Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 28.01.22 01:44

Vielleicht könnt Ihr mir helfen - ich bin mit meinen Kapitelbezeichnungen unzufrieden und komme tatsächlich nicht weiter. Wie könnte man die bezeichnen, dass es auch numismatisch vielleicht Sinn ergibt?

Ich habe heute für knapp 30 Pfund noch eine Hieron II Bronze meiner Roma Lieferung hinzugekauft. Ich schaue schon seit Wochen immer mal wieder bei den Auktionen nach den Griechen oder Makedonen oder Thraker etc. - welche eng mit der Geschichte Roms verknüpft sind. Wie zum Beispiel Hieron II. Da das aber keine Priorität hat ist die letzten Wochen keine einzige Münze in das Kapitel gekommen, weil mir 100-300 Euro zu viel waren für das Randthema. Aber nen Hieron II der einigermaßen gut ausschaut für 30 Pfund nehme ich mit.

Aber wie nenne ich das Kapitel - den Part nun?

Erst mal bei der Aufzählung der Einteilungen:
https://roma-aeterna.de/sammlung/
Part I: Griechische Prägungen in Verbindung mit der römischen Republik
Das klingt doch deppert. Griechische Prägungen. Ich weiß nicht. Läuft der Hieron II überhaupt unter Griechische Prägungen? Und was wenn ich eine Karthager Bronze erwische? Bei Auktionen ist das alles ja immer unter den Griechen einsortiert.

Zweitens - bei der Beschreibung der Münze:
https://roma-aeterna.de/griechische-pra ... sae-m0089/
Griechische Litra Bronze auf italischem Boden
Was denn das für eine dämliche Bezeichnung? "...auf italischem Boden". Also normalerweise steht da "Silberdenar der römischen Republik" - das macht Sinn und klingt flüssig. Aber "Griechische Litra Bronze auf italischem Boden"? Da bin ich gar nicht zufrieden.

Aber mir fehlt irgendwie der Fachbegriff oder wie ich das als "Epoche" zusammenfassen könnte.
Hat jemand da bessere begriffe und Ideen?

Danke!
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Fr 28.01.22 06:29

Timestheus hat geschrieben:
Fr 28.01.22 01:44
Part I: Griechische Prägungen in Verbindung mit der römischen Republik


Das klingt doch deppert.
Stimmt! :wink:

Ich würde das auch nicht verkomplizieren. "Griechische Münzen" reicht vollkommen aus. Vielleicht hier noch die Unterteilung "Sizilien" dazu.

Übrigens für 30 Pfund ein schönes Stück. Würde mir auch gefallen.

Grüsse
Rainer
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 28.01.22 10:16

Ok, dann fallen auch numismatisch gesehen Karthager oder Ptolemäer oder Münzen aus dem Raum der heutigen Türkei, Israel, Syrien etc. aus dieser Zeit grob unter der Rubrik „Griechen“?

Zumindest werden sie da bei den Auktionen immer einsortiert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von antoninus1 » Fr 28.01.22 13:13

So prinzipiell: für die Griechen verwendet man heute allgemein noch die Einteilung nach Eckhel, d.h. geografisch im Uhrzeigersinn ums Mittelmeer, beginnend in Spanien.
Aber was sind Griechen? Karthager (das sind doch Phönizier), Ptolemäer (ja),...?
Gruß,
antoninus1

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 28.01.22 13:18

antoninus1 hat geschrieben:
Fr 28.01.22 13:13
So prinzipiell: für die Griechen verwendet man heute allgemein noch die Einteilung nach Eckhel, d.h. geografisch im Uhrzeigersinn ums Mittelmeer, beginnend in Spanien.
Aber was sind Griechen? Karthager (das sind doch Phönizier), Ptolemäer (ja),...?


Ich habe jetzt mal das Kapitel auf der Startseite benannt in:
Part I: Roms Verbündete und Gegner: Griechenland, Karthago und Magna Graeca

Und die Beschreibung der Münze selber dann auf:
Litra Bronze der Magna Greaca

Denke so könnte ich es stehen lassen etwa. Ist echt schwierig das irgendwie zusammen zu fassen. Problem ist, da werden sich paar vereinzelte Münzen tummeln - sicher lange Zeit nur 3, 4 Stück. Jede einzelne Münze in ein eigens verlorenes Kapitel sieht da halt auch irgendwie "doof" aus.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Altamura2 » Fr 28.01.22 14:20

Timestheus hat geschrieben:
Fr 28.01.22 13:18
Ich habe jetzt mal das Kapitel auf der Startseite benannt in:

Part I: Roms Verbündete und Gegner: Griechenland, Karthago und Magna Graeca
Das waren aber lange nicht die einzigen, solche gab es auch z.B. in Kleinasien und im Schwarzmeergebiet.
Timestheus hat geschrieben:
Fr 28.01.22 13:18
Litra Bronze der Magna Greaca


Denke so könnte ich es stehen lassen etwa.
Wenn man noch ein i einfügt, es heißt Magna Graecia.
Und hier vielleicht besser "Moderne Nachahmung einer Bronze-Litra ...", siehe hier: viewtopic.php?f=49&p=554073#p554085

Gruß

Altamura

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von tilos » Fr 28.01.22 20:12

Timestheus hat geschrieben:
Mi 26.01.22 20:16
tilos hat geschrieben:
Mi 26.01.22 20:09
ich sammle ja ein wenig Mineralbildungen auf Münzen.
Sowas gibt es auch? Faszinierend (ich meine das positiv).
---
tilos hat geschrieben:
Mi 26.01.22 20:09
Auf jeden Fall eine sehr schöne Münze, ich habe auch eine kleine Serie davon. Selbst die Cuprit-Auflagerungen gefallen mir recht gut
Danke! Ja war eigentlich ein "Not" Kauf da ich keine schöne Stadt-Bronze gefunden habe und ein Denar des Augustus mir zu teuer war - aber am Ende war ich dann selber überrascht über das schöne Stück. Vor allem was das Porträt angeht. Und da das Ganze unter 200 Euro war - bin ich wirklich sehr happy über diesen Augustus.
Mal zum Thema Mineralbildung auf Münzen bzw. Cupritpatina auf Münzen ein Beispiel aus meiner Sammlung, das zu meinen Lieblingsstücken gehört, auch wenn die Cupritpatina - wie so oft, wenn sie stärker ausgebildet ist - das Münzbild "ein wenig" vergröbert.

Gordianus III., Tarsos, Cilicia, 36mm, 20,71g

Gruß
Tilos
Dateianhänge
Tarsos av.jpg
Tarsos rv.jpg

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 28.01.22 20:25

tilos hat geschrieben:
Fr 28.01.22 20:12
Mal zum Thema Mineralbildung auf Münzen bzw. Cupritpatina auf Münzen ein Beispiel aus meiner Sammlung, das zu meinen Lieblingsstücken gehört, auch wenn die Cupritpatina - wie so oft, wenn sie stärker ausgebildet ist - das Münzbild "ein wenig" vergröbert.
Und dennoch erkennt man einen ausdrucksvollen Kopf mit besonderer Darstellung des Gordian III - finde ich.
Und diese Cupritpatina hat eine schöne Farbe - gefällt mir.

Danke für die Bilder!
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 28.01.22 20:52

silber_antoninian_herennia_cupressenia_etruscilla.jpg

Münze:
Herennia Cupressenia Etruscilla 249/251 n.Chr.
Antoninian der römischen Kaiserzeit
Material: Silber
Durchmesser: 22,5mm
Gewicht: 4,68g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF-
Rare: –
Provenienz: Comptoir des Monnaies, Lille, 18.01.2022
Referenz: RIC 59b

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Herennia Etruscilla mit Stephane nach rechts auf einer Mondsichel. Die Inschrift lautet: HERENNIA ETRVSCILLA AVG.

Im Vergleich zu den schrillen Frisuren der flavischen und trajanischen Zeit, die keine hundert Jahre zurück lagen, wirkte das Arrangement der gebildeten syrischen Aristokratentochter Julia Domna an der Seite des Kaisers Septimius Severus kompliziert, jedoch ein wenig statisch. Wie bei vielen ihrer Vorgängerinnen war die Art und Weise, wie die Haare getragen wurden, Teil des programmatischen kaiserlichen Gesamtkonzepts. Ging es doch darum, eine neue, dauerhafte Dynastie zu etablieren, deren Grundsatz der geregelten Verhältnisse sowohl auf familiärer als auf staatlicher Ebene gelten sollte.

Julia Domnas vertikal oder horizontal onduliertes Seitenhaar wurde im Bereich des Hinterkopfes von einem überdimensionalen, vertikalen Chignon überdeckt. Gelegentlich trug die Kaiserin auch einen kleineren Haarknoten im Genick, womit sie eine gewisse Solidarität mit ihrer Schwiegertochter Publia Fulvia Plautilla, ihrer Schwester sowie ihren Nichten Iulia Avita Mamaea und Iulia Soaemias Bassiana an den Tag legte. Allerdings zeigte sich das severische Kaiserhaus auch Experimenten gegenüber aufgeschlossen, was die Entwicklung des Scheitelzopfes enorm vorantrieb.

Bereits die oben erwähnte Julia Paula trug ihn auf der Mitte des Hinterkopfes, während er bei Tranquillina, der Gattin des Kaisers Gordians III, bereits bis zum Scheitel reichte. Beide Frisuren – die klassische severische, als auch die Scheitelzopffrisur – waren insbesondere im zweiten Viertel des 3. Jahrhundert n.Chr. gleichzeitig en vogue, wie die Münzbildnisse der Marcia Otacilia Severa, Gattin des Philippus Arabs, und der Gattin des Traianus Decius, unserer hier auf dem Antoninian abgebildeten Herennia Cupressenia Etruscilla, belegen.

Die Stephane ist ein weiblicher Haarschmuck, nicht unbedingt ein Kranz. Die Göttinnen Hera und Juno wurde stets mit einer Stephane als Zeichen ihrer Hoheit dargestellt.

Der Antoninian war eine antike römische Silbermünze, die unter Kaiser Caracalla um 214 n.Chr. als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde. Der antike Name der Münze ist nicht überliefert. Die Bezeichnung Antoninian leitet sich vom eigentlichen Namen Caracallas, Marcus Aurelius Antoninus, ab und wurde im Mittelalter eingeführt. Nach neueren Forschungen soll der antike Name des Antoninian Bicharactus gewesen sein (Quelle: Bernd Sprenger, Das Geld der Deutschen). Hervorstechendes Merkmal des Antoninian war die Strahlenkrone auf dem Bild des Herrschers bzw. die Mondsichel unter dem Bild der Kaiserin.

Auf diesem Silberantonian der Herennia Etruscilla finden wir auf der Vorder- und Rückseite die Legendenbezeichnung AVG für Augusta. Die Legende HERENNIA ETRVSCILLA AVG identifiziert Herennia Etruscilla als Ehefrau des Kaisers und damit als Kaiserin. Betont werden damit auch ihre Privilegien, wie zum Beispiel das Recht ihre geweihten Bilder bei öffentlichen Anlässen in der Carpenta (überdachter Karren) transportieren zu lassen, wenn die Statuen des Kaisers in den Staatswagen präsentiert wurden. Die Verbindung einer Personifikation mit der Legende AVG, wie hier auf der Rückseite mit PVDICITIA AVG, soll eine noch engere Assoziation zwischen den Attributen der jeweiligen Personifikation und der Kaiserin herstellen.

Die Inschrift HERENNIA ETRVSCILLA AVG identifiziert Herennia Cupressenia Etruscilla und betont ihre Stellung und Privilegien als Augusta.

Revers:
Zu sehen ist die Personifikation der Pudicitia mit Szepter nach links sitzend und Schleier vor ihr Gesicht ziehend. Die Inschrift lautet: PVDICITIA AVG.

Pudicitia war die römische Personifikation der Keuschheit und Schamhaftigkeit, wobei festzuhalten ist, dass der Begriff zwar an sich weiblich ist, jedoch in der Antike von der Bedeutung her durchaus für beide Geschlechter verstanden wurde. Dargestellt auf römischen Münzen als eine sittsam in ihr Gewand gehüllte Matrona oder als Frau, die sich zu verschleiern im Begriff ist.

Das Gegenteil von Pudicitia war impudicitia (Schamlosigkeit), der man auch bei Vergewaltigung verfiel. An nichts erkannte man den Verfall der Sitten mehr als an der zunehmenden Schamlosigkeit der Frauen, waren viele traditionsbewusste Römer überzeugt. Der ähnliche Begriff Pudor als lateinisches Pendant des griechischen Aidos stellt lediglich eine Abstraktion dar und besaß in der römischen Religion keinerlei kultische Bedeutung. In Griechenland war Aidos als männliche Personifikation mit Nemesis, der Wächterin des göttlichen Rechts verbunden und galt als Amme der Athene. Seine Kultstätten sind zumindest für Athen und Sparta bezeugt.

Als würdevolle Anrede verwendete man den Begriff bei Livia und Plotina. Als perfekte Verkörperung der Pudicitia galt den Römern das Schicksal der Lucretia zur Zeit der Tarquinerkönige. Hieran zeigt sich der Unterschied zwischen römischer und etruskischer Tugendauffassung. Somit reichte die Keuschheitssphäre weit über die sexuelle Komponente hinaus sowohl in ein mentales Verhalten als auch den Auftritt in der Öffentlichkeit. Zeigte sich in frührömischer Zeit (teilweise bis in die Kaiserzeit) eine hochangesehene verheiratete Frau in Begleitung eines fremden Mannes, so kratzte dies an ihrem öffentlichen Keuschheitsimage.

Natürlich wurde dies auch in der politischen Propaganda ausgenutzt und über ihre öffentliche Pudicitia konnten Frauen, denen der Weg in die Politik verwehrt war, geschickt am politischen Willensbildungsprozess mitwirken. Als Ideal sah man es auch an nur ein Mal verheiratet zu sein. Auf dieser Basis wollte Kaiser Augustus ein moralistisches Reformprogramm durchsetzen, scheiterte jedoch am latenten Widerstand der Massen und sogar in der eigenen Familie.

In Rom waren ihr zwei Tempel geweiht. Dem älteren am Forum Boarium (Fleischmarkt) dienten ausschließlich Patrizierinnen. Als man 296 v.Chr. einer gewissen Virginia nach ihrer Heirat mit einem plebejischen Konsul den Zutritt verwehrte, nahm sie dies zum Anlass auch den vornehmen Plebejerinnen Zugang zum Kult durch einen eigenen Tempel in ihrem Haus am Vicus Longus zu ermöglichen. Dieser zweite Tempel war deshalb der Pudicitia Plebeia geweiht, wohingegen ab nun der ältere Tempel einfach der Pudicitia Patricia zugerechnet wurde. Den Tempeldienerinnen wurde aufgetragen nur plebejische Frauen zuzulassen, die keuscher waren als die Patrizierinnen. So durften sich ihrem Altar (in beiden Tempeln) nur Frauen nähern, deren Ehre allgemein anerkannt war und die maximal einmal verheiratet waren. Infolge des stark eingeschränkten Zugangs verwendete man die Tempel ab und zu als besonders geeignetes Versteck. (Quelle: imperiumromanum.com / http://www.imperiumromanum.com/religion ... tia_01.htm)

Die Inschrift PVDICITIA AVG identifiziert die Personifikation Pudicitia und ihren Bezug zur Kaiserin. Durch diese Form der Legende soll die dargestellte Personifikation der vergötterten Keuschheit und Schamhaftigkeit noch enger mit der Person der Kaiserin identifiziert werden.

Hintergrund:
Herennia Cupressenia Etruscilla war die Frau des römischen Kaisers Gaius Messius Quintus Traianus Decius. Sie entstammte einer alten etruskischen Senatorenfamilie. Über ihre Jugend ist wenig bekannt, außer dass sie den aus Illyrien stammenden Aristokraten Decius vor 230 n.Chr. heiratete. Ihr ältester Sohn Herennius Etruscus wurde um 227 n.Chr. geboren, ihr zweiter Sohn Hostilian nach 230 n.Chr.

Der Kaiser Philippus Arabs übertrug Decius 248 n.Chr. den Oberbefehl über die Truppen, welche die Revolte des Pacatianus an der Donaugrenze unterdrücken sollten. Decius wurde aber nach seinem Eintreffen in Pannonien von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen. Er zog nach Italien, schlug Philippus in der Nähe von Verona und konnte sich als neuer Herrscher durchsetzen. Vermutlich im Herbst 249, spätestens im Sommer 250 n.Chr. erhielt Etruscilla den Titel Augusta. Ihre beiden Söhne erhielten 250 n.Chr. den Titel Caesar, im folgenden Jahr wurde Herennius Etruscus zum Augustus (nominell gleichberechtigten Mitherrscher seines Vaters) ernannt. Decius und Herennius brachen danach zu einem Feldzug gegen den Gotenkönig Kniva auf, um ihn für einen Überfall zu bestrafen, während der jüngere Sohn Hostilian mit seiner Mutter in Rom blieb.

Jordanes berichtet, dass Herennius früh in der Schlacht von Abrittus durch einen Pfeil getötet wurde, worauf Decius ausrief: „Lasst uns niemanden betrauern, der Tod eines Soldaten ist kein großer Verlust für die Republik.“ Die römische Armee wurde in dieser Schlacht vernichtet und Decius erschlagen. Die Niederlage wurde weitgehend durch die Fehler des Offiziers Trebonianus Gallus verursacht, der zu heftig angegriffen hatte. Als die Armee vom Tod des Decius erfuhr, proklamierten die Soldaten Trebonianus Gallus zum Kaiser.

In Rom war Decius in Senatskreisen sehr beliebt. Nachdem die Nachricht vom Untergang der beiden Kaiser die Hauptstadt erreicht hatte, wurden sie auf Beschluss des Senates unter die Götter erhoben. Außerdem bestand der Senat auf dem Nachfolgeanspruch des überlebenden Kaisersohns Hostilian. Es kam zu einem Kompromiss mit Trebonianus Gallus, der vom Senat als Kaiser anerkannt wurde, aber Hostilian adoptieren und als gleichberechtigten Mitkaiser mit dem Augustus Titel akzeptieren musste. Sein eigener leiblichen Sohn Volusianus musste sich, obwohl etwa zehn Jahre älter als Hostilian, zunächst mit dem Caesar-Titel begnügen. Die Ehefrau des Gallus, Afinia Gemina Baebiana, musste mit Rücksicht auf die älteren Rechte von Herennia Cupressenia Etruscilla auf den Titel Augusta verzichten.

Hostilian starb jedoch im November 251 n.Chr. in Viminatium an der Pest. Damit verschwand seine Mutter aus dem öffentlichen Leben. Ob sie damals ebenfalls an der Seuche starb oder noch länger lebte, ist unbekannt.



----
Heute ist aus Lille der Silber Antoninian der Herennia Cupressenia Etruscilla angekommen, welche ich hier kurz vorstellen mag. Leider ist über ihr späteres Schicksal nichts bekannt. Ihren mann habe ich auch noch nicht in der Sammlung - aber das eilt nicht - hier ist die Auswahl recht groß und da warte ich noch auf "das" gewisse Exemplar.

Hier gehts wieder zum original Blog: https://roma-aeterna.de/roemische-kaise ... lla-m0078/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 29.01.22 16:54

silber_victoriatus_anonym_victoria_series.jpg

Münze:
Anonym Victoria Series 211 v.Chr.
Victoriatus der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 17mm
Gewicht: 1,82g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF+
Rare: –
Provenienz: Jesus Vico, Madrid, 14.12.2021 (Ex Guadán Sammlung 1283)
Referenz: Crawford RRC 53/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Jupiter mit Lorbeerkranz nach rechts.

Einer der wohl wichtigsten Götter in der römischen Mythologie und Religion war Iuppiter (dtsch. Jupiter). Über den Ursprung des Namens gibt es viele Theorien. Im Uritalienischen steckt die Vorsilbe „di“ als Bezeichnung für den lichten Himmel in allen Dialekten. In Rom wurden zudem viele männliche Götter mit Vater, weibliche Gottheiten mit Mutter angerufen. Dieu-Pater bedeutet also „leuchtender göttlich verehrter Himmel und leuchtender Tag“. Es gibt allerdings auch noch eine andere Deutung. So soll der Name aus Iuovo (ich helfe) und Pater (Vater) zusammengesetzt sein und so viel wie „helfender Vater“ bedeuten.

Die Iuppiter Kulte sind im alten Rom vielzählig. Für die Landarbeiter ist Iuppiter der Wettergott, jedoch sind die einzelnen Funktionen des Wetters wieder abgespaltet. Iuppiter Veiovis ist zum Beispiel der Gott des Wetters, das man sich erhofft, sich aber nicht erfüllt hat. Iuppiter Fulgur ist für Blitze verantwortlich, während Iuppiter Pluvalis der Gott ist, welcher es regnen lässt. Iuppiter Serenus war der Gott, welcher den Himmel auflichtete und Sonnenschein schickte. Eine besondere Stellung nahm jedoch Iuppiter Optimus Maximus ein, denn dieser war der Haupt- und Staatsgott. Optimus Maximus bedeutete „der Beste und Größte“. Er wurde so genannt, weil er unter etruskischem Einfluss Mars als obersten Gott der Römer abgelöst hatte.

Unter den Eigenschaften, welche man in Rom mit Iuppiter verband, muss man auch an die kriegerischen denken. Iuppiter wurde im ganzen Imperium neben Mars als eigentlicher Entscheider der Schlachten und Gott des Sieges verehrt. Die wichtigsten Kulte kriegerischer Iuppiter sind die des Iuppiter Stator, Iuppiter Feretrius und des Iuppiter Victo. Im Kult um den Gott Iuppiter war der Lorbeerkranz ein Zeichen des Siegers. Er war bei der Rückkehr von Feldherren nach Rom Zeichen des militärischen Siegers (Corona triumphalis), während die Führer von Heeren, die einen weniger bedeutenden Erfolg erlangt hatten, sich bei einer ovatio mit einem Myrtenkranz begnügen mussten.

Revers:
Zu sehen ist eine nach rechts stehende Victoria, welche ein Tropaeum (Siegestrophäe) bekränzt. Die Inschrift lautet: ROMA.

Victoria (griechisch Nike) ist die römische Personifikation des Sieges und günstigen Erfolges überhaupt. Ihre Entwicklung vollzog sich in Rom und Griechenland vollkommen parallel, sodass eine Gleichsetzung von Victoria und Nike problemlos vollzogen werden konnte. Dennoch unterschied man interessanterweise die beiden Gestalten. In Rom wurde fast ausschließlich Victoria verehrt, die als höhere und universellere göttliche Kraft als Nike aufgefasst wurde. Letztere erscheint fast rein auf den Sieg beim Wettkampf beschränkt.

Die typischen Attribute der Victoria sind (Lorbeer)Kranz und Palmzweig, welche die ursprünglichen Siegestrophäen bei den Wettkämpfen in der griechischen Palästra und den panhellenischen Spielen waren. Beides wurde in römischem Sinn ausgeweitet. Kranz und Palmzweig konnte auch jemand für sich reklamieren, der sein Leben „gewonnen“, d.h. viele gute Taten vollbracht hatte. Zudem ist Victoria ein geflügeltes Wesen, das die Flüchtigkeit von Sieg und Niederlage symbolisiert. Beispielgebend für Victoriadarstellungen auf Münzen und in Form von Statuetten war die im Senatsgebäude stehende Nike-Statue. Sie zeigte die Göttin grazil auf der Weltenkugel, den Siegeskranz eilend vor sich herhaltend.

Victoria besaß von Anbeginn eine militärische Komponente. Besonders deutlich wird Victorias militärische Bedeutung an jener Silbermünze, die mit ihrem Namen versehen war: der Victoriatus. Am Münzbild erscheint die Göttin mit Kranz und Tropaeum (Trophäenzeichen). In Griechenland war das Tropaeum eine wichtige fixe Markierung in der Schlacht, bei den Römern war es tragbar und hatte religiöse Bedeutung. Die spolia opima (beste Beutestücke) wurden dem Iuppiter Feretrius auf dem Capitol geopfert. Auch Mars, Minerva und eben Victoria dachte man dieses Tropaeum zu. So verwundert es auch nicht, dass prominente Feldherren in der ausgehenden Republik, wie Caesar oder Pompeius, sich auf eine persönliche Victoria oder Venus Victrix (siegreiche Venus: Victoria, auch Venus Gentrix) beriefen.

Hintergrund:
Während dem 2. Punischen Krieges entstand neben dem Silberdenar um 213 v.Chr. der Victoriat, so genannt nach dem Rückseitenbild, auf dem Victoria ein aus feindlichen Waffen errichtetes Tropaeum bekränzt. Anfangs 3,4g später 2,9g schwer war er vielerorts in Italien das alleinige Silbergeld und wurde gegen 175 v.Chr. dann endgültig vom Silberdenar verdrängt, welcher auf der Vorderseite Roma und auf der Rückseite die reitenden Dioskuren zeigt.

Weitere sehr Interessante Informationen zum Victoriat finden Sie hier unter dem Link zu Kenneth L. Friedmann und Richard Schaefer, Distinguishing similar Roman Republican Coins Part II, Anonymous Victoriati.

Der hier geprägte Victoriat zeigt die Siegesgöttin Victoria vor einem Feldzeichen stehend, welches mit den Waffen der besiegten Feinde ausstaffiert ist – bedeutend „vom Sieg kommend“ oder auch „zum Siegen bestimmt“. Diese Prägung steht ganz im Sinne der zur damaligen Zeit nötigen Kriegspropaganda im Umfeld des punischen Krieges 218 bis 201 v.Chr. zwischen Rom und Karthago. Dies wird durch die Darstellung des Iuppiter auf der Vorderseite, als Entscheider der Schlachten und Gott des Sieges, noch verstärkt.



------------
Heute ist eine Lieferung von Jesus Vico eingetroffen - darunter auch dieser hübsche kleine Victoriat. Hier auch nochmals im Original, da die Jesus Vico Leute nur ein Graustufen Bild geschossen haben.

anonym victoriatus.jpeg


Interessant in diesem Zusammenhang - im Text auch erwähnt - die ausführliche Dokumentation über die Victoriate der römischen Republik von Kenneth L. Friedmann und Richard Schaefer - hier gehts zur Webseite: http://stevebrinkman.ancients.info/anon ... iatii.html

Hier lässt sich einiges über den Victoriat nachlesen - Entstehung, Verbreitung, Einsatz, Material / Metalle und Varianten.

Und hier gehts wie immer zu meinem original Blog: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ies-m0047/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 29.01.22 20:30

Silber Denar Quintus Antonius Balbus.jpg
Q. Antonius Balbus - Denario (83-82 a.C.) Testa di Giove a d. - R/ La Vittoria su biga a d. - B. 1; Cr. 364/1 AG (g 3,70)

Silber Denar Gaius Postumius.jpg
C. Postumius - Denario (74 a.C.) Busto di Diana a d. - R/ Cane a d. - B. 9; Cr. 394/1a AG (g 3,81)

AE Bronze Macrinus.jpg
Moesia Inferior. Nikopolis ad Istrum. Macrinus AD 217-218. Bronze Æ. 26 mm, 11,02 g



---
Ausbeute heute Mittag und Nachmittag. Nix besonderes. Mehr so aus der Grabbelkiste aber ganz angenehme Preise mal zum mitnehmen. Mal schauen, wenn die Münzen da sind, was man damit anfangen kann.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 29.01.22 21:34

AE Bronze Geta Caesar.jpg
GALATIA Tavium AE27 (Bronze, 12.01g, 27mm) Geta (Caesar, 198-209)
Obv: ΠO CЄ ΓЄTAC KO KЄ - Bareheaded, draped and cuirassed bust right.
Rev: CЄ TPO TAOVIANΩN - Athena standing facing, head left, holding spear; shield at feet to left.
SNG von Aulock 6253, Rare


---
Und die letzte Münze heute Abend eben eingetütet - und während die oben genannten Münzen nur "nice to have" waren - war ich auf den jungen Geta aus der Provinz "scharf". Das war heute das eigentlich Stück das ich gerne haben wollte - was nun auch geklappt hat. Da freue ich mich über das gute Stück. Super - jetzt kann ich mich vor die Glotze robben :)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Peter43 » Sa 29.01.22 22:53

Der Macrinus aus Nikopolis ist Hristova/Hoeft/Jekov (2021) 8.23.7.6; AMNG I/1, 1735, Taf. XV, 5.
Pick schreibt: "Der Gegenstand in der vorg. R. des Gottes ist sicher ein Lorbeerzweig; in dieser Weise scheint Apollo aber sonst nirgends dargestellt zu sein."

Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 29.01.22 23:00

Dickes Danke Jochen! Denke werde zu den zwei Provinzprägungen eh noch Fragen haben. Und mal schauen ob ich auch etwas in Deinem Thread finde.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 31.01.22 17:01

Peter43 hat geschrieben:
Sa 29.01.22 22:53
Der Macrinus aus Nikopolis ist Hristova/Hoeft/Jekov (2021) 8.23.7.6; AMNG I/1, 1735, Taf. XV, 5.
Pick schreibt: "Der Gegenstand in der vorg. R. des Gottes ist sicher ein Lorbeerzweig; in dieser Weise scheint Apollo aber sonst nirgends dargestellt zu sein."

Jochen
Schau mal Jochen, das habe ich gefunden:
https://datenbank.museum-kassel.de/2252 ... bjekt.html
Veritas? Quid est veritas?
Sammlung: https://roma-aeterna.de/

Ich bin der DAMNATIO MEMORIAE verfallen!

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