Da die Auflösung leider gelöscht worden ist: Es handelt sich um ein "
Qualitätssiegel der Tuchweber nach sorgfältiger Prüfung auf mögliche Webfehler." (Callewaert: Penninxckens van Brugge, 2023,Nr.: B.SW 13, S. 301.
Paul Callewaert beschreibt das Siegel im Kapitel der "Saaiwevers".
Die Stücke „Saai“ (im Deutschen Sarsche oder Serge), die in Brügge gewebt wurden, waren in England und Frankreich populär und begehrt.
Sarsche-Stoffe sind leichte Wollstoffe, hergestellt aus feiner Wolle, die das beste Tuch an Stärke und Glanz übertrafen. Die feine Sarsche, die „Löwen“ genannt wurde, wurde aus der besten flämischen Lämmerwolle gewebt. Diese Wolle wurde von Wollschlägern gewaschen und gekämmt und dann aufs Land gegeben, um gesponnen zu werden. Man bevorzugte Spinnerinnen aus Torhout, Aartrijke, Ichtegem und Koekelare. Jeder Sarsche-Fabrikant hatte seine eigenen Kettenschärer, Kettenpapper, Weber, Walker und Färber. In der nahen Umgebung von Brügge, vor allem in Damme, Dudzele, Lissewege und St. Kruis, gab es viele Sarsche-Weber, die für die Saaihalle arbeiteten.
Die Sarsche-Weber hatten den heiligen Severinus als Patron; die Gottesdienste wurden in der St.-Nikolaus-Kapelle abgehalten, die auch als „Kapelle der Kaufleute“ bekannt war. Man zahlte jährlich an ihrem Festtag für Kirchenschmuck, Brot, Wein und das Gehalt für den Priester vier Pfund und acht Schilling. Brügge kannte das Bestehen einer Wollschlägerzunft, deren Vorstand im Jahr 1570 aus einem Dekan und fünf Findern („vinders“) bestand. Ab 1595 taucht auf den Listen kein Vorstand mehr für dieses Handwerk auf, und diese blieben bis 1612 unausgefüllt; von da an verschwand die Bezeichnung „Wulleslaghers“. Um 1645 liest man von „
Cammers ende ketenreeders“, die sich mehr auf Saai-Fäden für das Weben von Stoffen spezialisierten. Bis 1785 wurden die „Saaien“ und „Leeuwen“ noch in Brügge hergestellt; andere Stoffe und Methoden der neuen Tuchindustrie setzten diesem Handwerk ein Ende.
Zu dem Wort
Keten: Bevor ein Weber mit dem Weben beginnen konnte, mussten die Längsfäden – die sogenannte Kette – auf dem Webstuhl vorbereitet werden:
- Scheren: Die Fäden mussten in der exakt richtigen Länge und Anzahl nebeneinander angeordnet werden.
- Schlichten (Pappen): Damit die Fäden beim Weben nicht rissen oder aufscheuerten, wurden sie mit einer Art Stärke (Schlichte)
bestrichen.
- Aufbäumen: Die fertige Kette musste absolut gleichmäßig und unter hoher Spannung auf die Walze des Webstuhls gewickelt werden.
Während die Cammers die Wolle kämmten (Vorbereitung der Fasern), bereiteten die Ketenreeders daraus die stabilen Kettfäden für die Webstühle vor.
Das Siegel ist auch bei Minard-Van Hoorebeke III, 1879, Nr. 133 beschrieben, alleerdings fälschlicherweise mit der Jz 1649.
Historischer Hintergrund: J. Gaillard, Ambachten en neringen van Brugge (1854):
https://books.google.de/books/about/De_ ... edir_esc=y