Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

Altamura2
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Altamura2 » Mi 19.01.22 08:29

Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Falls es Dir nicht aufgefallen ist, bei allen Republikanern ist Crawford als Referenz angegeben ...
Doch doch, das ist mir schon aufgefallen, Münzen sammle ich nicht erst seit gestern :D .
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Aber wenn jemand eine Katalogreferenz angibt, muss deswegen noch lange nicht die Beschreibung übereinstimmen. ...
Nö, muss sie nicht. Aber eine derartige Abweichung blankweg unter den Tisch fallen lassen, sieht schon irgendwie seltsam aus (nicht gelesen?) :? .
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Alles gestandene Experten - aber einig allemal nicht. ...
Das muss ja nicht sein, sollte man dann aber auch erwähnen. Wissentlich so zu tun, als gäbe es nur eine einzige Ansicht, sieht schon irgendwie seltsam aus :? .
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... sicherere Beweise kann aber niemand vorlegen. So schaut's aus. ...
Hab' ich was anderes behauptet 8O ? Crawford ist aber nun eine der Eminenzen auf diesem Gebiet, und seine Meinung wegzulassen, sieht schon irgendwie seltsam aus :? .
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Der Link ist nicht "andere" ... das IST ein Link zu Crawford Online Katalog...
Doch doch, das ist mir auch schon aufgefallen, wie gesagt, Münzen sammle ich nicht erst seit gestern.
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Ja - und wenn Du mal genauer schauen würdest ... kleiner Tipp "ikmk" die greifen alle auf die gleiche Datenbank zu. Natürlich ist da überall der Response gleich. ...
Fast, aber nicht ganz. Die technische Plattform, die benutzt wird, ist dieselbe, die Inhalte sind es aber nicht. Wenn Du mal genauer schauen würdest, dann würde Dir nämlich auffallen, dass der Bärtige lauter verschiedene Beschreibungen bekommen hat:
- In Tübingen ist es der "Kopf eines bärtigen Mannes mit geflügeltem Diadem nach r.",
- in Bochum ein "Bärtiger Kopf nach r. mit Flügeldiadem; Linienkreis."
- und in Freiburg schließlich ein "Bärtiger Kopf mit geflügeltem Diadem nach r.".
Wenn das Ziel hier gemeinsame Beschreibungen gewesen wäre, dann hätten die ziemlich schlechte Arbeit gemacht. Aber anscheinend hat jede dieser Sammlungen selbst entschieden, was für ein Bärtiger da abgebildet ist und ihn jeweils eigenständig beschrieben.
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Das ist wie wenn mir jemand die deutsche Wikipedia, die englische Wikipedia ... als "schau die schreiben alle das Gleiche" argumentiert. ...
Da scheinst Du Wikipedia nicht gut zu kennen :? . Dort gibt es zwischen den Sprachversionen teilweise deutliche Unterschiede.
Hier ein kleines Beispiel, das mir spontan einfällt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... ppadokiens
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_r ... Cappadocia
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Wieso sollte der Münzmeister irgendeinen bärtigen Mann abbilden, wenn Mutinus Titinus genau in die Serie passen würde wie Faust aufs Auge? ...
Ich hab' keine Ahnung :| . Ich glaube aber, dass man der geneigten Leserschaft wichtige Fakten nicht vorenthalten sollte, in diesem Fall die Tatsache, dass eine Koryphäe wie Michael Crawford nicht an Mutunus Tutunus glaubt.
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Für mich ist es ein Mutinus Titinus und wird es vorerst bleiben :) ...
Das ist ja in Ordnung, wenn Dich die Scheuklappen nicht stören.
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... Ich gebrauche solche Wörter eigentlich nur ungerne - aber Deine andauernden einfach nur dämlichen Spitzen und Angriffe sind irgendwie "ermüdend" ...
Das tut mir jetzt leid, dass Deine passive Kritikfähigkeit so schwach ausgeprägt ist :? . Wenn ich Deine ausufernden Reaktionen sehe, mag ich an das "ermüdend" aber irgendwie nicht so recht glauben.
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... ich werde es aber nicht mehr lesen können - da ich jetzt den Ignore Knopf drücke ...
Tu das, wenn Du Dich dann besser fühlst, jeder biegt sich seine Blase zurecht so gut er kann :D .
Timestheus hat geschrieben:
Di 18.01.22 20:08
... da Du meine Beiträge durch das ganze Forum verfolgst und meinst diese jedesmal kommentieren zu müssen ...
Da überschätzt Du Deine Bedeutung für mich etwas, so viel Zeit hab' ich gar nicht, um das alles zu lesen :( (hier hab' ich es getan, da der Titius-Denar einer der ganz wenigen Republikrömer ist, die ich in meiner Sammlung habe). Du hast hier jetzt fast tausend Beiträge verfasst, ich hab' vielleicht auf eine Handvoll reagiert, mögen es auch zwei sein. Von "jedesmal" kann da irgendwie keine Rede sein.

Was mir aber immer sauer aufstoßen wird, ist das platte Abkopieren von ganzen Absätzen aus anderen Quellen, ohne diese zu benennen (https://de.wikipedia.org/wiki/Mutunus_Tutunus).

In diesem Sinne

Gruß

Altamura

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 21.01.22 13:54

guss_denar_publius_septimius_geta.jpg

Münze:
Publius Septimius Geta 199 n.Chr.
Denar der römischen Kaiserzeit (antike Fälschung)
Material: Weissmetall
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 2,35g
Münzstätte: ?
Erhaltung: VF+
Rare: –
Provenienz: Private Sammlung, 21.01.2022
Referenz: vgl. RIC 13a

Avers:
Zu sehen ist der drapierte Kopf des Geta nach rechts. Die Inschrift lautet: P SEPT GETA CAES PONT.

Vielleicht schon Mitte 195 n.Chr. (spätestens 196 n.Chr.) wurde Getas Bruder Caracalla der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde. Eine entsprechende Rangerhöhung Getas blieb zunächst aus. Im Jahr 197 n.Chr. (spätestens 198 n.Chr.) erhielt Geta die Titel Caesar und Princeps iuventutis. Wohl gleichzeitig wurde Caracalla zum Augustus, das heißt zum nominellen Mitregenten des Vaters und dem amtierenden Kaisers Septimius Severus erhoben. Damit wurde wiederum Caracallas Vorrang festgeschrieben.

Im Jahr 199 n.Chr. erhielt Geta dann den Titel Pontifex. Auf diesem Denar nimmt man sehr gut die Züge eines 10-jährigen Kindes wahr. Publius Septimius Geta wurde am 26. Mai 189 geboren. Diese Prägung kann mit dem Donativum in Verbindung gebracht werden, dass zur Ernennung von Geta zum Pontifex im Jahr 199 n.Chr. ausgegeben wurde.

Die Inschrift P SEPT GETA CAES PONT bedeutet übersetzt Publius Septimius Geta Caesar Pontifex.

Revers:
Zu sehen ist die Personifikation Nobilitas stehend, den Kopf nach rechts blickend, in der Hand ein Szepter und das Palladium. Die Inschrift lautet: NOBI LITAS.

Nobilitas ist die Personifikation der edlen Herkunft und Stellung. Sie steht unter anderem für den Adel von aristokratischer Herkunft, vornehmen Stand und Rang, für adlige Gesinnung und Haltung aber auch für Ruhm und Berühmtheit. Nobilitas als Rückseitenmotiv erscheint erstmals 185 n.Chr. auf einem Denar des Kaisers Lucius Aurelius Commodus (RIC III 139). Später dann auf Münzen des Kaisers Septimius Severus, auffällig dann aber im größeren Umfang vor allem auf Münzen des Getas. In späteren Jahren dann auch auf Exemplaren des Elagabal und Severus Alexander – aber wie geschrieben, nur vereinzelt und nicht in dem Umfang wie unter den Prägungen für Geta.

Interessant ist auch die Kombination der Personifikation Nobilitas und dem abgebildeten Palladium. Man versteht darunter das hölzerne Bild der Pallas (Minerva), welches in den ältesten Zeiten des Trojanischen Staats in dem Gebiet von Troja vom Himmel gefallen war, und wovon die Sage ging, dass diejenige Stadt, die dasselbe besitzen würde, unüberwindlich sei. Die Trojaner glaubten sich durch den Besitz des Palladiums sicher vor der Armee der Griechen, welche ihre Stadt belagerte. Aber Ulysses und Diomedes entwendeten dasselbe, und bald darauf ging Troja durch Sturm über. Aeneas soll das Palladium nach Italien gebracht haben und die Römer gaben vor, es im Tempel der Vesta aufzubewahren. Im bildlichen Sinne nennt man alles, was Schutz und Sicherheit gewährt, ein Palladium, z. B. die Privilegien eines Landes. (Quelle: zeno.org)

Gaius Iulius Caesar ließ auf einem Denar (RRC 458/1) 47/46 v.Chr. Aeneas (mit seinen Vater Anchises) abbilden, wie dieser das Palladium aus dem brennenden Troja trägt. Caesar verbindet hier geschickt die historische Geschichte und das vorbestimmte Schicksal Roms und demonstrierte darüber hinaus die adlige (nobilitas) Verwandtschaft der Iulierfamilie mit den trojanischen Vorfahren und Helden.

Geboren wurde Septimius Severus in Leptis Magna in der Provinz Africa als Sohn des Publius Septimius Geta und der Fulvia Pia. Bei seinen ersten Reden im Senat soll er noch wegen seines „punischen“ Akzents verspottet worden sein. Zwar legte sich dies später offenbar, doch soll sein Latein angeblich bis zuletzt eine „afrikanische“ Färbung gehabt haben. Offenbar boten seine Wurzeln in der Provinz seinen Feinden also Anlass zum Spott. Die in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen manchmal erhobene Behauptung, er sei sogar subsaharischer Herkunft gewesen, findet allerdings keinen Rückhalt in den Quellen.

Septimius Severus bemühte sich insgesamt vor allem um eine innenpolitische Stabilisierung seiner Herrschaft, die er ursprünglich einer Usurpation verdankte. Um seine Autorität gegenüber dem Heer, von dem er für alle sichtbar abhängig war, wahren zu können, setzte er verstärkt auf eine dynastische Legitimation. In diesen Zusammenhang gehört seine fiktive Adoption durch Kaiser Marc Aurel, an den er damit anknüpfen wollte. Daher rehabilitierte er den beim Senat verhassten, beim Heer hingegen beliebten Commodus, ließ ihn sogar unter die Götter erheben und nannte sich divi Marci filius, divi Commodi frater, also „Sohn des vergöttlichten Marcus und Bruder des vergöttlichten Commodus“.

War dies einer der Gründe, wieso Septimius Severus den Commodus als Vorbild nahm und die Prägung von Nobilitas auf seinen Münzen wieder aufnahm? Sah er sich gezwungen auf seine noble und legitime Herkunft hinzuweisen? Als vom Schicksal vorbestimmten Beschützer Roms? Warum gibt es aber vom Kaiser selbst (mir) nur drei bekannte und von Caracalla nur einen bekannten Münztypen mit Nobilitas, während für Geta (mir) rund 14 Typen bekannt sind? Lag es daran, dass sowohl Septimius Severus als auch Caracalla ihre vermeintliche Abstammung von Marc Aurel öffentlich im Namen trugen, während Geta dies nicht tat? Lag es daran, dass Severus schon früh erkannte, dass sein Sohn Geta einen schweren Stand gegenüber seinem Bruder Caracalla hatte und wollte so seine Position festigen?

Die Inschrift NOBI LITAS identifiziert die Personifikation Nobilitas.




-------
Ich möchte Euch heute meinen zweiten "Gussdenar" vorstellen - diesmal einen Geta.

Auf die Herstellung der Gussdenare und der Publikation - Jeremie Chameroy, Münzgussformen des 3. Jahrhunderts in den Sammlungen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (Jahrbuch des RGZM 54, 2007, 533-572) - muss ich jetzt nicht nochmal drauf eingehen bzw. auch nicht auszugsweise den Text hier rein kopieren. Wer etwas verpasst / überlesen hat - hier bei meinem Antoninus Pius Gussdenar gibt es die Informationen zu diesem Thema: viewtopic.php?f=6&t=64271&start=660#p552937

Ich habe bei der Recherche zur Nobilitas gesehen, dass dieses Thema mal vor langer Zeit hier im Forum diskutiert wurde - Homer J. Simpson hat diesen Thread gestartet: viewtopic.php?t=26895

Gibt es denn da neuere Erkenntnisse? Wieso gerade der arme Geta so viele Exemplare mit Nobilitas prägen ließ bzw. geprägt wurden?
Unehelicher Sohn klang ja sehr interessant - aber das denke ich auch eher nicht. Wenn es damals Gerüchte gab - würde man die nicht noch befeuern mit so einer ganzen Serie an Prägungen?

Und hier gehts wieder zum original Blog: https://roma-aeterna.de/roemische-kaise ... eta-m0081/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 22.01.22 21:37

2862669D-47D1-411D-9837-F642197FBDCF.jpeg

SEVERUS ALEXANDER (222-235). Denarius. Rome.
Obv: IMP SEV ALEXAND AVG.
Laureate bust right, with slight drapery.
Rev: ABVNDANTIA AVG.
Abundantia standing right, emptying fruits out of cornucopia.
RIC 184.
Condition: Near mint state.
Weight: 2.34 g.
Diameter: 19 mm.


18220F29-7D0F-4304-BEC6-286F385D5C0A.jpeg

SEVERUS ALEXANDER (222-235). Denarius. Rome.
Obv: IMP C M AVR SEV ALEXAND AVG.
Laureate and draped bust right.
Rev: VICTORIA AVG.
Victory advancing left with palm branch and wreath.
RIC 180.
Condition: Extremely fine.
Weight: 2.73 g.
Diameter: 19 mm.


B3E3A7B6-26FE-4EC8-AE6C-43A0DAED82AC.jpeg

CONSTANTINE I THE GREAT (306-337). Follis. Antioch.
Obv: CONSTANTIVS MAX AVG.
Diademed, draped and cuirassed bust right.
Rev: GLORIA EXERCITVS / SMANΓ.
Two soldiers standing facing one another, each holding reversed spear and resting hand upon shield; two signa between.
RIC 85.
Condition: Extremely fine.
Weight: 2.71 g.
Diameter: 18 mm.




Meine heutige Ausbeute bei Bucephalus Numismatic für kleines Geld. Bei dem letzten Severus Alexander (RIC 180) habe ich ein Mindesgebot gesetzt, falls ich den ersten Alexander nicht bekomme.

Falls jemand an diesem Severus Alexander (RIC180) Interesse hat, würde ich den 1:1 weiter geben für 35€ Auktion Endpreis + Aufgeld + Versand zum Käufer. Einfach per PN melden.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » Sa 22.01.22 21:45

Schöne Stücke, nur die Bewertung der Zustände ist doch etwas optimistisch.. ;-)
Grüße,

Joel

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 22.01.22 21:56

jschmit hat geschrieben:
Sa 22.01.22 21:45
Schöne Stücke, nur die Bewertung der Zustände sind doch etwas optimistisch.. ;-)
DAS denke ich allerdings auch - von den Fotos würde ich generell eher 1 oder 1/2 Stufen runter gehen. Da hast Du Recht :) … Also der Stempelfrische ist wahrscheinlich EF mit Abstrichen und der EF ist vielleicht gutes VF.

Aber dafür stimmte der Preis mit 85€ und 35€. Und eine Hoffnung habe ich - oft sind Bilder schlechter als das Original. Und bei den Preisen gehe ich das Risiko ein. Stimmen die Bilder sind die Preise ok… sind die Münzen real besser - habe ich einfach Glück gehabt :)

Der letzte Constantinus hat mir die gelbe Patina so gut gefallen im Kontrast zum „schwarz“ der Münze. Und für 30€ für mich auch ok.

Na ja. Bin mal gespannt wie sie real raus kommen :)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » Sa 22.01.22 22:21

Oder 2.. ;-) aber die Preise sind ja okay und schlecht sind sie jetzt nicht. Die Fotos sollten passen, sie zeigen ja alles was man sehen muss.

Glückwunsch!
Grüße,

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 23.01.22 22:00

ae_follis_flavia_iulia_helena.jpg

Helena. Augusta AD 328-329. Nicomedia
Follis Æ 19 mm, 2,79 g
FL HELENA AVGVSTA, diademed and mantled bust right / SECVRITAS REIPVBLICE, Securitas standing left, holding branch; SMNΓ in exergue.
good very fine, RIC 95


----
So - und nun ist auch mein Constantin nicht mehr alleine - die Mutter ist auch in der Sammlung ;)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 25.01.22 14:16

ae_bronze_imperator_caesar_divi_filius_augustus.jpg

Münze:
Imperator Caesar Divi filius Augustus 25 v.Chr.
Provinziale Bronze aus der römischen Kaiserzeit
Material: AE
Durchmesser: 24mm
Gewicht: 8,98g
Münzstätte: Asia Minor
Erhaltung: EF-
Rare: –
Provenienz: Roma Numismatic, London, 16.12.2021
Referenz: RPC I 2235

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des jugendlichen Augustus nach rechts. Die Inschrift lautet: CAESA[R].

Im Jahr 45 v.Chr. wurde Gaius Octavius von seinem Großonkel Gaius Iulius Caesar adoptiert und zum Erben eingesetzt. Octavius erfuhr in Apollonia, wo er sich für den Feldzug gegen die Parther bereitgehalten hatte, vom Tod seines Onkels und kehrte nach Rom zurück. Hier beanspruchte er die Nachfolge Caesars für sich und nannte sich ab sofort Gaius Iulius Caesar Octavius.

Wie bei nahezu allen Darstellungen auf Münzen der frühen Kaiserzeit wurde in erster Linie der Zweck verfolgt, die Person, die Taten und die Erfolge des Princeps darzustellen. Sowohl die Vorder-, als auch die Rückseite der vorliegenden Münze lassen diesen Aspekt besonders deutlich werden. Das Augustusprofil der Emission auf der Vorder- und dem Lorbeerkranz auf der Rückseite, entspricht einer Darstellungsart des Princeps nach der Vergabe des Ehrennamens Augustus im Jahre 27 v.Chr., die sich von den Darstellungen des Octavian in der späten Republik unterscheidet.

Zu erwähnen sind hier der seitdem für Herrscherdarstellungen typische ruhige, erhabene Gesichtsausdruck und die zunehmend am klassischen Stil orientierte Ausdrucksform der Bildnisse, die eher eine reflektierte Schöpfung, ein Kunstgesicht wiedergeben, als die im Gegensatz zu den in der Republik bevorzugten originalgetreuen Darstellungen. Der Lorbeerkranz auf der Rückseite unterstreicht diese Erhabenheit des Princeps, denn in der Antike symbolisierte er die Sieghaftigkeit und den Ruhm des Trägers. (Quelle: Uni Bochum)

Revers:
Zu sehen ist ein Lorbeerkranz um den Münzenrand. Die Inschrift lautet: AVGVSTVS.

Der Lorbeerkranz ist ein Symbol und ein Insigne für eine besondere Ehre oder Auszeichnung, insbesondere für einen Sieg oder einen besonderen Erfolg. Daher wird er auch als Siegerkranz bezeichnet. In der römischen Mythologie spielte der Lorbeerkranz eine bedeutende Rolle. Im Kult um den Gott Jupiter war er Zeichen des Siegers, der mit Lorbeer bekränzt wurde. Daher war der Lorbeerkranz bei der Rückkehr von Feldherren nach Rom Zeichen des militärischen Siegers (siehe Corona triumphalis), während die Führer von Heeren, die einen weniger bedeutenden Erfolg erlangt hatten, sich bei einer ovatio mit einem Myrtenkranz begnügen mussten. Die Kränze wurden dabei nicht nur vom Triumphator, sondern von allen Teilnehmern des Triumphzuges getragen, mit Ausnahme der Sklaven. Später trugen auch die Kaiser Roms den Lorbeerkranz als Zeichen ihres Ruhmes.

Der Lorbeerkranz ist vom Grundsatz her ein friedliches Symbol. Die runde Form steht für Vollkommenheit, die immergrüne Erscheinungsform des Lorbeerstrauches bzw. des Lorbeerbaumes für Beständigkeit bzw. Unsterblichkeit. Seine Symbolik stand er für Erfolg, Leistung, Sieg, Ruhm und Weihe.

Am 16. Januar 27 v.Chr. verlieh ihm der Senat den Ehrennamen Augustus („der Erhabene“), so dass sich als vollständige Form Imperator Caesar Divi filius Augustus ergab. Der Name Augustus wurde wie der Name Caesar zum Bestandteil seiner und der nachfolgenden römischen Kaisertitulatur.

Hintergrund:
Augustus war der erste römische Kaiser. Der Großneffe und Haupterbe Gaius Iulius Caesars gewann die Machtkämpfe, die auf dessen Ermordung im Jahr 44 v.Chr. folgten, und war von 31 v.Chr. bis 14 n.Chr. Alleinherrscher des Römischen Reiches. Unter der Devise der Wiederherstellung der Republik – restitutio rei publicae – betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in eine Monarchie in Form des Prinzipats. Damit setzte er dem Jahrhundert der Römischen Bürgerkriege ein Ende und begründete die julisch-claudische Kaiserdynastie. Seine Herrschaft, nach außen durch zahlreiche Expansionskriege geprägt, mündete im Inneren in eine langanhaltende Konsolidierungs- und Friedensphase, die als Pax Augusta verklärt wurde.

Der Übergang vom republikanischen in das monarchisch geprägte Römische Reich vollzog sich zwischen 31 v.Chr. und 27 v.Chr. In der entscheidenden Schlacht um die Herrschaft bei Actium setzte sich Augustus gegen seinen Rivalen Marcus Antonius durch und konnte so seine alleinige Machtstellung schrittweise etablieren. Dadurch konnten auch die Bürgerkriege innerhalb des Römischen Reichs beendet werden. Der junge Gaius Octavianus trat seine im Bürgerkrieg erworbenen Machtansprüche ab und nahm den Namen Augustus an. Diese politische Neuerung brachte auch enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen mit sich. Unter anderem zeigen sich diese Veränderungen in einer umfassenden Währungsreform. Die Münze nahm in diesem Kontext eine bedeutende Rolle ein und wurde vielseitig eingesetzt. Als Propagandamittel und Medium kaiserlicher Selbstdarstellung erhielt sie gleichsam politische Macht.

Augustus versprach den Menschen ein „neues Zeitalter“ in Wohlstand und Frieden. Er etablierte zu diesem Zweck viele neue kulturelle und religiöse Werte, welche das Reich im Inneren stabilisieren und ihn als Erlöser und Bringer einer glücklichen Ära postulieren sollten. Eine der bedeutendsten Maßnahmen war die Reform des Münzwesens, welches durch zahlreiche Kriege und Unruhen stets instabiler geworden war. Ziel dieser Neuerungen war es daher, ein stabiles Wirtschaftssystem durch eine stabile Währung zu konstituieren. Die Neuerungen zeigten Wirkung, denn die von Augustus durchgeführte Reform regelte das Münzwesen des Römischen Reiches mehrere Jahrhunderte lang.

Als Ausgangslage dieses Systems diente die bereits in der Republik entwickelte Nominalstruktur auf Basis des römischen Pfundes (libra, 327,46g). Augustus setzte dabei auf ein trimetallisches System und führte die Bronzewährung (Aes / As) wieder ein, die seit 90 v.Chr. abgeschafft war. Neben der Legierung Bronze waren die Metalle Gold und Silber die Säulen dieses Systems. Der Denar behielt auch weiterhin seine Funktion als Leitnominal bei, verlor im Laufe des Kaiserreichs aber fortwährend an Gewicht und wog so 12 v.Chr. nur noch 1/42 des Pfundes. Auch der Aureus verlor im Verlauf der Jahre an Gewicht, sodass er um 12 v.Chr. nur noch 1/42 des Pfunds ausmachte. Generell stabilisierte sich der Nennwert der Münzen im Vergleich zu anderen Epochen und Regionen und überstieg den Metallwert nicht.

Eine weitere Neuerung zeigte sich in der Prägung der As. Diese Münzen erhielten das Kürzel “SC” auf ihrer Rückseite, das bis heute in seiner Bedeutung kontrovers diskutiert wird. Bekannt ist jedoch, dass sein Gebrauch sich fast ausschließlich auf den stadtrömischen Verkehr beschränkte. Die Münzen des Augustus zeichnen sich besonders in ihrer Typenvielfalt (ca. 500 Typen) aus, da der Kaiser unterschiedlichste Absichten mit dem Nachrichtenmedium Münze verfolgte. Sie waren unter anderem Ausdruck des Selbstverständnisses und erlangten große Bedeutung für die Außenpolitik. Die künstlerische Qualität der Münzbilder gilt als sehr gut, womit häufig die dargestellte Überhöhung des Kaisers assoziiert wird. Eine der am häufigsten abgebildeten Motive ist sind die Göttin Victoria und das Mischwesen Capricorn.

Die Münzen wurden unter Kaiser Augustus zu einem Medium der kaiserlichen Selbstdarstellung. Der Princeps schöpfte die Möglichkeiten der Münzprägung voll aus, indem er sich die Möglichkeiten von Münzen als Träger von politischen Botschaften zu eigen machte. Hierbei ging es sowohl um die Legitimierung des Herrscherstatus durch die Kundgabe seiner Leistungen als auch um die Präsentation seiner eigenen Person. So inszenierte er seine Herrscherpersönlichkeit als entschlossener und militärisch erfolgreicher Feldherr und ließ sich in der körperlichen Verfassung eines jugendlichen Mannes abbilden. Durch diese Art der Münzbilder schuf er eine alterslose und über die Menschen erhabene Herrschergestalt. Zudem wurden militärische und außenpolitische Erfolge auf den Münzen abgebildet, um so die Bewohner des Imperium Romanum über die Siege und Erfolge in Kenntnis zu setzen und gleichzeitig das gesellschaftlich geprägte Bild des Kaisers zu bestimmen. Die augusteische Bildsprache zeichnete sich besonders dadurch aus, dass ihre Bedeutung herausgelesen werden muss. Viele Münzbilder zeigen Götter, Wesen, Zeichen oder bestimmte Pflanzen, deren Deutung nur durch eine genaue Reflexion erschlossen werden kann.

Ein Eichenkranz wurde Römern als militärische Auszeichnung verliehen, wenn sie einem Bürger im Krieg das Leben retteten. 27 v.Chr. erhielt Augustus mehrere Ehrungen in einer Senatssitzung. Der Eichenkranz „wegen der Errettung der Bürger“ (ob cives servatos) gehörte dazu aufgrund seiner allgemeinen Verdienste um die römischen Bürger. Der Kranz hing seitdem im Giebel des Hauses des Augustus.

Zu den Senatsbeschlüssen über Ehrungen für Augustus im Jahre 27 v.Chr. gehörte auch die Pflanzung von zwei Lorbeerbäumen vor seiner Haustür. Lorbeer mit seiner reinigenden Kraft war die Pflanze des Apoll. Augustus wird somit in die Nähe dieses Gottes gerückt. (Quelle: Jessica Wehner und Kira von Hassel, Numismatik in Hannover, https://www.numismatik-in-hannover.de/e ... -augustus/)

Schon Zeitgenossen des Augustus betrachteten ihre Gegenwart als „apollinische Ära“, geprägt von Apoll, dem Gott des Lichts, der Künste und der Musik, der Weisheit und der Weissagung. Der Kaiser ließ ihm Heiligtümer bei Actium und bei seinem eigenen Wohnhaus auf dem palatinischen Hügel in Rom errichten.

Im Jahr 14 n.Chr. unternahm der Kaiser eine Reise, die ihn über Capri nach Benevent führen sollte. Er erkrankte bereits auf Capri an Diarrhoe, reiste aber noch weiter aufs Festland bei Neapel und ließ sich nach Nola bringen – angeblich in dasselbe Haus, in dem 71 Jahre zuvor sein Vater Gaius Octavius gestorben war. Dort verstarb der Kaiser in Gegenwart seiner Frau Livia und einer Reihe herbeigeeilter Würdenträger am 19. August, am gleichen Tag, an dem er über 50 Jahre zuvor sein erstes Konsulat angetreten hatte. Laut Sueton soll der Mann, der in seinem Leben so viele Masken getragen hatte, sich mit einer Formel verabschiedet haben, die Komödianten am Ende eines Stückes sprachen: „Hat das Ganze Euch gefallen, nun so klatschet Beifall unserem Spiel, und entlasst uns alle mit Dank.“

Augustus Leiche wurde auf dem Marsfeld in Rom verbrannt und die Asche in dem prachtvollen Augustusmausoleum beigesetzt, das der Kaiser dort für sich und seine Familie hatte errichten lassen. Zudem wurde er – wie die meisten römischen Caesaren nach ihrem Tod – zum Staatsgott (divus) erklärt. Zwischen Kapitol und Palatin wurde ein Tempel des Divus Augustus geweiht. Der kultische Dienst dort oblag einem Kollegium von 21 Priestern, den Augustales, in das nur die höchsten Mitglieder des Senats und des Kaiserhauses berufen wurden.

Vollends verklärt wurde die Regierungszeit des ersten Kaisers nach seinem Tod unter dem Begriff der Pax Augusta, des „augusteischen Friedens“. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahrhundert und zur Herrschaft vieler Nachfolger des ersten Kaisers brachte die augusteische Ära – das Saeculum Augustum – Rom, Italien und den meisten Provinzen in der Tat eine lange währende Zeit von innerem Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Nach den Verheerungen der Bürgerkriege blühte die Wirtschaft nun ebenso auf wie Kunst und Kultur.




----
Heute habe ich zwei Bronzen von Roma aus London bekommen, welche ich Euch gerne vorstellen möchte. Hier erst einmal eine Provinz Bronze des noch jugendlichen Augustus. Leider sind Denare und Stadt-Bronzen wie ich sie gerne hätte mir aktuell "zu teuer", so dass ich auf die Provinz ausweichen musste. Dennoch hat dieses Exemplar ein schönes Porträt des Augustus wie ich finde.

Den original Blog Eintrag gibt es wie immer hier: https://roma-aeterna.de/roemische-kaise ... tus-m0056/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Erdnussbier » Di 25.01.22 14:48

Schicke Münze!

Bei den Cuprit Auflagen würde ich ja fast den mikeh nochmal drübermeißeln lassen :D

Mein ungeschultes Auge täuscht sich aber auch vielleicht und sieht zu viel Potential hier.

Grüße Erdnussbier
Zuletzt geändert von Erdnussbier am Di 25.01.22 15:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 25.01.22 15:14

Erdnussbier hat geschrieben:
Di 25.01.22 14:48
Bei den Cuprit Auflagen würde ich ja fast den mikeh nochmal drübermeißeln lassen
Denkst Du da kann man (vor allem auf der Rs.) noch einiges raus holen :) ...?
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Erdnussbier » Di 25.01.22 15:31

Ich habe da wirklich wenig Ahnung, die Münze sieht nur wie einer der "Vorher"-Bilder aus bei denen Georg5 oder mike h ein wenig Magie anwenden und unter den Schichten noch mehr an Münze finden.

Aber das überlasse ich lieber den Profis ;)

Grüße Erdnussbier
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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 25.01.22 16:50

ae_bronze_annia_aurelia_galeria_lucilla.jpg

Münze:
Annia Aurelia Galeria Lucilla 164 n.Chr.
Sesterz der römischen Kaiserzeit
Material: AE
Durchmesser: 30mm
Gewicht: 22,56g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Roma Numismatic, London, 16.12.2021
Referenz: RIC III 1765

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Annia Aurelia Galeria Lucilla nach rechts. Die Inschrift lautet: LVCILLA AVGVSTA.

Das Münzbild für Frauen war natürlich von der Vorstellung des Principats als politischer Organisationsform abhängig. Da es nach der Definition des Augustus eine wiederhergestellte Republik und keine Monarchie war, gehörte die Frau nicht zu den offiziellen Repräsentanten des Systems. Ihre Rolle blieb undefiniert. Augustus selbst hat dann auch nicht seine Frau auf Münzen abbilden lassen, allenfalls spät in seiner Regierungszeit in einer Göttinnengestalt denkbar gemacht. Ein Grund für diese Zurückhaltung lag in der relativ offensiven Haltung des Antonius in diesem Punkt, der sowohl seine Gattin Octavia wie auch seine Gefährtin Kleopatra auf Reichsmünzen herausgestellt hatte. Gleichwohl war die Zahl der Prägungen im Osten für Livia überwältigend. Das stand zum einen in der Tradition des hellenistischen Herrscherinnenbildes, spiegelt aber auch die ansonsten häufige statuarische Repräsentation Livias im öffentlichen Raum und damit also die Wahrnehmung der Kaisergattin als Repräsentantin der Herrschaft.

Eine Sonderrolle nimmt die Prägestätte Alexandria ein, wo der Kaiser seine Gattin selbst auf Münzen darstellen ließ. Auffällig ist auch, dass gerade die Statthalter senatorischer Provinzen, die Frauen der Kaiser auf Münzen verewigen, etwa auf den kleinasiatischen Kistophoren. Sie hätten dies sicher nicht getan, wenn sie damit gegen ein Tabu der Regierungspraxis verstoßen hätten. In den Provinzen fällt die große Parallelität der Kaiserfrau auf Münzen zu ihrem Mann auf. Persönliche Bezüge kommen allenfalls in der julisch-claudischen Zeit vor, in der auch bereits ein wesentlicher Motivkanon entsteht, der später in stereotyper Weise übernommen wird. Neben den Themen Ehe und Familie, anfangs auch Kaiserkult, stehen lokale Götterbezüge im Mittelpunkt der Prägungen. Die aktivsten Prägeregionen sind Kleinasien und Griechenland; aber auch die coloniae in Africa und Spanien für die julisch-claudische Zeit sowie Thrakien tragen zum Prägeaufkommen bei. Klientelkönige an der Peripherie des Reiches prägen ausschließlich für die Frauen der julisch-claudischen Dynastie.

Seit Caligulas Principat tauchen Frauen relativ häufig auf römischen Münzen auf. Allerdings sind es die Flavier, die als erste ein eigenes frauenspezifisches Reversprogramm abbilden, das zwar in trajanischer Zeit – unter der Programmatik des Adoptivkaisertums – zunächst vorübergehend abreißt aber dann in ausgesprochen dynastisch orientierten Prägungen ab 112 n.Chr. die ganze Antoninenzeit über gängig bleibt und ergänzt wird. Zwei Aspekte treten bei den Prägungen für Frauen in den Vordergrund. Zum einen werden Frauen als Trägerinnen der Dynastie herausgestellt, zum anderen werden Tugenden oder Funktionen (zumeist der Gattin des Herrschers) propagiert, oder ihre besondere Nahbeziehung zu einzelnen Göttinnen thematisiert, was im Verlauf der Kaiserzeit einen immer stärker umfassenden Charakter annimmt, so dass die Frau des Kaisers neben dem Mann zur Garantin des Staatswohls stilisiert wird. Ihre tatsächliche, wie potentielle Reproduktionsfähigkeit konnte das ebenso garantieren wie ihre Tugendhaftigkeit.

In den Darstellungsformen fällt auf, dass frühe Abbildungen trotz eines relativ eindeutigen Porträts die Zuweisung vermeiden – etwa die Salus-Augusta Münze für Livia. Wenn Porträts eindeutig zugewiesen sind, wie bei Agrippina maior oder Antonia minor, sind die Abgebildeten bereits tot. Caligulas Schwestern, die als erste lebende Frauen mit Namen abgebildet werden, sind zugleich als Personifikationen von Gottheiten, gleichsam stereotyp statuarisch und entindividualisiert dargestellt und durch die mitgeführten Attribute ausgewiesen. Für Agrippina minor, die als erste lebende Frau durch ein Porträt mit Umschrift ihres Namens auf einer Münze geehrt wird, werden göttliche Bezüge dann jedoch wiederum gemieden. Noch frappierender ist, dass die erste vergöttlichte Kaiserfrau, Caligulas Schwester Drusilla, auf überhaupt keiner Münze erscheint, während Livia, die erst von Claudius in den Status einer Göttin erhoben wird, keine Porträtmünze erhält, sondern lediglich eine statuarische Abbildung, die was das Nominal angeht auch sehr bescheiden im Vergleich zu den Abbildungen von Claudius verstorbener, aber nicht vergöttlichter Mutter Antonia ausfällt. Antonia jedoch wird wiederum in einen auffällig sakralen Kontext gerückt, der offenbar ihre Priesterinnenrolle hervorheben soll und keine Divinisierung antizipiert. In den Provinzen werden solche Rücksichten überhaupt nicht genommen.

Mit den Flaviern beginnen erstmals spezifisch weibliche Bildprogramme einzusetzen. Unter Titus werden für seine Mutter Diva Domitilla zunächst Münzen mit staatstragenden Göttinnen bzw. Personifikationen geprägt (Pax und Fortuna), was äußert ungewöhnlich war, und allein für die verstorbene Antonia (Constantia Augusti) schon einmal praktiziert worden war. In beiden Fällen aber wohl situationsgebunden gemeint war. Sowohl Constantia wie Pax werden danach kaum noch geprägt. Für Titus Tochter Iulia wird dagegen verstärkt ein verallgemeindernder Bezug zu Ehe und Familie hergestellt, den Domitian für seine Gattin Domitia noch verstärken sollte. Die Flavier führen dabei auch den Pfau, Zeichen der Iuno, als Signet ein, ihr Anliegen zu verdeutlichen. Dabei wird concordia mit dem Pfau in Verbindung gebracht, also ehelich gedeutet – etwa bei Domitia Longina, Domitians Gattin. Mit dem Pfau schaffen sie allerdings ein wirkmächtiges Symbol, das unter den Antoninen seine Konnotation als Hinweis auf die consecratio einer Kaiserin erhält.

Unter Trajan wird für seine Gattin Plotina zunächst keine dynastisch motivierte Prägung ausgegeben, stattdessen wird sie im Münzprogramm – gerade in ostentativer Ablehnung der flavischen Darstellungen – auf das bereits von Augustus propagierte Frauenbild der tugendhaften Kaiserin reduziert, dass sie ganz auf die Werte castitas und pudicitia festlegte. Dagegen hat Trajan nach 112 n.Chr. seine Schwester Marciana wie auch deren Tochter Matidia auf Münzen prägen lassen. Während Marciana vor allem als Diva auf den Münzen ihres Bruders erschien, wurde Matidia zusammen mit pietas und Kindern als eigentliche Garantin der Dynastie herausgestellt. Unter Hadrian war es Matidias Tochter Sabina, die als Gattin des Kaisers in bisher nicht gekanntem Umfang auf Münzen abgebildet wurde. In Grundzügen folgten die Prägungen bereits unter den Flaviern bekannten Typen, wurden aber noch erweitert. Hier ist insbesondere Iuno zu nennen. War deren Attribut (Pfau) bereits vorher präsent gewesen, so wurde die Göttin nun mit dem Beinamen der Regina verbunden und klar aus dem Bereich einer Schutzherrin von Ehe und Familie herausgenommen und stattdessen als Herrin und damit staatstragende Göttin eingeordnet. Deutlicher konnte man die Rolle der Frau des Kaisers Hadrian, über die wir aus der historischen Literatur so wenig wissen, wohl kaum formulieren.

Dennoch sagt der Umfang der Prägung wenig über realpolitische Macht aus. Das läßt sich an den umfangreichen Prägungen für Faustina maior zeigen, die schon früh in der Regierung ihres Mannes Antoninus Pius starb. Dennoch weist er der toten Gattin retrospektiv – in ihrer aktuellen Rolle als Göttin – heilstragenden Charakter zu. Das verdeutlichen auch die neu eingeführten Salustypen oder die Fortunaprägungen, die ihrer Tochter vorenthalten bleiben. Insgesamt ist eine matronale Ausrichtung der Faustina maior Prägungen zu erkennen. Ceres wird in verschiedenen Typen für sie geprägt; pietas erstmals ohne Kinder. Die dynastisch tragende Rolle übernimmt die Tochter des Paares, Faustina minor, die dieser dann auch voll gerecht wird. Von Anfang an wurde ihr reproduktives Potential gefeiert, ihre Mutterrolle vorweggenommen. Das fällt im Übrigen auch für Faustinas Schwägerin, Commodus Gattin Crispina auf, die zeitlebens keine Kinder hatte, aber mit der für Faustina erstmals geprägten fecunditas abgebildet wurde. Als Fortuna minor nämlich tatsächlich Mutter wurde, wurden ihre zahlreichen Kinder von ihrem Gatten Marc Aurel entsprechend ins Bild gebracht. Erstmals wurde in diesem Fall eine immer latent vorhandene Erwartung eingelöst und Faustina minor schließlich als erste Kaiserin explizit auch in die politische Sphäre des Kaisertums eingebunden, als Münzen mit der Darstellung des ihr verliehenen Titels einer mater castrorum, der im Grunde den pater patriae Titel des Kaisers parallelisiert, herausgegeben wurden. Einen Höhepunkt erfuhr diese Entwicklung mit Iulia Domna, die 205 n.Chr. den Titel einer mater Augustorum, mater senatus, mater patriae führte, der ebenfalls numismatisch festgehalten wurde.

Lucilla, die Gattin des Lucius Verus, erscheint selbstverständlich in genau derselben Weise als alleinige Münzherrin auf allen Metallen, wie die vorhergehenden Kaiserinnen. Münzen mit CONSECRATIO oder DIVA fehlen bei ihr natürlich, da sie als Opfer ihres Bruders Commodus fiel und nicht konsekriert wurde. (Cohen III 214 ff.)

In augusteischer Zeit trugen die Frauen oft eine schlichte Frisur mit Haarschlaufe im Nacken. So wird z.B. Antonia minor, die Mutter des Kaisers Claudius abgebildet. Livia, die Frau des Augustus, ist genauso wie seine Schwester Octavia typischerweise erkennbar an einem über die Stirn gekämmten Haarbausch mit Knoten im Nacken. In flavischer Zeit mochte man es schon auffälliger: Iulia, die Tochter des Titus, und Domitia Longina trugen hoch auftoupierte Locken über der Stirn, die sicherlich nicht nur aus Eigenhaar bestanden. Plotina, die Gattin Traians, und Faustina d. Ä., Ehefrau des Antoninus Pius, sind mit aufwändigen Frisuren aus vielen kleinen Zöpfen abgebildet. Wellenfrisuren kennzeichnen die Mode zur Zeit der verschiedenen Iulias der Severer.

Das Porträt der jungen Kaiserin Lucilla existiert auf Münzen in verschiedenen Varianten. Die Art der Friseur ist dabei immer ähnlich, die Haare geflochten und dann am Hinterkopf zu einem Dutt zusammengebunden. Allerdings gibt es hier und da viele kleine Unterschiede – mit senkrechten oder waagerechten Zöpfen, manchmal mit einem dünnen Zopf über der Stirn und mit dekorativen Wellen am Hinterkopf. Auch ihre Porträtbüsten, zum Beispiel in Erlangen und Ostia, stellen sie mit einem Haarknoten dar. (Quellen: Universität Osnabrück, PD Dr. Christiane Kunst und Anja Schulz, Kaiserfrauen auf Münzen / Universität Heidelberg, Frauen auf römischen Münzen)

Die Inschrift LVCILLA AVGVSTA identifiziert Annia Aurelia Galeria Lucilla und weist auf den Ehrentitel Augusta hin, welchen Sie 164 n.Chr. nach Ihrer Hochzeit verliehen bekommen hatte.

Revers:
Zu sehen ist Venus stehend nach links, in den Händen einen Apfel und ein Zepter. Die Inschrift lautet: VENVS und mittig S C.

Venus ist die römische Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit. Die Annahme, Venus sei ursprünglich eine italische Göttin des Ackerlandes, der Gärten, des Frühlings und als solche eine Göttin von Bauern und Winzern gewesen, wird heute nicht mehr vertreten. Auch für einen frühen Kult sind keine Anzeichen zu finden. Sie hatte keinen eigenen flamen (Priester) und auch in den ältesten Kalendern wird kein Fest der Venus verzeichnet. Seit dem 4. Jahrhundert v.Chr. wurde sie des Öfteren als „Göttin der Liebe“ mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt, deren Kult sich als Venus Erycina von Sizilien, besonders vom Berg Eryx, nach Italien ausbreitete. Der erste archäologische Beweis war der Fund einer Darstellung zusammen mit Persephone auf einem Spiegel aus Praeneste. Sie gelangte zu besonderer Bedeutung als Göttin des latinischen Bundes und hatte als solche Heiligtümer in Lavinium und Ardea.

In Rom hatte sie in alter Zeit besondere Verehrung als Murcia, worin man später fälschlich die „Myrtenfreundin“ (Myrtea) sehen wollte, sowie als Cloacina. Als Venus Libentina oder Venus Lubentina war sie die Göttin der sinnlichen Lust. Die Leichengöttin Venus Libitina wurde mit dieser „gleichgesetzt […] wegen der Namensähnlichkeit“. In deren Tempel wurden die zur Bestattung notwendigen Utensilien aufbewahrt und die Totenlisten geführt. Parallel zur Entwicklung der Venus verlief in Kampanien die Gleichsetzung der oskischen Göttin Herentas zu Aphrodite. Der erste stadtrömische Venustempel wurde 295 v.Chr. von Quintus Fabius Maximus Gurges geweiht. Im Jahr 217 v.Chr. nach der Schlacht am Trasimenischen See, wurde auf Geheiß der Sibyllinischen Bücher der Venus vom Berg Eryx ein Tempel gelobt und auf dem Kapitol erbaut.

Die Sage, dass Aeneas der Sohn von ihr und Anchises sei, wurde dahingehend erweitert, dass er nach der Zerstörung der Stadt Troja in die mittelitalienische Region Latium ausgewandert sei. Nach dieser Version führte Venus zunächst ihren Sohn zusammen mit dem alten Vater Anchises sicher aus dem untergehenden Troja. Als Göttin der Liebe sorgte sie anschließend dafür, dass sich die karthagische Königin Dido in Aeneas verliebte und ihm Zuflucht gewährte. Auch in der entscheidenden Schlacht gegen Turnus griff sie auf Seiten ihres Sohnes ein und brachte diesem seinen Speer zurück. Ein Bildnis von ihr soll Aeneas mit nach Lavinium gebracht haben.

Neben den vielen Formen der Verehrung, die Venus genoss und die dem griechischen Aphroditekult entsprachen, hat sie eine besondere Bedeutung als Venus genetrix, das heißt als Stammmutter des römischen Volkes durch ihren Sohn Aeneas (Aeneadum genetrix). Speziell das Geschlecht der Julier, das seine Abstammung von ihrem Enkel Iulus, dem Sohn des Aeneas, herleitete, verehrte sie als Stammmutter. In diesem Sinn errichtete ihr Julius Caesar als Venus genetrix auf dem von ihm angelegten Forum 46 v.Chr. einen prächtigen Tempel, bei dem alljährlich elftägige Spiele gefeiert wurden (Veneralien). Auch Gaius Octavius (Augustus) bezog sich auf sie, was dadurch deutlich wird, dass am Fuß der Panzerstatue von Primaporta, die den Princeps zeigt, ein Delphin (das der Venus zugeordnete Tier) dargestellt ist. Als Stammmutter des ganzen römischen Volkes war ihr zusammen mit Roma von Hadrian der 135 n.Chr. vollendete Doppeltempel der Venus und der Roma in der Nähe des Kolosseums (später templum Urbis Romae genannt) geweiht, von dem heute nur noch Ruinen vorhanden sind.

Venus war der 1. April heilig, an dem sie von den römischen Matronen neben der Fortuna Virilis (Göttin des Glücks der Frauen bei den Männern) und der Concordia als Venus Verticordia (Wenderin der weiblichen Herzen zu Zucht und Sitte) verehrt wurde. Von geringerer Bedeutung waren die Kulte der Venus Obsequens (der Willfährigen), der Venus Salacia (Göttin der Buhlerinnen) und anderer. Auch in Kampanien stand, wohl infolge griechischer Einflüsse, der Kult der Venus in hohem Ansehen, hier war sie zum Beispiel als Venus Fisica Stadtgöttin von Pompeji.

Die Göttin der Liebe kommt seit der Republikzeit bis zum ausgehenden 3. Jh. v.Chr. oft auf römischen Münzen vor. Besonders häufig ist sie auf Münzen Cäsars dargestellt. Dieser beanspruchte Venus Genetrix als mythische Ahnfrau (Mutter der Abkömmlinge von Aeneas) seiner Gens (julische Dynastie). Für Sulla war sie die glückbringende (Felix), für Pompeius die siegreiche (Victrix) Göttin. In der Kaiserzeit ist Venus häufig auf den Rückseiten der Münzen der Kaiserinnen abgebildet, meist dürftig bekleidet, manchmal zusammen mit geflügelten Eroten (lat. Amores). Ihr häufigstes Attribut ist der Apfel, den ihre griechische Entsprechung Aphrodite nach der homerischen Sage als Schönheitspreis von Paris empfangen hat. Als Venus Victrix ist sie mit Helm und Speer dargestellt.

Venus Prägungen sind bei den Münzen Lucillas besonders häufig. Die Darstellung der Venus auf der Rückseite dieses Sesterz bezieht sich sehr wahrscheinlich auf die Hochzeit zwischen Lucius Verus und Lucilla im Jahr 164 n.Chr.

Die Inschrift VENVS identifiziert die Göttin Venus, die Legende SC bezieht sich auf den Senatsbeschluss (senatus consulto). Es ist noch immer nicht gänzlich geklärt, wofür dieses Kürzel stehen sollte. Einerseits wird vermutet, dass es für „auf Senatsbeschluss geprägt“ (senatus consulto) steht, was bedeuten würde, dass auch der Senat Rechte für die Prägung von Bronze Münzen innehatte. Andererseits besteht die Hypothese, dass das Kürzel dazu diente, an die Ehrungen und Auszeichnungen zu erinnern, welche der jeweilige Herrscher vom Senat erhalten hatte. Was aber „auf Beschluss des Senates“ genau bedeutet, ist immer noch umstritten.

Hintergrund:
Annia Aurelia Galeria Lucilla wurde am 7. März 148 oder 149 n.Chr. als Tochter des Kaisers Marc Aurel und seiner Frau Faustina geboren. Sie war die ältere Schwester des späteren Kaisers Commodus. Im Jahr 161 n.Chr. wurde die elfjährige Lucilla mit Kaiser Lucius Verus verlobt. Dies hinderte Verus aber nicht daran, eine Beziehung mit der schönen Pantheia aus Smyrna zu beginnen, die viele Jahre bestand. Die Hochzeit zwischen Mitkaiser und Kaisertochter fand aber dennoch etwa 164 n.Chr. statt. Dabei erhielt Lucilla wie ihre Mutter den Ehrentitel Augusta.

Im darauffolgenden Jahr schenkte Lucilla in Antiochia einer Tochter das Leben. Wenig später feierte Lucius Verus gemeinsam mit Marc Aurel und der ganzen antoninischen Familie einen glanzvollen Triumph über das Partherreich. Das Familienglück hielt aber nicht lange an. Bereits 166 n.Chr. brach die so genannte Antoninische Pest im Reich aus. Ihr sollte schließlich auch Lucillas Vater zum Opfer fallen. Zudem fielen germanische Stämme ins Reich ein. Die beiden Kaiser brachen 168 n.Chr. zur Nordgrenze auf, kehrten auf Rat des Hofarztes Galen aber dann nach Rom zurück. Noch unterwegs erlitt Lucius Verus einen schweren Schlaganfall. Er starb drei Tage später im Alter von 39 Jahren in Altinum. Lucilla war mit nur 19 Jahren bereits Witwe.

Nach dem Tod des Verus wucherten wilde Gerüchte. Auch Lucilla wurde verdächtigt, ihren Gatten ermordet zu haben. Dass sie tatsächlich für dessen frühen Tod verantwortlich war, ist aber sehr unwahrscheinlich, büßte sie doch damit ihre einflussreiche Stellung als Kaisergattin ein. Marc Aurel suchte noch vor Ablauf des Trauerjahres einen neuen Gatten für seine Tochter. Er fand ihn in Tiberius Claudius Pompeianus. Dieser stammte aus Syrien und war ein schon älterer, loyaler Anhänger des Kaisers, dessen Stärken vor allem auf militärischem Gebiet lagen. Er wurde zum treuesten Mitarbeiter des Kaisers während der Markomannenkriege. Lucilla fügte sich nur unter Widerständen in diese Heirat, da sie einen jüngeren, vornehmeren Ehemann wie Avidius Cassius, den sie in Syrien kennengelernt hatte, bevorzugt hätte. Auch ihre Mutter war gegen diese Verbindung. Aus der Beziehung stammte ein Sohn Claudius Pompeianus (170 n.Chr. oder später).

Lucilla und Pompeianus begleiteten den Kaiser 172 n.Chr. an die Donaufront in sein Feldlager in Carnuntum bei Wien. Pompeianus unterstützte Mark Aurel 173 n.Chr. als Konsul. Im Jahr 175 n.Chr. beruhigte sich die Lage im Reich wieder. Der Usurpator Avidius Cassius, einst Wunschpartner Lucillas, wurde ermordet und die Germanen an der Donau schlossen Frieden mit den Römern. Doch bereits 178 n.Chr. musste der kaiserliche Hof, darunter auch Lucilla und ihr Ehemann, wieder nach Norden aufbrechen. Marc Aurel starb nur gut ein Jahr später vermutlich in Vindobona. Commodus übernahm nun die Macht. Die Hoffnungen seiner Schwester Lucilla, dass ihr Mann Pompeianus an der Macht beteiligt werden würde, erfüllten sich nicht.

Über die Ereignisse der nächsten beiden Jahre gibt es unterschiedliche Berichte. Eine Version berichtet, dass Spannungen zwischen Lucilla und Bruttia Crispina, der Ehefrau des Commodus, die Atmosphäre am Hof schwer belasteten. Lucilla fühlte sich gegenüber ihrer Schwägerin zurückgesetzt. Aus diesen höfischen Auseinandersetzungen ist wohl der nicht unbegründete Vorwurf zu erklären, sie sei 181 n.Chr. an einer Verschwörung zum Sturz ihres Bruders beteiligt gewesen.

Nach Berichten des Herodian hatte Tiberius Claudius Pompeianus Quintianus – wohl ein Neffe des Pompeianus – zusammen mit Marcus Claudius Ummidius Quadratus einen fehlgeschlagenen Anschlag auf den Kaiser im Kolosseum organisiert. Lucilla wurde nun verdächtigt, Quintianus angestiftet zu haben. Zudem gab es den wohl ebenfalls nicht unbegründeten Vorwurf, sie habe mit ihrem Neffen ein Verhältnis gehabt.

Lucilla wurde daraufhin verurteilt und auf die Insel Capri verbannt. Ob sie tatsächlich für das Attentat auf ihren Bruder mitverantwortlich war oder einer darauffolgenden Säuberungswelle zum Opfer fiel, bleibt ungewiss. Sie wurde schließlich 181 oder 182 n.Chr. hingerichtet.




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Und hier die zweite und letzte Münze, welche ich heute von Roma erhalten katte, einen Sesterz der Annia Aurelia Galeria Lucilla, Ex-Gattin des Lucius Verus und Schwester des späteren Kaisers Commodus. Mir gefällt das Porträt, die prägnante Nasenspitze und irgendwie hat die Dame eine gewisse Ähnlichkeit mit einer ehemaligen Nachbarin aus meiner Jugendzeit, mit der ich "näheren" Kontakt hatte. Was blieb mir also anderes übrig als hier diesen Seserz zu mir nach Hause zu holen.

Lesenswerte Links, wie ich finde, zum Thema Frauen / Kaiserinnen auf Münzen finden sich hier:
https://www.altegeschichte.uni-osnabrue ... f-Muenzen/
https://pecunia.zaw.uni-heidelberg.de/N ... en-muenzen

Und bei Academica gibt es ein PDF zum Download: "Ulrich Kahrstedt - Frauen auf antiken Münzen". Das holt zwar etwas weiter aus, aber auch die Kaiserinnen bekommen hier ein großes Kapitel in der Publikation.

Wie immer, hier ghets zum Original-Blog: https://roma-aeterna.de/roemische-kaise ... lla-m0061/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Di 25.01.22 18:36

Timestheus hat geschrieben:
Di 25.01.22 15:14
Erdnussbier hat geschrieben:
Di 25.01.22 14:48
Bei den Cuprit Auflagen würde ich ja fast den mikeh nochmal drübermeißeln lassen
Denkst Du da kann man (vor allem auf der Rs.) noch einiges raus holen :) ...?
Also als Übungsobjekt ist so eine scharf ausgeprägte Münze mit gutem Portrait doch viel zu schade !

Wer ein paar hundert Münzen gereinigt hat und weiss, was er tut, kann sich die evtl. einmal unters Mikroskop legen. Alle anderen sollten tunlichst die Finger davon lassen :wink:
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 25.01.22 18:45

Ich würde und werde da niemals selber Hand anlegen an meine Münzen. Niemals! :)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Mi 26.01.22 00:37

Mensch Jörg, du ballerst immer soviel Informationen raus 😁😜 ... leider sind deine benutzten Quellen nicht immer die besten 🙄.
Bspw. bei deinem Augustus: 12 v.Chr. hatten Denar und Aurei jeweils das Gewicht von 1/46 römischen Pfund? Wiegen die nicht unterschiedlich 😉 Und wieso soll das SC "noch immer kontrovers" diskutiert werden? Siehe Konrad Kraft, Senatus Consulto, in: JNG 12/1962, S. 7-50, ist im Netz abrufbar (ich weiss, dass du die beiden Sachen aus dem verlinkten Beitrag von Wehner/Hassel hast). Oder Lucilla: sie ist als 3. Kind am 7. März 151 geboren worden, nicht 149, da kam Titus Aurelius Antoninus zur Welt (nach 25. Feb.). Im übrigen denke ich, dass die Unterstellung, sie hätte ein Verhältnis mit ihrem Neffen gehabt, üble Nachrede ist, ebenso wie das bei Crispus und Fausta 326 der Faĺl war (ein gern verwendetes Mittel). Und das der Lorbeer zu Jupiter zählt ist mir neu - ich dachte immer der Eichenkranz 😉
Gruss
Lucius Aelius

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