3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Privat ausgegebene Münzen, Notgeld und Münzersatzmittel

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verscherbler
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3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von verscherbler » Di 01.03.05 19:41

Hallole,

ein Freund aus Amerika hat mich neulich sehr interessiert per eMail gefragt, was das für Stücke sind, die er da hat. Ich kenne mich mit Tokens an sich nicht aus. Es handelt sich aber um drei alte Wertmarken zu 10, 20 und 100 Wasauchimmer (Pfennige?), wobei bei 2 Exemplaren "WERTH" mit H und bei einem Stück "WERT" modern geschrieben ist. Aus einem anderen Beitrag von Lutz12 habe ich geschlossen, dass diesbezüglich das Jahr 1902 möglicherweise ein entscheidender orthographischer Wendepunkt ist. Auf den "alten" Modellen finden sich diverse Initialen ("G.A." und "K").

Unten ist ein Bild im Anhang, das die Stücke zeigt. Vielleicht sind das ja sogar die gleichen Marken, die unser user stark im Beitrag http://www.numismatikforum.de/ftopic8740.html angeführt hat...

Könntet Ihr mir evtl. helfen, die Stücke etwas genauer zuzuordnen, sofern das überhaupt möglich ist (huhu, Lutz12... :wink: ) ?
Es klingt hier und da heraus, dass solche Marken gut und gern überall in Betrieb gewesen sein können. Vielleicht wißt Ihr ja trotzdem Genaueres.
Falls ja, werde ich das dann erfreut über den "Großen Teich" weiterleiten.

Danke Euch jedenfalls schon mal.
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Grüßle, euer verscherbler

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hotzenplotz
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Beitrag von hotzenplotz » Di 01.03.05 21:29

Hallo verscherbler,

Deine Marken sind ne harte Nuß... Ich habe bezügl. G.A. und K meinen MENZEL befragt :?: :?: - aber leider konnte auch er mir nicht weiterhelfen.
Da müssen knallharte Spezialisten ran... :wink:
Gruß
hotzenplotz

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verscherbler
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Beitrag von verscherbler » Di 01.03.05 21:58

Da müssen knallharte Spezialisten ran... :wink:
Jepp, so sehe ich das auch. Profis her, da helfen keine halben Sachen...! 8)

Nur eine Idee für einen angehenden Gedankengang, die dem Hirn meines weisen Vaters entstammt (aber keinerlei Anspruch auf Richtigkeit hat):
Könnte das "G.A." nicht etwa für die kommunale "Gas-Anstalt" oder so etwas stehen? Habe gesehen, dass es andere Marken mit Sprüchen wie "Gut für 1 Kubikmeter Gas" usw. gibt.

Ein "K" birgt ja quasi unendlich viele Möglichkeiten.... von "Kantine", "Kakao", "Kaffee", "Konsum" bis hin zu "Kraftstoff", "Kohle" oder gar "Kautschuk" könnte ja alles denkbar sein :?

Wahrscheinlich sind die Marken ohnehin nicht gerade Hunderte von Euro wert, dennoch wären weitere Hinweise interessant, allein um der Identifizierung (und geistreicher Vorschläge) Willen.
Grüßle, euer verscherbler

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Lutz12
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Beitrag von Lutz12 » Di 01.03.05 23:09

Hallo verscherbler,
der Hintergrund/konkreter Verwendungsort ist wohl nur durch Zufall zu knacken. Bei meine Recherchen für meine engere Heimat tauchen derartige Stücke ohne nähere Bezeichnung an verschiedenen Stellen, vor allem als innerbetriebliche Zahlungsmittel/Verechnungsmarken auf. Die Betriebe beschafften sich diese Standardmarken über zentrale Ankaufstellen der Industrie. Ohne genauen Nachweis vermute ich das alle Stücke aus der Zeit vor 1920 stammen, weil durch die deutsche Notgeldzeit speziell 1920 viele Unternehmen eigene Notmünzen ausgaben, die im Preis sogar preiswerter waren als die neutralen Marken. Durch das Material lassen sich tendenziell weitere zeitliche Einschränkungen machen: Messing eher vor 1914 verwendet, Zink vernickelt sehr viel um 1920.
Für den Wert gehe ich davon aus, dass man hier "Masse" ansetzt, weil keine Zuordnung möglich ist. Seltenheiten dahinter zu vermuten halte ich für fatal, weil die neutralen Stücke massenhaft existieren und es (siehe Euro´s) viele Bastler gibt die in Feierabendarbeit mal schnell ein paar Raritäten basteln.
Gruß Lutz12

mfr
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Beitrag von mfr » Fr 16.12.05 22:25

Hallo,
ich habe hier drei fast identische Stücke.

15 mit AL
50 mit CH
100 mit CH

Falls sich weitere Erkenntnisse ergeben haben sollten, wäre ich auch daran interessiert.

Chippi
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Beitrag von Chippi » Sa 17.12.05 20:58

Man könnte es über die Rechtschreibung versuchen. So weiß ich, dass Bücher, die Wörter mit "th" enthalten und heute nur noch mit "t" geschrieben werden (Bsp.: Theilung - Teilung) vor 1900 stammen, da in dem Jahr eine rechtschreibreform durchgeführt wurde. Zu Info, Thron wurde auf "Wunsch" Kaiser Wilhelm II. weiter so geschrieben.
Wertmarken gab es übrigens auch für Strassenbahnen.

Gruß Chippi
[quote="Wurzel"]@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)[/quote]
[quote="Münz-Goofy"] Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.[/quote]

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clarino
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Beitrag von clarino » Sa 17.12.05 21:20

Hallo verscherbler,

einen Teil zur Erklärung und Verwendung dieser Token haben schon meine Vorredner richtig in Erklärung gebracht.
Am Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes innerbetriebliches Zahlungs- und Abrechnungsmittel, welches mehrheitlich im Braugewerbe, aber auch in anderen Fabriken und Handelsgesellschaften verwendet wurde.
Diese abgebildeten Marken wurden meist als Abonnementsmarken auf Speisen und Getränke, die in Restaurants und Cafès angeboten wurden benützt, um beim Erwerb einer bestimmten Anzahl von Marken einen Preisnachlass von einigen Prozent zu gewähren.
Eine andere Nutzung als war die Verwendung als Firmengeld, mit diesen Marken konnten die Firmenangehörigen im eigenen Firmengelände in Kantine und Vertragsläden verbilligt einkaufen. In einigen Betrieben wurde zum Teil der Lohn in Firmengeld ausgezahlt um die Betriebsangehörigen zum Kauf im eigenen Firmenladen zu zwingen.
Eine weitere war die Verwendung als Zahlzeichen und Lohnmarken. Bei Tages- und Teilarbeiten wurden diese Marken nach jeder Schicht ausgegeben und konnten am Zahltag gegen den richtigen Lohn eingetauscht werden.
(aus dem Münzenangebot der Firma Loos Berlin 1832)

Beispiel:
Eine große Brauerei verausgabt eine Markenserie (in Stückelung 5,20,25,50,100 von ca.16 bis 27 mm, meist in Messing, auch andere Metalle) die an der Brauerei angeschlossenen, verpachteten Gastwirtschaften und Restaurants erhalten die gleichen Token. Um einen genaue Abrechnung zu erhalten wurden die Initialen der Pächter dieser Gastwirtschaften und Restaurants auf die verausgabten Marken als Punzen aufgebracht. (wie G.H.= Pächter Günter Hammel oder A.P. = Anton Polle usw.)
Vor 1900 „Wehrt“ nach 1900 „Wert“, später wurden diese Marken immer mehr durch Papiergutscheine ersetzt.
Diese Marken sind schwer zuzuordnen, da sie aus einer Massenproduktion stammen und durch private Punzung verändert worden sind, auch wurde bei Veränderung von Besitzverhältnissen, durch Verkauf oder Erbschaft, diese Marken teilweise vom neuen Inhaber übernommen.

Wie Lutz12 schon feststellte ist der Hintergrund, konkreter Verwendungsort wohl nur durch Zufall zu knacken.

Wer mehr darüber weiß, kann seine Gedanken und sein Wissen weiterhin hier posten.

Clarino

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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von unterbrecher.de » Mo 08.10.18 22:24

Das Thema ist zwar über 13 Jahre alt aber es ist nach wie vor einer der wenigen hilfreichen Treffer, die man bei Google zu diesem Gebiet findet. Daher möchte ich hier etwas ergänzen.

Ich habe im Jahr 2005 eine relativ große Menge solcher Werthmarken gefunden. Inzwischen weiss ich einiges über diesen Fund und kenne auch den Zusammenhang mit dem Fundort und die frühere Verwendung. Für den interessierten Leser ist das alles in einem PDF nachzulesen:

https://www.dropbox.com/s/shake1mmgh5j7 ... n.pdf?dl=0

Man erkennt (hoffentlich), dass ich einen Hang zum Detail habe. In meiner privaten Ausstellung sind viele ähnliche Kleinigkeiten zu finden. Themenschwerpunkte sind meine Oldtimer-Motorradsammlung und zunehmend der Nachlass meines Hofes, der bis ins Jahr 1825 zurückreicht. Seit 1876 war hier eine Tischlerei ansässig, die in 4 Generationen betrieben wurde. Aus diesem Betrieb sind Werkzeug und Maschinen erhalten.

Mehr Informationen gibt es unter: http://www.unterbrecher.de

Grüße aus Brandenburg
Peter

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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von KarlAntonMartini » Di 09.10.18 04:14

Danke für diesen Forschungsbericht. Bei den WJ-Marken würde ich eine Verwendung als Kellnermarken vermuten. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von unterbrecher.de » Di 09.10.18 09:44

Diese Einsatzmöglichkeit als "Biermarke" hat mir am vergangenen Sonntag auch ein Besucher der Ausstellung nahe gelegt. Ich habe gute Kontakte in den Ort und werde versuchen, das zu klären.

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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von sigistenz » Di 09.10.18 18:52

KarlAntonMartini hat geschrieben:Danke für diesen Forschungsbericht. Bei den WJ-Marken würde ich eine Verwendung als Kellnermarken vermuten. Grüße, KarlAntonMartini
Das ist ja eine sehr interessante Neubelebung des alten thread, dem "unterbrecher" sei Dank!
Wie muss man sich die Verwendung als Kellnermarke genau vorstellen? Der Kellner wird doch wohl nicht alles, was er an der Theke abholte, mit diesen Marken bezahlt haben :? (bei 100 als höchstem Nominal)?
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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von KarlAntonMartini » Di 09.10.18 19:21

sigistenz hat geschrieben:
KarlAntonMartini hat geschrieben:Danke für diesen Forschungsbericht. Bei den WJ-Marken würde ich eine Verwendung als Kellnermarken vermuten. Grüße, KarlAntonMartini
Das ist ja eine sehr interessante Neubelebung des alten thread, dem "unterbrecher" sei Dank!
Wie muss man sich die Verwendung als Kellnermarke genau vorstellen? Der Kellner wird doch wohl nicht alles, was er an der Theke abholte, mit diesen Marken bezahlt haben :? (bei 100 als höchstem Nominal)?
Sigi
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Sicher bin ich mir da auch nicht. Andererseits wird damals in einem Ausflugslokal das Angebot nicht so vielfältig gewesen sein. Und auch nicht so teuer. (Um 1935 kostete die Maß auf dem Oktoberfest 90 Reichspfennig.) Möglich wäre auch, daß die Kellnermarken nur für Getränke verwendet wurden. Grüße, KarlAntonMartini
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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von unterbrecher.de » Mo 15.10.18 15:26

https://de.wikipedia.org/wiki/Biermarke_(Jeton)

Mir wurde gesagt, dass die Kellner zum Start ihrer Schicht einen Vorrat solcher Marken bekamen. Sie mussten dann Marken abgeben, wenn sie Bier vom Tresen mitnahmen. Die Differenz aus den erhaltenen und noch vorhandenen Marken ergibt dann die verkaufte Menge an Bier und muss mit dem Geldbestand in der Börse des Kellners in Übereinstimmung sein.

Durchaus möglich, dass diese Werthmarken dafür verwendet wurden.

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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von unterbrecher.de » Mo 15.10.18 15:34

Erstaunlich auch, dass ein Hauptzweck dieser Biermarken war, rechtzeitig zu erkennen dass das Fass zur Neige geht. Dann konnte man schonmal das nächste Fass holen so dass es keine Verzögerungen beim Ausschank gab.

Das klappt ja heute leider nicht mehr überall so reibungslos. Vielleicht sollte man diese Marken wieder beleben.

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Re: 3 alte Wert(h)marken... Woher ?

Beitrag von diwidat » Mo 15.10.18 19:18

Hallo unterbrecher (in meinem Auto ist auch so ein Ding, Dein Patent?),
ein älterer Kellner erzählte mir auch seine Story: Früher (vor Einführung der Elektronik) hatten größere Glasbiergeschäfte mit (Bier-)Garten auch viele nichtangestellte Bedienungen im Lokal.
Da die Abrechnung mit diesen Mitarbeitern schwierig war, verfiel ein Gastwirt auf die Idee die Abrechnung mit den (freelanzer-) Bedienungen mittels Bons aus Papier oder Marken (Biermarken) aus
Metall zu vollziehen. Viele dieser Biermarken sind zur Vermeidung von Betrug personalisiert.
Zur Funktion:
Der Kellner erwarb beim Wirt oder beim Schanker (Schänker) oder Zapfer die Marken gegen Geld oder Kredit.
Bei jedem Getränk (keine Speisen!) hinterlegte die Bedienung die entsprechende Marke in eine Kellnerkasse und kassierte dann den Getränkekartenpreis beim Gast. Die Preisdifferenz zwischen Karte und Marke war dann das Einkommen der Bedienung.
Später gab es das Bedienungsgeld separat - und heute gibt es nur noch Trinkgeld als Extra.
Der Füllungsgrad der Bierfässer oblag der Verantwortung des Zapfers und nicht der Bedienung.
Kellnerkasse-2.jpg
Kellnerkasse für zwei Bedienungen
Kellnerkasse-1A.jpg
Einsatz einer Kellnerkasse im Lokal

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