Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

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Comthur
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Comthur » Di 18.06.24 11:58

O ja, mit den Hintergrundinformationen - welche ich ebenfalls für sehr wichtig halte - kommt echtes Leben in die Materie und die Argumentation zum Schlag wird ggf. nachvollziehbarer.
Du wirst weiter berichten - ich bin gespannt und freue mich schon drauf.

Bis dann
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Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Mi 19.06.24 12:53

König Konrad unternahm noch den Versuch, das drohende Kriegsgeschehen abzuwenden und lud die Protagonisten Albrecht und Heinrich den Stolzen auf das freie Reichsstift Quedlinburg ein. Sie kamen auch, wenn jedoch der Welfe geahnt oder gewusst hätte, dass er nach wenigen Tagen unter mysteriösen Umständen in Quedlinburg zu Tode kommen würde (er wurde in Königslutter zu Grabe getragen), wäre er bestimmt nicht angereist. Die angeblichen Friedensbemühungen Konrads bekommen nun unter diesem Aspekt, einen faden Beigeschmack. Das nun tatsächlich nicht mehr abwendbare Kriegsgeschehen gestaltete sich für die Welfen etwas kompliziert, möchte ich mal sagen. Die Herzogwürde ging natürlich von Heinrich den Stolzen auf seinen Sohn Heinrich den Löwen über. Dieser war aber 1139, als sich dieses alles abspielte, gerade mal 10 Jahre alt und konnte das Heer der Welfen nicht selbst führen. So drang Albrecht der Bär tief in die Welfischen Lande ein, eroberte Braunschweig und Lüneburg, ehe er gestoppt werden konnte. Die Welfen hatten inzwischen einen adäquaten Heerführer gefunden, es war kein geringerer als der Pfalzgraf Friedrich II, der Sommerschenburger. Er, als exzellenter Kenner des gesamten Kriegsterritoriums, stoppte die Askanier, befreite die beiden Städte und führt seinerseits das welfische Heer weit in das Gebiet der Askanier hinein. Er zerstöre deren Stammburg, und unter anderem die beiden Städte Aschersleben und Ballenstedt. Damit war die Möglichkeit, dass die drei von Menadier in die Diskussion gebrachten Dünnpfennige mit dem Aschersleber Motiv an diese Münzstätte zu legen, wieder hinfällig. Übrig blieben nun nur noch wenige Möglichkeiten der Münzprägung in und um Halberstadt. Natürlich muss man in diesem Kontext die Münzstätte Osterwieck mit in das Kalkül ziehen. Osterwieck hatte noch vor Halberstadt über das Recht Münzen zu prägen verfügt, es war mit dem Jahr 974, das älteste noch durch Otto II verliehene. Doch die Halberstädter Bischöfe haben so um das Jahr 1000 herum alle möglichen Ämter direkt nach Halberstadt verlegt und die am weitesten zurückliegende urkundlichen Erwähnungen Osterwiecks in numismatischer Richtung, datieren aus dem 13./14. Jahrhundert. Osterwieck scheidet als auch aus. Nun bleibt nur noch eins, die kuriose Geschichte der Münzstätte Wegeleben, über dich in der nächsten Antwort berichten werde. Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 25.06.24 14:42

Forumbild 9.jpg
Hallo, vom Kurzurlaub zurück. (war mal notwendig) Mir ist noch rechtzeitig eingefallen, dass ich über Wegeleben hier im Forum vor Jahren schon mal einen längeren Dialog mit unserem gemeinsamen Freund Salier geführt habe, sodass eine Wiederholung keinen Sinn machen würde. Wegeleben hat es als Münzstätte im 12. Jahrhundert nicht gegeben, auch gibt es keine Informationen darüber, dass Albrecht der Bär jemals dort gewesen ist. Wegeleben (Siehe mein Bild), scheidet also auch aus. Nachdem ich dann eine ganze Weile nicht so recht weiterkam, brachte ein Zufall mich wieder auf die richtige Spur. Im Jahre 2016 versuchten zwei ehrenamtliche Sondengänger des Landesamtes für Bodendenkmalpflege in Halle, in der Gemarkung Groß Germersleben (ein kleiner Ort in der Nähe der Stadt Oschersleben in Sachsen-Anhalt) eine Wüstung zu untersuchen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich aber eine Schulklasse auf dem Gelände und so wichen sie auf eine kleine abgeerntete Ackerfläche aus. Schon nach kurzer Zeit wurden sie fündig und bargen ein knappes Dutzend Münzen, teilweise aus ca. 40 cm tiefe von stark verklebter Ackerkrume, diese Münzen brachten sie zu einem kleinen Stützpunkt für Bodenfunde des Landesamtes. Der sehr erfahrene Numismatiker unseres Münzvereins, in diesem Stützpunkt, reinigte sie professionell und vorsichtig und stellte sehr schnell fest, dass es sich im Halberstädter Gepräge handelte. So kam ich mit in das Boot. Es entwickelte sich ein hochinteressantes Fundgeschehen und immer wieder wurden neue Münzen gefunden. Es stellte sich heraus, dass wir es offensichtölich mit einem Streufund zu tun hatten und die Fundmasse wohl schon über eine längere Zeit auf dem Feld hin und her gepflügt wurde. Es dauerte vom Monat Juli 2016 bis in den November hinein. Den Abschludd bildete eine „Geomagnetische Prospektion“, indem die Ackerkrume über 40 cm tief abgehoben und sorgfältig durchgesiebt und gesondelt (Metalldetektor) wurde. Insgesamt wurden 117 Dünnpfennige und 88 Brakteaten gefunden, teilweise in einem katastrophalen Zustand (Pflug). Viele Münze die ich schon kannte, aber auch eine Hand voll Unikate. Bei der Bestimmung musste ich seltsame Wege gehen und wäre ohne Einbindung geschichtlicher Ereignisse nicht weitergekommen. Noch ein Hinweis, der Fund ist noch nicht veröffentlicht, ich weiß aber, dass das Landesamt daran arbeitet. Obwohl ich über die Bilder des gesamten Fundes verfüge, kann ich sie leider nicht einstellen, da ich keine Urheberrechte besitze. Zur interessanten Einzelbeschreibung komme ich in meiner nächsten Antwort. Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Fr 28.06.24 21:43

Zum Fundanteil der Brakteaten. Sie wurden den Münzstätten – Halberstadt (Münzen der beiden Bischöfe Ulrich (1. Regierungszeit 1150 – 1160) und Gero von Schochwitz (1160 – 1177) sowie – Magdeburg – Quedlinburg – Anhalt (Aschersleben?) und der Benediktinerabtei Königslutter, sowie vermutliche Brakteaten in der Abtei Helmstedt endstanden, zugewiesen.
Die Brakteaten unterscheiden sich mit 88 Exemplaren in 17 Typen, davon Bistum Halberstadt: Bischof Ulrich: 14 Exemplare in 3 Typen und Bischof Gero: 19 Exemplare in 4 Typen
Erzbistum Magdeburg: Erzbischof Wichmann von Seeburg: 45 Exemplare in 3 Typen, davon ein Unikat. Freies Stift Quedlinburg: 1 Typ in 2 Exemplaren. Anhalt: 3 Typen in 3 Exemplaren
Königslutter: 1 Exemplar. Unbestimmt - Vermutlich Abtei Helmstedt: 1 Typ in 3 Exemplaren
Unbekannte Münzstätte: 2 Typen in 2 Exemplaren.
Zu den Brakteaten Bischofs Ulrich (Udalricus, vermutlich aus seiner ersten Periode 1150 – 1160), seien ein paar Worte zu seiner, immer noch unbekannten Herkunft gestattet. Sehr verbreitet findet man in der Literatur, Schriftsätzen, Katalogen und sonstigen Angeboten von Münzen dieses Bischofs den Zusatz, „von Reinstein „. Im Klartext bedeutet dieses, dass es sich bei diesem Bischof um einen Edlen aus dem Geschlecht derer von Reinstein respektive Regenstein oder auch Blankenburg handeln müsste. Es war ein Grafengeschlecht. Bernd Kluge schreibt dazu: Ulrich wird in der numismatischen Literatur zumeist als von Regenstein (Reinstein) bezeichnet, was auf Grotes Stammtafeln 1877 zurückgeht, wo Ulrich als (Graf von Regenstein?) aufgeführt ist, Grote 1877, S. 512. Grote seinerseits hat die Angabe aus Mooyer 1854, S. 45 übernommen und seither wird sie meist kritiklos abgeschrieben, wobei die bei Mooyer und Grote durch Klammer und Fragezeichen ausgedrückten Zweifel an dieser Herkunftsbezeichnung nicht mehr zur Kenntnis genommen werden, vgl. dazu allgemein Hansen 1984. In der Tat, bringt E. Hansen in seiner Arbeit aus dem Jahre 1984 zumindest die Gewissheit, dass Ulrich kein Graf von Reinstein oder Regenstein gewesen sein kann. Er untersuchte im Rahmen der Genealogie der Reinstein - Regensteiner Grafen bzw. auch der Blankenburger Linie die Geburtenfolge dieses Geschlechts und kam zu dem verblüffendem Ergebnis, das es im gesamten Verlauf der zweiten Hälfte 11. und des gesamten 12. Jahrhunderts keinen einzigen Nachkommen gab, der den Namen Ulrich trug. Noch eine zweite Spur tut sich auf, im handschriftlichen Manuskript von O. Tornau versucht auch er sich einer Antwort dieser Frage zu nähern. Zuerst beschreibt er ihn ebenfalls als „von Reinstein“, streicht diese Bezeichnung aber und fügt „Herr von Gatersleben“ hinzu? In „Das Bistum Halberstadt im 12. Jahrhundert „(Dr. Bogumil) lesen wir, „Es werden aber mehrfach die Edlen von Gatersleben (S. 241) und Gatersleben als Sitz Bischöflicher Synoden (S. 245) erwähnt.“ Hieraus könnte man schließen, Bischof Ulrich sei ein Gatersleber Edler gewesen.“ (?) Zu Gatersleben wiederum existiert die Arbeit von Dr. Ernst Neubauer , „Die Herren von Gatersleben„ In dieser wird zwar ein Dienstmann Ulrich genannt, allerdings für das Jahr 1150? Bischof Ulrich hat aber zu dieser Zeit schon wichtige kirchliche Ämter in Halberstadt selbst angetreten und kann somit nicht identisch sein mit diesem. Für eine Zuweisung des Bischofs Ulrich an Gatersleben, fehlt also ebenso der Beweis!
Vermutlich stammen die, dem Bischof Ulrich zuzuweisenden Münzen, aus seiner ersten Regierungszeit? Was rechtfertigt eine solche Annahme? Aller Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass die nur in drei Typen vorhandenen Brakteaten des Bischofs Ulrich in seinem letzten oder in den beiden letzten Regierungsjahren seiner 1. Periode entstanden sind, da es sich um unediert Stücke handelt, sein sonstiger Brakeatenbestand ist bekannt. Das müsste dann 1158 und 1159 sein. Die gesichert letzten Münzen des Fundes sind die Brakteaten des Markgrafen Albrecht der Bär (1123 – 1170). Sie bestimmen auch im Wesentlichen den Zeitrahmen der Entstehung der Fundmasse, der im Rahmen der Jahre 1153 bis 1192 liegen sollte? Die zwei Quedlinburger Münzen sind wohl zwischen 1158 und 1184 unter Adelheid der III. entstanden und passen haargenau in die Fundzeit? Die Magdeburger Fundstücke unter Erzbischof Wichmann von Seeburg (1152 – 1192), bilden die Hauptmasse der Brakteaten im Fund und sind wohl auf keinem Fall zum Anfang oder Ende seiner Regierungszeit entstanden? Da alle Münzen in etwa das gleiche Zeitfenster einzuordnen sind, könne das Ende der Entstehung der Münzen auf ca.1170 festzulegen sein, das bringen, wie bereits erwähnt, die im Fund vorhandenen Stücke, die dem Markgrafen Albrecht der Bär (1100 -1170) zugewiesen werden? Nach seinem Tod, führte sein Sohn als Otto I. den Titel Markgraf von Brandenburg. In Anhalt Mitregent Bernhard. Motiv und Machart der Münze sind durchaus auch auf Albrecht den Bären anwendbar. Das Gewicht allein ist nicht eindeutig schlüssig für eine sichere Bestimmung an Otto I. Außerdem ist davon auszugehen, dass mehr Münzen von Otto im Fund vorhanden sein müssten, wenn, um auf den Anfang dieser Bemerkung zurückzukehren. Gruß Bertolt

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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 02.07.24 12:31

Hallo, ein wenig verunsichert, keiner Antwortet mehr? Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Lackland » Di 02.07.24 12:56

Bertolt hat geschrieben:
Di 02.07.24 12:31
Hallo, ein wenig verunsichert, keiner Antwortet mehr? Gruß Bertolt
Hallo Bertolt,

lass Dich nicht verunsichern! Ich lese voller Interesse und mit Demut mit! Dein Wissen und Deine Forschungen - dazu die ebenso fundierten Beiträge von Andechser, QVINTVS und Comthur - suchen ihresgleichen!
Ich kann hier nur lernen - aber gegenwärtig leider nichts substantielles beitragen.

Viele Grüße
Lackland
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Andechser » Di 02.07.24 17:02

Hallo Bertolt,
da musst du dir keine Gedanken machen. Ich hätte mich schon gemeldet, wenn mir etwas aufgefallen wäre oder ich gemeint hätte, noch etwas beitragen zu können.
Du musst bloß bei deinen Ausführungen aufpassen, dass die Argumentationslinien klar und nachvollziehbar sind und es sollte auch klar werden, an welcher Stelle du dann auf welcher Quellen- oder Literaturbasis zu deinem Urteil kommst. Aber das muss nicht hier im Forum erfolgen, sondern dann, wenn du deine Arbeit zu Papier bringst.

Beste Grüße
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von QVINTVS » Di 02.07.24 19:47

Lieber Bertolt,

nachdem ich gerade etwas ruhiger bin, will ich dich doch moralisch unterstützen. Dein Thema ist sehr speziell und dort im Detail mitzureden äußerst schwierig. Wer sich nicht auch so eingearbeitet hat wie du, kann nur methodische Empfehlungen geben und am Rande Ideen und mögliche neue Denkansätze einbringen. Lass dich also nicht beirren und mach frohgemut weiter. Historischen Zuordnungen gegenüber kritisch zu sein ist wichtig und der Sache nur dienlich. Allerdings bedeutet das auch, sich über bestimmte Sachverhalte nochmals Gedanken zu machen und der Zeitaufwand wird größer. Es lohnt sich für einen selbst und auch für die Numismatik. Ich drück dir die Daumen.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 02.07.24 21:40

Schön, lieber Lackland, Andechser und QVINTVS, dass beruhigt mich sehr. Der interessanteste Teil des Fundes waren die 117 Dünnpfennige. Zwei drittel dieser Menge wurde sicher an den Halberstädter Bischof Gero von Schochwitz gelegt. Auch zu diesem Namen muss etwas richtiggestellt werden. Sehr oft wird er Gero (lat. Gerome) von Schermbke genannt. Schermbke, ein kleiner Ort in Sachsen-Anhalt, in der Nähe der Stadt Wanzleben. Bischof Gerome hatte von 1160 bis 1177 das Bischofsamt in Halberstadt inne. Das Geschlecht derer von Schermbke, ist aber erst nach 1180 entstanden? Er kann also kein Edler von Schermbke gewesen sein. Vielmehr ist es Wahrscheinlich, dass er aus dem Geschlecht derer von Schochwitz stammt, Schochwitz wiederum ist eine Ortschaft im Landkreis Halle. Zum Sachverhalt haben Fritsch 1913, S. 84 und Meier 1967, S. 89, 327 f., 329 deutlich herausgestellt, dass Gero zur Familie der Edelherren von Schochwitz gehört. Das Geschlecht ist nach Meier 1967 zuletzt 1185 erwähnt und nicht mit den seit 1184 auftretenden Edelherren von Schermcke identisch, ... 31 Exemplare dieser Fundmasse zeigen auf dem Avers ein Münzbild, dass dem der Halberstädter Sixtusdünnpfennige im Bild gleicht. Ein frontal sitzender Heiliger mit einer Umschrift, die eine jahrhundertlange Ungewissheit auf die richtige Spur brachte. Die Entschlüsselung der Umschrift aller Stücke. Auf den Stücken dieses Typs, wurde in der aus mehreren Münzen zusammen gesetzten Aversumschrift: „ SCS  FIETVS  MARTIRES  XSTEI“ gelesen. Dieses ist ein direkter Hinweis auf den Heiligen VITVS (FIETVS=Veit), des Benediktinerklosters Corvay in der Nähe der Stadt Höxter in Westfalen. Natürlich ergab sich nun die Frage. Was machen Münzen, die auf das ferne Corvay hinweisen, in einem Fund zusammen mit Halberstädter Dünnpfennigen? Ich habe dann in meinem Bestreben, diese Frage zu klären, mehrmals, noch zu Lebzeiten von Dr. Ilisch mit ihm über diesen Dünnpfennigtyp gesprochen (Hatte ich ihm mit Genehmigung in Bildform übersandt). Er als Experte für die Münzen Corways kannte diesen Typ nicht und war auch der Meinung, dass diese Münze in Corvay selbst nicht umgelaufen ist (unterschiedlicher Münzfuß). Die Lösung brachte ein Aufsatz, den der von mir hier schon mehrfach erwähnte Numismatiker, Julius Menadier verfasst hat. Er hatte ja schon mal versucht, die Münzstätte Kroppenstedt in die Diskussion zu bringen, aber die von ihm (Archiv für Bracteatenkunde) angeführten Münzen, deuteten eher auf Aschersleben als auf Kroppenstedt hin, da ja die Stirnseite der Aschersleber Kirche auf einem Stück dargestellt war. Inzwischen hatte ich aber hier schon dargelegt, dass die Welfen zwischen 1139 bis 1142 die Orte Aschersleben, Ballenstedt und auch die Stammburg der Askanier zerstört hatten und nunmehr Kroppenstedt erneut in die Diskussion gerät. Nach Menadier bekamen die Äbte von Corvay im 12. Jahrhundert durch Schenkungen Besitzungen im Herzogtum Sachsen. Danach gehörte ihnen ein kleines Schloss in Gröningen und ein Kloster mit einer aktiven Münzstätte in Kroppenstedt. Sie prägten dort Münzen für den eigenen Markt. Nach B. Kluge, macht eine Münzstätte ohne einen Markt keinen rechten Sinn. So wurde mir bekannt, dass die Äbte von Corvey (Julius Menadier, Zeitschrift für Numismatik, Redigiert von Alfred von Sallet, Berlin 1885, „Croppenstedt, eine Münzstätte der Äbte von Corvei“, schon frühzeitig, wegen der großen Entfernung zwischen dem Kloster Corvey und Kroppenstedt eine Art Verzicht auf ihre Besitzungen angestrebt haben und aus diesem Grunde die weltliche Verwaltung dem Kroppenstedt benachbarten Halberstadt und deren Bischöfen übertragen haben? Natürlich zu den Bedingungen der Unverpfändbarkeit; Unverlehnbarkeit und Unveräußerlichkeit? Diese 31 Dünnpfennige sind absolute Unikate und die einzigen bekannten Dünnpfennige die sicher an Kroppenstedt zu legen sind. Gruß Bertolt.
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Comthur » Mi 03.07.24 10:29

Hallo Bertolt,

ein paar Zeilen habe ich Dir schon per PN zukommen lassen. Ich muß mir erst einen freien Kopf "schaffen" und dann nehme ich mir bei nötiger Ruhe die Zeit für Deine vielen Details. :-)
Ich finde es schön auf einen echten Numismatiker getroffen zu sein, leider etliche Jahre zu spät, welcher nicht nur anhand der Münzen argumentiert sondern auch das historische Umfeld mit zu erfassen versucht. Jedes kleine Detail kann die ganze bisherige Theorie über den Haufen werfen. Aber, man muß eben nur mal drüber reden / schreiben ...

Deine Ehrlichkeit mit den Fragezeichen im Text finde ich super ! So kann jeder Deine Aussagen nachvollziehen, hat die Inspiration punktuell selbst nachzurecherchieren und schlußendlich Deiner Argumentation zu folgen oder auch eigenständig zu vertiefen.
Wie Du ja bemerkt hast - viele vor Dir schieben Fragezeichen einfach beiseite und setzen dafür den (unbelegten!) Fakt, spielen sich als einäugige Könige unter den (in der Sache) Blinden auf ... und die Blinden jubeln (...). Am Ende gehen die Aussagen von Kritikern als "Meinungen" unter und der vermeintliche "Fakt" stellt gleichzeitig eine Sackgasse dar.

Bis dann,

Daniel
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Do 04.07.24 21:02

Forumbild 10.jpg
Ihr habt ja schon erkannt, dass ich immer versuche die geschichtlichen Ereignisse in meine Numismatische Arbeit einzubinden. Wenn dann in einem solchen Fall, die Geschichte auf mich so zurückkommt, wie ich es im Kopf hatte, dann löst das in einem, natürlichen Freude aus. So geschehen vor kurzem. Bei der Bestimmung des Fundes und speziell der Vitus-Dünnpfennige lag der Focus auf der Aversseite, die einmal zur Bestimmung selbst und zur Münzstätte führte, wo sie geschlagen wurden. Die Rückseite, ein dünnes Krukenkreuz, eingebettet in einen Vierpass und von einer Reihe von Kugeln und Ringel umgeben, war schon bekannt und solche Rückseiten weisen auch die Halberstädter Dünnpfennige auf, gewertet als Indiz dafür, dass eben auch der Halberstädter Anteil der Dünnpfennige in Kroppenstedt entstanden ist. Denn, Fabrik und Machart beider Typen gleichen sich nach augenscheinlicher Betrachtung. Es fehlte aber noch so etwas ähnliches wie ein Beweis. Den lieferte eine unbestimmte Münze, die seit dem Jahre 1875 in der Institutssammlung der Universität in Wien ihr Dasein fristete. Das Institut für Numismatik und Geldgeschichte versucht ja regelmäßig, in ihrem Mitteilungsblatt, durch Vorstellung unbestimmter Münzen diese zu einer Bestimmung zu führen. Zu einer solchen Münze wandte sich ein Mitarbeiter an das Berliner Kabinett und Herr Stoess konnte sich erinnern, dass ich im jetzt besprochenen Fund ein ähnliches Exemplar hatte. In der Tat, als ich das Münzbild sah, war es ein solcher Vitus-Dünnpfennige, wie ich ihn hier gerade vorgestellt hatte. Die Aversseite war Text- und Bildgleich, nur die Reversseite war völlig anders. Aber sie kannte ich auch, ein Typ im Fund, vier Exemplare hatte die gleiche oder zumindest sehr ähnliche Rückseite (Bild). Das ist nun für ein starkes Zeichen dafür, das tatsächlich wohl der gleiche Stempelschneider-Eisengraber hier am Werk war. Hätte nun Julius Menadier, von 1898 bis 1921 Direktor des königlichen Münzkabinetts in Berlin, und somit direkter Nachfolger von Alfred von Sallet (1842 -1197), von der Existenz dieser Münze gewusst, dann hätte sein Beitrag zur Halberstädter Münzgeschichte mit Sicherheit einen anderen Verlauf genommen. Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Sa 06.07.24 13:01

Gevatter von Sallet war natürlich bis 1897 Direktor. Der Versuch, die Dünnpfennige, die ich sicher an Halberstadt gelegt hatte, im Einzelnen zu bestimmen, begann gleich wieder mit einem Unikat, obwohl ich mit der Definition, einzige, nur einmal vorhandene Ausfertigung, meine Probleme damit habe, ob es die richtige Bezeichnung ist. Ein Dünnpfennig-Typ, in vier Exemplaren im Fund vorhanden. Unter einem Bogen ein frontales Kopfbildnis mit Krone, von jeweils einem Kugelkreuzstab flankiert. Zwischen den Stäben und dem Kopf auf jeder Seite zwei Ringel. Über dem Bogen ein geschwungenes Zierelement mit je einem Ringel außen und vier Kugeln um einen lilienartigen Mittelteil gruppiert. Revers: Befusstes Kreuz mit Kugeln in den Kreuzwinkeln. Zwei doppelte Zierkreise, der innere mit Kugeln besetzt. Ein Kopf mit Krone, dass könnte ja wohl nur ein König oder gar Kaiser sein. Die von allen vier Stücken zusammengesetzte Umschrift ergab, SANTE  SITR  FERIDERICVS  REX“. Es deute sich nun schon an, es musste wohl der Kaiser Friedrich I. Barbarossa gemeint sein. Der Kaiser Friedrich I. bestimmte die Geschicke des Reiches über fast vier Jahrzehnte. 1152 wird der etwa 30-Jährige zum König gekrönt, dann 1155 zum Kaiser. Wieder ergab sich die Frage, was machen Münzen mit dem Bild des Kaisers in einem Fund mit Halberstädter Münzen. Das bei einem Kaiser anstatt des REX eigentlich IMP für Imperator erscheinen müsste, ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da auch bei Kaisermünzen von Kaisern die vor Friedrich I. regierten, auf den Münzen REX zu lesen war. Eine Eigentümlichkeit, die bis heute nicht geklärt ist. Zum Glück befanden sich 5 weitere Dünnpfennige im Fund, die unter einem Bogen das gleiche bekrönte Münzbild zeigten, aber über dem Bogen aber eine Darstellung des heiligen Stephanus mit erhobenen Händen. Somit war zumindest geklärt, dass es sich um Halberstädter Gepräge handelte. Die Erklärung über das Vorhandensein der Kaiserbilder auf Halberstädter Münzen, lieferte ein bis dato unbekannter Vertreter des Landadels aus Niesky im heutigem Freistaat Sachsen. Gottfried von Bülow (Inaugural-Dissertation, über Bischof Gero, welche mit Erlaubnis der hohen philosophischen Fakultät der Universität Greifswald zur Erlangung der philosophischen Doctorwürde am 13.April 1871 samt den hinzugefügten Thesen öffentlich vertheidigen wird, Gottfried von Bülow aus Niesky. Opponenten: Georg Schömann, Candidat der Philologie, joh. Luchs und Joh. Rudolph, ordentliche Mitglieder des Königlichen philosophischen Seminars. Berlin. Seite 12 – 13. Aus seiner Arbeit geht in Kurzform hervor, dass sich der Kaiser 1160 auf einem Feldzug in Italien befand. Dort ließ er überprüfen, ob alle seine Reichsfürsten die sogenannte Heeresfolge geleistet hatten. Dabei wurde festgestellt, dass der Bischof Ulrich von Halberstadt und der Erzbischof von Bremen nicht anwesend waren. Die Folge war deren Absetzung. In Halberstadt wurde mithilfe des Welfenherzogs Heinrich der Löwe, Gero auf den Halberstädter Bischofsstuhl gewählt. Gero begab sich unmittelbar danach nach Italien und war nachweislich die ersten beiden Jahre seines Pontifikats nicht in Halberstadt. Die Würde des Palliums empfing er von Papst Victor im Jahre 1161 in Italien. In diese „frühe“ Zeit ist wohl auch die Zusicherung des Münzrechts durch den Kaiser für seine Diözese zu setzen. Ursache für diese Entscheidung des Kaisers ist wohl darin zu suchen, dass Bischof Gero mit denselben Rechten ausgestattet werden musste, über die der abgesetzte Bischof Ulrich verfügte. Dann, nach seiner Rückkehr aus Italien, ist davon auszugehen, dass Gero den Kaiser aus Dankbarkeit auf seinen Münzen verewig hat. Es ist aber auch möglich, dass der Kaiser persönlich in Halberstadt war, so wie 1134 Kaiser Lothar II von Sublingenburg und aus diesem Anlass diese Münzen entstanden sind. Gruß Bertolt
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Re: Stempelkritische Untersuchung mittelalterlicher Münzen 12. Jahrhundert

Beitrag von Bertolt » Di 09.07.24 20:00

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Der nächste interessante Dünnpfennig im Fund, ist in dreizehn Exemplaren, die sich in drei Typen unterscheiden. Er gehört aber zu einer Gruppe, die sich auch im Fund von Freckleben und schon von Johann Georg Leuckfeld in seinem Werk von 1721 über die Halberstädter Münzen erwähnt wurde, es ihm aber nicht gelungen, den Kopf unter dem Bogen zu identifizieren. Schon die Erwähnung des Werkes von Leuckfeld über die Halberstädter-Quedlinburger und Magdeburger Münzen ist sehr interessant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte. Im Jahre 1713 wurde bei Gröningen in der Nähe von Halberstadt beim Pflügen ein Behältnis mit über 1000 Münzen durch einen Bauern geborgen. Da man damals noch alles, was man fand, behalten konnte, veräußerte der Finder einige besonders gute Stück bei verschiedenen Goldschmieden in der Umgebung. Ein Glück, dadurch bekam der Kustos der damaligen Herzoglichen Münzsammlung der Welfen in Braunschweig, Paul Jonas Meier Kenntnis und hat sich unverzüglich nach Gröningen begeben. Er stellte fest, dass es sich überwiegend um Halberstädter Dünnpfennige bei der Fundmasse handelt, und es gelang ihm, noch weit über 1000 Stücke aufzukaufen und in das Welfische Kabinett zu bringen. Der Fund ging mit der Bezeichnung „Der Münzfund von 1713 bei Halberstadt“ in die Geschichte ein. Paul Jonas Meier hat die Münzen aus diesem Fund Johan Georg Leuckfeld für sein Werk zur Verfügung gestellt und damit sichergestellt, dass wir heute noch Kenntnis von diesem Fund haben. Wesentliche Teile dieses Fundes befinden sich neben Braunschweig auch in der Sammlung der Deutschen Bank in Hannover. Nun zu den dreizehn Münzen. Avers: Über einen Bogen, zwischen zwei Türmen mit einem Kugelkreuz als Abschluss, der Kopf des heiligen Stephanus mit Nimbus, Kugelkreuzstab in der rechten Hand. Der Stab in der linken Hand ist nicht korrekt zu erkennen. Unter einem Bogen, ein nach links blickendem Kopf. Die wiederum aus mehreren Exemplaren zusammengesetzte Umschrift ergab:  SANTE  BOVRARDT  EPIS COPV●DENARI zu lesen. Einen Bischof dieses Namens gibt es aber weder in dieser Zeit noch in unmittelbarer oder weiterer Umgebung der Münzstätte Croppenstedt. Blieben noch die beiden Halberstädter Bischöfe: Burchard I. 1006 – 1059 und Burchard II. 1059 – 1088, besser bekannt als Buko von Halberstadt. Beide haben in Halberstadt deutliche Spuren hinterlassen. Jedoch nur Bischof Burchard I. könnte man in diesem Fall in das Kalkül ziehen, das er gemeint sein kann, da er der einzige Halberstädter Bischof ist, der als heilig gilt. Wir verdanken diese Geschichte über Bischof Burchardt I. dem Mönch Valentin Arnrich, aus dem Halberstädter Andreas Kloster. „Halberstadt vom Bischofssitz zur Hansestadt“, „Burchard I. – der X. Halberstädter Bischof. Seite 74 – Die Inschriften des Grabsteins, stammen aus verschiedenen Zeiten. In allen Inschriften, die den Namen Burchards enthalten, steht ein „S“ vor dem Namen, also Sanctus = Heiliger. Das zu Beginn der Umschrift vorhandene „SANTE“ kann nur eine direkte Abwandlung von „SANCTVS“ sein, es muss sich also um einen Heiligen Bischof handeln? Bei Bischof Burchard I. befindet sich auf seinem Grabstein vor seinem Namen ein gesonderter Buchstabe „S“, welches für „SANCTVS“ also heilig stehen soll? Sein 100. Todestag fällt unmittelbar kurz vor dem Zeitraum der Prägung dieser Fundmünzen. Man muss also bei diesen Stücken von einer Art Denkprägung ausgehen, mit dem das Wirken Bischofs Burchardt I. für Halberstadt und seine Bewohner gewürdigt wird. Demnach ist Bischof Burchardt I. im Jahre 1059 verstorben und wurde zunächst im Halberstädter Dom beigesetzt. Ein Jahr später, 1060 wurden seine Gebeine vom Dom in die Kapelle des Burchardikloster umgebettet, da er diese zu Lebzeiten selbst gestiftet hatte. Die Jahre 1060 und 1160 der Entstehungszeit dieser Dünnpfennige, machen diese Stücke zu echten Gedenkmünzen zum 100. Todestag Bischof Burchardt I. von Halberstadt. Den Unterschied, zwischen einer Person, welche durch den Papst nach Vorlage bzw. Erfüllung der entsprechenden Bedingungen heiliggesprochen wird und jemanden, der durch sein Wirken und Handeln und der Tatsache, dass an seinem Grab Wunder geschehen sind regional von der Bevölkerung wie ein Heiliger Verehrt wird und demzufolge fortan als Heiliger gilt, bildete wohl in diesem Fall für Bischof Gero die Grundlage, ihn auf seinen Münzen zu verewigen. Es ist erkennbar, dass Gero Bischof Burchardt wegen seiner großen Beliebtheit in der Bevölkerung sehr verehrte und vermutlich sein eigenes bischöfliches Wirken mit dem Bischof Burchardts auf eine Stufe stellte. Gru Bertolt
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