Hallöchen,
ich hatte mal an einer Potin komische Ritzspuren bei näherem Betrachten festgestellt und frage mich, wie sie wohl zustandekommen... Was haltet Ihr davon?
Sequaner Potin, Artefakten
Moderator: Numis-Student
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Altamura2
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Re: Sequaner Potin, Artefakten
Tja, da hat wohl jemand oder etwas geritzt oder gekerbt
Da könnte man jetzt fröhlich vor sich hin spekulieren, ich glaube aber nicht, dass man die Ursache mit Sicherheit wird feststellen können
Was siehst Du denn darin?
(Oder ist da etwas in der Dunkelheit, das ich übersehen habe
Gruß
Altamura
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OckhamsR
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Re: Sequaner Potin, Artefakten
Stimmt, das erste Bild ist hier etwas zu dunkel, aber die Kerben sieht man. Ich wüsste nur gern ob es Nachbearbeitung vom Münzmeister sein könnte, oder Reinigungsversuche vom einstweiligen Besitzer oder weiss der Geier was. Ich selbst sehe keine plausible Erklärung dafür.
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Altamura2
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Re: Sequaner Potin, Artefakten
Warum sollte der Münzmeister (bei den Kelten wird das in der Regel der Dorfschmied gewesen sein
Auf antiken Griechen gibt es das manchmal, dass man eingeritzte Buchstaben erkennen kann, die wohl meist den Besitz markierten. So etwas seh' ich hier aber nicht
Ich tippe auf letzteres, also den Geier
Gruß
Altamura
Re: Sequaner Potin, Artefakten
Moin. Bin kein Numismatiker, auch kein Techniker. Kenn mich aber ganz gut aus mit Schrabbel- und Kratzspuren auf antiken Münzen. Schaue mir seit einiger Zeit speziell Potins an und interessiere mich für Kratzspuren und Schraffuren, die vor oder während des Designs angelegt wurden. Das hier allerdings ist meiner Einschätzung nach pure Physik. Die Entstehung dieser Strukturen kann man höchstwahrscheinlich auf mindestzens zwei zusammenhängende metallurgische Phänomene zurückführen:
1. Schrumpfungsrisse & Warmrisse
Wenn flüssiges Metall in der Gussform vom flüssigen in den festen Zustand übergeht, verliert es an Volumen.
• Das Problem an den Kanten: Schau dir auf dem Foto genau die Ränder der erhabenen Reliefs (z. B. der Körper des Tieres) an. Dort sieht man kleine, fast parallel angeordnete „Risse“, die wie kleine Strahlen von der Kante weggehen.
• Die Ursache: Das dünnere Metall des Hintergrunds kühlt schneller ab und wird fest, während das dickere Metall des Reliefs noch heißer ist und sich beim Abkühlen stärker zusammenzieht. Durch diese extremen Spannungen im noch glühenden Metall reißt die Oberfläche an den Übergängen förmlich auf. Das sieht aus wie klassische Warmrisse bzw. Schrumpfungsrisse.
2. Dendritische Erstarrung (Die feinen „Kratzer“)
Die gesamte Oberfläche wirkt auf den ersten Blick, als wäre sie mit einer feinen Nadel zerkratzt oder geätzt worden. Das ist die Kristallstruktur des Metalls:
• Potin ist eine Legierung mit oft sehr hohem Zinnanteil und etwas Blei. Wenn diese Legierung abkühlt, erstarren die unterschiedlichen Metallphasen nicht gleichzeitig.
• Es bilden sich winzige, baumartige Kristalle im Metall, Dendriten...
• Über die letzten 2000 Jahre im Boden greift die Korrosion diese Struktur an: Die unedleren Phasen zwischen den Kristallen korrodieren schneller als die Kristalle selbst. Dadurch wird dieses mikroskopische Abkühlskelett plötzlich an der Oberfläche sichtbar und sieht aus wie feine Ritzspuren oder Rillen.
Zusammengefasst:
• Ich sehe hier kurze, unregelmäßige, strahlenförmig an Reliefkanten auftretende Risse und eine flächendeckende, kristalline/frostartige Textur, die aus dem Inneren des Metalls zu kommen scheint. Meiner Meinung nach ausgelöst durch thermischen Spannungen und die Kristallisation beim keltischen Gußverfahren.. Kein manuelles Graffiti aber auch keine brutalen Reinigungsspuren...

1. Schrumpfungsrisse & Warmrisse
Wenn flüssiges Metall in der Gussform vom flüssigen in den festen Zustand übergeht, verliert es an Volumen.
• Das Problem an den Kanten: Schau dir auf dem Foto genau die Ränder der erhabenen Reliefs (z. B. der Körper des Tieres) an. Dort sieht man kleine, fast parallel angeordnete „Risse“, die wie kleine Strahlen von der Kante weggehen.
• Die Ursache: Das dünnere Metall des Hintergrunds kühlt schneller ab und wird fest, während das dickere Metall des Reliefs noch heißer ist und sich beim Abkühlen stärker zusammenzieht. Durch diese extremen Spannungen im noch glühenden Metall reißt die Oberfläche an den Übergängen förmlich auf. Das sieht aus wie klassische Warmrisse bzw. Schrumpfungsrisse.
2. Dendritische Erstarrung (Die feinen „Kratzer“)
Die gesamte Oberfläche wirkt auf den ersten Blick, als wäre sie mit einer feinen Nadel zerkratzt oder geätzt worden. Das ist die Kristallstruktur des Metalls:
• Potin ist eine Legierung mit oft sehr hohem Zinnanteil und etwas Blei. Wenn diese Legierung abkühlt, erstarren die unterschiedlichen Metallphasen nicht gleichzeitig.
• Es bilden sich winzige, baumartige Kristalle im Metall, Dendriten...
• Über die letzten 2000 Jahre im Boden greift die Korrosion diese Struktur an: Die unedleren Phasen zwischen den Kristallen korrodieren schneller als die Kristalle selbst. Dadurch wird dieses mikroskopische Abkühlskelett plötzlich an der Oberfläche sichtbar und sieht aus wie feine Ritzspuren oder Rillen.
Zusammengefasst:
• Ich sehe hier kurze, unregelmäßige, strahlenförmig an Reliefkanten auftretende Risse und eine flächendeckende, kristalline/frostartige Textur, die aus dem Inneren des Metalls zu kommen scheint. Meiner Meinung nach ausgelöst durch thermischen Spannungen und die Kristallisation beim keltischen Gußverfahren.. Kein manuelles Graffiti aber auch keine brutalen Reinigungsspuren...
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