Neben der Zunftmarke der Waagdrager sind mir in Amsterdam keine Marken bekannt, die im Zusammenhang mit der Nutzung der Waage stehen. Das sieht in deutschen Städten anders aus.
Thomas-Michael Kahl hat einen Artikel über die Augsburger Wiegezeichen veröffentlicht aus dem ich auf einem Beitrag über diese Augsburger Marken zitiert habe (viewtopic.php?f=45&t=67264&p=590074&hilit=Kahl#p590074)
Ähnliches gilt für Nürnberg. Seit dem 14. Jahrhundert befand sich eine Waage in der Winklergasse, die sog. „Fron-Waag“ (d.h. Herrn-Waag), auch die kleinere oder untere Waage genannt. Dort wurde auch 1497 von Hans Benheim d.Ä. ein Waaggebäude errichtet.
Das Gebäude wurde leider im WWII komplett zerstört, erhalten geblieben ist das sog. Waagrelief, das von dem berühmten Nürnberger Bildhauer Adam Kraft 1497 in Sandstein gehauen wurde.
Kopie
Es bildet die Waage als Symbol für den Handel, aber auch als Sinnbild des gerechten Ausgleichs, ab. Es zierte ursprünglich das historische Gebäude der Alten Stadtwaage. Dort mussten die Kaufleute ihre Waren vor deren Verzollung wiegen lassen. Die Inschrift „dir als ein andern“ bezeugt die Unbestechlichkeit und Objektivität des kommunalen Amtes. Ferner beherbergte das Gebäude der Alten Stadtwaage die „Herrentrinkstube“. Die einheimischen und ausländischen Kaufleute nutzen den Treffpunkt, um Geschäfte untereinander abzuschließen und um sich untereinander informell zu organisieren, bevor Marktregeln für den Nürnberger Handel eingeführt wurden. Daher gilt die Herrentrinkstube auch als Keimzelle der kaufmännischen Selbstverwaltung.
Neben der alten Waage auf der Sebalder Stadtseite wurde 1571 auf der Lorenzer Seite im Kornhaus noch eine weitere Waage eingerichtet: „die neue Waag“. 1572 wurde in Nürnberg ein „Neuer Zoll“ eingeführt und das Kornhaus als Zollhaus betrieben.
Gebert kennt alleine 37 dieser Marken, von denen ich hier drei zeigen möchte.
Nach Gebert sind die Marken o.J. und die mit den Jahreszahlen 1524-67 der Alten Waag, die häufigeren von 1571 und 1572 dagegen der Neuen Waag zuzuschreiben.
Cu-Quittungsmarke des Waagamtes o.J. (Alte Waag) zum Wiegen von Fässern
24 mm, 5,31g
Gebert 179, Slg Erlanger 923, Imhof -
Exemplar der Slg. Herbert J. Erlanger, Auktion Bank Leu / Münzen und Medaillenhandlung Stuttgart, Zürich 1989, Nr. 923.
Ex Slg Merklein, Künker 375, L2061
Cu- Quittungsmarke des Waagamtes 1571 (Neue Waag) zum Wiegen von Fässern
16 mm, 0,78 g
Gebert 190, Slg Erlanger 934, Imhof -, Neumann 6910
Interessant ist, dass die Marken des Neuen Waag deutlich kleiner und viel leichter sind.
Cu-Quittungsmarke des Waagamtes 1571 (Neue Waag) für eine unbekannte Verwendung
17 mm, 0,81 g
Gebert 197, Slg Erlanger 937, Imhof -, Neumann 6909 (dort fälschlicherweise Losungsamt)
Es gibt mehrere Marken, auf deren Revers das abgebildete Symbol sich bisher – wie bei dieser Marke - einer Deutung entzog.
Neben Zunft- und Quittungsmarken gibt es noch eine dritte Art von Zeichen, die in Verbindung mit der Stadtwaage stand. Als in Nürnberg im 17. Jahrhundert für alle Ämter neue Präsenzzeichen gefertigt wurden, erhielt wohl auch die Waagherren des Waagamtes solche:
21 mm, 3,88 g
Gebert 203, Imhof -, Slg. Erl. -, vgl. Stahl 748 (Nr. 2)
Die Zahl gibt es als 1-4. Diese bezieht sich auf das jeweilige Quartal.
Literatur
Alte Waage und Waagrelief
https://www.nuernberg.museum/projects/s ... alte-waage,
https://wp2.ihk-nuernberg.de/antworten/ ... x%5B1%5D/0
Marken
Gebert, Carl Friedrich: Die Marken und Zeichen Nürnbergs, 1901.
Thomas Michael Kahl: Vertrauen ist gut … Kontrolle ist besser…Augsburger Wiegemarken;
Beitrag auf der Website Schwäbischer Münzclub Augsburg
Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund
Moderator: KarlAntonMartini
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