vierten Catilinarischen Rede spricht Cicero von der jetzt existierenden concordia zwischen den Senatoren und Rittern, die nicht nur für die Überwindung der gegenwärtigen Gefahr bestehen, sondern auch in der Zukunft jegliches, den Staat gefährdendes Unheil abwenden solle.

Lucius Aemilius Lepidus Paullus hatte Catilina im Jahr 63 v.Chr. nach der lex Plautia de vi angeklagt (Sall. Cat. 31,4). Seine Aktivitäten gegen den Verschwörer beurteile Cicero als ein großer Verdienst an die res publica. Überhaupt zeiget sich Lepidus als ein überzeugter Anhänger Ciceros, was in einem Brief des Cicero an Lepidus zum Ausdruck kommt. Könnte also nicht auch der Denar mit Concordia, der einerseits Ciceros erfolgreiche Politik der concordia ordinum feierte und andererseits deren Fortsetzung für die Zukunft propagierte, unter die Auszeichnungen fallen, welche Lepidus dem Konsul von 63 v.Chr. zuteilwerden ließ? (Quelle: Wilhelm Hollstein)

Die Inschrift PAVLLVS LEPIDVS identifiziert einmal den Münzmeister Lucius Aemilius Lepidus Paullus, die Inschrift CONCORDIA den abgebildeten Kopf der Personifikation Concordia.

Revers:
Zu sehen ist mittig eine Siegestrophäe (Tropaeum), darüber die Legende TER. Rechts davon steht überhöht dargestellt Lucius Aemilius Paullus. Links stehen drei Gefangene: König Perseus und seine zwei Söhne. Die Inschrift lautet: PAVLLVS.

Mit der Darstellung der Rückseite ehrt Lucius Aemilius Lepidus Paullus seinen vermeintlichen Ahnen Lucius Aemilius Paullus Macedonicus. Lucius Aemilius Paullus war das Oberhaupt der Patrizierfamilie der Aemilii Paulli, einer aufgrund ihres Vermögens und ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Scipionen äußerst einflussreichen Gruppe. Nach der Ableistung seines Militärdienstes als Militärtribun wurde Paullus 193 v.Chr. zum curulischen Aedil gewählt. Der nächste Schritt in seinem cursus honorum war die Wahl zum Praetor im Jahr 191 v.Chr. Mit dem Ende dieses Amtes ging er in die hispanischen Provinzen, wo er von 191 bis 189 v.Chr. mit wechselndem Erfolg gegen die Lusitaner kämpfte. 189/88 v.Chr. gehörte er zu den zehn Mitgliedern einer Senatskommission, die gemeinsam mit Gnaeus Manlius Vulso die Verhältnisse in Kleinasien nach der Besiegung des Antiochos III neu ordneten. Paullus wurde im Jahr 182 v.Chr. zum ersten Mal zum Konsul gewählt, mit Gnaeus Baebius Tamphilus als Kollegen. Sein nächstes militärisches Kommando, jetzt mit proconsularischem Imperium, war der Feldzug im folgenden Jahr gegen die Ingauni in Ligurien.

Im Jahr 171 v.Chr. brach der Dritte Makedonische Krieg aus, als der Konsul Publius Licinius Crassus in der Schlacht von Callicinus vom makedonischen König Perseus geschlagen wurde. Nach zwei Jahren unentschiedenen Verlaufs wurde Paullus im Jahr 168 v.Chr. mit Gaius Licinius Crassus als Kollege erneut zum Konsul gewählt. Er wurde vom Senat mit der Kriegführung in Makedonien beauftragt, und er gewann kurze Zeit später, am 22. Juni, die entscheidende Schlacht von Pydna. Perseus wurde gefangen genommen, und der Dritte Makedonisch-Römische Krieg war beendet. Als abschreckendes Beispiel hieß Paullus die Ermordung von 500 Aitolern gut, die für ihre Opposition gegenüber Rom bekannt waren. Er schickte viele Griechen und Makedonen nach Italien in die Verbannung, konfiszierte ihren Besitz im Namen Roms, behielt aber – so Plutarch – zu viel für sich selbst. Durch Siegesfeiern und Monumente machte Paullus den Besiegten auch symbolisch klar, dass Makedonen und Griechen jetzt Rom unterworfen waren.

Auf dem Rückweg nach Rom 167 v.Chr. zeigten sich seine Legionen unzufrieden mit ihrem Anteil an der Beute. Um sie zufriedenzustellen, ließ Paullus die Armee in Epirus ihren Marsch unterbrechen, einem Land, das der Sympathie mit den Makedonen verdächtig war. Zwar war die Region bereits unterworfen, aber dennoch befahl Paullus die Plünderung von siebzig ihrer Städte. Etwa 150.000 Menschen wurden versklavt und die Region verwüstet.

Sein Einzug in Rom war prächtig. Mit der immensen Beute, die er aus Makedonien und Epirus mitgebracht hatte, feierte er einen spektakulären Triumphzug (obwohl die Volksversammlung zunächst den Triumph verweigern wollte), in dem er auch den gefangenen König von Makedonien mit sich führte. Als Geste der Anerkennung verlieh ihm der Senat den Beinamen Macedonicus. Dies war der Höhepunkt seiner Laufbahn. Im Jahr 164 v.Chr. wurde er zum Zensor gewählt, er starb im Laufe der fünfjährigen Amtszeit im Jahr 160 v.Chr.

Auf der Denarrückseite ist ganz rechts Lucius Aemilius Paullus abgebildet. Er überragt die Gruppe links, welche den besiegten König Perseus und seine zwei Söhne darstellen. Mittig ist eine Siegestrophäe (Tropaeum) abgebildet, welche sich auf den Sieg in der Schlacht von Pydna im Jahr 168 v.Chr. bezieht. Die Inschrift PAVLLVS identifiziert den Ahnen und Siegreichen Lucius Aemilius Paullus Macedonicus.

Die Deutung der Inschrift TER ist nicht gesichert. Sie könnte sich auf die drei Siege des Lucius Aemilius Paullus in Ligurien (181 v.Chr.), Pydna (168 v.Chr.) und Makedonien (167 v.Chr.) beziehen. Laut Wilhelm Hollstein könnte es sich hier aber auch um die Erwähnung dreier Triumphe handeln.

Im Jahr der Münzprägung 62 v.Chr. zeichnete sich der kommende dritte Triumph des Pompeius ab. Da der Münzmeister Lepidus Paullus und Pompeius kein gutes Verhältnis zueinander hatten (immerhin konnte er Pompeius für den Tod seines Vaters mitverantwortlich machen), könnte es sich hier um einen Seitenhieb gegen selbigen gehandelt haben. Mit der Ausgabe seiner Prägungen konnte Lepidus Paullus durch das groß herausgestellte TER also bewusst gegen Pompeius propagandieren, dass es seinen Vorfahren bereits vor Pompeius gelungen war, drei Triumphe gefeiert zu haben.

Hintergrund:
Lucius Aemilius Lepidus Paullus trat zuerst in Erscheinung, als er 63 v.Chr. Anklage gegen Lucius Sergius Catilina erhob. Auch in den folgenden Jahren schloss er sich politisch Marcus Tullius Cicero an, der ihn später als „einzigartig anständigen Mitbürger“ (singulari virtute civem) lobte, allerdings im Kontrast zu seinem Feind Publius Clodius Pulcher. Aemilius Paullus war vermutlich Münzmeister im Jahr 62 v. Chr. Als er auch diesen Denartyp prägen ließ. Danach war er Quästor im Jahr 59 v.Chr. (eventuell schon 60 v.Chr.) und diente dabei unter dem Proprätor Gaius Octavius in Makedonien. Zu dieser Zeit versuchte ihn der später berüchtigte Lucius Vettius, ein in Diensten Gaius Iulius Caesars stehender Denunziant, in eine Affäre hineinzuziehen. Er behauptete, Paullus habe sich an einer Verschwörung gegen Gnaeus Pompeius Magnus beteiligt. Zur fraglichen Zeit hatte sich dieser jedoch als Quästor in Makedonien aufgehalten. Im Jahr 57 v.Chr. unterstützte Aemilius Paullus die Forderung nach Rückberufung Ciceros aus der Verbannung. Auch bei der Verteidigung des Publius Sestius im folgenden Jahr stand er Cicero bei.

Um das Jahr 55 v.Chr. war Aemilius Paullus vermutlich kurulischer Ädil. Bezeugt ist, dass er in diesem Jahr damit begann, die von seiner Familie errichtete Basilica Aemilia auf dem Forum Romanum wiederherzustellen. Im Jahr 53 v.Chr. wurde Paullus, vielleicht auch aufgrund dieser demonstrativen Freigebigkeit, zum Prätor gewählt. Da die Wahlen erst im Sommer stattfanden, umfasste seine Amtszeit nur die zweite Jahreshälfte. Mit Unterstützung durch Gnaeus Pompeius Magnus wurde Aemilius Paullus 50 v.Chr. Konsul, zusammen mit Gaius Claudius Marcellus. Im Gegensatz zu seinem Kollegen und anders als nach seinem bisherigen politischen Auftreten erwartet verhielt er sich in den Spannungen dieses Jahres vor Ausbruch des Bürgerkriegs passiv, da Caesar ihn mit einer ungeheuren Summe (angeblich 1500 Talente Silber, fast 40 Tonnen) bestochen hatte, die er zur Finanzierung des Baus der Basilica benötigte.

In den folgenden Jahren des Bürgerkriegs und der Diktatur Caesars wird Aemilius Lepidus Paullus nicht erwähnt. Er erscheint in den Quellen erst wieder nach Caesars Ermordung, als er im April 44 v.Chr. Cicero über die politischen Ereignisse in Rom berichtete. Im Jahr 43 v. Chr. wurde er zusammen mit zwei weiteren Senatoren, Gaius Fannius und Quintus Minucius Thermus, als Gesandter zu Sextus Pompeius nach Massilia geschickt, um diesen im Mutinensischen Krieg zur Militärhilfe gegen Marcus Antonius zu bewegen. Zu diesem Zeitpunkt stand Paullus wieder auf der Seite der von Cicero geführten Senatspartei. Im Juni 43 v.Chr. unterstützte er den Senatsbeschluss, mit dem sein Bruder und Marcus Antonius geächtet wurden, die zu dieser Zeit eigenständige Heereskommandos führten. Nachdem Marcus Aemilius Lepidus zusammen mit Antonius und Octavian das so genannte „Zweite Triumvirat“ gebildet hatte, ließ er seinen Bruder Paullus an die Spitze der Proskriptionslisten der für vogelfrei erklärten Römer setzen. Aemilius Paullus konnte entkommen, weil Centurionen sich weigerten, den Bruder des Triumvirn zu töten (vielleicht mit Lepidus Billigung) und floh zum Caesarmörder Marcus Iunius Brutus. Nach dessen Niederlage und Tod in der Schlacht bei Philippi ging er ins Exil nach Milet, das er nicht mehr verließ, obwohl er (wohl nach dem Vertrag von Misenum) das Angebot zur Rückkehr bekam. Sein Sohn Paullus Aemilius Lepidus war Suffektkonsul 34 v. Chr. und vollendete den von seinem Vater begonnenen Neubau der Basilica Aemilia.

Sein Vater war Marcus Aemilius Lepidus, Konsul aus dem Jahr 78 v.Chr. In seiner Amtszeit als Konsul versuchte er die Maßnahmen des zurückgetretenen und in diesem Jahr gestorbenen Diktators Sulla wieder rückgängig zu machen, traf dabei aber auf den Widerstand seines Kollegen Quintus Lutatius Catulus und der Optimaten. Als Prokonsul 77 v.Chr. sollte er eigentlich die Provinzen Gallia Transalpina und Gallia Cisalpina verwalten, zog aber mit einem Heer gegen Rom. Er wurde von Catulus an der Milvischen Brücke geschlagen und dann noch einmal bei Cosa von Catulus und Pompeius. Lepidus musste nach Sardinien fliehen, wo er bald darauf starb.

Vielleicht ist dies einer der Gründe, wieso der Münzmeister Lucius Aemilius Lepidus Paullus sich lieber mit den Taten eines Ahnen schmückte, anstatt seines Vaters zu erinnern. Gut möglich, dass Lucius Aemilius Lepidus auch daher den Beinamen Paullus führte, um sich von seinem Vater zu distanzieren.

Wie im ersten Textabschnitt beschrieben, war sein Bruder Marcus Aemilius Lepidus, der dritte Mann im Triumvirat des Gaius Octavius und Marcus Antonius.
Veritas? Quid est veritas?
Sammlung: https://roma-aeterna.de/

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