Eine geheimnisvolle Inschrift

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Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Peter43 » Mi 14.01.26 18:09

Liebe Freunde es Lateinischen

In unserer Stadt steht ein berühmtes Augustinerkloster mit wunderschönen Wandgemälden aus dem Barock. An einer der Wände findet sich eine Kartusche, in der sich eine verschlüsselte lateinische Inschrift befindet. Kann sie jemand entschlüsseln?
Kartusche.jpg
Viel Spaß beim Raten
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am Mi 14.01.26 22:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Chippi » Mi 14.01.26 18:24

Hallo Jochen, meinst du das Chronogramm?

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)
Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.

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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Zwerg » Mi 14.01.26 18:28

Dieser Sitz wurde vom fleischgewordenen Wort und der jungfräulichen Mutter eingenommen
(laut Deepl - mein Latein ist sehr gerostet)

Chronogramm = 1762

Grüße
Klaus
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Peter43 » Mi 14.01.26 18:56

Ihr wißt einfach zu viel! Natürlich ist da ein Chronogramm versteckt, eine Jahreszahl in römischen Zahlen, wie es im Barock beliebt war. Die Addition ergibt korrekt 1777, das Jahr, in dem das Kloster errichtet wurde. Das "fleischgewordene Wort" bezieht sich auf das Johannesevangelium 1, 14 "Et verbum caro factum est" und ist Christus.

Liebe Grüße
Jochen
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Larth » Mi 14.01.26 19:56

Sehr interessant und lehrreich.
Danke Hans

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Homer J. Simpson
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 14.01.26 20:06

Fast. Die erste Hälfte ("Verbo" bis "Matri") ist aber ein Dativ und kein Ablativ. Die Formen sind sehr ähnlich, es müßte im Dativ aber heißen "virgineque matre". So heißt es "Für das fleischgewordene Wort und die jungfräuliche Mutter ist dieser Thron errichtet worden".

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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von kiko217 » Do 15.01.26 13:14

Wobei „locata fuit“ kein klassisches Latein mehr ist. „Locata est“ hätte ich jetzt schöner gefunden.

Kiko

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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von richard55-47 » Do 15.01.26 15:27

Wäre auch richtiger gewesen. Wer sagt schon "... war errichtet worden."?
do ut des.

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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Peter43 » Do 15.01.26 18:01

richard55-47 hat geschrieben:
Do 15.01.26 15:27
Wäre auch richtiger gewesen. Wer sagt schon "... war errichtet worden."?
Das wäre aber Plusquamperfekt und der heißt "fuerat". Fuit aber ist nur Perfekt; "ist errichtet worden" oder "wurde errichtet". Das klingt doch ganz gut oder?

Liebe Grüße
Jochen
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von kiko217 » Do 15.01.26 18:07

Das Perfekt lautet „locata est“, das Plusquamperfekt „locata erat“.
„Locata fuit“ gibt es im klassischen Latein nicht.

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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Chippi » Do 15.01.26 18:10

Aber ohne "fuit" kein passendes Chronogramm, mit "est" fehlen 6 Jahre (wäre dann 1771). Da verzichtet man gerne auf klassisches Latein.

Gruß Chippi
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Peter43 » Do 15.01.26 21:52

Es tut mir leid, aber ich muß noch einmal darauf zurückkommen. In meiner Grammatik von Schmidt-Wecker von 1955 steht unter §62 für den Indikativ:
Präsens est
Imperfekt erat
Futur I erit
Perfekt fuit
Plusquamperfekt fuerat
Futur II fuerit

Da wird sich doch in den letzten 70 Jahren nichts geändert haben.

Liebe Grüße
Jochen
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Homer J. Simpson » Do 15.01.26 23:33

1. Wer weiß - bei einer so schnelllebigen Sprache wie Latein? ;-)
2. Im Wort "locata" ist das Perfekt schon drin; das ist ein PPP (Partizip Perfekt Passiv); z.B. heißt "redempti sumus" "wir sind erlöst worden". "Redempti fuimus" ist Küchenlatein, doppeltes Perfekt wie im Deutschen etwa "das habe ich vorher schon gemacht gehabt".
3. Die Inschrift hier ist natürlich Küchenlatein. Erstens von Nicht-Muttersprachlern 1500 Jahre nach der Blütezeit der Sprache geschrieben, und dann noch
4. mußte irgendwie das Chronostichon aufgehen; das war ja fast eine eigene Kunstgattung. Ich wette, da haben die lange daran geknobelt, daß die richtige Jahreszahl herauskam, und dann haben sie lieber akzeptiert, schlechte Grammatik zu schreiben, als die falsche Jahreszahl.

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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von Peter43 » Fr 16.01.26 09:24

Ich glaube, Du hast es genagelt, wie der Engländer sagt.

Liebe Grüße
Jpchen
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Re: Eine geheimnisvolle Inschrift

Beitrag von kiko217 » Fr 16.01.26 10:03

Peter, du darfst nicht bei esse gucken. Die Form von esse hilft hier nur, das richtige Tempus zu bilden. Guck bei einem normalen Verb, wie hier z.B. locare.

Kiko

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