Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Altamura2
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Sa 29.07.17 13:27

quinctilius hat geschrieben:... Auch hier sind schlaue Händler schon auf die Idee gekommen, sie mit Scipio zu verbinden :-) ...
Tatsächlich 8O , war mir noch nicht aufgefallen.
Interessant auch, dass da niemand eine Quelle angibt und Ancient Imports gar von "generally accepted" redet. Aber so sind die Händler halt :D .

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Sa 29.07.17 14:39

...hier ein gut erhaltenes Exemplar bei CNG.

https://www.cngcoins.com/Coin.aspx?CoinID=266652

Das man hier einen Kopf im römischen Stil hat, ist denke ich unstrittig.
Bedenkt man, dass Scipio bei der Eroberung Carthago Novas 209 v. Chr. ein junger Mann war, könnte es hinkommen
- wohlgemerkt: KÖNNTE ! :-)

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Di 15.08.17 22:29

....eben bei Ebay.com für USD 29 ergattert: Ein Nero As mit Vespasian Gegenstempel (VESPA in Ligatur)
Eine Diskussion dazu findet Ihr hier:

https://www.cointalk.com/threads/histor ... mp.291073/

"This little coin thus bears witness to the tremendous struggles which took place in the year of the 4-Emperors: the subduing of the Batavian republic and defeat of its leader Civilis, and the rise of Vespasian." (Cited from: https://www.cointalk.com/threads/histor ... mp.291073/)

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Mi 23.08.17 12:40

Diesen Denar habe ich mir gerade gegönnt ex MA-Shops für EUR 75,-
Übliche Beschreibung: (hier CNG)

P. Laeca. 110-109 BC. AR Denarius (18mm, 3.92 g, 5h). Rome mint. Helmeted head of Roma right; mark of value below chin / Roman warrior standing left, placing his hand on the head of a citizen; lictor behind. Crawford 301/1; Sydenham 571; Porcia 4. VF, lightly toned.
Vgl.:

https://www.cngcoins.com/Coin.aspx?CoinID=100964

Ich frage mich, ob hier etwas anderes hinter der dargestellten Szene steckt. Für mich sieht es eher wie die Ernennung eines Legaten durch den Senat aus. Das PROVOCO darunter (lat. = hervor-, heraus-, aufrufen ) würde auch passen. Ein "Krieger der die Hand auf den Kopf eines Bürgers legt" erscheint mir irgendwie nicht plausibel. :-) Im Jahr 110 v. Chr. übernahm der Legat Aulus Postumius Albinus das Kommando über die Truppen auf einem Feldzug gegen Jugurtha. Dieser scheiterte dann kläglich.

Hat jemand eine Meinung dazu ?

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von shanxi » Mi 23.08.17 14:02

quinctilius hat geschrieben:Für mich sieht es eher wie die Ernennung eines Legaten durch den Senat aus.
Senatoren trugen eine Toga, an einen Senator glaube ich daher nicht, außer du meinst es anders herum, das die linke Figur den Legaten im Zentrum ernennt?

Die Person von einem Liktor begleitet, es sollte also kein einfacher Soldat sein.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Mi 23.08.17 14:12

Danke für Deine Meinung.
In der Republik konnten Legaten auch vom Volk ernannt werden, was als besonders ehrenvoll galt (M.T. Cicero)
Dieser Zivilist :-) deutet mit dem Zeigefinger auf den Militär. Es ist auch auf anderen Münzen dieses Typs zu sehen.


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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Zwerg » Mi 23.08.17 14:14

Es geht um das ius provocandi

https://de.wikipedia.org/wiki/Provokationsrecht

Schöne Grüße
Zwerg
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Mi 23.08.17 14:15

shanxi hat geschrieben: außer du meinst es anders herum, das die linke Figur den Legaten im Zentrum ernennt?
genau so meine ich es.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von shanxi » Mi 23.08.17 14:16

Zwerg hat geschrieben:Es geht um das ius provocandi

https://de.wikipedia.org/wiki/Provokationsrecht

Schöne Grüße
Zwerg

interessant !

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Mi 23.08.17 14:17

Zwerg hat geschrieben:Es geht um das ius provocandi

https://de.wikipedia.org/wiki/Provokationsrecht

Schöne Grüße
Zwerg

"Ein um die Jahre 110/109 geprägter Denarius des Münzmeisters P. Porcius Laeca erinnert an dieses Gesetz (siehe Foto rechts). Auf ihm legt ein Soldat einem Togatus (somit einem römischen Bürger) schützend die Hand über den Kopf, während ein kleiner dargestellter Amtsdiener mit Stab und Ruten rechts von beiden zuschaut. Im Abschnitt der Münze steht PROVOCO."

Ah danke, das ist es also.


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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mi 23.08.17 16:42

Siehe auch den Artikel "Die Lex Porcia de Provocatione" in diesem Thread: http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... io#p125903 (etwas weiter unten)

Von meinem letzten Buch "Eine Auswahl antiker Münzen und ihr historischer Hintergrund" habe ich noch einige Exemplare zu verkaufen. Preis €24.-

Mit freundlichem Gruß
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von quinctilius » Mi 23.08.17 17:02

Peter43 hat geschrieben:Siehe auch den Artikel "Die Lex Porcia de Provocatione" in diesem Thread: http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... io#p125903 (etwas weiter unten)

Von meinem letzten Buch "Eine Auswahl antiker Münzen und ihr historischer Hintergrund" habe ich noch einige Exemplare zu verkaufen. Preis €24.-

Mit freundlichem Gruß

Danke. Ich zitier Dich mal:

"Die Magistrate der röm. Republik verfügten über eine polizeiliche Zuchtgewalt (coercitio). Kraft ihrer konnten sie auch Strafen bis zur Todesstrafe aussprechen. Dagegen entwickelte sich im Ständekampf die provocatio ad populum: Sie bedeutet das Recht des Betroffenen, die magistratisch verhängte Todesstrafe (und später auch die Prügelstrafe) durch die Comitie (Volksversammlung der stimmberechtigten römischen Bürger) überprüfen zu lassen. Es gab im Laufe der Zeit wohl 3 verschiedene Gesetze für die Provocatio: Das erste war die 'lex Valeria de provocatione' um ca. 300 v.Chr.. Das Recht zur provocatio war zunächst beschränkt auf männliche römische Bürger im Stadtgebiet; es war ausgeschlossen gegenüber einem dictator. Bestritten ist, inwieweit die provocatio zu einem echten Prozeß geführt hat oder mehr politische Bedeutung hatte. Die 'lex Porcia de provocatione' wurde 195 v.Chr. durch Porcius Laeca, den Vorfahr des Münzmeisters, eingeführt, als er Volkstribun war. Dieses Gesetz schränkte auch die Macht der militärischen Magistrate über die römischen Bürger ein. 123 v.Chr folgte noch die 'lex Sempronia de provocatione', die für jede Kapitalstrafe einen Prozeß durch das Volk vorsah. Lange haben diese Gesetze nicht gehalten, den bald versank die Republik im blutigen Chaos der Bürgerkriege, und da gab es keine Provocatio mehr, sondern nur noch die Proscriptio, die Todesliste!"


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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 29.09.17 14:56

Die Ituräer

Ausgangspunkt für diesen Artikel war das ITVR auf der Rückseite der folgenden Münze:

1. Münze
Syrien, Caesarea ad Libanum, Severus Alexander als Caesar unter Elagabal, 221-222
AE 21, 8.5g, 0°
Av.: [SEV ALEZAN]DROS CAESAR
Kopf mit Strahlenkrone n.r.
Rv.: [COL C - E - SA -R]IA LIB (?)
im Abschnitt ITVR
Dreiteiliger Schrein der Astarte mit 4 Säulen. Im mittleren Intercolumnare, unter einem
Gewölbebogen, Astarte mit Standarte frontal stehend, wird bekränzt von einer re. neben ihr
stehenden männlichen Figur; zu ihren Füßen Torso eines Flußgottes n.r. schwimmend; zu
beiden Seitenflügeln führen Freitreppen; im li. Flügel frontal stehend Göttin mit Kalathos
zwischen 2 Tieren, im re. Flügel frontal stehende weibliche Figur.
Ref.: BMC 110, 9; Lindgren II, 121, 2288
Selten, S/fast SS, durch die Sandpatina entsteht der Eindruck, als würde der Tempel von hinten beleuchtet

Anm.:
(1) Der alte Name von Kaisareia war Arka. Wahrscheinlich unter Elagabal wurde die Stadt als COLONIA CAESAREA LIBANI römische Kolonie. Hier wurde am 1.10.208 Severus Alexander geboren, der Cousin, Adoptivsohn und Nachfolger des Elagabal. Damit ist er auf dieser Münze also 13-14 Jahre alt.

(2) Aus der Literatur kennen wir für Caesarea einen Tempel für Alexander den Großen und einen bedeutenden Kult für Astarte als Aphrodite Architis (= Atargatis). Ob die interessante Triptychonform des Schreines der Wirklichkeit entspricht, wissen wir nicht. Die beiden Statuen in den Seitenflügeln sind nicht genau zu identifizieren. Die Göttin li. entspricht ikonographisch der "Herrin der Tiere (Ποτνια θηρον)", die re. vielleicht der Aphrodite. Obwohl die Lage der Stadt zwische Tripolis und Antandros beim modernen Tell Arqa eindeutig identifiziert ist, kennen wir den antiken Namen des im Libanon entspringenden Flusses Nahr-el-Arqa nicht.

Das ITVR, das mir ins Auge gefallen war, hat nun nichts mit dem ITVR zu tun von "ire = gehen", wie in "Abitur", sondern bezieht sich auf das Volk der Ituräer, von denen ich bis dato nichts gehört hatte. Und schon haben wir wieder das dem Sammler wohlbekannte Phänomen, daß sich durch eine einzige Münze ein ganz neues Wissensgebiet öffnet, etwas was das Sammeln von Münzen ja so spannend macht.

Die Ituräer:
Die Ituräer (griech. Ιτουραῖοι) waren ein Nomadenvolk, wohl aus Südarabien (Pauly), das dann in die Bekaa-Ebene (zwischen Libanon und Antilibanon) eindrang und überwiegend die bergigen Hänge besiedelte. Den älteren Sammlern wird die Bekaa-Ebene noch wohlbekannt sein, weil sie im libanesischen Bürgerkrieg von 1975-1990, der aus der ehemaligen "Schweiz des Vorderen Orients" einen Trümmerhaufen gemacht hat, eine wichtige strategische Rolle spielte, insbesondere durch die drusischen Milizen.

Die Ituräer werden bereits im AT der Bibel erwähnt. In der Genesis 25, 15 und in der 1. Chronik, 1, 31 wird Jetur, ein Sohn des Ismaels, des Sohns des Abrahams, als ihr Stammvater genannt. Ismael gilt gemeinhin als Stammvater der Araber (Gen. 25, 12-18) und zeugt damit von der engen historischen Beziehung der Israeliten mit den Arabern. Die Ituräer werden ebenfalls erwähnt von Strabo und Cassius Dio und kommen auch im NT vor. Die Römer sprachen von ihnen in einem Atemzug mit den Arabern als Banditen wegen ihrer Überfälle auf Karawanen. Nach ihnen wurde ihr Siedlungsgebiet als Ituraia bezeichnet, was wahrscheinlich "Land der Bergbewohner" heißt. Ihr Hauptort war Chalkis, wegen der Lage hieß es auch Chalcis sub Libano. Es war zunächst ein wichtiger Pufferstadt der Römer gegen die Parther, aber nicht sehr zuverlässig. Nachdem die Römer ihr Reich an Herodes den Großen übergeben hatten, verschwinden sie aus der Geschichte. Daß die libanesischen Drusen auf die Ituräer zurückgehen sollen, wie ich auch gelesen habe, kann nicht stimmen, da neuere Untersuchungen der mitochon-drialen DNA an den Drusen gezeigt haben, daß diese aus einer Vielzahl unterschiedlicher Völker hervorgegangen sind.

Die Römer schätzten die Ituräer insbesondere als Bogenschützen und stellten mehrere Kohorten ihrer Auxiliareinheiten auf, die nach ihnen benannt waren. 1982 fand sich bei Neubauarbeiten in Mainz eine Holztafel, die von einem "Datus, dem Ituräer" sprach. Sie stammte aus der augustäischen Zeit und beweist, daß eine dieser Kohorten, wahrscheinlich aus Pannonien, hier stationiert war. Auch die Bezeichnung ITVR auf der Münze des Severus Alexander weist darauf hin, daß die Stadt im Gebiet der Ituräer lag oder einen größeren Bevölkerungsteil dieses Volkes besaß.

Zur Abrundung meiner Sammlung von römischen Klientelreichen habe ich folgende Münze in meine Sammlung eingereiht:

2. Münze
Syrien, Coele-Syria, Chalcis sub Libano, Octavian, ca. 32-24 v.Chr.
AE 22, 6.46g, 22.3mm,
geprägt 27/26 v.Chr. (= Jahr 107 der lokalen Ära)
Av.: L ZΠ NE - KAI (von li. oben)
Bloßer Kopf des Octavian n.r.
Rv.: ZENOΔOPOV TETP - APXOV KAI APXHPEΩΣ (von re. oben)
Bloßer Kopf des Zenodoros n.l.
Ref.: RPC 4775; BMC 7; SNG Copenhagen 417; SNG France 9-10; Daniel Hermann, The Coins of the Itureans, Type 17, in "Israel Numismatics Research 1 (2016)"
nicht häufig, S+, Legenden gut zu lesen

Anm.:
Auffallend ist, daß die Münzen der Ituräer alle griechische Legenden tragen und ihre Abbildungen griechische Gottheiten darstellen. Dies ist ein Zeichen dafür, wie tief der Hellenismus zu dieser Zeit selbst in die Kultur von kleinen Völkern eingedrungen war.

Das Fürstentum Chalkis:
Nachdem der Einfluß der Seleukiden zu schwinden begann, breiteten sich die Ituräer unter Ptolemaios (85-40 v.Chr.), Sohn des Mennaios, über Coelesyrien und den Libanon aus, bis Pompeius sie schließlich 66 v.Chr. unterwarf und sie zu einem Klientelreich der Römr wurden. Auf Ptolemaios folgte dessen Sohn Lysanias (40-36 v.Chr.). Ob dieses Geschlecht selbst arabisch war oder mit Alexander dem Großen in diese Region kam, ist unklar. Lysanias wurde wegen zu großer Nähe zu den Parthern von den Römern hingerichtet.

Zenodoros (36-23 v.Chr.) war der Nachfolger des Lysanias. Kleopatra hatte ihm diese Gebiete, die sie von Marcus Antonius erhalten hatte, 36 v.Chr. zur Pacht übergeben. Nach dem Tod von Marcus Antonius und Kleopatra bestätigte Augustus diese Übertragung und er herrschte als Tetrarch und Archiereus über die Gebiete Ituraea und die Trachonitis, allerdings gegen die Zahlung erheblicher Tribute. Diese Tribute konnte Zenodoros nur aufbringen, indem er mit Räuberbanden zusammenarbeitete, die sogar Damaskus, Berytos und Byblos bedrohten. Dies konnten die Römer nicht mehr tolerieren und Augustus übergab 23 v.Chr. seinen Herrschafts-bereich an seinen Verbündeten Herodes (23 v.Chr.-4 n.Chr.). Das Reich der Ituräer wurde zerstückelt. Neben dem Gebiet zwischen der Trachonitis und Galiläa unter Herodes gab es die Region um Abilene, das zur Zeit des Tiberius unter der Herrschaft von Herodes Agrippa I. und Herodes Agrippa II. stand, das Gebiet zwischen Heliopolis (Baalbek) und Laodikeia, das Caligula einem Soeimas schenkte, und das eigentliche Kerngebiet um Chalkis, das durch den Tetrarchen Herodes Philippus (4-34 n.Chr.), einen Sohn des Herodes, regiert wurde (Luk. 3, 1).

Alle diese Gebiete wurden mit der Zeit nach Syrien eingegliedert, zuletzt wohl das Gebiet von Chalkis, vermutlich 92 n.Chr. (Pauly). Die Geschichte des Fürstentums Chalkis zeigt beispielhaft, daß ein so kleiner Staat keine Chance hatte, zwischen 2 Riesenreichen wie es das römische Reich und das Reich der Parther waren, seine Selbständigkeit zu wahren.

Hinzugefügt habe ich
(1) eine Karte von Ituräa (grün umrandet) aus dem Atlas antiquus des Karl Spruner von 1865.
(2) ein Bild von der Bekaa-Ebene, im Hintergrund der Qaraoun-See

Quellen:
(1) Altes Testament
(2) Neues Testament
(3) Cassius Dio, Römische Geschichte
(4) Strabon, Geographica 16.2, 10.18
(5) Cicero, Philippica 2.112
(6) Flavius Josephus, Jüdische Altertümer
(7) Pseudo-Cäsar, Bellum Africanum 20
(8) Macrobius, Saturnalien

Sekundärliteratur:
(1) Der Kleine Pauly

Online-Quellen:
(1) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
caesarea_ad_libanum_sev_alex_BMC9.jpg
chalkis_octavian_RPC4775.jpg
Ituräa.jpg
Qaraoun_Lake.jpg
Zuletzt geändert von Peter43 am Fr 29.09.17 20:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Fr 29.09.17 15:22

Blieben noch zwei numismatische Übersichtsartikel zur Münzprägung der Ituräer nachzutragen:
Danny Herman, "The Coins of the Itureans", Israel Numismatic Research 1 (2006): https://www.academia.edu/31847200/The_C ... e_Itureans
Nicholas L. Wright, "Ituraean Coinage in Context", NC 173 (2013): https://www.academia.edu/1970279/Iturae ... in_context

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 29.09.17 20:19

Herzlichen Dank für die Links!

Jochen
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