Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

shanxi
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von shanxi » Do 07.04.22 15:58

Xanthos hat geschrieben:
Do 07.04.22 15:43
Ich wusste nicht, dass es "Pedigree" eingedeutscht im Duden gibt. Geht es nur mir so, oder klingt "der" Pedigree komplett falsch? Ich verstehe schon, "die" Feier, also "die" Party und "der" Stammbaum und deshalb "der" Pedigree. Aber Pedigree könnte man doch z.B. auch mit "die Ahnentafel" übersetzen, weshalb ich persönlich das neutrale "das" Pedigree vorziehen würde.
Wie Jochen ja schreibt, ist es eigentlich französisch und kommt von "pié de gru = Kranichfuß" . Da passt dann wieder "der".

trevcol
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von trevcol » Do 07.04.22 16:22

KLASSE ! ... vielen Dank Peter43, ein sehr interessantes Thema, für meine Münzen bin ich auch immer auf der Sucher nach den Vorbesitzern, den Kataloge und auch nach bedeutenden Sammlungen oder Nachweisen in Standardwerken. Nur einmal ist es mir bisher gelungen, vom Fund der Münze bis zum eigenen Erwerb alle Stationen über fast 100 Jahre nachzuweisen. Man wundert sich von welchen Reisen diese Münzen erzählen könnten.
Zur Huntington Sammlung vielleicht noch ergänzend: Die Sammlung bei der HSA umfasste 38.000 Münzen, von 500 vC bis ins 20. Jahrhundert. Darunter 400 Römische Goldmünzen. 40 davon waren von Trajan und Hadrian (spanischer Bezug).
Die ANS hat diese Münzen sozusagen betreut. In 2012 gab es einen riesigen Rechtsstreit, da HSA die Münzen an Sotheby's verkaufen wollte und dies (jedenfalls die Mehrheit der Münzen) auch tat. Sotheby's verauktionierte die Münzen in Gänze und ein Konsortium aus internationalen Münzhändlern unter Führung von Jesus Vico erwarb sie. Dann ging es weiter in den Sammlermarkt über die einzelnen Konsortiums-Händler, z.B. NAC 71 in 2013.
Ich habe dazu eine Frage, die hier vielleicht von Peter43 beantwortet werden kann: Gibt es irgendwo eine Datei der HSA Inventarnummern ? Oder anders: Konntest du deine HSA 1001 57.5803 in einer Art Inventarliste von HSA finden ?
vg trevcol

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Numis-Student » Do 07.04.22 17:49

Ich habe die tollen Beiträge zu Pedigrees dupliziert und an den Beitrag zu Provenienzen und Pedigrees angehängt und würde darum bitten, die Diskussion dort weiterzuführen.

Schöne Grüße
MR
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Numis-Student » Do 07.04.22 17:51

Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Perinawa » Do 07.04.22 17:56

Xanthos hat geschrieben:
Do 07.04.22 15:43
Ich wusste nicht, dass es "Pedigree" eingedeutscht im Duden gibt. Geht es nur mir so, oder klingt "der" Pedigree komplett falsch? Ich verstehe schon, "die" Feier, also "die" Party und "der" Stammbaum und deshalb "der" Pedigree. Aber Pedigree könnte man doch z.B. auch mit "die Ahnentafel" übersetzen, weshalb ich persönlich das neutrale "das" Pedigree vorziehen würde.
Mir geht es genau so. "Das" klingt in meinen Ohren einfach besser. Nun bin ich kein Sprachwissenschaftler, und ich weiss nicht mal, inwiefern "das" falsch wäre. Es gibt aber noch mehr dieser Fälle. Beispielsweise 'latte macchiato'. Richtig i.S.v. aus dem italienischen übersetzt müsste es eher "Der latte macchito" heissen, da wir Deutschen aber die Milch im Sinn haben, sagen wir doch meistens "Die latte macchiato", oder?

Die Artikel über die pedigrees sind sehr interessant - ein ganz eigenes Thema; eben mal was anderes. Ich kann leider keine Münze dazu steuern, aber ich arbeite dran.

Grüsse
Rainer

PS. Sorry Malte, ich sah deine Bitte um "Abbiegen" erst jetzt.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 07.04.22 17:57

Es ist wohl ähnlich wie mit frz. = "Der Pont Neuf", obwohl es im Deutschen "die Brücke" heißt. Aber wenn jemand sagt "er gehe jetzt auf den Piazza zum Kaffeetrinken", dreht sich mir der Magen um.

Schwierig ist es mit "amour fou". Im Feuilleton liest man regelmäßig "er/sie hatte eine amour fou". Für einen Puristen wie mich muß es allerdings "der amour fou" heißen. Und wer weiß schon, daß der Tod auf lateinisch "die mors" heißt?

Wer sich mit den fremdsprachigen Genera nicht auskennt, sollte lieber deutsche Wörter wählen.

Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Perinawa » Do 07.04.22 17:58

Peter43 hat geschrieben:
Do 07.04.22 17:57
Wer sich mit den fremdsprachigen Genera nicht auskennt, sollte lieber deutsche Wörter wählen.
Es gibt kein deutsches Wort für 'latte macchiato', jedenfalls keines, wo sich mir nicht der Magen umdrehen würde ;-)
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von antoninus1 » Do 07.04.22 18:30

Hier in Bayern hört man bei latte macchiato beides, die Latte Macchiato und der Latte Macchiato. Manche haben die Milch im Hinterkopf, manchen den Kaffee.
In Österreich heißt er "Kaffee verkehrt", da stellt sich das Genderproblem nicht :)
Gruß,
antoninus1

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Do 07.04.22 18:39

Hallo Altamura!

Ich habe die Fehler korrigiert und Deine Informationen in den Text übernommen.

Herzlichen Dank
Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von kiko217 » Do 07.04.22 21:00

Ein komischer Zufall, dass ich gestern bei Künker einen Quadrans der 56- Serie von Crawford ersteigert habe, der auch einmal Archer M. Huntington gehört hat. Und ich habe mich schon gewundert, warum der so hoch im Preis gegangen ist. Dabei wollte ich einfach nur eine sehr schöne Münze aus der Serie haben, um sie einmal komplettieren zu können.
Semis, Quadrans und Uncia sind jetzt schon da. Falls ich einmal alle haben sollte, stelle ich sie euch vor.

Kiko

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Zwerg » Do 07.04.22 21:30

So nebenbei zur ANS und Archer M. Huntington.
Der Museumskomplex beheimatete seinerzeit die ANS, die Hispanic Society und das Museum of the American Indian.
ANS und Indianer-Museum sind umgezogen, die Lage mitten in Spanish Harlem war verbesserungswürdig.
Anbei Schnappschüsse vom Winter 1979

Grüße
Klaus
NY_042a.jpg
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Fr 08.04.22 12:28

Zwerg hat geschrieben:
Do 07.04.22 21:30
Anbei Schnappschüsse vom Winter 1979
Ah, Du warst da mal, beneidenswert :D .

In einer der letzten Ausgaben des ANS Magazine gab es einen Artikel über die Audubon Terrace (so heißt der Gebäudekomplex: https://en.wikipedia.org/wiki/Audubon_Terrace) und ihre Geschichte.
Die begann damit, dass der Naturforscher John James Audubon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dort am Hudson River ein Häuschen im Grünen bauen ließ. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen :? . Bekannt wurde Audubon mit dem illustrierten Buch "The Birds of America" (https://en.wikipedia.org/wiki/The_Birds_of_America, hier zu sehen: http://audubon.library.pitt.edu/), dessen Originalausgaben heute für Millionenbeträge über den Tisch gehen.
Zwerg hat geschrieben:
Do 07.04.22 21:30
... die Lage mitten in Spanish Harlem war verbesserungswürdig. ...
Was wohl auch passiert ist, der Stadtteil ist einer gewissen Gentrifizierung anheimgefallen.

Gruß

Altamura

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 22.01.23 10:44

Hipparchos von Nikaia

"Wir sind Zwerge auf den Schultern von Riesen". Dieses Gleichnis ist erstmals um 1120 von Bernhard von Chartres bezeugt, den Johannes von Salisbury in seinem um 1159 erschienen Metalogicon zitiert, und das u.a. von Isaac Newton verwendet wurde. Und mit Hipparch  steht  einer  dieser Riesen vor uns! Verständlich, daß ich stolz bin, diese Münze in meiner Sammlung zu haben.

Die  Münze:
Bithynien, Nikaia, Gallienus, 253-268
AE 25, 5.40g
Av.: Γ ΠOVB ΛIK EΓN ΓAΛΛHNOC AVΓ
      Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, mit Strahlenkrone, n. r.
       im Nacken c/m (H in kreisförmigem Incus, (Howgego  821e)
Rv.: NIK - A - IEWN
       im  Abschnitt  IΠΠAPX  (ΠAP  ligiert)
       Der Astronom Hipparchos in Himation auf einer sella n. l. sitzend, zeigt mit der vorgestreckten Rechten auf einen Globus auf einer schmalen Säule
Ref.:cf. Waddington, Asie Mineure, Nr. 843 (andere Stempel), Taf. 87, Abb. 36 (Rückseite); cf. Imhoof-Blumer (1908) Nr. 6 (andere Stempel)
Sehr selten (2 Ex. Münzsammlung Universität zu Köln)
Nikaia_Gallienus_SNGvon Aulock7097var_klein.jpg
Der Gegenstempel verbirgt wahrscheinlich einen sinkenden Gewichtsstandard. Die Mehrzahl von von Aulocks Münzen stammen aus einem großen Fund bei Nicomedia  (Howgego).

Hipparch wurde um 190 v.Chr. in Nikaia geboren und starb um 120 v. Chr. auf Rhodos. Er war der bedeutendste griechische Astronom der Antike und gilt als Begründer der wissenschaftlichen, auf Beobachtungen beruhenden Astronomie.

Welche Entdeckungen und Erfindungen gehen auf Hipparch  zurück?

(1)  Er stellte den ersten Sternkatalog mit 1 028 Sternen auf, der später von C. Ptolemaios in seinem Almagest verarbeitet wurde. Der Katalog selbst ist nicht erhalten, aber 2012 wurde im Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel ein Palimpsest, der Codex Climaci Rescriptus, gefunden, der sich als Teil von Hipparchs Sternenkatalog herausstellte. Dadurch gelang Gysemberghh und seiner Arbeitsgruppe Teile zu rekonstruieren, die sich als genauer herausstellten als die des Ptolemaios. Im Gegensatz zu Ptolemaios benutzte er dazu nicht die Ekliptik, sondern den Himmelsäquator. Diese Listen wurden noch von Kopernikus benutzt. Aus den Sternörtern geht hervor, daß er seine Beobachtungen von Rhodos aus gemacht hat. Als erster schuf er auch eine Skala der Sternhelligkeiten.

(2) Diese Genauigkeit konnte er nur erreichen, indem er neue erfundene Geräte und Methoden benutzte. Da er kein Teleskop besaß, so Gysembergh, muß er ein Visierrohr, eine sogenannte Dioptra, oder schon eine Armillarsphäre oder einen Mauerquadranten verwendet  haben.

(3) Hipparchos führte die Gradeinteilung des Kreises ein und benutzte für seine Berechnungen Sehnentafeln, auf denen die Beziehungen zwischen Winkeln und Längen festgehalten wurden. Damit führte er die Trigonomie („Sehnenrechnung“) in die Astronomie ein und wurde damit der Begründer der sphärischen Trigonometrie.

(4) Mit diesen Methoden wurde er zum Urheber der stereographischen und orthographischen Kartenprojektion.
Himmelsglobus.jpg
Modell  von  Hipparchs  Himmelglobus.
Die Sternbilder sind markiert, Horizontalebenen und Meridiankreis dienen zum Ablesen von Koordinaten bzw. Uhrzeiten (Wikiwand)

(5) Bei Sternbedeckungen durch den Mond konnte er Sternpositionen im Tierkreis genauer feststellen. Beim Vergleich der von ihm gemessenen Sternörter mit ält-ren Angaben, z. B. denen, die Timarchos und Aristyll ca. 150 Jahre vorher bestimmt hatte, stellte er fest, daß diese sich inzwischen um 2° verschoben hatten. Damit ist er der Entdecker der Präzession. Die Präzession ist eine Eigenschaft der Erdbewegung. bei der die Erdachse sich im Vergleich zu den Sternbildern verschiebt. Heute wissen wir, daß sie durch eine kreiselförmige Bewegung der Erddrehung zustandekommt. Diese Erklärung wurde damals aber noch nicht akzeptiert. Ihr genauer Wert sind 25850 Jahre. Mit seiner Beobachtung von 2° in 150 Jahren kam er auf 27000 Jahre. Nicht schlecht!

(6)  Er berechnete die Entfernung und die Größe des Mondes und der Sonne aus Finsternisbeobachtungen und bestimmte die ersten Sonnen- und Mondephemeriden. Das sind Tafeln mit den täglichen Positionen der Himmelskörper, die z. B. von Seefahrern zur Navigation benutzt werden konnten.

(7) Er fand die Mittelpunktsgleichung oder Große Ungleichung, womit eine Ungleichmäßigkeit der Mondbewegung gemeint ist. Sie kommt zustande, weil der Mond sich nicht um die Erde dreht, sondern weil Erde und Mond sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen, der sich aufgrund der Massenverhältnisse im Inneren der Erde befindet.

(8) Durch astronomische Beobachtungen bestimmte er die Länge des Sonnenjahres bis auf 6,5 Minuten genau und stellte die genaue unterschiedliche Länge der Jahreszeiten fest, die er auf eine exzentrische Bahn der Sonne um die Erde zurückführte.

(9) Hipparch lehnte das heliozentrische System des Aristarch ab und hielt am geozentrischen System fest. Um die Abweichungen der Planetenbahnen mit ihren rückläufigen Bewegungen mathematisch erklären zu können, arbeitete er die Exzentertheorie der scheinbaren Planetenbewegung aus, die später zur Epizykeltheorie führte.

(10) Unter seiner Oberaufsicht ist wohl der Mechanismus von Antikythera, einem Wunderwerk der Antike, einem astronomischen Computer, auf Rhodos gebaut worden, der 1900 in einem Wrack bei der griechischen Insel Antikythera gefunden worden ist.

Hipparchs Hauptwerke sind verloren. Ptolemaios, der sie gekannt hat, nennt ihn „den größten Liebhaber der Wahrheit“ und feiert ihn als seinen wichtigsten Wegbereiter. Er gilt als der „Einstein der Antike“. Plinius der Ältere aber nannte das Vermessen der Sterne ein gottwidriges Werk. Insbesondere ärgerte es ihn, daß Hipparch einen neuen Stern, wahrscheinlich eine Supernova, beschrieben hatte, was gegen das ewige Gleichmaß der Himmelssphäre verstieß. Daran erkennt man, daß sich Hipparchos im Streit zwischen Religion und Wissenschaft auf die Seite der Wissenschaft gestellt hatte. Erst nach dem Ausstieg aus den dunklen Jahrhunderten des Christentums konnte in der Renaissance wieder diese wissenschaftliche Höhe erreicht werden.

Pauly schreibt: Ohne die retardierende Skepsis des Hipparchos wäre vielleicht das heliozentrische System rund 1700 Jahre früher akzeptiert worden, freilich zum Schaden der Wissenschaft, der ein genialer Geistesblitz zwar förderlich, die strenge, auf pedantischer Datenverarbeitung und mathematischer Deduktion beruhende Methode aber unentbehrlich ist.

Anmerkungen:
(1)  Die Armillarsphäre (armilla = Armreif, sphaera = Kugel) ist eine Weiterentwicklung des Astrolabiums. Sie besteht aus mehreren, gegeinander drehbaren Metallringen, die insgesamt die Form einer Kugel bilden. Der gedachte Beobachter befindet im Zentrum der Kugel. Falls das Gerät das geozentrische Weltbild abbildet, findet sich dort ein bestimmter Ort der Erde.
Armillarsphäre_klein.jpg
Armillarsphäre  aus  der  Renaissance  (Wikipedia)

Es blieb über das gesamte Mittelalter überwiegend im islamischen Gebiet in Gebrauch. In Mitteleuropa wurde es erst im 15. Jh. durch Regiomontanus wieder bekannt und erreichte im 16. Jh. mit dem dänischen Astronomen Tycho Brahe seine Perfektion.

(2)  Der Mauerquadrant ist ein Instrument, mit dem genaue Höhenwinkel und Positionen von Sternen gemessen werden können. Er besteht aus einem Viertelkreis mit genauer Kreisteilung und einer dazugehörigen Ablesevorrichtung, einer Zielvorrichtung und einem Senklot. Es ist fest auf einer in Nord-Süd verlaufenden, genau senkrechten Mauer montiert. Dadurch konnte die Messgenauigkeit erheblich erhöht werden. Der genaueste Winkelquadrant stand auf Tycho Brahes Insel Uranienborg und hatte einen Radius von 2m.
Mauerquadrant.jpg
Modell eines Mauerquadranten, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a. M.

Literatur:
(1) Der Kleine Pauly
(2) Spektrum der Wissenschaft
(4) Kölner Münzportal
(5) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am So 22.01.23 10:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » So 22.01.23 10:46

Zu dem Artikel über Hipparch gehört auch noch ein Exkurs über den Mechanismus von Antikythera. Falls Interesse besteht, würde ich ihn anfügen.

Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von andi89 » So 22.01.23 11:43

Peter43 hat geschrieben:
So 22.01.23 10:46
... Falls Interesse besteht, würde ich ihn anfügen. ...
Ich frage mich ernsthaft, was das soll; aber sei's drum.
Es wäre jedenfalls der erste deiner Beiträge zu solchen Themen, an denen kein Interesse bestünde.
Ich hoffe das genügt. ;)

Beste Grüße
Andreas
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