"Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Deutsches Mittelalter
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B555andi
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"Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von B555andi » So 08.03.26 20:10

Hallo Zusammen,

der unten angehängte „Jagdhorn-Pfennig“ gibt mir mangels (aktuellerer) Literatur Rätsel auf.

Laut Beschreibung des Händlers handelt es sich um eine Gemeinschaftsprägung des württembergischen Grafes Ulrich der Vielgeliebte (1433 bis 1480; zunächst Graf von Württemberg und ab 1441 Graf von Württemberg-Stuttgart) und dem badischen Markgrafen Christoph I. (1475 bis 1515 und 1527).

Als Katalogzitate werden Ebner 5 und Klein/Raff 26 angeführt.

Den Ebner (aus 1910) konnte ich im Netz als pdf finden. Der Pfennig findet sich auch, allerdings zugewiesen Ulrich von Württemberg (1498 bis 1519 und 1534 bis 1550). Außerdem wird er nicht als Gemeinschaftsprägung genannt.

Im Wielandt (Badische Münz- und Geldgeschichte) wird zwar grundsätzlich eine Gemeinschaftsprägung mit Württemberg genannt (und entsprechende Münzen aufgeführt), die Ausprägung von Pfennigen ist jedoch nicht erwähnt.

Das Werk von Albert Raff und Ulrich Klein „Süddeutsche Münzkataloge / Die Württembergischen Münzen von 1374 – 1693 aus dem Jahr 1993 liegt mir leider nicht vor. Hat Jemand zufällig dieses Buch und kann das Zitat überprüfen? Gab es eventuell neuere Erkenntnisse, die diesen Pfennig als Gemeinschaftsprägung zwischen Ulrich und Christoph belegen?

Der Pfennig hat einen Durchmesser von knapp 14mm und ein Gewicht von 0,24 Gramm.

Vielen Dank für Eure Unterstützung!
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Viele Grüße
Andreas

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Zwerg
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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von Zwerg » So 08.03.26 20:52

Beschreibung des Händlers und Zitat sind korrekt.
Die Verfasser kannten damals 14 Exemplare von unterschiedlichen,kaum unterscheidbaren Stempeln.
Datiert wird auf 1478/80.
Eine Begründung der Zuweisung gibt es auch - aber das ist eine halbe Buchseite.

Grüße
Klaus
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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von B555andi » So 08.03.26 21:14

Vielen Dank für Deine Bestätigung Klaus! :)
Viele Grüße
Andreas

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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von B555andi » Mo 09.03.26 05:19

Kurze Zusatzfrage:

Schreiben Raff / Klein auch etwas über die mögliche Prägestätte?
Viele Grüße
Andreas

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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von QVINTVS » Mo 09.03.26 18:46

Wenn das eine württembergische und badische Gemeinschaftprägung sein soll, dann halte ich das für überprüfungsbedürftig. Das Jagdhorn ist ein württembergisches Wappen und steht für jemanden, der diesen Pfennig in Händen hält auch nur für Württemberg. Bei einer Gemeinschaftsprägung wäre wenigsten noch ein Verweis auf den badischen Teil zu erwarten.
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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von Lackland » Mo 09.03.26 19:06

Hier noch etwas interessantes zum Thema:
https://blog.landesmuseum-stuttgart.de/ ... tsgalerie/

PS: Ich gehe ebenfalls davon aus, dass das Jagdhorn ein rein württembergisches Symbol ist. Dazu ist es auch das Stadtwappen von (Bad) Urach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Urach
Und Urach ist ja bekanntermaßen von größter Bedeutung für Württemberg und deren Fürsten.

Viele Grüße

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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von Zwerg » Mo 09.03.26 22:31

Ich habe andi per PN die entsprechenden scans zukommen lassen.
Hier noch einmal die Anmerkungen für die Allgemeinheit.
Screenshot-2026-03-09-222844.jpg
Grüße
Klaus
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Re: "Jagdhornpfennig" / Gemeinschaftsprägung?

Beitrag von QVINTVS » Mo 09.03.26 23:28

Mit der Sichtweise von Klein/Raff habe ich meine Probleme. Als Argumente zählen Neuzuweisungen und weil die Pfennige von Württemberg und Baden in dieser Zeit mit dem gleichen Feingehalt in den Umlauf kamen. Es klingt ein wenig danach, wir haben grad keine anderen Pfennige und nehmen diese. Gemeinschaftsprägungen in dieser Zeit haben dies auch stets "gezeigt" und waren nicht stumm. Wenn der Münzvertrag erhalten ist und sich die Herrscher auf eine gemeinsame Münzprägung, unter dem Wappen von Württemberg, geeinigt hätten, sollte dies schriftlich vorliegen. Das schreiben die Autoren aber nicht. Ich würde es als Arbeitshypothese bezeichnen.
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