Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 12.01.20 19:17

Antike Knoten

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Jochen
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Isis, Villa Adriana
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Severus, Laodicea 509
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Palstek
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 19.11.20 14:08

Amenemhet  III.

Pharaonen auf antiken Münzen finden man nur sehr selten. Dies ist eine dieser seltenen Münzen. Es ist eine Nome-Prägung, die auf der Rückseite den Pharao Amenemhet III. zeigt.

Die  Münze:
Ägypten, Alexandria, Arsinoites Nome, Hadrian, 117-138
AE - Obol, 19.19mm, 4.52g,  0°
geprägt 126/127 (Jahr 11)
Av.: AVT KAI - TPAI AΔPIANOC
Büste, li. Schulter leicht drapiert, belorbeert, n.r.
Rv.: APCI - L IA (Jahr 11)
Kopf des Pharaos Amenemhet III., mit Nemes-Kopftuch und Uräusschlange, n.r.   
Ref.:  Milne  1229;  Dattari  6210;  Emmet  1221;  Geissen 3381/3382;  BMC 72/73; SNG Copenhagen 1083/1084
selten (wie alle Nome-Prägungen),  gutes  S             

Nome-Prägungen
Das alte Ägypten war tausende von Jahren in Verwaltungsbezirke eingeteilt, die sich aus Fürstentümern der Jungsteinzeit entwickelt hatten. Auf ägyptisch hießen sie spt (sepat). Die Bezeichnung Nome stammt aus dem Griechischen von νομος (nomos), mit dem diese Gaue bezeichnet wurden. Die Gaue wurden oft geteilt, gingen in anderen auf oder es gab Neugründungen. In griechisch-römischer Zeit gab es 22 oberägyptische und 20 unterägyptische Gaue. An ihrer Spitze stand jeweils ein Gaufürst (in griechischer Zeit ein Strategos), der relativ unabhängig vom regierenden Pharao war. Fast jeder Gau hatte eine lokale Gottheit mit eigener Mythologie. Diese Gottheit war der Schutzgott des Gaues und wurde besonders verehrt. Bedeutsam sind die Nome-Prägungen, die alle in Alexandria geprägt wurden, weil sie Darstellungen dieser lokalen Gottheiten zeigen und uns damit einen Einblick in die lokale Religiosität geben. Eine Liste aller Gaue fand sich in der "weißen Kapelle"  des  Sesostris I. in Karnak.

Der Arsinoites-Nome
Unsere Münze stammt aus dem Nome Arsinoites. Dieser liegt an der Einmündung eines Nilarms in den antiken Fayum-See. Dieser Ort wurde von den Griechen wegen der Verehrung des Krokodils Krokodeilonpolis genannt. Das Fayum-Becken liegt westlich des Nils südwestlich von Kairo. Es war bereits in der Antike bekannt (z.B. bei Herodot) und war in prädynastischer Zeit ein ausgedehntes Sumpfgebiet, bis es von Sesostris III. und seinem Sohn Amenemhet III. entwässert und fruchtbar gemacht wurde. Heute ist es der "Gemüsegarten" Kairos. 2006 lebten dort über 2.5 Mill. Menschen. Der Arsinoites-Nome wurde etwas später in die Gauliste aufgenommen und war in die 4 Unterbezirke (Meris) von Herakleides, Themistos, Polemon und der Hauptstadt Arsinoe geteilt. Den Namen erhielt die Hauptstadt nach Arsinoe II. (316-370/360 v.Chr.), Gemahlin des Lysimachos und später zusammen mit ihrem Bruder Ptolemaios II. Philadelphos Herrscherin über Ägypten. Dieser Ort war in römischer Zeit neben Memphis und Alexandria Gerichtsort des Statthalters. Von hier stammen zahlreiche Papyri in griechischer, koptischer  und  arabischer  Schrift  (Förschner).

Amenemhet  III.
Sein Name bedeutet soviel wie "Amun ist an der Spitze". Amun war ein altägyptischer Wind- und Fruchtbarkeitsgott, den die Griechen mit Zeus gleichsetzten (nicht zu verwechseln mit Amon, dem Beinamen des Re!). Auf der Münze ist Amenemhet III. abgebildet mit den königlichen Insignien Nemes-Kopftuch  und  Uräusschlange.

Amenemhet III., Sohn des Sesostris III., war Pharao der 12. Dynastie von ca. 1842-1795 v.Chr.. mit einer sehr langen Regierungszeit. Sein Vater hatte ihn zum Mitregenten gemacht und mit ihm herrschte er die ersten 20 Jahre gemeinsam. Während sein Vater mit Feldzügen mehr außenpolitisch tätig war, kümmerte sich Amenemhet III. um die Innenpoltik. Eine seiner wichtigsten Arbeiten war die Entwässerung und Kultivierung der Fayum-Oase. Er baute den Großen Kanal, der den Fayum-See mit dem Nil verband. Seine Regierungszeit wird als das Goldene Zeitalter des Mittleren Reiches betrachtet. Ein Lokalkult dieses Pharao war in  Fayum  weit  verbreitet.

Nach dem Tod seines Sohnes und Nachfolgers Amenemhet IV. wurde mangels eines weiteren männliichen Nachfolgers seine Tochter Nofrusobek als erste Frau überhaupt selbst Pharao und damit Vorbild für Hatschepsut.

In die Geschichte ging er auch ein als großer Baumeister. Auf dem Felsplateau von Dahschur, 26km südlich von Gizeh, das seit der 3. Dynastie als Gräberfeld benutzt wurde, und auf der die berühmte Knickpyramide des Snofru steht,. ließ er die sog. "Schwarze Pyramide" errichten. Ihren Namen hat sie nach der schwarzen Farbe der verwendeten Ziegel aus Nilschlamm erhalten.. Die Pyramide besitzt zwei Eingänge, die zu zahlreichen Kammern, Gängen und Treppen sowie einigen Grabkammern führen. Mit dieser Konstruktion ist Amenemhet III. König Djoser aus der 3. Dynastie gefolgt, denn nur dessen Pyramide weist eine so komplizierte Substruktur auf. Die Pyramide ist aber nie als Grab des Pharaos benutzt worden. Kurz vor Abschluß der Bauarbeiten machten sich beträchtliche Baumängel bemerkbar. Der Untergrund war instabil und die Deckenkonstruktion mangelhaft, so daß die Pyramide absackte. Das Pyramidion aus schwarzem Granit, das oben das Bauwerk abdeckt und absichert, ist  unbenutzt  gefunden worden.

Aus diesem Grund ließ Amenemhet III. in Fayum nahe Hawara eine 2. Pyramide errichten. Sie bildet das Zentrum der Nekropole von Hawara. Mit 58m Höhe war sie die letzte große Pyramide ihrer Art. Sie befindet sich wie die Djoser-Pyramide in einem rechteckigen Pyramidenbezirk mit einem Hof und einem Totentempel, dessen Struktur einziartig gewesen sein muß. Der griechische Geograph Strabo (63-20 v.Chr,) hat ihn beschrieben und ihn als Weltwunder gepriesen. Er verglich die 1500 Räume mit dem Labyrinth des Minos  (Wikipedia)

Nachdem Dahschur jahrelang militärisches Sperrgebiet gewesen war, wird dort wieder archäologisch geforscht. Heute arbeiten dort das Deutsche Archäologische Institut (Abteilung Kairo), das Metropolitan Museum of Art in New York und die Waseda-Universität von Tokio.

Beschrieben ist auch eine Expedition, die Amenemhet III.  In  den  Sinai  unternahm.

Quellen:
(1) Hristova/Hoeft/Jekov, The Coinage of Nicopols ad Istrum, 2020
(2) Angelo Geissen, Altes und Neues. Bemerkungen zu den Gau-Prägungen aus dem römischen  Alexandria, XIII  Congreso  Internacional  de  Numismática, Madrid, 2003
(3) Der Kleine Pauly, 1979
(4) Gisela Förschner, Die Münzen der römischen Kaiser in Alexandria, 1987
(5) www.daist.org
(6) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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nome_arsinoites_hadrian_Milne1229.jpg
Die Münze
800px-Faiyum_Oasis_by_Zorbey_Tunçer_1.jpg
Die Fayum-Oase
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Büste des Amenemhet III.
BlackPyramidOfAmenemhetIII.jpg
Die Schwarze Pyramide
Pyramid_of_amenemhet_hawarra_01.jpg
Die Hawara-Pramide
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von chevalier » Do 19.11.20 15:57

Toller Beitrag. Danke!
mfg Thomas

„Rule, Britannia! Britannia rule the waves! Britons never, never, never shall be slaves!"

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 19.11.20 23:40

Herzlichen Dank, Thomas. Ich möchte hier noch einen Absatz zitieren aus Edda Bresciani & Antonio Giammarusti, MEDINET MADI, the town of Amenemhet III, in SHEDET Issue No. 1 (2014):

In seinem geliebten Fayum, in ptolemäischer und römischer Zeit, wurde Amenemhet III als Gott unter dem Namen Porramanres, Pramarres oder Premarres angebetet, phonetische Transkriptionen des ägyptischen Namens Per-aa Nymaatre, d.h. Pharao Nymaatre; die grundlegende Rolle von Narmouthis in der Entwicklung und Stärkung seines Kultes wird ausdrücklich durch Isidoros' IV. Hymne, die letzte der vier Hymnen, bestätigt, komponiert im 1. Jahrhundert v. Chr. von dem hellenisierten Ägypter Isidoros; die vier Hymnen waren eingraviert auf den Mauern des Eingangs zum Vestibül von Heracleodoros im ptolemäischen Tempel von Medinet Madi.

Mit freundlichem Gruß
Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von kiko217 » Fr 20.11.20 09:33

Auch ich möchte mich für die Mühe, die du dir gemacht hast, bedanken. Wir alle haben wieder was gelernt!

Kiko

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Wall-IE » Fr 20.11.20 10:02

Ein sehr interessanter Beitrag- von diesen Prägungen habe ich noch gar nichts gehört. Danke für die Mühe ++

Lg Wall-IE
Per aspera ad astra !

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 20.11.20 15:38

Die Namen des Amenemhet III.

Als ich in dem Artikel über Premarres (den Namen des Amenemhet II. als Gottheit in Fayum) von Bresciani&Giammarusti auf den Namen des Pharaos Ny-maat-Re stieß, war ich etwas verwirrt. Gab es noch einen weiteren Pharao? Aber die Erklärung ist ganz einfach: Die Pharaonen besaßen immer mehrere Namen. Amenemhet III. hatte die folgende:

(1) den Horusnamen Aa-bau mit der Bedeutung "mit großer Macht"
(2) den Nebtinamen Itschi-iaut-taui mit der Bedeutung "der das Erbe der beiden Länder packt"
(3) den Goldnamen Wah-anch mit der Bedeutung "mit andauerndem Leben"
(4) den Thronnamen Ni-maat-Re mit der Bedeutung "der zu Maat gehört, ein Re", und
(5) den Eigennamen Amen-em-het mit der Bedeutung "Amun ist an der Spitze"

Der Horusname sollte zeigen, daß der Pharao den fernen Himmelsgott Horus repräsentiert. Die Hieroglyphe war der Horusfalke, der auf dem Serech sitzt, dem Rechteck des Königspalasts. Seit Amenemhet II.(etwa 1877/76-1843/42 v.Chr.) ließ die Bedeutung dieses Namens nach, fand sich aber noch bis Antoninus Pius (138-161).

Der Nebtiname symbolisierte die Vereinigung von Ober- und Unterägypten und bedeutete soviel wie "die beiden Länder". Deshalb bestand die Hieroglyphe aus dem Geier für die Göttin Nechbet von Oberägypten und der aufgerichteten Kobra für die Göttin Wadjet von Unterägypten. Nebti ist die Dualform von Nebet (Herrin) und Neb (Herr) und bedeutet "die beiden Herrinnen)

Der Goldname sollte wahrscheinlich den Herrscher mit der Sonne gleichsetzen. Sein Zeichen war der Horusfalke, der auf der Hieroglyphe für Gold sitzt.

Der Thronname war seit der 4. Dynastie der wichtigste Name des Pharaos. Er wurde in einer Kartusche neben den Eigennamen gesetzt. Verliehen wurde ihm der Titel bei der Thronbesteigung während einer Fahrt auf dem Nil auf der Königsbarke und sollte natürlich an die Reise des Sonngottes über den Himmel erinnern. Danach wurde die Krönung vollzogen. Der Name "der zu Maat gehörige, der Re" nennt Maat, eine altägyptische Göttin der Gerechtigkeit und der Wahrheit. Sie galt als Tochter des Re und verkörperte das Konzept der Weltordnung. Re, der Sonnengott, war seit der 6. Dynastie der Hauptgott in Heliopols.

Der Eigenname wurde ihm bei der Geburt verliehen. Die Eigennamen der ersten Pharaonen sind nicht bekannt. Diese Namen stammen aus späteren Königslisten. Zunächst stand der Eigenname nicht in einer Kartusche. Diese wurde erst bei der Thronbesteigung hinzugefügt.

Mit freundlichem Gruß
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